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Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 12-12-2006

2006 neigt sich dem Ende zu. Jedes Jahr ist mit Wünschen, Hoffnungen und guten Vorsätzen begleitet ebenso wie mit Fehlschlägen, Frustration und unüberwindlichen Hürden. Im folgenden möchte ich über meine Erfahrungen 2006 betreffend.
Gesundheit

Vergangenes Jahr war der Zeitpunkt, in welchem ich nach über 15 Jahren persönlicher Verzweiflung endlich in ärztliche Behandlung kam. Mittels des Anstoßes einer guten Freundin begab ich mich auf den Weg zum Psychiater. Schon nach dem ersten Termin, der mehrfach verschoben wurde, mangels Unentschlossenheit und fehlende Einsicht, krank zu sein, bekam ich Antidepressiva verschrieben bzw. ließ sie mir verschreiben.

Letztlich landete ich bei der vorläufigen Kombination von Paroxetin und Lamotrigin (Lamictal). Um Nebeneffekte wie Schlaflosigkeit und akute Angstzustände zu bekämpfen, erhielt ich noch ein Schlafmittel namens Zopiclon und das Beruhigungsmittel Temesta.

Psychisch stabilisierte sich damit mein Zustand halbwegs. Nach wie vor dominieren die depressiven Phasen, doch zeigt der Lebenswille wieder deutlich nach oben.

Mein Gewicht dagegen wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Knapp sechs Kilogramm nahm ich zu infolge der Einnahme von Paroxetin. Immer wieder überkamen mich Heißhungerattacken, die ich gerne mit entsprechendem Nahrungskonsum kurierte. Damit steht auch schon ein Ziel für kommendes Jahr fest: abspecken. ;)

Hängengeblieben sind vor allem Tagesmüdigkeit und Schlafstörungen, welche typisch sind für SSRIs, und damit auch für Paroxetin. Gleichwohl nehme ich diese in Kauf für die restliche Steigerung an Lebensqualität.

Selbsthilfe

Vor allem der Bereich „Selbsthilfe“, oder, um es ein wenig treffender im englischen zu sagen, „Personal development“ oder „Personal growth“, wurde 2006 von mir entdeckt. Anfänglichen Vorbehalten zum Trotz las ich mich tief in die Materie der persönlichen Weiterentwicklung ein. Viele produktive Methoden und Hilfen sind daraus für mich erwachsen. Über die hierbei gemachten Erfahrungen werde ich detaillierter in einem eigenen Blog berichten.

Gerade im Bereich Selbsthilfe für Depressive gibt es in Deutschland bislang zu meinem Bedauern keinen Markt bzw. keine überzeugenden Angebote. Alleine der Rückgriff auf englischsprachige Literatur schafft hier Abhilfe.

Die vielen Tips als auch die allgemein wohlwollend-positive Färbung, in welcher gute Bücher aus diesem Sektor gehalten sind, hat etwas Wohltuendes und Motivierendes. Konkrete Tips aus der Praxis gemischt mit kurzen Erzählungen machen diese Bücher so wertvoll. Hervorheben möchte ich hierbei vor allem folgende Werke:

  • David Burns „Feeling good“
  • Martin Seligman „Learned Optimism“
  • Neil Fiore „The Now Habit“

Diese jemandem unter den Weihnachtsbaum gelegt, der des Englischen mächtig ist, dürfte sich sehr freuen unabhängig davon, ob er oder sie depressiv ist oder nicht. :)

Hobbys

Noch aus meiner Jugendphase stammt das Hobby, auf dem C64 zu programmieren. Hierbei habe ich ein paar Intros für meine Gruppe „Remember“ programmiert. Zudem habe ich ein wenig an Demos usf. gebastelt und alte Sachen aus den 80ern ausgegraben. Der eine oder andere Kontakt hat sich hierbei entwickelt. Insgesamt war es eine schöne Sache, die ich auch weiterhin betreiben möchte.

Meine Aktivitäten als Moderator des Forums des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt habe ich ausbauen können. Das freut mich sehr, auch wenn ich von einer wirklichen Begeisterung kraft meiner Depression noch weit entfernt bin. ;)

Bücher

Im Bereich „Selbsthilfe“ klang es schon an: ich lese wieder mehr. Knapp zehn Bücher habe ich zum Jahresende hin gelesen. Angesichts dessen, daß ich mich zwei Jahre mit Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ abmühte, ist das schon eine respektable Leistung. Alles in allem möchte ich auch zukünftig wieder mehr lesen und kann das nur weiterempfehlen.

Familie

Durch die Offenlegung meiner Krankheit wurde der Kontakt vor allem zu meiner Mutter intensiver. Auch nimmt man allgemein mehr Rücksicht auf mich. Hierfür bin ich meiner Familie dankbar. Verwandte mit Erfahrung im Umgang mit Depression waren mir gegenüber auch offen.

Freunde

Gerade durch mein Engagement in Selbsthilfegruppen und vor allem durch meinen Blog lernte ich viele neue Freunde kennen, die ich auch nicht missen möchte, im Gegenteil. Vor allem der Erfahrungsaustausch hilft mir enorm und ich versuche diese durch entsprechende Blog-Postings wieder zurückzugeben.

Ich kann nur dafür werben, offen mit seiner Krankheit umzugehen und nach Gleichgesinnten Ausschau zu halten. Ein Blog kann hierzu eine Möglichkeit sein.

Perspektive

Für 2007 plane ich vor allem im gesundheitlichen weiter Fuß zu fassen, auf daß sich mein Zustand und mein Befinden weiter stabilisieren und wegen des Lamotrigins die depressiven Episoden weiter eingedämmt werden können.

Des weiteren möchte ich wieder mir dem Sport weitermachen. Radfahren als auch Fitneß-Studio stehen hierbei ganz oben auf der Agenda. Als erstes ist der Paroxetin-Speck dran, den ich mir abtrainieren möchte.

Im Rahmen meiner Hobbys möchte ich meine Aktivitäten für den Blog vertiefen. Regelmäßig möchte ich Artikel veröffentlichen. Im Moment fallen die Postings noch etwas zu sporadisch aus, da ich infolge vieler depressiver Episoden immer wieder mit starken Symptomen der Depression zu kämpfen habe, die mir die Arbeit am Blog zunichte machen.

Fehlschläge

Davon gab es zuhauf! :) Anders aber als die Jahre zuvor habe ich dank der Selbsthilfe-Techniken schon ein wenig gelernt, mit diesen umzugehen. Vor allem hat mir der Sichtwechsel geholfen, Fehlschläge als notwendige Bedingung des Erfolgs zu betrachten. Wer nichts macht, kann auch nichts falschmachen – wie wahr! Für mich ist der Fehlschlag mittlerweile zum Vater des Erfolges geworden. Erst im Umgang mit Fehlschlägen zeigt sich der Erfolg. Aus Fehler kann man gut lernen.

Im englischen nennt man diesen Ansatz „Ready, fire, aim“. Man nimmt sich eine Aufgabe oder Ziel vor und beginnt umgehend mit dessen Verwirklichung, anstatt alle Einzelheiten im Detail zu planen. Häufig vergißt man vor lauter Planung die Zielverwicklung, als tatkräftig ans Werk zu gehen. Hat man erst einmal eine Handlung vorgenommen, kann man diese immer noch in Richtung auf das Ziel korrigieren.

Das war für mich eine prägende Erfahrung vor dem Hintergrund, daß ich mich oftmals in meinem vermaledeiten Perfektionismus verbissen hatte und trotz bester Absichten nur Strohfeuer zustande brachte.

Wie sieht es bei Dir aus? Was hattest Du Dir für das vergangene Jahr vorgenommen und wie hat sich Dein Jahr entwickelt?



Comments:
5 Comments posted on "Wie verlief Dein Jahr 2006? Wie wird Dein kommendes Jahr?"
Ulf on December 13th, 2006 at 1:31 pm #

>Wie sieht es bei Dir aus? Was hattest Du Dir für das vergangene Jahr vorgenommen und wie hat sich Dein Jahr entwickelt?

Tscha, alles kam anders als ich geplant hatte- statt aufwärts ging es kontinuierlich bergab. Ich hoffe, daß ich diese Talsohle nicht mehr erreiche. Denn bergauf ist anstrengend ;-) 2007 wird wohl besser. Trotzdem ich oft beeinträchtigt bin in meiner Stimmung. Aber es ist insofern besser, als daß ich jetzt weiß, wieso. Motto 2007 wird auf jeden Fall irgendwas wie “nicht unterkriegen lassen” oder so.


Rene Kriest on December 13th, 2006 at 3:58 pm #

Hallo Ulf! :)

Mir geht es ähnlich. Nicht unterkriegenlassen von der Depression und nicht den Mut verlieren, auch und gerade in schweren Phasen. Ich wünsche Dir alles Gute! :)


Susanne on December 14th, 2006 at 10:59 am #

bei mir kann es nur noch bergauf gehen, tiefer geht es eigentlich auch nicht mehr viel :-(


Sabine on December 17th, 2006 at 3:01 pm #

bei mir war 2006 eine berg-und talfahrt, ich hatte die besten paar wochen, die ich jemals hatte, leider sind sie vorbei. aber 2007 wird hoffentlich noch bessere bringen…


Rene Kriest on December 22nd, 2006 at 11:29 am #

Ich wuensche euch alles Gute!

Ich denke, dass ich mich so langsam wieder nach oben arbeite. Allerdings ist es noch ein weiter Weg. Zumindest der Fall ist stark abgebremst worden. :)


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