Der Umgang mit Depressiven ist nicht immer leicht. Beide, sowohl der von Depression Betroffene als auch das Umfeld, leiden unter der Krankheit. Wie man den Umgang mit Depressiven verbessert, zeigen folgende 10 Techniken:

  • Urteile nicht, sondern biete Deine Hilfe an
    Das Verhalten eines Depressiven folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sehr häufig bestimmen Gefühle und Empfindungen das Geschehen. Nach Möglichkeit sollte man daher nicht von Standpunkt eines rationell Handelnden den Depressiven kritisieren, sondern freundlich seine Hilfe anbieten.
  • Biete Deine Hilfe an und schließe nicht von Dir auf einen Depressiven
    Depressive sind scheue und verunsicherte Menschen. Wie Balsam auf die geschundene Seele wirken da Sätze wie „Kann ich Dir helfen?“, „Kann ich etwas für Dich tun?“, die allesamt liebevolle Ansätze sind.
    Sätze wir „Mach doch mal was!“, „Nur die Wand anstarren bringt nichts!“ sind dagegen Öl ins Feuer der Depression. Der Depressive weiß dies selbst. Er kann sich aber wegen der Krankheit zu nichts aufraffen.
    Noch drastischer ausformuliert: Denkt jemand mit gesundem Menschenverstand tatsächlich, daß es Spaß macht oder man gar Freude daran empfindet, vor sich hin zu siechen und pausenlos an Selbstmord zu denken oder sonstige destruktive Gedanken nachzuhängen?
  • Richte Fragen an den Depressiven, statt ihm etwas zu befehlen
    Verzichte auf das Ausrufezeichen, wenn Du etwas mit einem Depressiven besprechen möchtest. Unterbreite statt dessen Vorschläge. Einfache und effektive Methode hierzu ist, aus jeder Aussage („Bring sofort den Müll runter!“) eine Frage zu formulieren und einen einfachen, aber wirkungsvollen Satz voranzustellen, der mehr motiviert, als man denkt: „Fühlst Du Dich gut?“ Nach dieser Technik umgesetzt lautete der Satz dann: „Fühlst Du Dich gut? Könntest Du bitte den Müll runterbringen? Danke!“
    Dem Depressiven mangelt es an Selbstbewußtsein. Er wähnt sich als Last und Belastung der Umwelt. In Aussagen, die als Wertung und Urteil daherkommen, wird er in seinem desaströsen Bild von sich und der Umwelt nur noch bestätigt. Anders liegt es, wenn man Vorschläge unterbreitet, durch die er sich in das soziale Leben eingebunden fühlt – ohne Zwang.
  • Nicht befehlen, sondern vereinbaren
  • Suizid-Gedanken
    Angesichts meiner massiven Suizid-Gedanken bildete ich mit mehreren Personen, die sich untereinander nicht kannten, jeweils einen Pakt, mich nicht selbst zu töten, komme was wolle. Zwecks Absicherung wurde eine Art Meldesystem installiert. In regelmäßigen Abständen meldete ich mich bei den Personen. Längere Abwesenheiten sprach ich mit ihnen durch, ob und wann ich mich gegebenenfalls meldete.
  • Vertrauen spenden
    Da ein Depressiver allenfalls in guten Phasen so etwas wie Vertrauen in sich selbst hat, kann das Vertrauen nur von außen kommen. Gerade die Eltern aber auch Freunde, eben die nächsten Angehörigen und Bekannte, sollten unbedingt an den depressiven Menschen glauben. Häufig hat er sich schon, für Außenstehende unbemerkt, innerlich aufgegeben.
  • Nicht negativ über Medikamente reden
    Suchen sie nach Heilungsmöglichkeiten und reden Sie nicht negativ über Medikamente. Medikamente sind die wirksamsten Mittel gegen Depression. Und weil es so wichtig ist, wieder hole ich den Satz: Medikamente sind für einen Depressiven lebenswichtig. Ohne diese steigt das Suizidrisiko immens.
    Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, daß ich zwei Optionen habe. Möglichkeit eins wäre, meine Medikamente fleißig weiterzunehmen. Die andere wäre, mir die Medikamente wegzunehmen; dann aber sieht man mich nur noch einmal: auf meiner Beerdigung.
  • Nicht werten und urteilen
    Sehr viele Entscheidungen von Depressiven und hierbei vor allem Manisch-Depressiven sind Impulsiv-Handlungen und weniger aus einem rationalen Kontext heraus gefällt worden. Zeitschriften werden gekauft, die man niemals lesen wird, und es werden noch mehr Kleidungsstücke zusammengetragen, als man ohnehin unterbringen, geschweige denn anziehen kann.
    Dieses Verhalten mit wüster Kritik oder gar Vorwürfen zu garnieren verfängt nicht. Besserwisserei ist fehl am Platze. Die Betroffenen wissen das selbst. Hinter dem Verhalten stecken Zwangsgedanken. Rational kann man nur schwer an diese herankommen.
    Wirklich helfen kann man einem derart Betroffenen nur, indem man ihn einer Therapie zubringt, am besten zu einem Psychiater oder in einem akuten Falle in einer Klinik oder ambulante Station.
  • Geld, Geld, Geld
    Wie bereits angedeutet, haben sehr viele Depressive, und hier vor allem die Untergruppe der bipolar Kranken („manisch-depressiv“), massive Probleme, mit ihrem Geld hauszuhalten.
    Hilfe in diesem Falle bietet eine Ausgabenkontrolle, also eine Überwachung der Ausgaben und Einnahmen eines Depressiven. Desgleichen helfen Absprachen über finanzielle Ausgaben. Beispielsweise darf der Depressive nur Ausgaben bis zu einer bestimmten Höhe im Monat tätigen.
  • Promiskuität
    Sex an sich ist nichts verkehrtes, doch flüchten sich gerade Depressive und hierbei vor allem Frauen in eine Affäre nach der anderen. Mangelndes Selbstbewußtsein wird mit wechselnden Geschlechtspartnern kompensiert.
    Hilfe sollte man dann antragen, wenn dieses Verhalten kein zeitlich begrenztes ist, Leidensdruck dahintersteckt oder wegen Fremdgehens soziale Beziehungen arg gefährdet sind.

Fallen Dir noch weitere Techniken ein, den Umgang mit Depressiven zu verbessern? Was tut Dir gut und was vermeidest Du im Umgang mit anderen Menschen?



Comments:
7 Comments posted on "10 Techniken, die den Umgang mit Depressiven garantiert verbessern"
Ulf on December 28th, 2006 at 7:58 am #

zum Glück wissen die meisten Menschen in meiner Umgebung zumindest das wichtigste, mit mir umzugehen.
Leider nicht alle, aber da ich berufsbedingt (Krankenpflege!) viel halbwegs darüber informierte Menschen im Umfeld habe…

btw: Danke für die Verlinkung- aber könntest Du “Hundeikers Blog” in “Ulfs Blog” oder “Ulf Hundeikers” Blog ändern? Ich bin nämlich der einzige daran beteiligte Hundeiker, die anderen bloggen nicht…
muchas gracias!


Susanne on December 28th, 2006 at 8:30 am #

Wenn ich depressiv bin, habe ich weder Lust auf Sex noch denke ich daran!

Welcher Depressive will sich freiwillig überwachen lassen?

Welcher (der länger depressiv ist) Depressive hat noch Bekannte?

Medikamente können hilfreich sein, sofern sie denn bei jemanden wirken, AD wirken leider nicht bei jedem Menschen!

Wenn ich depressiv bin, will ich niemanden sehen! Ich halte mich dann fern von anderen Menschen.

Wo steht das bitte, das die bipolare Erkrankung eine Untergruppe der Depression ist? Soweit ich weiß ist die manisch depressive Erkrankung eine eigene Erkrankung und keine Untergruppe?


Rene Kriest on January 11th, 2007 at 8:57 pm #

@Ulf
Ich habe den Link korrigiert. :)
@Susanne
Bekannte: ich würde sagen, daß gerade Internet-Foren zum Thema Depression es ermöglichen, neue Bekanntschaften zu schließen. Meine letzten Freunde, zu denen ich auch Dich und Ulf zähle sind allesamt depressiv. Und das finde ich gut. Man muß sich nicht rechtfertigen und versteht sich einfach beinahe blind. :)
Zu den Medis hast Du recht. Ich bin im Moment überglücklich, daß Paroxetin und Lamotrigin eine gute Gemütskombination darstellen.


Susi on January 16th, 2007 at 3:26 pm #

Hi ihr,
das mit den Freunden sehe ich anders,die meisten meiner Freunde sind nicht depressiv.Man sieht sich zwar nicht mehr so häufig,aber wenn ich mich zusehr einigel werde ich irgenwann von ihnen genötigt was zu unternehmen.
Gerade mit nicht Depressiven einen Abend zu verbringen,lenkt mich etwas ab,
ausserdem sind sie ziemlich offen,sie sagen das sie Depris nicht verstehen aber akzeptieren und gerade andere Themen tun auch mal gut.
Das ist wahrscheinlich individuell verschieden und man muss sicher sehr lange und enge Freundschaften haben,um die Verbindung aufrecht zu erhalten.


[...] 10 Techniken, die den Umgang mit Depressiven garantiert verbessern [...]


nadeschda on February 9th, 2007 at 4:17 pm #

ich habe seit jahren depressionen, und bin sehr dankbar dafür, wenn man meinen rückzug, den ich oft brauche, respektiert. ich bin in nervenfachärztlicher und psychotherapeutischer behandlung, zweitweise besuche ich auch zwei selbsthilfegruppen, und bemühe mich sehr um das fortschreiten meiner genesung. für mich ist es eine belastung, wenn menschen in meiner umgebung meinen, es müsste “schneller” gehen, oder es dürfe nicht sein, dass es mir immer noch schlecht geht, oder die laufend meinen zustand bzw. mein befinden kontrollieren wollen (anrufe). wenn dann gerade diese leute (vermeintlich) “hilfe” anbieten (geh mal spazieren, frische luft tut gut, etc.), und man sich aus dem wirkungskreise dieser freunde entzieht, weil man dem druck, den diese ausüben, nicht standhalten kann oder möchte, verliert man auch noch die letzten freunde.
einen menschen zu LASSEN, wie er ist, und zu vertrauen, dass er selbst die richigen maßnahmen findet, die er braucht, um zu genesen, ist offenbar für freunde oder nahestehende von depressiven menschen schwer. nadeschda, 37 j., graz


Rene Kriest on February 20th, 2007 at 2:02 pm #

„wenn dann gerade diese leute (vermeintlich) “hilfeâ€? anbieten (geh mal spazieren, frische luft tut gut, etc.), und man sich aus dem wirkungskreise dieser freunde entzieht, weil man dem druck, den diese ausüben, nicht standhalten kann oder möchte, verliert man auch noch die letzten freunde.
einen menschen zu LASSEN, wie er ist, und zu vertrauen, dass er selbst die richigen maßnahmen findet, die er braucht, um zu genesen, ist offenbar für freunde oder nahestehende von depressiven menschen schwer.“

Bessere Worte kann man nicht finden.

Auch ich habe das große Problem, bzw. andere haben bei mir das große Problem, daß diese trotz 1000facher Erläuterung einfach nicht raffen wollen, daß mich die ewiggleichen Sprüche, die Du weitgehend aufgeführt hast, einfach nur nerven und massiv stören. Mit dem Verlust der „letzten Freude“ hast Du wirklich recht.

Problematisch ist auch, daß jeder Nicht-Depressive sich für einen Fachexperten, mehrfachen Nobelpreisgewinner oder was auch immer, auf dem Gebiet der Depression hält und meint, die besten Ratschläge erteilen zu müssen. Befolgt man diese tollen Patentrezepte nicht, ist man „selbst dran schuld“. Danke.

Gerade heute morgen empfing ich wieder eine SMS einer Bekannten, die mir aus dem Urlaub heraus schrieb, daß es mir dort auch gut gefallen würde – natürlich nur ohne meine Pillen.

Ob diese „Freundschaft“ noch lange hält, weiß ich nicht. Mich macht das einfach nur fertig, mit „Normalen“ reden zu müssen.

Grüße,

René


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