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Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 07-12-2006

Früher wurde es geliebt, heute dagegen wird es gemieden – das Weihnachtsfest. Aus der einst meist so beschaulich abgelaufenen Inszenierung familiärer Besinnlichkeit mit dem Höhepunkt der Geschenkübergabe ist gerade für Depressive eine Horrorszenerie entstanden. Unabhängig davon, depressiv zu sein, taugt gerade das Weihnachtsfest als solches dazu, familiäre Konflikte zu befeuern.

Wie geht man als Depressiver am besten mit den Tagen über Weihnachten um? Welche Tips kann man Angehörigen geben, um krankheitsbedingte Konfliksituationen auszuschließen?

Weihnachten – interessiert das die Depression?

Ganz gleich weshalb man Weihnachten feiert, aus Tradition oder christlicher Überzeugung, für Depressive spielt das meist kaum eine Rolle, da eine mögliche depressive Episode auch vor einem solchen Feiertage nicht haltmacht. Gleiches gilt für die Begleitsymptome der Depression, die Sozialphobie und sämtliche Ausprägungen der Angststörung.

Bekannte Streßfaktoren sind Menschen, als auch der Zeit- und Erfolgsdruck der hektisch geführten Vorbereitungen, wie etwa die Essenszubereitung, das Schmücken des Baumes und auch im Vorfeld die Besorgung möglicher Geschenke.

Am Abend selbst können es fröhlich gelaunte Verwandte und Bekannte sein, die zu Besuch kommen oder der Gedanke an einen Abend abseits der eigenen schützenden vier Wände.

Das Gespräch suchen

Zunächst einmal hat jede Person eine andere Ausgangsbasis in bezug auf Weihnachten. Jugendliche haben andere Möglichkeiten als Erwachsene, Singles andere als Verheiratete, und Zurückgezogene andere als jene, die mit einer reichhaltigen Verwandtschaft, die womöglich noch in der Nähe wohnt, ausgestattet sind.

Je nach dem, wie gewappnet man sich fühlt und wonach einem der Sinn steht, kann man entweder den Trubel suchen als willkommene Einladung zur Ablenkung, einen Mittelweg suchen oder zurückgezogen in Ruhe die Tage für sich in Anspruch nehmen und genießen. Persönlich bin ich letzterem stark zugetan, doch muß das jeder für sich selbst entscheiden. :)

Allgemeine Tips

  • Alkohol sollte man in Maßen trinken. Zu sehr sollte man diesbezüglich nicht über die Stränge schlagen. Antidepressiva usf. beanspruchen die Leber. Zusätzlich wird diese durch den Alkohol belastet.

Wer weiß, daß er mit steigendem Pegel eher zur Verstimmung neigt, sollte sich selbst Mäßigung auferlegen. Unterstützend können Bekannte wirken, die den eigenen Konsum ein wenig im Auge behalten.

  • Präsente sollte man im Rahmen halten. Für jedes Geschenk sollte man sich eine finanzielle Obergrenze setzen und auch einhalten. Wem der Sinn nach Selbstgemachten steht, sollte entsprechend verfahren.

Oftmals sind Depressive unsicher, ob ihr Geschenk attraktiv genug für den Beschenkten ist. Als grobe Faustregel kann man sagen, daß sich nahezu jede Aufmerksamkeit zum Verschenken eignet. Im Zweifel sollte man lieber zugreifen, anstatt mit schlechtem Gewissen gar nichts zu schenken, es sei denn, es ist gewollt, auf das gegenseitige Beschenken zu verzichten.

  • Aufgaben für die Abend-Organisation sollten behutsam auf Depressive verteilt werden. Streß beansprucht Depressive in weit höherem Maße als Gesunde, Kritik, wenn mal etwas nicht so perfekt läuft, sowieso. Leicht löst man mit Fluchen in der Küche etwa Unsicherheit und Unruhe aus. Was als dünnhäutig daherkommt, ist die Krankheit und auch der Anspruch des Depressiven, den Anforderungen exakt zu genügen. Hinzu tritt also eigene Überforderung.

Die Flucht-Variante

Einfachste Möglichkeit, Weihnachten alleine und in Ruhe zu genießen wäre das Verreisen oder, die günstigere und da auch Reisen mit Streß verbunden sein kann, das Zuhausebleiben – alleine versteht sich.

In diesem Falle sollte man seinen Rückzug entweder offen und ehrlich dem Umfeld mitteilen – die Krankheit als Grund angeben begleitet von dem entsprechenden Wunsche, seine Ruhe zu haben –, oder man bedient sich einer Notlüge und macht sich dabei die Umstände des Festes zunutze. Weihnachten steht für Besinnlichkeit und das Symbol des Christuskindes in der Krippe ziert ein spartanisches Bild der damaligen Umstände, die wenig gemein haben mit so mancher Geschenkeschlacht in deutschen Haushalten. ;)

Also kann man sich darauf berufen – denn wen, wenn nicht die Weihnachts-Lehre als solche zieht man als argumentatives Rüstzeug seiner Überzeugungen zur Begründung heran? Welcher Weihnachts-Begeisterte kann dagegen schon was ausrichten? ;)

Gleichwohl kann man sich auch bei der Flucht-Variante ins Gespräch bei Freunden und Verwandten bringen. Eine Grußkarte mit frohen Wünschen zum Fest kann wunder wirken, und, da selten verschickt, auch länger im Gedächtnis haftenbleiben, als ein persönlich übergebenes Geschenk. Gesten zählen manchmal mehr. :)

Schlußendlich erspart eine Grußkarte auch ein Telephonat. Verwandte und Bekannte fühlen sich dann bei einer Absage einer Einladung auch nicht vor den Kopf gestoßen.

Trubel-Variante

Zur Familienfeier wird alles eingeladen, was auch nur ansatzweise, mit der Familie zu tun hat. Anschließend geht es mit allen, die (noch) nichts mit der Familie zu tun haben, den Freunden, auf die Piste in einer Kneipe oder Disko.

Am zweiten Weihnachtstag endlich werden Gegenbesuche abgestattet und man beginnt dieses Mal schon die Feierlichkeiten mit einem mittäglichen Essen. Abends schließlich gibt man sich wieder einmal vollends der Völlerei hin. ;)

Ablenkung steht ganz klar im Vordergrund. Problematisch könnte es allenfalls werden, wenn man niemanden hat, der einem zum Feiern zur Verfügung steht. Noch ist Weihnachten eine traditionelle Familien-Zusammenkunft. Daher sollte man sich frühzeitig um eine entsprechende Verabredung und Planung bemühen. Spontan wird sich nicht viel ergeben.

Der Mittelweg

Weder Trubel noch Alleinsein – kann man das Beste aus beiden Kategorien kombinieren? Ich denke schon. Wer schon aus Prinzip im engsten Kreise das Fest begeht und auch sonst eher ruhige Töne anschlägt, wird den Mittelweg vorziehen.

Zumeist ist es dann auch nicht notwendig, als Depressiver gewisse Sonderrechte einzufordern. Allenfalls die Möglichkeit zum Rückzug sollte man sich offenhalten, so etwa, wenn man schlafen gehen möchte.

Etwas beschaulicher dürfte auch eine Feier mit der Selbsthilfegruppe oder einzelnen Mitgliedern vonstatten gehen. Man kennt sich und schätzt sich untereinander. Wohl fühlt man sich, da man bei ebenfalls an Depression Erkrankten in der Regel nicht um Verständnis für das eigene Leiden werben muß.

Mein Weg

Mit Ruhe ist dieses Jahr wohl nur im eingeschränkten Umfang zu rechnen. Meine Schwester samt zukünftigem Gatten hat sich für das Fest der Freude angekündigt. Insgesamt werden wir dann zu fünft Heiligabend verbringen. Ehedem feierte ich immer zu dritt mit Mutter und Angetrautem, was mir stets gut gefiel. Persönlich freue ich mich auch dieses Mal, allerdings rebelliert schon jetzt meine Depression gegen den wohl aufkommenden Trubel. Wenigstens bin ich im Ausland – im Süden, dort wo es warm ist um diese Jahreszeit. ;)

Wie sieht Weihnachten bei Dir aus? Besinnlich, voller Trubel oder liegt Dein Fest irgendwo in der Mitte?



Comments:
1 Comment posted on "Ruhe, Trubel oder beides – das Feiern des Weihnachtsfests"
Ulf on December 8th, 2006 at 7:03 am #

In der Mitte- Ich bin bis dahin (hoffentlich) wieder voll im Dienst und darf arbeiten. Den Rest vom Fest verbringe ich gemütlich mit meiner Frau…

Mich stresst vor allem die Vorweihnachtszeit mit dem Trubel, Gelärme, Kommerz und Kitsch. Ich hätte es gerne besinnlicher. Diese Konsumorgie nervt total.


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