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Zurückweisungsangst Völlig verunsichert schloß ich auch kaum neue Freundschaften – daß die alten arg litten erwähne ich an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber. Meine Wahrnehmung sozialer Verhaltensweisen war völlig danieder. Aus Angst vor Zurückweisung sprach ich weder Frauen noch Männer auch wegen geringster Anliegen an. Alltäglichkeiten wie die Frage nach dem Weg wurden zum Spießrutenlauf. Mir war es nicht möglich, einfach irgendeine beliebige Person, die meinen Weg kreuzte, zu fragen. Ohne mein Zutun begannen schon wieder das Gedankenkreisen und die Grübelei:
„Dates“ – oder: der naive Umgang mit Frauen Wollte eine Arbeitskollegin oder sonst jemand weibliches mit mir einen Kaffee trinken, verfingen sich meine Gedanken in wirren Abschweifungen in die Frage, weshalb Sie dies wohl tue. Keineswegs vermutete ich dahinter die Absicht, sie wolle mehr als eine Freundschaft zu mir aufbauen, sondern fragte mich ernsthaft, was Sie an jemandem wie mir finden könnte, daß Sie überhaupt in Betracht zog, für mich Ihre Zeit zu opfern. Empfand ich mich selbst als wertlos, mußte mir das auch auf die Stirn geschrieben sein und auch von Außenstehenden so wahrgenommen werden. Weshalb also mit solche einer Person was unternehmen? Umgekehrt war es jedoch überwiegend so, daß die Frauen, die sich mit mir trafen alles andere naiv waren, und sich durchaus in dem Bestreben zu den Treffen begaben, um mit mir mehr als nur Kaffee trinken zu veranstalten; wiederholt wurde mir das im nachhinein gesagt. Schlimmes empfand ich nicht dabei. Kraft der damals noch möglichen „Smiling depression“ war ich sehr charmant und zuvorkommend, was gerade gut ankam. Noch heute zeigen sich gerade weibliche Bekannte von mir höchsterstaunt darüber, daß ich depressiv sein soll beziehungsweise schon viele Jahre zuvor schon war. Eigentlich hätte ich auch auf die Dates verzichten können. Wozu auch, wenn man meint, man sei wertlos und andere bei meinem Anblick auch so denken würden aus meiner Sicht? Allerdings stand ich stets in einem Zwiespalt. Einerseits waren es diese Dates, die mir gelegentlich noch Freude bereiteten und andererseits versuchte ich umgekehrt auch durch die Dates mein Selbstwertgefühl aufzubauen. Kurzfristig gelang dies auch. Der Kick allerdings verschwand sehr schnell und die Dates waren teils von meiner Seite aus wie einer Sucht entsprechend. Endlich bin ich aus diesem Teufelskreislauf entkommen. Ein besseres Resümee und Fazit kann ich nicht denken. Das Gegenstück zum Kurzzeitkick ist wahres Glück. Jeden Tag, jede Stunde – sofern meine Depression es zuläßt. Die Änderung des Blickwinkels durch die Hilfe der Medikamente hat mir einfach nur sehr gut getan. Absagen durch mich häuften sich Größtenteils schob ich irgend etwas vor, nur um diesen Treffen entgehen zu können. Fortan mußte meine Verwandtschaft und durch diese verursachte Notwendigkeiten wie den todkranken Opa, den es auch tatsächlich gibt, herhalten, um mir zu einer scheinbar komfortable Möglichkeit der Absage zu verhelfen. Immer mehr bestand mein Leben aus Lügen bzw. Gründen, weshalb ich einen Termin nicht einhalten konnte/wollte. Kurzfristige Absagen häuften sich; ich wollte schlicht und ergreifend nur zu Hause sein und verschont bleiben vor Menschen. Treffen mit Freunden Mit Freunden traf ich mich nur noch selten. Fanden Treffen statt, zog ich es vor, diese in der Wohnung des Freundes oder der Freundin abzuhalten. Dort fühlte ich mich halbwegs sicher in etwas vertrauterer Atmosphäre, die mir also weniger feindlich vorkam. Auch mußte ich nicht fürchten, unbekannten Personen gegenübertreten respektive ausgesetzt zu sein. An tiefgründige Konversation war jedoch nicht zu denken, da ich mich infolge meiner gefühlten Wertlosigkeit auch nicht traute, auch nur annähernd etwas von mir zu offenbaren, was man hätte kritisieren oder überrascht aufnehmen können. „Was macht Dein Leben?“ Fragen zu meinem Lebenslauf beantwortete ich höchst ungern, und das auch, wenn ich nicht gerade unzufrieden war über mein Leben. Doch erschien mir nahezu jeder Mensch neben mir als wertvoller und besser, als ich selbst. Was machte ich denn schon richtig? Frühere Leistungen oder Erfolge? Diese diskreditierte die Depression in ihrem Überschwang an Pessimismus und Schwarzseherei. Geschenke für andere Aus Unsicherheit heraus, wie ein Geschenk zum Geburtstag oder einem anderen Anlaß auszusehen hätte, wählte ich immer eines, daß irgendwie aus der Reihe tanzte, vor allem dem Preise nach bisweilen zu hoch war. Da ich aus Gesprächen, die eher derber Lästerei glichen, erfuhr, wie manche Personen über Präsente dachten und nahezu immer eine Wertschätzung darin erblickten, die einmal groß und einmal gering ausfallen konnte, wählte ich im Zweifel immer etwas Großes und Teures, um wenigstens als guter Schenker durchzugehen. Ich bekomme ein Geschenk – und habe Schuldgefühle An mich gerichtete Geschenke erlebte ich häufig als Demütigung, denn ich fragte mich, wie schon hinlänglich bekannt Und wenn ich schenkte? Verschenkte ich umgekehrt etwas zu den gemeinhin üblichen Anlässen wie Geburtstage oder Weihnachten, versuchte ich den Beschenkten eher zu imponieren, als daß ich etwas von persönlichem Wert hingab. Aus Unsicherheit heraus und der Ansicht, das Geschenk selbst werde mit dem Selbstwert von den Beschenkten gleichgesetzt, verfiel ich meist auf teure Geschenke. Einem Wettbewerb gleich wollte ich andere Schenker übertrumpfen und konnte es dennoch nicht, da ich mein Geschenk trotz aller Bemühungen für völlig unzureichend betrachtete und kategorisch andere Geschenke anderer Personen als kategotisch besser einstufte. Danksagungen des Beschenkten nahm ich mit größtem Mißtrauen und noch größerer Skepsis auf. Man wolle mir pflichtmäßig seinen Dank aussprechen. Insgeheim – so dachte ich – war man jedoch wenig entzückt von meinen Präsenten. Ich muß sagen, daß sich diese Unsicherheit auch bis auf den heutigen Tag nicht wirklich gelegt hat. Allerdings versuche ich durch rationales Gegensteuern meine Gedanken auf Geschenke abzulenken, so daß ich Kleinkram und für das „Opfer“ Nützliches vorziehe, was eben einfach im Augenblick des Schenkens Spaß macht, anstatt mir einzureden, das ultimative Geschenk überreichen zu müssen, das für alles Ewigkeit nützlich sein zu haben.
Comments:
2 Comments posted on "Sozialphobie – Symptome und Ausprägungen"
Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder los wurde – Teil 3 » depressionsblog.com on February 5th, 2007 at 9:37 am #
[...] Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder los wurde – T… [...]
nastorseriessix on May 5th, 2007 at 6:08 pm #
So ein wenig stecke ich da auch noch drin, in dieser Sozialenphobie. Nur habe ich keine Angst davor andere anzuspreche oder dergleichen. Bei mir geht es eher in die Richtung das ich bedingt durch das viele Nachdenken die Ruhe die ich ab und an habe dann aber auch genießen will. Sag mal, hast du Deine Freundin gefunden, oder wurdest du von Ihr gefunden? Das würde mich mal interessieren. Obwohl charmant und zuvorkommen und als Gentleman, so werde ich auch von den Frauen die Ich kenne bezeichnet, komisch eigentlich. Post a comment
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