Nach Anerkennung und Lob für seine Taten, Leistungen und auch Gedanken strebt ausnahmslos jeder Mensch. Um uns herum ist kaum etwas, daß annähernd so viel bewirkt, wie eine herzliche Anteilnahme, ehrliche und aufrichtige Anerkennung als auch Lob.

Nicht die vordergründig für wichtig erachteten Dinge des Lebens, wie Geld oder äußere Attraktivität, verleihen ein tiefes und vor allem dauerhaftes Gefühl der Befriedigung. Worte sind es, die uns berühren und in uns wie ein Schatz gehortet und behütet werden.

Doch auch diese Form der Anerkennung ist selten und markiert die Ausnahme, nicht den Regelfall des menschlichen Umgangs. Selbst kann man das ganz leicht feststellen, indem man sich die Frage stellt, ob man eher zur Fraktion jener angehört, die meinen, Druck und Mahnungen seien ein großer Motivator, oder ob man zu jener klugen Gattung Mensch gehört, die lieber die guten Seiten herausstellen und betonen.

Die alles entscheidende Frage

Wann hast Du das letztemal aufrichtig gelobt? Wie häufig tust Du es am Tage oder gar pro Stunde? Nimmst Du bestimmte Personen kategorisch aus? Was erscheint Dir selbstverständlich?

Einher geht mit dieser Lob-Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und mangelnder Aussprache eines Lobes auch das fehlende Verständnis für Wichtigkeit. Anerkennung und Lob werden Dritten zuteil. Uns selbst suggeriert man diese kaum.

Doch weshalb nicht?

Weshalb geht man nicht dazu über, sich selbst zu loben, sich selbst Anerkennung zu zollen? Nun ist es so, daß gerade in Deutschland die Spruch-Unweisheit weit verbreitet ist, wonach Eigenlob stinke. Diese Grundhaltung ist falsch.

Nicht selten sind wir die besten Ratgeber für die Belange Dritter. Für andere legen wir uns ins Zeug und arbeiten unermüdlich. Jedoch in eigenen Angelegenheiten läßt man jene Sorgfalt vermissen.

Ratgeber für andere sein zu können, hilfreich zu sein, sind Werte der Gesellschaft. Anderen gibt man alleine durch solche Handlungen das Gefühl der Wichtigkeit, daß sie es wert sind, daß um sie Sorge getragen wird.

Mit einem Kniff können wird uns selbst auf diese Stufe heben. Wie wäre es, wenn man einmal die Perspektive wechselt, und seine Person wie einen Dritten behandelt und damit sich selbst etwas Gutes tut? Warum auf Lob und Anerkennung von außen warten, anstatt sich selbst in den Fokus der eigenen Aufmerksamkeit zu rücken?

Für andere war ich immer da, half und stellte ihre Leistungen heraus. Nur bei mir selbst erschein alles klein und unwichtig. Selbstwertgefühl baute ich dadurch auf, daß ich auf mich selbst anwendete, was ich bei Dritten tat. Ich lobte mich für, auch und gerade für Klinigkeiten, die ich erledigt hatte.

Bei nahezu jedweder Verrichtung betrachte ich mich von außen. Wichtig ist, daß man sich bzw. den Dritten jeweils positiv betrachtet. Wenn jemand sein Zimmer aufräumt, freut man sich für die Person.

Selbiges mache ich fortan auch für mich. Hierdurch bin ich mir selbst wichtig geworden. Wichtig bedeutet nicht, hierarchisch zu sein, also daß es wichtige und unwichtige oder wichtigere und weniger wichtige Menschen auf der Welt gäbe.

Jede Person ist einzigartig und daher wichtig. Betrachte Dich mit den Augen wohlgesinnter Dritte bei allem, was Du tust. Deine Psyche wird es Dir danken.



Comments:
2 Comments posted on "Selbstlob – Ein kleiner Trick genügt, um aus Dir den wichtigsten Menschen der Welt zu machen"
naselnuss on April 14th, 2007 at 9:25 pm #

Hallo Rene,
Danke für den hervorragenden Beitrag! Ich habe ihn mir in den letzten Tagen des Öfteren durchgelesen. Dazu ist mir wieder was eingefallen. Vor einigen Jahren war ich beruflich auf einem Seminar. Die Workshops waren hochinteressant aber auch sehr anstrengend. Und nun gebe ich es an dich weiter, was einer der Dozenten am Ende eines äußerst intensiven Workshops „angeordnet“ hat:

Hebe deinen rechten oder linken Arm hoch. Beuge ihn, bis deine Handfläche auf der Schulter liegt. Nun klopf dir selbst auf die Schulter und sage laut und deutlich und: „Das habe ich gut gemacht!“ (Und das tue bitte seeeeehr oft.)

LG
Naselnuss

P.S.
Ich finde deine Blogs wirklich bemerkenswert und ich sie in meiner Blogroll auf. Ich habe zwar nicht viele Besucher/Leser, aber vielleicht ist da mal der eine oder andere dabei, dem besonders dein depressionsblog eine Hilfestellung ist.


Rene Kriest on April 15th, 2007 at 8:33 am #

Guten Morgen Naselnuss!

Vielen Dank für Deine lieben Worte.

Dein Tip hat was und ist wahrlich jedem zu empfehlen. Er ist eine perfekte Ergänzung zu meinem Artikel.

Ich habe mir auf einen Zettel geschrieben, mich für die Dinge, die ich täglich erledige, zu loben. Man vergißt das viel zu schnell, es auch zu tun und der Zettel hilf mir gerade, den Fokus auf erfolgreich erledigte Dinge zu lenken bzw. zu behalten.

Die vergangenen 2 Tage liefs bei mir nicht so wirklich und ich ärgerte mich auch deswegen. In diesem Moment meditiere ich dann stets und mir fiel auf, daß die Tage so schlecht nicht verliefen, auch wenn sie besser hätten laufen können.

Letztlich sollte man immer (!) den Blick auf die Zukunft richten. Was hilft es, über vergangene Tage zu lamentieren? Nichts, im Gegenteil.

So habe ich die Tage als lehrreiche Erfahrung verbucht, um es beim nächsten Mal, das sicherlich nicht ausbleiben wird, denn jeder hat mal schlechte Tage, besser zu machen und ein wenig mehr zu machen, als die vergangenen Tage.

Liebe Grüße,

René


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