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Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 17-05-2007

Zur Diagnose der Depression gibt es mehr oder weniger gute Diagnose-Verfahren. Eines ist etwa der Burns Depression Test, ein in den USA entwickeltes, standardisiertes Verfahren, um in etwa Schwere und Ausmaß der Depression festzustellen.

Bekanntlich folgt der Diagnose die Therapie, oder umgekehrt, sollte der Therapie die Diagnose vorausgehen. Wenn man aber die Depression anhand gewisser Verfahren festmachen kann, sollte es im Umkehrschluß auch möglich sein, deren Rückgang feststellen zu können.

Nichts ist einfacher als das. Man nimmt einfach mal wieder nach ein paar Monaten der Therapie den Burns Depression Test zur Hand und vergleiche die Ergebnisse. Unterteilt ist der Test in verschiedene Lebensbereiche, welche anhand erster allgemeiner Fragen eingeschätzt werden.

Was der Burns Depression Test festhält

Unter anderem fällt hierbei das psychische als auch das physische Befinden. Den Abschluß markieren Suizid-Gedanken. In meinem Falle etwa verhielt es sich so, daß ich vor einem Jahr noch die volle Punktzahl im Bereich der Suizid-Befragung erhielt. Ein Jahr später hat sich die Punktzahl auf sagenhafte Null von 25 möglichen Punkten reduziert. Mit anderen Worten, ich bin laut Burns Depression Test nicht mehr suizid-gefährdet.

Jedes Ergebnis bedarf jedoch der Interpretation, denn die Suizid-Gedanken verschwinden nicht von heute auf morgen, zumindest in meinen Augen nicht; an Wunderheilung glaube ich nämlich nicht wirklich. Zum einen ist da der Zeitablauf von einem Jahr. Innerhalb dessen habe ich sowohl mit neurochemischen Medikamenten – um das zu sehr verpönte Wort der Psychopharmaka zu vermeiden – als auch mittels vieler Bücher eine Psychotherapie in Eigenregie vorgenommen. Ursächlich für das, ein wenig Ironie muß sein, Dahinscheiden der Suizid-Gedanken, sind also wenigstens drei Komponenten: Medikamente, Psychotherapie und Zeitablauf.

Mein persönliches Erfolgskonzept

Was ich das Therapie-Jahr über als einen wesentlichen Baustein meines Erfolgskonzepts wider die Depression ansehe, ist die gelegentliche Kontrolle meines Linderungsprozesses – und zwar schriftlich. Von Zeit zu Zeit befragte ich mich selbst anhand des Burns Depression Tests, wo ich stehe und wo ich noch Verbesserungsmöglichkeiten habe.

Der Burns Depression Test war jedoch nicht der einzige Fragebogen, den ich zur Einschätzung meines Depressions-Verlaufs einsetzte. Vielmehr nutzte ich auch selbstgesteckte Ziele, die ich eben schriftlich festhielt, um meine Fortschritte messen und einschätzen zu können. So wollte ich etwa in verschiedenen Bereichen persönliche Änderungen vornehmen und Erfolge einstreichen. Darunter fanden sich etwa Kategorien wie Familie, Beziehung, Freunde, Beruf, Finanzielles, Lernen usf. wieder. Einfache Ziele trug ich dort ein.

Ziele ohne Druck markieren

Ausgangspunkt war, daß ich mir jeglichen Druck nahm, die Ziele zu 100% erreichen zu müssen, noch dazu in einer bestimmten Zeit. Weit wichtiger war es mir zu sehen, wo ich verstärkte Interessen entwickelte, meine Ziele durchzusetzen, und wo ich ein wenig in der Entwicklung hinterher hing. Des weiteren wollte ich die selbstgesteckten Ziele auch dazu verwenden, aus der Depression rauszukommen, und nicht durch überzogenen Druck wieder in der für die Depression charakteristischen Perfektionismus-Falle landen. Kurz, ich wollte meine eigene Leistungsfähigkeit im persönlichen Bereich untersuchen.

Gemeinsam mit meinen persönlichen Zielen und dem Burns Depression Test in der Hand verfolgte ich von Zeit zu Zeit meinen Fortschritt im Wortsinne, also mein Fortschreiten auf der Entwicklungsskala.

Erfolge

In dem Maße, wie ich durch die Zielverwirklichung auch wieder Erfolge feierte und mich umgekehrt durch Rückschläge bzw. Fehlschläge nicht entmutigen ließ, im Gegenteil, bewegte ich mich ebenfalls von der massiven Suizid-Gefahr hinweg in den grünen Bereich. Ermöglicht haben mir diese Erfolge bestimmte Krisenbewältigungstechniken, die übrigens auch auf Burns zurückgehen.

Das Verschwinden der depressiven Symptome

Weitgehend sind meine depressiven Symptome verschwunden. Einzig macht mir im Moment die massive Müdigkeit zu schaffen. Ersten Einschätzungen zufolge liegt Narkolepsie vor und nicht wie fälschlich gedacht, ein Überbleibsel der Depression. Der Schläfrigkeit rücke ich übrigens ähnlich zuleibe wie der Depression. In diesem Falle ist es etwas einfacher, da die Müdigkeit im wesentlichen auf drei Bereiche durchschlägt. Meine halbwegs wachen Stunden, meine Konzentration als auch meine Laune, denn des öfteren bin ich abends genervt von der ganzen Schläfrigkeit. Nicht verwechseln aber sollte man dies mit depressiven Symptomen. Das ist es nämlich gerade nicht, sondern einfach schlechte Laune, die auch wieder verschwinden innerhalb von Minuten und nicht wie zuvor unter dem Eindruck der Depression erst nach Jahren. ;)

Was ich jedem empfehlen möchte

Aus meiner Sicht es enorm wichtig, seinen Zustand zu überprüfen und sich Ziele aufzuerlegen. Wenn man nicht festschreibt, in welchen Bereichen der Schuh drückt, kann man auch nicht wirklich den Druck entfernen. Irgendwann nämlich kommt der Punkt, an welchem zu entscheiden ist, ob gewisse Symptome bzw. Verhaltensweisen noch der Depression geschuldet sind, oder vielmehr normalen, nicht-depressiven Ereignissen geschuldet sind, die jedermann im Leben ereilen können.

Der Schutz vor Scharlatanerie

Auch hilft eine überprüfbare Depressionsbewältigung, sich vor Scharlatanerie zu schützen. Gibt man sich auf, der Sozialphobie zu entledigen, und stellt fest, wann, wie und in welcher Intensität einen Attacken ereilen, was man unbedingt schriftlich festhalten muß, denn nur so kann man Entwicklungen verfolgen, so kann man die Symptome der Phobie immer wieder überprüfen. Liegt noch eine Phobie vor, oder handelt es sich vielmehr um gewöhnliches Unwohlsein, das nahezu jeden Menschen in der gleichen Situation beträfe? Kann man bereits gewisse Situationen, die die Phobie auslösen, meistern? Hält man zeitlich länger durch in Situationen, welche Phobien bedingen?

Das sind alles sehr wichtige Fragen. Ohne schriftliches Festhalten kann man diese Fragen nicht lösen, da wir Menschen nun einmal zum Alles oder nichts-Denken tendieren. Hat man nicht schriftlich festgehalten, daß man von 100 möglichen Phobie-Auslösern bereits 87 gemeistert hat, so wird man immer noch denken, man leide unter der Phobie, obwohl man nur noch von 13 Fällen betroffen ist, mithin also die Phobie von einer sehr schweren zu einer einfachen, leichten, geworden ist. Das steht verbrieft auf dem Papier. Bleibt man dagegen zulange ohne Ergebnisse hängen, sollte man sich überlegen, ob man nicht einen anderen therapeutischen Weg einlegen sollte.



Comments:
3 Comments posted on "Woran man erkennt, daß man nicht mehr depressiv ist"
Susanne on May 19th, 2007 at 6:44 pm #

Ich benötige keinen Test, um festzustellen, das meine Depression sich verringert oder schwächer wird. Ich mache das an meinem Antrieb fest als chronisch Depressiver habe ich da nicht mehr Möglichkeiten ;-)


Rene Kriest on May 20th, 2007 at 10:30 am #

Dann nutzt Du ja einen Test: den Antriebstest. :D


Susanne on May 20th, 2007 at 11:30 am #

dieser test ist aber nicht offiziell zertifiziert ;-)


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