“Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zuviel Zeit, die wir nicht nutzen.”

Seneca

Was stört Dich im Leben am meisten? Unerledigte Aufgaben und daraus resultierender Streß und Zeitverlust?

Selten ist fehlendes Wissen oder Kompetenz Grund für liegengebliebene Arbeit, ganz gleich ob auf der Arbeit oder im privaten zu Hause. Schnell ist man gerade wegen des Stresses und des Zeitmangels mit der Aussage bei der Hand „Ich würde ja gerne, aber!“ – Ja, was aber?

Aber die Welt geht gerade unter? Aber ich habe mir gerade beide Beine gebrochen? Aber ich muß erst eine rauchen?

Die Denkart der Aber-Menschen

Ausreden werden stets mit Aber eingeleitet. Berühmtestes Beispiel der Denkart, die auf Verhinderung gleich welcher Neuerungen ausgerichtet ist „Aber das geht doch nicht!“ oder „Aber das haben wir noch nie so gemacht“ bzw. „Aber das haben wir schon immer so gemacht!“

Wie lautet die Aber-Formel im Privatleben? Der Garten wäre zu machen. Das Aber lautet: „Aber ich habe keine Lust!“ und schon fallen einem viele Möglichkeiten zur Ablenkung ein, bloß um auf gewitzte Weise um das Aber herumzukommen und nicht den Garten machen zu müssen.

Aber = Motivation? Ach wäre ich doch nur…!

Befragt man die Aber-Menschen, also mich, Dich und noch viele andere – wir sind gelegentlich alle mal ein wenig „aber“ ;) -, so fällt überdurchschnittlich häufig in der Aber-Gleichung das Wort Motivation. „Ich würde ja gerne, aber (!) mir fehlt die Motivation!“ oder „Wäre ich doch nur motiviert, aber ich bin es im Moment nicht!“.

Vergleicht man sich mit anderen, so gibt es scheinbar eine kleine Gruppe Auserwählter, die entweder nichts zu tun haben oder ständig hochmotiviert für jedwede Aufgabe zu sein scheinen.

Die Spielregeln der Anti-Aufschieberitis-Menschen

Doch dem ist nicht so. Sie folgen alle unbewußt gewissen Regeln, die ich im folgenden darstellen werde und die, richtig angewendet, aus jedem angeblichen Faulpelz nach und nach ein Arbeitstier mit Spaß an der Sache werden lassen.

Die 8 Punkte dieser mächtigen Methode lauten:

1. Kleine Hügel überwinden, anstatt große Berge zu besteigen

Stelle Dir vor, in einer Halle wären sämtliche Nahrungsmittel, die Du innerhalb eines Jahres verspeist hast, aufgetürmt worden. Könntest Du Dir vorstellen, dies alles auf einmal zu essen? Ich nicht. Den ganzen Essensberg dagegen in handliche Häppchen für 365 zu unterteilen – und schon wäre die Aufgabe umsetzbar.

2. Motivation beginnt mit dem Anfang und nicht mit dem Ende

Aufbauend auf dem Essensberg, stellt sich die Frage, was einen schneller entmutigt: Der Essensberg oder eine übersichtliche Tagesration Nahrung? Die Antwort ist ziemlich einfach.

3. Stück für Stück

Sieht man sich vor einem Berg stehen, muß man diesen schlicht in kleine Hügel umwandeln, und augenblicklich fühlt man sich vor Angst und Unsicherheit befreit. Was kann bei einem kleinen Hügel schon passieren?

4. 3 Minuten – mehr Zeit bedarf es nicht, um eine Aufgabe zu erledigen

Auch wenn man aus dem Berg viele Hügel gemacht hat, fehlt möglicherweise dennoch etwas Startenergie, um den Motor am Fuße des Hügels anzuwerfen, und diesen zu erklimmen. Mit einem Kunstgriff hat man jedoch spätestens nach 3 Minuten die Boxengasse verlassen und ist bereits hinter dem ersten Hügel verschwunden und stürmt rasant auf den zweiten zu.

Wer sich einer Aufgabe nur drei Minuten widmet, sich hierzu überwindet, der kommt rasch an einen Punkt, an dem er weitermachen will. Ich wiederhole: will, von wollen, statt Aber von Ausrede.

5. Angst – vor einem Hügel?

Hinter der fehlenden Motivation und den vielen Abers steckt oftmals ein diffuses Unbehagen, eine Sache anzugehen. Lustlosigkeit mutiert zu Angst und diese verwandelt sich bei fortschreitender Zeit zu Panik. Und das will niemand.

6. Auf biegen und brechen Spaß in die Aufgabe reinbringen

Nichts auf der Welt ist bierernst. Nachweislich ersichtlich wird dies an den vielen Spaß-Videos im Internet. Gnadenlos wird aus Unfällen und verpatzten Aufgaben das Spaßpotential herausgezogen und in biederen Lachsalven abgefeuert. Weshalb also nicht den umgekehrten Weg einschlagen, und gleich für Spaß sorgen? Wie das funktionieren soll? Unter Punkt 7 erläutere ich dies.

7. Umsetzung der Theorie in die Praxis

Wie behalf ich mir also? In nachfolgenden Beispielen zeige ich, wie mir diese Methode geholfen hat

  • Klausuren-Korrektur
    Ein Berg unkorrigierter Jura-Klausuren lag vor mir, gleichwohl lag meine Laune und Motivation ziemlich tief im Keller. Was also tun? Ich versteckte den Klausurenberg und nahm mir einen Hügel daraus hervor, nämlich eine Arbeit. Das sah gerade im Vergleich mit dem Berg nachgeradezu handlich aus. Die erledigten Arbeiten wiederum stapelte ich neben mir auf dem Schreibtisch, denn ich war stolz auf den neuen Berg, den ich durch Abtragung des anderen willentlich errichtet hatte.
  • Das Grauen hat einen Namen: Haushaltsarbeit!
    Spätestens, wenn man alleine wohnt und ohne Geschirrspülmaschine auskommen muß, stellt sich nach ein paar Tagen die Frage, wie man den Geschirrberg abtragen soll. Kleine Hügel bauen? Nicht wirklich. Daher sagte ich mir, zwei Gläser spülst Du, dann kannst Du morgen wenigstens Kaffee aus einer sauberen Tasse trinken. Und plötzlich wollte ich auch noch den einen Teller reinigen, dann den anderen. Die Zeit verging wie im Fluge – der Geschirrberg übrigens auch.
  • Umzug – glaubt mir, es gibt nichts Schlimmeres
    Die vergangenen Jahre bin ich häufiger mal umgezogen. Und es war jedesmal eine Tortur und war aus meiner Sicht eine Großtat in Sachen Selbstüberwindung. All die Kisten, die erst einzuräumen und dann wegzuschleppen waren, bevor man sie in der neuen Wohnung türmte und sie in diesem Zustand auch am liebsten belassen hätte – wie also rauskommen aus dem Dilemma, das ich vor Augen hatte? Vor Augen hatte ich einen Berg voller frustrierender Arbeit, die zu leistende Arbeit von Stunden oder Tagen auf einmal. Zunächst einmal mußte ich mein inneres Bild ändern. Ich blickte nur noch auf den nächsten Hügel, also den nächsten Schritt im Ablauf bis zum vollbrachten Umzug. Ich sah nur noch ein oder maximal zwei Kartons vor mir, und dachte keinen Schritt weiter als diese zu füllen. Waren alle gefüllt, dachte ich nur noch an den Transport ins Auto usf. Hierbei gab ich meinen Spielsachen Namen und entschuldigte mich bei jenen Gegenständen, die ich wegwarf infolge des fälligen Ausmistens. Mein Hammer wurde bei mir zu Mr. Klopfi. Das mag albern klingen, aber ich fand es damals witzig. Und ohne Mr. Klopfi säße ich jetzt auch nicht an dieser Stelle. :D

Weitere Beispiele gefällig? Staubsaugen, Gartenarbeit, einkaufen, Auto tanken, eine Party organisieren usf. Die Liste kann man endlos fortführen – und mit genannten Schritten in einfachen Schritten mit Spaß bewältigen. Der Chef, der mal wieder Druck macht und an Deadlines erinnert? Ändert man die Szenerie ein wenig um – der fluchende Chef nackt im rosa Plüschhöschen und Minipiepmatz – und der innere Friede ist wiederhergestellt.

Ein Punkt fehlt noch, wie bereits in der Einleitung angedeutet. Manche ahnen es schon und liegen richtig:

8. Ausdauer, Hartnäckigkeit

Die die genannten Punkte abrundende Quintessenz lautet schlicht, daß man immer nur mit dem nächsten kleinen Schritt beginnen muß und die Arbeit wird dadurch automatisch fertig, ja erledigt sich von selbst. Mit jedem Schritt kommt man dem Ziel näher.

Wie wichtig Ausdauer und Hartnäckigkeit beim Umsetzen kleiner Schritte ist, illustrieren viele, bald eindrucksvolle, bald alltägliche Ereignisse. Rom wurde auch nicht an einem Tag erschaffen. Gott nahm sich für die Schöpfung der Welt auch sieben Tage Zeit – ob man daran glaubt oder nicht, man mag darin auch eine Parabel sehen.

Ähnlich ist es mit dem Saubermachen. Anstatt das ganze Haus oder die Wohnung auf den Kopf zu stellen, nimmt man sich jeden Tag ein anderes Zimmer vor.

Treffend faßt Seneca die acht Punkte zusammen:

“Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.”

Klingt einfach? Und ist es auch, oder siehst Du das anders? Was würdest Du gerne verbessern oder ändern?

Buchempfehlungen

Für nachfolgende Bücher, die aus unterschiedlichen Perspektiven die Aufschieberitis behandeln, lege ich meine Hand ins Feuer.

Viele Bücher las ich bereits über die vergangenen Jahre hinweg zum Thema Aufschieberitis bzw. Prokrastination, wie der Fachbegriff für dieses weltweit existierende Phänomen lautet, und diese drei Bücher markieren aus meiner Sicht die Juwelen unter den Aufschieberitis-Büchern. Ich habe sie selbst mehrfach gelesen und lerne immer etwas Neues von ihnen, derart facettenreich und zugleich einfach sind sie. Für diese spreche ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus.

Bestell eines oder gleich alle drei Bücher. Du gehst mit dem Rückgaberecht bei Amazon absolut kein Risiko ein!

Solltest Du meiner Ansicht nicht folgen, so teile es mir bitte mit. Ich werde die Kritiken an den Büchern auf einer eigenen Seite veröffentlichen, derart überzeugt bin ich von besagten Büchern. :)



Comments:
3 Comments posted on "Von Genies lernen: mit 8 einfachen Schritten Aufschieberitis loswerden – ein für allemal"
Martin Winkler on April 15th, 2007 at 8:05 am #

So ganz kann ich immer den Unterschied zwischen ADHS (gerade in Verbindung mit Depression) und Procrastination bzw. Perfektionismus nicht ausmachen. Das Buch von David Allen zu Getting Things Done ist bereits mehr oder weniger ein Klassiker. Auf Wikipedia gibt es dazu auch einen guten Artikel…


Rene Kriest on April 15th, 2007 at 8:25 am #

Guten Morgen Martin!

GTD ist eine gute Sache. Ich habe das Buch auch gelesen und teils auch befolgt. Aus meiner Sicht behandelt Allen jedoch weniger das Warum? der Prduktivität oder des effizienten Arbeitens, also weshalb man GTD nutzen sollte.

Den mentalen Durchbruch, um mein Leben umzukrempeln und GTD wirklich zu verstehen, bewirkten folgende 2 Bücher:

Feel the Fear and do it anyway von Susan Jeffers

Die deutsche Übersetzung gibt es hier.

Neil Fiores Werk "The Now Habit".

Beide kann ich jedem wärmstens zum Lesen empfehlen. Ich lese ständig in ihnen, auch aufgrund des sehr starken motivierenden Grundtones.

Die Inselfrage, welche 3 Bücher ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde, enthielte besagte 2 Bücher und David Burns "Feeling Good".

Möglicherweise wären die Bücher was für Dich.

Liebe Grüße,

René


Prioroxonetry on November 16th, 2007 at 10:49 am #

Two new studies show why some people are more attractive for members of the opposite sex than others.

The University of Florida, Florida State University found that physically attractive people almost instantly attract the attention of the interlocutor, sobesednitsy with them, literally, it is difficult to make eye. This conclusion was reached by a series of psychological experiments, which were determined by the people who believe in sending the first seconds after the acquaintance. Here, a curious feature: single, unmarried experimental preferred to look at the guys, beauty opposite sex, and family, people most often by representatives of their sex.

The authors believe that this feature developed a behavior as a result of the evolution: a man trying to find a decent pair to acquire offspring. If this is resolved, he wondered potential rivals. Detailed information about this magazine will be published Journal of Personality and Social Psychology.

In turn, a joint study of the Rockefeller University, Rockefeller University and Duke University, Duke University in North Carolina revealed that women are perceived differently by men smell. During experiments studied the perception of women one of the ingredients of male pheromone-androstenona smell, which is contained in urine or sweat.

The results were startling: women are part of this repugnant odor, and the other part is very attractive, resembling the smell of vanilla, and the third group have not felt any smell. The authors argue that the reason is that the differences in the receptor responsible for the olfactory system, from different people are different.

It has long been proven that mammals (including human) odor is one way of attracting the attention of representatives of the opposite sex. A detailed article about the journal Nature will publish.


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