Der Umgang mit Depressiven ist nicht immer leicht. Beide, sowohl der von Depression Betroffene als auch das Umfeld, leiden unter der Krankheit. Wie man den Umgang mit Depressiven verbessert, zeigen folgende 10 Techniken:

  • Urteile nicht, sondern biete Deine Hilfe an
    Das Verhalten eines Depressiven folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sehr häufig bestimmen Gefühle und Empfindungen das Geschehen. Nach Möglichkeit sollte man daher nicht von Standpunkt eines rationell Handelnden den Depressiven kritisieren, sondern freundlich seine Hilfe anbieten.
  • Biete Deine Hilfe an und schließe nicht von Dir auf einen Depressiven
    Depressive sind scheue und verunsicherte Menschen. Wie Balsam auf die geschundene Seele wirken da Sätze wie „Kann ich Dir helfen?“, „Kann ich etwas für Dich tun?“, die allesamt liebevolle Ansätze sind.
    Sätze wir „Mach doch mal was!“, „Nur die Wand anstarren bringt nichts!“ sind dagegen Öl ins Feuer der Depression. Der Depressive weiß dies selbst. Er kann sich aber wegen der Krankheit zu nichts aufraffen.
    Noch drastischer ausformuliert: Denkt jemand mit gesundem Menschenverstand tatsächlich, daß es Spaß macht oder man gar Freude daran empfindet, vor sich hin zu siechen und pausenlos an Selbstmord zu denken oder sonstige destruktive Gedanken nachzuhängen?
  • Richte Fragen an den Depressiven, statt ihm etwas zu befehlen
    Verzichte auf das Ausrufezeichen, wenn Du etwas mit einem Depressiven besprechen möchtest. Unterbreite statt dessen Vorschläge. Einfache und effektive Methode hierzu ist, aus jeder Aussage („Bring sofort den Müll runter!“) eine Frage zu formulieren und einen einfachen, aber wirkungsvollen Satz voranzustellen, der mehr motiviert, als man denkt: „Fühlst Du Dich gut?“ Nach dieser Technik umgesetzt lautete der Satz dann: „Fühlst Du Dich gut? Könntest Du bitte den Müll runterbringen? Danke!“
    Dem Depressiven mangelt es an Selbstbewußtsein. Er wähnt sich als Last und Belastung der Umwelt. In Aussagen, die als Wertung und Urteil daherkommen, wird er in seinem desaströsen Bild von sich und der Umwelt nur noch bestätigt. Anders liegt es, wenn man Vorschläge unterbreitet, durch die er sich in das soziale Leben eingebunden fühlt – ohne Zwang.
  • Nicht befehlen, sondern vereinbaren
  • Suizid-Gedanken
    Angesichts meiner massiven Suizid-Gedanken bildete ich mit mehreren Personen, die sich untereinander nicht kannten, jeweils einen Pakt, mich nicht selbst zu töten, komme was wolle. Zwecks Absicherung wurde eine Art Meldesystem installiert. In regelmäßigen Abständen meldete ich mich bei den Personen. Längere Abwesenheiten sprach ich mit ihnen durch, ob und wann ich mich gegebenenfalls meldete.
  • Vertrauen spenden
    Da ein Depressiver allenfalls in guten Phasen so etwas wie Vertrauen in sich selbst hat, kann das Vertrauen nur von außen kommen. Gerade die Eltern aber auch Freunde, eben die nächsten Angehörigen und Bekannte, sollten unbedingt an den depressiven Menschen glauben. Häufig hat er sich schon, für Außenstehende unbemerkt, innerlich aufgegeben.
  • Nicht negativ über Medikamente reden
    Suchen sie nach Heilungsmöglichkeiten und reden Sie nicht negativ über Medikamente. Medikamente sind die wirksamsten Mittel gegen Depression. Und weil es so wichtig ist, wieder hole ich den Satz: Medikamente sind für einen Depressiven lebenswichtig. Ohne diese steigt das Suizidrisiko immens.
    Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, daß ich zwei Optionen habe. Möglichkeit eins wäre, meine Medikamente fleißig weiterzunehmen. Die andere wäre, mir die Medikamente wegzunehmen; dann aber sieht man mich nur noch einmal: auf meiner Beerdigung.
  • Nicht werten und urteilen
    Sehr viele Entscheidungen von Depressiven und hierbei vor allem Manisch-Depressiven sind Impulsiv-Handlungen und weniger aus einem rationalen Kontext heraus gefällt worden. Zeitschriften werden gekauft, die man niemals lesen wird, und es werden noch mehr Kleidungsstücke zusammengetragen, als man ohnehin unterbringen, geschweige denn anziehen kann.
    Dieses Verhalten mit wüster Kritik oder gar Vorwürfen zu garnieren verfängt nicht. Besserwisserei ist fehl am Platze. Die Betroffenen wissen das selbst. Hinter dem Verhalten stecken Zwangsgedanken. Rational kann man nur schwer an diese herankommen.
    Wirklich helfen kann man einem derart Betroffenen nur, indem man ihn einer Therapie zubringt, am besten zu einem Psychiater oder in einem akuten Falle in einer Klinik oder ambulante Station.
  • Geld, Geld, Geld
    Wie bereits angedeutet, haben sehr viele Depressive, und hier vor allem die Untergruppe der bipolar Kranken („manisch-depressiv“), massive Probleme, mit ihrem Geld hauszuhalten.
    Hilfe in diesem Falle bietet eine Ausgabenkontrolle, also eine Überwachung der Ausgaben und Einnahmen eines Depressiven. Desgleichen helfen Absprachen über finanzielle Ausgaben. Beispielsweise darf der Depressive nur Ausgaben bis zu einer bestimmten Höhe im Monat tätigen.
  • Promiskuität
    Sex an sich ist nichts verkehrtes, doch flüchten sich gerade Depressive und hierbei vor allem Frauen in eine Affäre nach der anderen. Mangelndes Selbstbewußtsein wird mit wechselnden Geschlechtspartnern kompensiert.
    Hilfe sollte man dann antragen, wenn dieses Verhalten kein zeitlich begrenztes ist, Leidensdruck dahintersteckt oder wegen Fremdgehens soziale Beziehungen arg gefährdet sind.

Fallen Dir noch weitere Techniken ein, den Umgang mit Depressiven zu verbessern? Was tut Dir gut und was vermeidest Du im Umgang mit anderen Menschen?



Comments:
18 Comments posted on "10 Techniken, die den Umgang mit Depressiven garantiert verbessern"
Ulf on December 28th, 2006 at 7:58 am #

zum Glück wissen die meisten Menschen in meiner Umgebung zumindest das wichtigste, mit mir umzugehen.
Leider nicht alle, aber da ich berufsbedingt (Krankenpflege!) viel halbwegs darüber informierte Menschen im Umfeld habe…

btw: Danke für die Verlinkung- aber könntest Du “Hundeikers Blog” in “Ulfs Blog” oder “Ulf Hundeikers” Blog ändern? Ich bin nämlich der einzige daran beteiligte Hundeiker, die anderen bloggen nicht…
muchas gracias!


Susanne on December 28th, 2006 at 8:30 am #

Wenn ich depressiv bin, habe ich weder Lust auf Sex noch denke ich daran!

Welcher Depressive will sich freiwillig überwachen lassen?

Welcher (der länger depressiv ist) Depressive hat noch Bekannte?

Medikamente können hilfreich sein, sofern sie denn bei jemanden wirken, AD wirken leider nicht bei jedem Menschen!

Wenn ich depressiv bin, will ich niemanden sehen! Ich halte mich dann fern von anderen Menschen.

Wo steht das bitte, das die bipolare Erkrankung eine Untergruppe der Depression ist? Soweit ich weiß ist die manisch depressive Erkrankung eine eigene Erkrankung und keine Untergruppe?


Rene Kriest on January 11th, 2007 at 8:57 pm #

@Ulf
Ich habe den Link korrigiert. :)

@Susanne
Bekannte: ich würde sagen, daß gerade Internet-Foren zum Thema Depression es ermöglichen, neue Bekanntschaften zu schließen. Meine letzten Freunde, zu denen ich auch Dich und Ulf zähle sind allesamt depressiv. Und das finde ich gut. Man muß sich nicht rechtfertigen und versteht sich einfach beinahe blind. :)

Zu den Medis hast Du recht. Ich bin im Moment überglücklich, daß Paroxetin und Lamotrigin eine gute Gemütskombination darstellen.


Susi on January 16th, 2007 at 3:26 pm #

Hi ihr,
das mit den Freunden sehe ich anders,die meisten meiner Freunde sind nicht depressiv.Man sieht sich zwar nicht mehr so häufig,aber wenn ich mich zusehr einigel werde ich irgenwann von ihnen genötigt was zu unternehmen.
Gerade mit nicht Depressiven einen Abend zu verbringen,lenkt mich etwas ab,
ausserdem sind sie ziemlich offen,sie sagen das sie Depris nicht verstehen aber akzeptieren und gerade andere Themen tun auch mal gut.
Das ist wahrscheinlich individuell verschieden und man muss sicher sehr lange und enge Freundschaften haben,um die Verbindung aufrecht zu erhalten.


[...] 10 Techniken, die den Umgang mit Depressiven garantiert verbessern [...]


nadeschda on February 9th, 2007 at 4:17 pm #

ich habe seit jahren depressionen, und bin sehr dankbar dafür, wenn man meinen rückzug, den ich oft brauche, respektiert. ich bin in nervenfachärztlicher und psychotherapeutischer behandlung, zweitweise besuche ich auch zwei selbsthilfegruppen, und bemühe mich sehr um das fortschreiten meiner genesung. für mich ist es eine belastung, wenn menschen in meiner umgebung meinen, es müsste “schneller” gehen, oder es dürfe nicht sein, dass es mir immer noch schlecht geht, oder die laufend meinen zustand bzw. mein befinden kontrollieren wollen (anrufe). wenn dann gerade diese leute (vermeintlich) “hilfe” anbieten (geh mal spazieren, frische luft tut gut, etc.), und man sich aus dem wirkungskreise dieser freunde entzieht, weil man dem druck, den diese ausüben, nicht standhalten kann oder möchte, verliert man auch noch die letzten freunde.
einen menschen zu LASSEN, wie er ist, und zu vertrauen, dass er selbst die richigen maßnahmen findet, die er braucht, um zu genesen, ist offenbar für freunde oder nahestehende von depressiven menschen schwer. nadeschda, 37 j., graz


Rene Kriest on February 20th, 2007 at 2:02 pm #

„wenn dann gerade diese leute (vermeintlich) “hilfe� anbieten (geh mal spazieren, frische luft tut gut, etc.), und man sich aus dem wirkungskreise dieser freunde entzieht, weil man dem druck, den diese ausüben, nicht standhalten kann oder möchte, verliert man auch noch die letzten freunde.
einen menschen zu LASSEN, wie er ist, und zu vertrauen, dass er selbst die richigen maßnahmen findet, die er braucht, um zu genesen, ist offenbar für freunde oder nahestehende von depressiven menschen schwer.“

Bessere Worte kann man nicht finden.

Auch ich habe das große Problem, bzw. andere haben bei mir das große Problem, daß diese trotz 1000facher Erläuterung einfach nicht raffen wollen, daß mich die ewiggleichen Sprüche, die Du weitgehend aufgeführt hast, einfach nur nerven und massiv stören. Mit dem Verlust der „letzten Freude“ hast Du wirklich recht.

Problematisch ist auch, daß jeder Nicht-Depressive sich für einen Fachexperten, mehrfachen Nobelpreisgewinner oder was auch immer, auf dem Gebiet der Depression hält und meint, die besten Ratschläge erteilen zu müssen. Befolgt man diese tollen Patentrezepte nicht, ist man „selbst dran schuld“. Danke.

Gerade heute morgen empfing ich wieder eine SMS einer Bekannten, die mir aus dem Urlaub heraus schrieb, daß es mir dort auch gut gefallen würde – natürlich nur ohne meine Pillen.

Ob diese „Freundschaft“ noch lange hält, weiß ich nicht. Mich macht das einfach nur fertig, mit „Normalen“ reden zu müssen.

Grüße,

René


tobinmann on March 27th, 2009 at 9:04 pm #

eine frage: meine freundin ist depressiv und in behandlung. nun hat sie sich von mir getrennt um mit sich selber klarzukommen. nur wie gehe ich damit um, wie krieg ich sie wieder? was kann ich für sie tun?


Sara on July 15th, 2009 at 8:01 pm #

Ich bin froh, dass es welche gibt, die so offen darüber reden. Mein Freund (19) leidet ebenfalls unter Depressionen. Ich habe dies durch seine Mutter erfahren. Er selbst haltet sich einfach zurück und lässt NICHTS von sich hören.. Ich war natürlich sehr schockiert und hatte sofort Schuldgefühle, weil ich nicht richtig mit ihn umgegangen bin. (Aber es war mir leider nicht bewusst, dass er Depressiv ist!!!) Aber seit dem ich es weis, lass ich ihn in Ruhe und mache ihn keine Vorwürfe mehr. Tipps und Ratschläge vermeide ich und falls ich mich bei ihn melde sage ich nur, dass er mir fehlt. Ich versuche alles um ihn bloß nicht unterdrück zu setzten… Ich hoffe ich mache nichts falsches weil er selbst weis nicht, dass ich über seine Krankheit weis. Manchmal sind Lügen hilfreich.. Ich hab ein schlechtes Gwissen, dass ich etwas ihn vorspielen muss, aber er wird nur noch schlimmer wenn er weis, dass ich über seine Krankheit bescheid weis…..Das vermute ich zumindest.. Er kann noch unselbstbewusster werden, sich schämen und dadurch wird er sich bestimmt nie wieder bei mir melden…Das will ich vermeiden.. Ich überlasse die Heilung ihm selbst und der liebe Gott soll ihn dabei helfen. Ich habe verständniss für seine Lage und wenn er mich um Hilfe fragt dann bin ich natürlich für ihn da!! Ich würde mich freuen wenn ihr eure Meinung mir schreibt und vllt. sagt was ich falsch machen!!

Danke


Sara on July 15th, 2009 at 8:10 pm #

Tobinman ich denke du sollst sie in Ruhe lassen und nicht auf die Nerven gehen. Sie kommt mit sich selbst nicht klar. Und eine Beziehung ist sogar für ein gesunder Mensch sehr stressig. Sie kann sich weder klare Gedanken machen noch Entscheidungen treffen, da sie glaubt, dass alles sowieso kein sinn hat und sie nie das richtige machen kann und alles was sie anfasst wird schief laufen. Daher sollst du sie in Ruhe lassen und zeigen, dass du verständniss hast und falls sie Hilfe braucht bist du für sie da.. SOnst vermeide alle Ratschläge und Tipps die dir einfallen, (auch wenn du es nur gut meinst))


Susan on October 24th, 2009 at 1:30 pm #

Hallo zusammen,
es ist nicht einfach mit einem depressiven Menschen zusammenzuleben. Spreche leider aus Erfahrung. Das schlimmste, es ist soweit gekommen, das auch ich jetzt unter Depressionen leide.
Ich lernte Ihn kennen, als er sich gerade von seiner Frau (Alkoholikerin) getrennt hatte. Wir zogen zusammen und auf einmal fühlte ich mich unter Druck, durch seine Eifersucht. Besuche bei meinen Eltern und Grosseltern wurden hingestellt, als würde ich mich mit einem anderen treffen. Streit war dadurch vorprogrammiert, jedes mal wenn ich zu meinen Eltern fuhr. Mitkommen wollte er nie.
Eines Tages ging er morgens zur Arbeit und kam nicht mehr. Er ist zu seiner Frau zurück. Ich war traurig, doch irgendwie froh, endlich wieder “atmen” zu können. 2 Monate später stand er wieder vor meiner Tür, total aufgelöst, heulend. Es fing wieder alles von vorne an. Mittlerweile war mir klar, das er Depressionen hatte.
Ich versuchte Ihn aufzubauen, klarzumachen das er nicht an allem Schuld sei was in seinem Leben passiert sei, er jetzt einen neuen Anfang in seinem Leben machen könne. Bis …. er eines Morgens wieder ohne Kommentar verschwand.

Genau da fing mein Leiden an. Ich stand morgens heulend auf, kämpfte mich tränenverkneifend durch den Tag und als ich Abends wieder zu Hause war, heulte ich weiter. konnte kaum schlafen und wachte heulend wieder auf.
Ich dachte es legt sich alles wieder, wenn ich diesen Mann endlich auf meinem Kopf und Herzen gestrichen habe. Irrtum !
Ich hatte Herzrasen, Schwindelgefühle, Schwäche Anfälle, unkonzentriert am Arbeitsplatz. Jedes mal wenn ich Herzrasen bekam, hatte ich noch mehr Angst. Ich lief zum Arzt, der nichts feststellen konnte. EKG, Blutdruck und Blutwerte alle iO.
Dann meinte er Ich hätte Depressionen, verschrieb mir AD. Ich nahm sie 3 Tage und hörte dann auf, weil ich mit den Nebenwirkungen nicht mehr in der Lage war zu Arbeiten. War auf mich alleine gestellt und brauchte das Geld.
Ging zur Gesprächstherapie und dort wurde mir klar, ich muss mein Denken ändern, mein Leben umstellen. Hat alles geklappt, war 1 Jahr frei von Depressionen, doch plötzlich fing es wieder an mit Druckgefühl in der Brust, Herzrasen usw.
Ich frage mich heute, ob ich jemals wieder davon loskomme. Habe lange gegrübelt warum es wieder anfing. Es war nur eine “Kleinigkeit” die mich wieder aus der Bahn geworfen hat. Kämpfe wieder tapfer gegen die Depri und hoffe mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Wer einen depressiven Menschen als Partner hat, braucht sehr viel Kraft und Energie. Doch sollte er vorsichtig sein um nicht in das gleiche “Loch” zu fallen. Ich fühlte mich damals wie leergesaugt. Er war der Vampir der sich mit meiner Hilfe gestärkt hat, wieder ins Leben gefunden hat und mich als “leere” Hülle zurück lies. Heute frage ich mich, warum ist seine Frau Alkoholikerin gewesen ?

Ich wünsche allen Menschen die depressiv sind und mit depressiven leben viel Kraft.


Ina on April 9th, 2010 at 2:19 pm #

Bei mir ist alles ein wenig komisch. Ich kann damit einfach nicht umgehen. Manchmal fall ich in ein großes Loch und bin eine lange Zeit depressiv. Dann geht es mal 1-2 Tage wieder. Jedoch wissen nur die wenigsten meiner Freunde, wenn man es Freunde nennen kann, von meinen Depressionen! Geht es euch so ähnlich?

Ich werde dann nur angesprochen, wieso ich mal wieder so scheiße drauf bin, und dass ich doch mal wieder einfach so mit raus kommen soll. Von meinen Eltern darf ich mir das auch immer anhören (“geh doch mal wieder bisschen raus, würd dir gut tun”) Das bringt mich einfach auf die Palme und bin dann so aggressiv, dass ich es kaum kontrollieren kann.

Einen Therapieplatz und Medikamente habe ich nicht, da ich ungefähr noch 2 Monate auf einen Platz warten muss.

Würde mich auf Antworten freuen!


Yasemin Cetin on June 11th, 2010 at 8:20 am #

Hallo zusammn,

ich hatte seit meiner Kindheit depressionen. Nun bin ich 23 Jahre alt und verheiratet. Seit Monaten bin ich in einem tiefen Loch. Mir macht nichts mehr spaß, ich erfreue mich an nichts mehr. Ich wollte schon eher zu einer Therapie gehen, mein Mann war dagegen. Er war der Meinung, ich solle mit ihm reden statt mit einer fremden Person. Das Problem ist nur, mein Mann kann damit nicht umgehen. Er versteht es nicht, wenn ich mal nicht reden möchte. Er versteht es nicht, warum ich immer müde bin. Er versteht es nicht, warum ich mal nichts essen möchte.

Jetzt geht es mir noch schlimmer als vorher. Ich lag vor 2 Wochen im Krankenhaus wegen starken Unterleibschmerzen. Die Ärzte haben nichts herausgefunden. Es liegt an meinen Depressionen. Ich kann damit nicht mehr umgehen, nicht mehr retuschieren. Wenn ich mich mit meinem Mann streite, bekomme ich sehr oft Atemnot.

In meinem Umfeld versteht mich keiner. Als kleines Kind hatte man angst vor Monstern. Jetzt habe ich angst vor Menschen.

Also Ina, es geht nicht nur dir so.

Lieben Gruß


nina on August 29th, 2010 at 3:05 pm #

ich habe seit mehreren jahren depressionen, war auch schon in therapie, und werde es jetz wieder machen.
neue lebensumstände (umzug, neuer job, neue kollegen…)haben die depression immer wieder in den hintergrund gestellt (oder ich)- verdrängen geht eine zeit lang gut, bis vor 2 wochen, so schlimm war es noch nie. den ganzen tag geheult, keine motivation zu irgendwas, alles zuviel. hab mich endlich dazu aufgerafft, zum arzt zu gehen, und mich überweisen zu lassen, denn so gehts nicht weiter. ich will wieder “normal” sein, spaß haben, und lust haben, zu leben. hab jetz auch antidepressiva bekommen, und sie helfen hoffentlich bald. durch die therapie hoffe ich, dinge aus der vergangenheit zu lösen, zu verstehen, dass ich nicht an allem schuld bin, und wieder nach vorne sehen zu können.
ich habe mich völlig isoliert, nur mehr mein freund kann zu mir “durch”. er hilft mir sehr, bringt mich zum arzt, und ist für mich da. obwohl auch er mir manchmal zuviel wird, dann werde ich richtig aggressiv und unausstehlich. er selbst leidet auch an depressionen. hier zu lesen wie ich damit besser umgehen kann ist mir eine große hilfe. jetz weiß ich auch, dass mir vieles zu viel ist, und mich nicht mehr verstecken muss, oder wegrennen, den dingen aus dem weg gehen. ich stelle mich jetz den depressionen, weiß, dass ich sie in den griff kriegen kann, auch wenns sehr mühsam und schwer war, den 1. schritt zu tun. selbsterkenntnis und ein bisschen hoffnung helfen mir auch dabei. es ist zwar nur eine floskel, aber alles wird gut. irgendwann. ich hab mein leben selbst in der hand, und mach das beste draus.
zu meinen freunden, oder meiner noch übriggebliebenen freundin sage ich jetzt auch, dass es mir schlecht geht, und sie mich nicht unter druck setzen soll, auch wenns nur ein “mal rausgehen” ist. ich will mich auch nicht mehr dafür entschuldigen oder rechtfertigen, dass ich jetzt mal keine lust zu irgendwas habe.
ich hoffe sie versteht das. ich verstehe jetzt auch meinen freund besser. es ist nicht leicht, das alles umzusetzen, aber es ist wahrscheinlich nie leicht, mit solchen “umständen” klarzukommen.
die hoffnung habe ich aber nicht aufgegeben. es soll sich jetz ändern. man hat nur dieses eine leben…


Sonny on September 11th, 2010 at 4:23 am #

Erstmal gut, dass es hier so was gibt, wo man sich Rat holen kann!
ICh persönlich leide seit circa einem Jahr nicht mehr an Depressionen. Die Alkoholsucht hat leider zugenommen.
Aber ich denke, so oder so ist es ein guter Schritt, den ich getan habe, für den ich auch meiner besten Freundin dankbar bin!
Sie hat mich viele ihrer Freunde bekannt gamacht und ich bin unter Leute gekommen. Zwei, drei dieser Menschen sind ebenfalls zu sehr guten Freunden geworden, mit denen ich mich über alltägliche Probleme austauschen kann. Sie geben mir Tipps und ich fühle mich sicher bei ihnen.
An alle, die auch nachts hier rumstöbern und nach einer LÖSUNG suchen(ich weiss oben steht “Nicht befehlen, sondern vereinbaren”) aber: Wagt den Schritt und geht unter Leute, ihr werdet merken, die unseren Probleme sind garnicht so abwegig den, der anderen!


Jen on September 29th, 2010 at 8:28 pm #

Hallo ihr Lieben,
bin heute auf diesen Blog gestoßen, weil ich eine Freundin habe, die unter Depressionen leidet. Es ist momentan sehr schlimm und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Sie ist auch meine Arbeitskollegin. Vor einem Jahr hat sie eine Affäre mit unserem Arbeitskollegen angefangen. Ich habe es herausgefunden, sie hat sich nicht getraut, es mir zu erzählen. Denn unser Arbeitskollege ist in einer festen Beziehung und 20 Jahre älter wie wir. Er versucht seit einem halben Jahr, Schluss zu machen. Aber immer wenn er soweit ist, dann dreht sie völlig durch. Sie sagt, er wäre Ihr “One in a million” und sie will ihn nicht verlieren. Selbst wenn sie getrennt bleiben, will sie, dass er ihr bester Freund bleibt und an ihrem Leben Teil nimmt. Ich habe selbst leide nicht an Depressionen und kann sie nicht nachvollziehen. Sie sagt, er wäre nicht der Grund, warum es ihr sooo schlecht geht. Sie will ihn nicht verlieren und nicht ohne ihn sein. Er wäre der einzige Mensch, bei dem sie sie selbst sein kann. Dem sie alles erzählt kann und hat.

Wir kennen uns erst seit 2 Jahren, seit ich bei der Firma angefangen bin. Anfangs war sie gut drauf und wirkte glücklich. Doch nach ner Zeit musste ich feststellen, dass es nur eine Fassade ist. Sie sagt, sie hat schlimme Dinge durchgemacht, aber sie kann nciht darüber sprechen. Sie hat vor 5 Jahren ihre Mutter verloren. Vor ihrem Tod wollte ihre Mutter ihr noch etwas sagen, aber sie hatte keine Zeit und meinte, dass besprechen wir Samstag. Tja, diesen Samstag gab es aber nicht mehr. Seitdem hat sie das zwingende Bedürfnis, mit den Leuten, die ihr wichtig sind, im Guten auseinander zu gehen, weil sie es nciht ertragen kann, wenn Dinge ungeklärt bleiben.

Naja, sie versucht bereits einen Therapieplatz zu bekommen, aber die Wartezeiten sind sehr lang. Am Freitag hatte sie auf der ARbeit einen Nervenzusammenbruch. Sie ist nun krankgeschrieben. Ihre Ärztin empfiehlt einen 6-wöchigen Krankenhaus aufenthalt. Aber gestern ist sie durchgedreht. Sie war schlimm. Es war grausam. Sie wirkte wie ein Junkie auf Entzug.

Die Affäre war bisher geheim. Jedenfalls dachte sie, es wäre geheim, doch die ganze Firma wusste bescheid und alle wissen, dass er niemals seine Freundin verlassen wird. Es ist als wäre sie abhängig von ihm. Sie stellt sein Wohlbefinden über ihr eigenes. Wir wollen ihr helfen, aber sie wirft uns vor, dass wir ihr Privatleben bestimmen wollen. Das ist aber nicht unsere Absicht. Wir machen uns Sorgen.

Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Habe nach Ratschlägen gesucht, wie man mit solchen Menschen umgeht. Musste feststellen, dass ich alles falsch gemacht habe. Habe ihr Ratschläge gemacht, was sie machen soll, dass sie rausgehen soll. Sie vergräbt sich in ihrer Wohnung. Sie macht alles zuhause. Unsere Wohnungen liegen 50 km auseinander. Aber sie kommt nicht her. Egal, was ich versuche. Sie möchte nicht. Sie hat auch einen Kater. Den sie dafür nutzt, nciht woanders übernachten zu können oder abends lange auszugehen.

Vielleicht könnt ihr mir ein wenig helfen, wie ich mit ihr umgehen soll.

Es tut mir leid, dass eure Depressionen euch das Leben schwer machen.

Ich denke, ihr könnt mir am besten helfen.

Danke euch im Voraus.

Liebe Grüße
Jen


Meli on December 1st, 2010 at 2:35 pm #

Hallo Ihr,

schön von euch zu lesen, auch wenn ich in meinem konkreten “Problem” noch nicht weiter bin.

Eine gute Freundin, die sicher noch nie die stärkste war, hat vor einem Jahr die Diagnose Burn-Out und Übergangsdepression erhalten. Seither komme ich faktisch nicht mehr an sie heran.
Wenn ich das alles hier so lese, denke ich, ich habe zumindest nicht alles falsch gemacht. Habe Ihr Hilfe angeboten, habe einmalig auch finanziell ausgeholfen (kein großer Betrag und das Geld bekam ich schnell zurück). Aber faktisch findet Kommunikation seit einem Jahr nur seeeehr selten und nur per sms oder Mail statt. Kein Telefon und schon garkeine persönliche Treffen.
Zu ihrem Geburtstag kam es dann zum Eklat, ich hab eine Bemerkung gemacht (per sms, weil telefonisch nicht erreichbar) die sie völllig falsch verstanden hat und sofort total verletzt war.
Sie fordert immer Geduld und Verständnis, wie aber soll ich diese zeigen, wenn sie faktisch nicht mit mir spricht und schon ein halbes “falsches” Wort reicht, damit sie verletzt ist – und ich mich nicht erklären kann – weil sie ja nicht mit mir redet.
Mich einfach nicht zu melden, wäre vermeintlich geduldig, so nach dem Motto “wenn dir danach ist, dann melde dich”, aber wäre das “verständnisvoll”, “angemessen”….?
Bin jedenfalls völlig mit meinem Latein am Ende, einerseits, will ich die Freundschaft nicht aufgeben, andererseits, weiß ich nicht, wie ich die Freundschaft aufrecht erhalten kann.

Könnt ihr mir helfen und sagen, was vielleicht “richtig” wäre?
Würde mich sehr freuen. Danke!


emej on October 30th, 2011 at 3:30 pm #

Hallo Meli,
mir geht es mit einer Internet-Liebe so ähnlich wie Dir. Es gibt sehr intensive Phasen in denen wir uns schreiben und nahe sind (wenn man das per e-mail überhaupt kann) und Phasen in denen er den Kontakt nicht mehr halten kann und sich zurückzieht. Wir haben uns bis jetzt nur einmal getroffen und ich frage mich oft, was mich überhaupt noch bei ihm hält.

Na ja, in seinen depressiven Phasen bleibt mir nicht viel Verhaltens-spielraum… er antwortet dann sporadisch, meistens knapp. Ich kann nichts anderes tun als ihm etwa alle 3 Tage eine e-mail zu schreiben, die einfach nur gerade beschreibt was ich mache oder was bei mir so los ist… ich zeige ihm, daß ich da bin. Mehr kann ich nicht tun, aber ich weiß, daß ihm das gut tut und er dankbar dafür ist, daß ich ihn nicht aufgebe.

Es ist verdammt schwer, aber die schönen Phasen mit ihm sind toll und machen vieles wett :)

Also, bleib einfach in der Nähe und glaub an Sie. Das hilft schon ungemein.

Liebe Grüße und halt durch. Ich weiß es ist sehr schwer.

Eva


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