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Die wohl stärkste Beeinträchtigung neben einer depressiven Episode stellt die Sozialphobie dar. Zu den Symptomen der Depression gesellt sich die Angst vor Begegnungen mit Menschen. Was ist unter dem Begriff zu verstehen und wie geht man damit um? Spätestens wenn sich Angst vor alltäglichen Aufgaben offenbart, wie einkaufen, auf Parties gehen oder einen Film im Kino ansehen, könnte sich hinter dieser Beeinträchtigung eine Sozialphobie verstecken, deren Ursache meist die Depression ist. Serie über Sozialphobie In einer neuen Serie über Sozialphobie werde ich das Thema aufbereiten und hierbei eigenen Erfahrungen einfließen lassen. Denn auch ich bin davon betroffen. Eine Definition Unter Sozialphobie versteht man die überwältigende Angst und übersteigerte Selbstwahrnehmung in alltäglichen Situationen mit sozialen Berührungspunkten. Menschen die unter Sozialphobie leiden, besitzen eine dauerhafte, intensive und chronisch auftretende Angst etwa beobachtet und von anderen Menschen bewertet zu werden. Hinzu kommt die Angst, durch eigenes Verhalten in Verlegenheit gebracht zu werden. Soweit die Theorie. Im täglichen Verhalten erweist sich die Sozialphobie, auch soziale Angststörung genannt, als kongeniale Ergänzung zur Depression. Der ohnehin durch die Depression stark beeinträchtigte und in seinem Sozialverhalten überdies geschwächte Mensch erlebt nunmehr auch noch seine Umwelt als unangenehm, bisweilen sogar feindlich. Der Rückzug ins Schneckenhaus Schnell ist der Teufelskreislauf geschlossen. Vermeidungsverhalten wird an den Tag gelegt, denn am einfachsten begegnet man den als unangenehm empfundenen Erlebnissen dadurch, daß man ihnen aus dem Weg geht. Anfangs stellt man sich den Widrigkeiten noch und versucht tapfer gegen die eigenen Empfindungen anzugehen. Falschdiagnose durch den Hausarzt Die Sozialphobie ist ein schleichender Prozeß, der sich erst in speziellen Situationen zeigt, und, falls unbehandelt, immer mehr Raum einnimmt. Zumeist sind es die durch die Sozialphobie ausgelösten Einbußen im täglichen Leben, die einen an Depression Erkrankten zum Gang zum Arzt bewegen, der den Betroffenen zuvörderst zum Hausarzt führt. An diesem Punkte erscheinen schon die ersten Hürden bei der Behandlung. Hausärzte sind kaum für die Diagnose seelisch bedingter Leiden wie der Depression ausgebildet. Zuvörderst suchen sie also nach körperlichen Indikatoren und werden hinsichtlich der Ursache nicht fündig, die in der Regel Depression lautet. Zumeist erkennt man erst nach dem Anschlagen von Medikamenten gegen Sozialphobie, wie stark sich diese Störung ins Verhalten eingegraben hatte und das Leben nicht nur beeinflußte, sondern bestimmte. Meine Erfahrungen – oder der tägliche Drahtseilakt Bei mir wirkte sich die Sozialphobie in nahezu sämtlichen Bereichen im Umgang mit Menschen nachteilig aus. Sobald ich unter Menschen war, fühlte ich mich beobachtet und bewertet durch diese. Fuhr ich etwa mit der S-Bahn, sofern ich mich das noch traute, wähnte ich sämtliche Augen, die mich im Sichtfeld hatten, alleine auf mir ruhen. Dabei blieb es allerdings nicht. Auch die Gedanken dieser Menschen, angeregt, durch das, was die mich beobachtenden Menschen sahen, waren auf mich gerichtet, laut meines Empfindens. Gewissermaßen stand ich überall auf dem Präsentierteller. Einem Rock-Konzert gleich, bei dem ich als einzige auf der Bühne stehende Person von Tausenden Menschen beobachtet werde, nahm ich mich im günstigsten Falle wahr, im schlimmsten Falle wähnte ich mich bei einer, nämlich meiner, öffentlichen Hinrichtung. Bahnfahrten Letzteres vor allem dann, wenn sich mir selbst bei der gewohnheitsmäßig zum Einsatz kommenden Übervorsicht im Handeln ein Mißgeschick zutrug, wenn etwa die Türe der S-Bahn klemmte, und ich daran energischer ziehen mußte. Aus unerfindlichen Gründen wähnte ich mich nahe vor einer Peinlichkeit und dies auch noch angesichts der mißlichen Lage im Schlaglicht der um mich herum Stehenden. Fragen und Aussagen wie folgende schossen mir etwa in der S-Bahn durch den Kopf und kreisten dort ohne auch nur ansatzweise beantwortet werden zu können:
Zwangsgedanken Gegen diese Zwangsgedanken anzukämpfen entpuppte sich als unmöglich. Eher verzweifelte ich innerlich ob dieser Grübeleien. Häufig beobachtete ich dann auch jene Personen, die mich zu beobachten schienen, was bisweilen in ein Anstarren überging. Ihrerseits durch meine Blicke verunsichert und belästigt, die nach äußerlicher Bestätigung meiner Gedanken suchten, reagierten diese Menschen mit ablehnender Mimik, indem sie das Gesicht verzogen. Nunmehr hatte ich, was ich wollte. Wer schon finster dreinschaut, muß auch Böses über mich denken, obwohl ich durch mein Verhalten Auslöser war und nicht meine Person als solche.
Comments:
10 Comments posted on "Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder loswurde"
Martin on February 2nd, 2007 at 9:32 am #
Ich liebe meine Sozialphobie. Sie ist nicht so unglaublich stark ausgeprägt, ich fahre sehr gerne Bahn und gehe auch (meistens) gerne Einkaufen. Aber sie hindert mich daran, in meiner alten Heimatstadt auf die “Anna-Kirmes” zu gehen – eine der größten Kirmessen (???) in Deutschland. Jährlich zwischen 800.000 und einer Million Besucher, verteilt auf 7 Tage – brrrr…. nichts für mich…. Leider kommen die Kunden aber auch nicht einfach zu mir und sagen “Hey, ich brauch noch neues Briefpapier! Und ein Logo! Und ‘ne Broschüre, ‘ne Bedienungsanleitung undsoweiter…”. Und so sitze ich da und beobachte leicht sozialphobisch, wie mein Geschäft den Bach runter geht… Ich hasse meine Sozialphobie. Manchmal, jedenfalls.
Susanne on February 2nd, 2007 at 1:21 pm #
[ot] wo bitte ist deine Datenschutz-Erklärung?
Rene Kriest on February 2nd, 2007 at 2:24 pm #
@Susanne
Susanne on February 2nd, 2007 at 2:35 pm #
Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder los wurde – Teil 1 » depressionsblog.com on February 3rd, 2007 at 7:16 am #
[...] Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder loswurde – Te… [...]
Rene Kriest on February 3rd, 2007 at 6:29 pm #
@Susanne
Susanne on February 3rd, 2007 at 7:09 pm #
Es gibt da noch ein No-Self-Plugin, damit du dich nicht immer selber trackbackst, puh was für eine Wortkreation…
innerlicher umsturz (langsam) » Tag 34.4 - Widererkennungseffekt on February 3rd, 2007 at 11:35 pm #
[...] 34.4 – Widererkennungseffekt Abgelegt unter: Links — .small.town.witch. @ 23:35 Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder loswurde – Teil 1 Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder los wurde – Teil [...]
Rene Kriest on February 4th, 2007 at 11:55 am #
@Martin Vielleicht versuchst Du es auch mal damit, oder einem anderen Antidepressivum aus der Stoffgruppe der SSRIs, zu welchen auch das Paroxetin gehört?
Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder los wurde – Teil 3 » depressionsblog.com on February 5th, 2007 at 9:37 am #
[...] Sozialphobie – meine leidvollen Erfahrungen mit ihr und wie ich sie wieder loswurde – Te… [...] Post a comment
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