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Eine kleiner Zwischenfrage, die ich mir selbst bei er Anwendung der Drei-Spalten-Technik stellte, bleibt noch unbeantwortet im Raum stehen. Weshalb kennt respektive kannte bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum jemand diese so wirkmächtige Methode zur Besserung des eigenen Wohlbefindens? Zwei Gründe erscheinen mir plausibel bei der Beantwortung dieser aus meiner Sicht grundsätzlichen Frage. Zum einen ist da die allgemeine Ausrichtung der Psychotherapie in Deutschland auf analytische Aspekte, die in bester Tradition ihren Ursprung in Freuds Thesen hat. Ursachen für die Depression sind in der Vergangenheit, also der Biographie des von der Depression Betroffenen zu suchen. Gleichzeitig erscheinen diese Ursachen als ungelöste, sogenannte verdrängte Prozesse, die es aufzulösen gilt mittels Konfrontation, worauf sich auch die Depression lindern lasse. Aus meiner Sicht ist dieser Ansatz verfehlt. Etwas zu verdrängen bedeutet, ein Ereignis bewußt zu vergessen. Paradoxerweise kettet man sich damit erst recht an das gemeinhin unangenehme Ereignis. Folgender Satz möge das verdeutlichen. Man folge dieser Anweisung: „Bitte denke daran, mich zu vergessen.“ Daran denken, jemanden zu vergessen – geht das überhaupt? Im Ergebnis soll die Erinnerung an eine Person getilgt werden. Fortan lautet der innere Gedanke, bewußt nicht mehr an bestimmte Ereignisse zu denken. Genau damit jedoch ruft man sie sich immer wieder bewußt ins Gedächtnis. Ähnlich paradox ist der Satz, daß man nicht an einen rosa Elefanten denken solle. Das geht ebenfalls nicht beziehungsweise nur mittels eines Tricks. Und dieser Trick ist der Schlüssel zur Ablehnung der analystischen Methode. Man kann nicht in Nicht-Kategorien denken. Nur positiv kann man denken. Lösen kann man beide Paradoxa, indem man die Aussagen außer acht läßt und die Nicht-Aussage durch eine positive Aussage ersetzt. Statt daran zu denken, etwas bewußt zu vergessen, kann man das Ergebnis des Vergessens nur erreichen, indem man den Satz keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Zuwege gebracht werden kann dies nur durch Ersetzen der Aussage durch eine positive. Man denkt einfach an etwas anderes, was mit der Aussage nichts zu tun hat. Gleiches gilt in Hinsicht auf das Rosa-Elefanten-Beispiel. Nicht an rose Elefanten kann man etwa denken, indem man an sich Amseln oder einen Strand vorstellt. Das Ergebnis ist damit erfüllt, man denkt nicht mehr an die Elefanten. Übertragen auf die Psychoanalyse bedeutet dies, daß man nichts bewußt verdrängen kann. Wie gezeigt, funktioniert es nicht, etwas bewußt zu vergessen, denn vergessen ist eine Nicht-Aussage, also ein Paradoxon. Die Psychoanalyse der Wiedererinnerung früherer erlittener Kränkungen führt einen zurück in den Strudel der inneren Konflikte. Was aber ist der Nutzen? Ich sehe keinen, im Gegenteil. Weit eher sollte man Techniken für die Zukunft ersinnen, die einem die Zukunft tatsächlich erleichtern. Weshalb sollte man hierzu in die Vergangenheit abschweifen, die man ohnehin nicht ändern kann? Aus diesem Grunde empfiehlt sich aus meiner Sicht ein gänzlich anderer Ansatz, nämlich die Auflösung ausschließlich gegenwärtiger Widrigkeiten, die man für die Zukunft überwinden möchte. Man setze sich Ziele, etwa kommunikativer zu werden. Stochert man in der Vergangenheit herum und sucht nach Sündenböcken, macht einen dies keinen Deut kommunikativer oder beseitigt Ängste. Statt dessen sollte man für die Zukunft ein Programm entwickeln, daß bestimmte erreichbare und konkrete Ziele enthält, etwa zu planen täglich eine fremde Person in einen kleinen Small-Talk zu verwickeln bis hin zu dem Ziel, eine Rede vor mehreren Personen zu halten. Der zweite Grund für die Wirkmächtigkeit der Drei-Spalten-Technik und damit für die Macht des Wortes oder anders ausgedrückt, Unterschätzung der noch bessern Kraft des geschriebenen Wortes liegt darin begründet, daß viele Therapeuten gar nicht zukunftsgewandt mit konkreten Zielen sind. Ziele folgen einem inneren Bedürfnis, nämlich Sinn. Ziele sind Mittel zum Zweck. Will ich meine kommunikativen Fähigkeiten verbessern, so steckt etwa das Motiv und damit der Antrieb dahinter, die eigene Schüchternheit zu überwinden. In analytischen Therapiesitzungen wird jedoch selten die Sinnfrage gestellt. Man wird mit der schummrigen Vergangenheit einfach so alleine gelassen, ohne daß man einen Nutzen für die Zukunft hat, die es alleine zu bewältigen gilt. Wer den Tod eines geliebten Menschen nicht einfach zu übergehen kann, der befindet sich gerade in der Vergangenheit, kann gerade nicht verdrängen und kann noch weniger die Zukunft mit voller Kraft meistern. Ändern kann man dieses Geschehnis nicht. Statt dessen kann man nur seine Sicht der Dinge auf das Ereignis korrigieren, damit die Zukunft, und damit ein konkretes Ziel, zu bewältigen erscheint. Ziel und Sinn für die Überwindung des Ereignisses könnte sein, sein eigenes Leben wieder im Einklang mit dem Tode des geliebten Menschen zu führen. Hierzu sollte man die Leidensgedanken durch rationale ersetzen. So etwa könnte man festhalten, daß der Tod unausweichlicher Bestandteil des menschlichen Daseins ist. Weiter kann man festhalten, daß der Tote nicht gewollt haben kann, daß man leidet, sondern einem selbst Glück wünscht. Diese Gedanken kann man jedoch nur auf Dauer in sicht manifestieren, indem man immer wieder mit den neuen, wünschenswerten Gedanken arbeitet. Daher sollte man sich dringlich auf Papier festhalten, ähnlich dem Vorkabellernen. Papier und Stift sind der Königsweg zur Linderung der Depression abseits medikamentöser Therapie. Probiert es aus. Auch Du sollst nämlich glücklich sein und werden.
Comments:
1 Comment posted on "Weshalb man zukunftsgewandt denken sollte"
Niki on April 20th, 2007 at 8:40 am #
Lieber René und alle anderen Leserinnen und Leser, ich habe deinen, René, Beitrag mir großem Interesse gelesen und stimme dir voll und ganz zu. Im Laufe meines Lebens habe ich mir eine Perlenkette an Wissen angeeignet, ja, im so diffusen Bereich der Psychologie. Ich bezeichne mich selbst auch als Beistand. (siehe: http://www.mcs-motivation.info.....ossar.html unter „B“). Auch als Beistand für mich selbst natürlich. Das sollte ein/e Fachmann/-frau sein – Beistand. Therapeut – dieses Wort alleine impliziert schon Falsches. Ein Therapeut versucht eine Krankheit zu lindern oder heilen. Seelische Beladenheiten sind aber keine Krankheiten. Um Beistand sein zu können, müsste nicht einmal das herkömmliche Psychologiestudium erfolgen. (Am Rande: Die Psychologie ist für mich auch keinesfalls eine empirische Wissenschaft.) Aber, in unserem Lande braucht man für alles einen Schein. Auch, um die Berechtigung zu haben, „Dinge“ zu tun, die dann fast im Gegensatz zu dem stehen, was das Studium in vielen Bereichen heute noch zu vermitteln versucht. Aber, das ist ein anderes Thema. Meine Erkenntnisse, zu denen ich und die, die meine Mentoren und –innen waren, fußen auf den Erkenntnissen im Bereich der humanistischen Psychologie, dem Kontruktivimus und allen „guten“ Sichtweisen der modernen Metapsychologie, die sich mit Beginn des neuen Jahrtausends mehr zu etablieren beginnt. Hier fließen die Erkenntnisse der verschiedenen Strömungen zu einem neuen Theoriemodel zusammen, das allerdings auch nicht der wissenschaftlichen Psychologie zugehörig ist (z.B. NLP, TIR http://www.amazon.de/Traumatic.....1574442155 , EMDR http://www.emdr-institut.de/. ) Um nicht in detail hier das wiederzugeben, was ich lernte, biete ich hier Quellen an zu den für mich wichtigen Menschen in dieser Hinsicht: Humanistische Psychologie: http://de.wikipedia.org/wiki/H.....sychologie Paul Watzlawick (sein Tod am 31. März dieses Jahres hat mich schwer betroffen gemacht, er ist mein großes Idol): http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watzlawick Carl Rogers: http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Rogers Abram Maslow: http://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Maslow Liebe Grüße Post a comment
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