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Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 10-05-2007

Üblicherweise unterscheidet man in der Psychologie und nur dort zwischen drei Bereichen menschlichen Daseins. Schlüssel zur Seele können die Gedanken, Handlungen und Gefühle sein. Je nach Menschenbild und theoretischem Hintergrund wählt jede psychotherapeutische Schule einen anderen Weg zur Seele.

Mal will man über die Gefühle die Seele erreichen, mal durch die Gedanken und über Handlungen. Immer aber sind diese Kanäle Mittel zum Zweck. Nicht eigentlich die Seele ist der Schlüssel, sondern die Absicht, das Ziel, welches man mit der Psychotherapie verfolgt.

Psychoanalytiker, die sich auf Freud berufen, wählen den Weg der Gefühlsebene. Suggeriert werden emotionale Verdrängungen, verschüttete Gefühle. In meinem Falle, während meines Klinkaufenthaltes auf der ambulanten Station, der Tagesklinik, wurde auch versucht, meine Depression psychologisch über Psychoanalyse zu kurieren.

Sonderbarerweise wurde nur über innere Konflikte, die ich angeblich hätte, palavert. Niemals jedoch wurde ein Ziel vereinbart respektive fixiert, welches man mit der Therapie erreichen wollte. Was aber ist eine Therapie gleich welcher Art wert, wenn man nur um ihrer selbst willen herumtherapiert, ohne klares und konkretes Ziel vor Augen?

Meine Intention, mit welcher ich in die Tagesklinik gegangen bin um dort auch an einer Psychotherapie teilzunehmen war, Techniken zur Krisenbewältigung zu erlernen. Mir ging es darum, kleinere und mittlere Tiefs, die trotz Medikamenten gelegentlich auftreten, mittels psychologischer Mittel überbrücken zu können.

Negativ formuliert war mein Ziel, nicht bei kleineren Anlässen wieder in depressionstypische Schemata zurückzufallen, also etwa der Lustlosigkeit nachzugehen, aufzugeben, wenn ich mal nicht so gut drauf war. Man könnte dies auch Disziplin nennen, also die Fähigkeit, unabhängig von der eigenen Stimmung dennoch eine vielleicht auch prinzipiell ungeliebte Tätigkeit zu verrichten.

Aus Büchern hatte ich bereits viel Wissen entnommen. Jetzt bot sich mit der Tagesklinik die Möglichkeit, auch einmal direkt mit einem Psychologen zu sprechen, eben einer Psychotherapie nachzugehen.

Gefragt nach meinen Motiven, nannte ich hier ausgebreitete Motive ergänzt um die Anmerkung, was mich sehr bewegt in bezug auf menschliches Erleben und Verarbeiten. Zwei Menschen erleben ein und dieselbe Situation. Und beide reagieren völlig unterschiedlich darauf. Nach einer Geiselnahme ist Person A psychisch am Ende und findet nicht mehr richtig ins alte Leben zurück. Panik- und Angstattacken bleiben dauerhaft.

Person B wiederum scheint die Geiselhaft wie eine Art Erlebnisurlaub überstanden zu haben, die zwar strapaziös, nichtsdestotrotz aber mit gutem Ausgang überstanden worden sei. Genau dieser Befund, der schon häufiger geschildert worden ist im Bereich von Extremsituationen, fasziniert mich seit geraumer Zeit.

Psychoanalytisch kommt man dem Phänomen nicht bei. Weder liegen hier verdrängte Kindheitserinnerungen vor, noch kann man behaupten, Person B hätte das Elend ausgeblendet.

Allenfalls mittels kognitiver Erklärungsansätze kommt man weiter. Person A hat andere Wertungen der äußeren Geschehnisse vorgenommen als Person B. Im Kopf von Person A manifestierte sich Hoffnungslosigkeit, während Person B die Hoffnung nicht aufgab, in sein altes Leben zurückkehren zu können.

Sollte man Person B nicht gratulieren zu seiner psychischen Stabilität? Sollte man nicht das Erfolgsrezept der Person B erforschen, anstatt sie mit Thesen von ca. 1880 (Freuds Zeit) zu belegen? Wer kann hier von wem lernen?

Ziel einer Therapie kann es nur sein, daß das eigene Wohlbefinden verbessert und verstärkt wird. Sind diese Kräfte bereits vorhanden, gibt es also nichts zu verbessern, bedarf es auch keiner Psychotherapie.

Bei körperlich Gesunden und Kranken ist dies ähnlich. Weshalb hartnäckig eine Person wieder und immer wieder auch noch auf noch so abwegige Krankheiten untersuchen, wenn die Person keine Klagen hat?

Aus meiner Sicht ist Glück, Freude, Zuversicht, berufliche und private Zufriedenheit Ziel jeder Therapie. Ist dieser Zustand nicht vorhanden, hilft kein unnötiges Kramen in der Vergangenheit eines Menschen.

Was geschehen ist, ist geschehen. Von der Gegenwart aus muß man in die Zukunft schauen. Gerade Depressive können psychologisch besehen von ihren sich immer wieder stellenden quälenden Fragen nicht lassen. Gleichzeitig finden sie auf die Fragen keine Antworten. Und selbst im Falle einer Antwort liegt es am Depressiven selbst, ob er diese als gültig annimmt oder nicht.

Bevor man irgendwo bei Konflikten und Problemen eines Menschen ansetzt, müssen dem Depressiven gewisse Lebenshilfetechniken vermittelt werden. Darunter fällt etwa auch die Einsicht, daß man auch leben kann, ohne sich mit Fragen zu Themen, die in der Vergangenheit liegen, aufhalten zu müssen.

Niemals darf man sich von äußeren Umständen abhängig machen. Ruhe und Glück liegt nur in einem selbst. Auf äußere Voraussetzungen darf man nicht vertrauen, sonst bleibt die Seele ein unentrinnbares Gefängnis.

Wer nach materiellem Reichtum strebt, diesen aber nicht verwirklichen kann, sollte daran denken, sein Werteschema zu ändern, um glücklich zu sein. Wer trotz materiellem Überfluß nicht glücklich wird, sollte sein Werteschema ebenfalls überdenken.

Wichtig ist, eine Grundhaltung für zukünftige Ereignisse zu schaffen. Die Erkenntnis nämlich, daß man nahezu jedes Verhalten eines Menschen ändern kann, kann man sich zunutze machen.

Voraussetzung ist allerdings, daß man weiß, wohin man sich entwickeln möchte. Woher man kommt, ist hierbei nahezu nebensächlich. Aus diesem Grunde lehne ich Methoden, die mich ständig mit meiner Vergangenheit konfrontieren wollen ab, zumal wenn sie mir suggerieren wollen, daß man vergangenem Leiden auch Positives abgewinnen kann und auch sollte, um glücklich sein zu können.

Nach dem Ende der Tagesklinik habe ich mir vorgenommen, meine Ziele für die kommenden Monate zu überarbeiten. Gerne teile ich diese Ziele mit euch. Im Gegenzug bin ich sehr daran interessiert, welche Ziele ihr mittel- und langfristig ihr mit und in eurem Leben verfolgt. Das Ergebnis verspricht Spannung. :)



Comments:
1 Comment posted on "Ziele und Zielsetzung: was eine Psychotherapie leisten sollte"
Norma on May 12th, 2007 at 10:54 am #

Hallo Rene,

das hast du alles gut auf den Punkt gebracht.

Mir geht es darum zu lernen meine Messlatte nur an mir auszurichten.
Zu lernen mit der Erkrankung zu leben, nicht dagegen anzukämpfen, sondern sie zu integrieren und die Möglichkeiten auzuloten, die ich in dieser Situation noch habe; mich über die Dinge freuen die noch gehen und nicht den Focus auf Dinge zu setzen, die nicht mehr gehen.

Mich nicht unter Druck zu setzen und immer auf andere “gesunde” Menschen schielen, die arbeiten können und ich nicht, die vielen gesellschaftlichen Aktivitäten nachgehen etc., etc.

Ein Ziel wäre auch für mich, wenn ich wieder mehr Kraft habe meine Pastellmalerei, die mir sehr am Herzen liegt, zu intensivieren und vielleicht im nächsten Jahr eine Ausstellung zu machen.

Der Weg ist das Ziel. Mich anzunehmen wie ich jetzt bin. Zu lernen, nicht an der Erkrankung zu zerbrechen, immer weniger mit meinen Gedanken in der Vergangenheit hängen zu bleiben, aber auch nicht falsche, unrealistische Erwartungen an die Zukunft zu knüpfen.

Liebe Grüße
Norma


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