Viel wird über Disziplin gesprochen. Jene, die sie besitzen, wird Erfolg bescheinigt. Umgekehrt drücken jene, die angeblich nicht über sie verfügen, ihre Bewunderung als auch ein wenig Neid aus, wenn sie anderen Erfolg und Disziplin zuschreiben.

Nachfolgend beginnt eine Serie zum Thema. Dieser Artikel bildet den ersten Teil dieser.

Was ist Disziplin? Kann man sie erwerben? Kann jeder diszipliniert sein?

Beinahe gewinnt man den Anschein, als sei Disziplin etwas Universelles. Sie lasse sich überall, in jedwedem Lebensbereich einpassen. Was genau Disziplin ist, gelingt den wenigsten zu beschreiben oder zu definieren. Möglicherweise lauten ein paar Antworten Ausdauer und auch Lustverzicht. Bestes Beispiel bildet der klassische Streber aus der Schulzeit. Dieser sei diszipliniert, weil er der Schule Vorrang und damit Priorität einräume, während man selbst der Ablenkung zugetan sei und etwa eher dem Fernsehen fröne, als in die Bücher zu schauen. Willensschwächlinge stehen also Disziplinierten gegenüber. Entweder man hat sie, oder nicht.

Ich habe so gedacht. Um es auf den Punkt zu bringen: Disziplin kann jeder erweben. Diszipliniert kann jeder werden. Jeder. Keineswegs ist deren Vorhandensein im Erbgut festgelegt. Oder etwa doch?

Basis der Disziplin ist der Kopf. So gesehen ist Disziplin genetisch vorherbestimmt. Umgekehrt lautet die frohe Botschaft: wer ein Gehirn hat, kann diszipliniert sein.

Meine einfache Formel für Disziplin läßt sich auf folgenden Nenner bringen:

  • Disziplin bedeutet das Erreichen eines konkreten Ergebnisses, der Umsetzung eines Ziels.

So einfach sich dieser Satz liest, so diffizil ist er, wenn man ihn in seine 4 Einzelkomponenten unterteilt.

  1. Ergebnis: bedeutet die Verwirklichung einer Idee
  2. Konkret: den Vorgaben entsprechendes Ergebnis
  3. Erreichen: tatsächliche Umsetzbarkeit der Idee, also menschenmöglich und nicht gänzlich für jedermann unmöglich
  4. Ziel: die bewußte Entwicklung einer Idee, also der Ausgangspunkt aller Handlung

Was so kompliziert-komplex wirkt und daher auf den ersten Blick abschreckenden Charakter besitzt, ist wirklich kinderleicht zu verstehen. Da ich es verstanden habe, verstehst Du es erst recht! :)

Ausgangspunkt ist das Bewußtsein. Dieses bestimmt unsere Handlungen. Ob wir essen gehen, ein Fußballspiel schauen oder Schuhe kaufen gehen, entspringt einer bewußten Handlung. Anders ausgedrückt setzt man ein Ziel um, indem man sich sagt „Ich will das Fußballspiel ansehen.“ Oder „Ich will Schuhe kaufen gehen.“

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Niemand wird zu diesen Tätigkeiten gezwungen. „Ich muß zur Arbeit gehen.“, „Ich muß das noch fertigmachen.“, „Ich muß einkaufen gehen.“ Müssen? Äußerlicher Zwang?

Mitnichten. Übersetzt bedeutet „Ich muß zur Arbeit gehen.“ genau besehen „Ich will zur Arbeit gehen.“

Weshalb verwenden so viele dann aber das Wort „müssen“?

Der Grund ist einfach. Lieber täte man etwas anderes, denn man sieht die Arbeit nur als Mittel zum Zweck, nämlich um mit dem erarbeiteten Geld andere Dinge zu verwirklichen. Ich wiederhole mich: niemand wird zum Arbeiten gezwungen. Niemand muß also zur Arbeit gehen.

Jeder, der arbeitet, will zur Arbeit gehen. Erfahrungsgemäß möchte der Arbeitende nämlich die unangenehmen Folgen des Fernbleibens von der Arbeit vermeiden, wie die drohende Kündigung. Wird einem gekündigt, hat man meist kein Geld mehr und ohne Geld wird es schwierig, sein Leben zu meistern.

Demnach verbirgt sich hinter dem Satz „Ich muß XYZ tun.“ die bewußte Entscheidung, etwas umsetzen zu wollen. Zumindest ein Ziel wird verfolgt, und das lautet Vermeidung der unangenehmen Begleiterscheinungen der Arbeitslosigkeit.

Disziplin geht demnach eine bewußte Entscheidung voraus. Formuliert wird eine Idee. Im Beispiel lautet diese „Gelderwerb“. Tatsächlich umgesetzt werden kann diese Vorstellung, dadurch, daß man etwa arbeiten geht. Dies ist auch umsetzbar; arbeiten für Geld darf so ziemlich jeder.

Konkret ist diese Idee auch, da man mit dem Arbeiten ein exaktes Ergebnis verfolgt und erwartet. Erwartet wird der Geldbetrag, der Gegenwert der Arbeit. Ergebnis der Arbeit wiederum bedeutet die Umsetzung mittels einzelner Handlungsschritte, morgens also aufzustehen, zum Arbeitsplatz zu fahren, die Tätigkeit zu verrichten so lange, bis das Ziel erreicht worden ist, der Monatslohn also auf dem Konto steht. Wird der Lohn dem Konto nicht oder nicht in der erwarteten Höhe gutgeschrieben, ist das Ziel noch nicht erreicht. In der Regel ist dann Ärger vorprogrammiert und arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen folgen.

Kann Disziplin wirklich so einfach sein? Recht besehen ist es so. Allerdings wollte ich den Artikel nicht schreiben, ließen sich obengenannte 4 Komponenten der Disziplin nicht noch weiter aufspalten. Und auf dieser Unterebene verbergen sich die eigentlichen Geheimnisse, weshalb manche Menschen diszipliniert erscheinen und andere wiederum nicht.

Damit möchte ich zum zweiten Teil der Serie überleiten. Spannend geht es weiter! :)



Comments:
1 Comment posted on "Wie man sich auf die bequeme Weise Disziplin aneignet und sie im Handumdrehen meistert"
Hannes on February 28th, 2007 at 3:14 pm #

Mir fehlt noch der Begriff Wille. Dazu sagen neueste Forschungen, dass es ihn gar nicht gibt sondern er eine nützliche Illusion ist.


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