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Filed Under (Ritalin) by Rene Kriest on 02-08-2007

Was soll man von Artikeln halten, die auf der Grundlage folgender Aussage böse wider Ritalin wettern:

„Zwar gibt es auch in den USA dazu keine genauen Zahlen.“ Mit anderen Worten bedeutet dies, daß man nichts weiß. Gar nichts.

Der Focus zum Thema Ritalin

Aufbewahrungsort dieser fragwürdigen Beweisführung ist der Artikel Ritalin-Partys in Amerika. Eingeleitet wird der Artikel folgendermaßen:

In den USA jedoch gehört das Gehirndoping mit der Modedroge Ritalin dagegen fast schon zum Schulalltag. Dort ist die Ansicht weit verbreitet, dass man sich als Gesunder mit Methylphenidat einen Leistungsschub für die Prüfung verschaffen kann – und der Druck in Highschools und Colleges ist derart hoch, dass viele einfach keine Alternative sehen.

Und dann zu Beginn des Artikels fällt obengenanntes Zitat: „Zwar gibt es auch in den USA dazu keine genauen Zahlen.“

Wie kann eine Ansicht „weit verbreitet“ sein, wenn außer dem Focus niemand von dieser Ansicht je gehört hat dem Hören nach? Der Onkel meiner Schwester dessen Freundin wo die andere Freundin mit dessen Sohn usf. hat gehört, daß – gell?

Armutszeugnis

Nicht im Ansatz wird eine der Aussagen untermauert, keine Studie wird herangezogen, allenfalls darf mal ein Mensch mit Scheinautorität eine Prognose wagen, was ebenso für Evidenz sorgt, wie die Expertise von Bier-Paule aus der Eckkneipe zum Thema Doping bei der Tour de France. Man muß sich das mal vorstellen, wie aberwitzig solche Artikel in ihrer Wirkung sind.

Was ist eigentlich eine Ritalin-Party?

Mir gefällt dieser Ansatz der Wahrheitsfindung.

Abseits solcher Sarkasmen hält der Artikel selbst noch mehr fragwürdige Pointen parat. Interessant ist nämlich ferner, daß der Focus einen Begriff einbringt, ohne ihn überhaupt weiter auszuführen. Was ist denn eigentlich eine Ritalin-Party? Was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Versammeln sich auf diesen Ritalin-Partys die Grenzdebilen, die gerade noch so viel Hirnmasse in sich führen, daß sie auf den Gedanken verfallen, einer solchen Party beizuwohnen, um dort dann gemeinsam Ritalin zu werfen und sodann für 1 Stunde ins Reich von Einsteins Relativitätstheorie abzutauchen?

Von Lernturbo keine Spur zu sehen

Kongenial auch das strukturelle Umfeld, in welchem sich der Artikel bewegt. Überschriften wie Notenturbo usf. bilden ein prächtiges Umfeld, um über Ritalin zu schreiben. Es ist schlicht einfacher, den Teufel an die Wand zu malen, Hätte-wäre-wenn-Phantasien zu bemühen, anstatt gewisse Fragen wirklich zu klären.

Was sich der Focus bei diesem Artikel gedacht hat, entzieht sich mit und ohne Ritalin meiner Erkenntnis.



Comments:
2 Comments posted on "Ritalin-Hysterie dank Qualitäts-Journalismus aus dem Hause Focus"
SuMu on August 3rd, 2007 at 2:18 pm #

wenn ritalin hilft, ist es doch o.k., scheisse ist es, mit einer psychischen erkrankung zu leben.


Zwotti on September 5th, 2007 at 4:12 pm #

Es ist generell auffällig, dass in den meisten Medien, die über solche Themen berichten keinWissen vorliegt, ob Artikel über neue Killerdrogen oder ganz einfach Artikel über Medikamente gegen ADS. Da wird schnell aus der starken Zunahme der Verschreibungen ein Mißbrauch abgeleitet, obwohl doch die Prävalenz von ADS auf 2-4 Prozent der Kinder geschätzt wird, woraus sich wenn man das denn bei8 geschätzen Zahlen so machen möchte- eine Unterversorgung schließen ließe. Nun fordert auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, daß eine Behandlung mit Ritalin das letzte Mittel zur Behandlung einer ADHS sein solte. Anstatt dass sich diese Frau mal ein bißchen informiert, sondert sie solche Informationen ab, die mit Sicherheit dazu beitragen werden, dass einige Menschen weniger eine adäquate Medikation erhalten. Mal ganz nebenbei. Da ja als wahrscheinlichste Ursache inzwischen ein genetischer Defekt und eine falsche Expression bestimmter Proteine angenommen wird, die dafür sorgen, daß in einigen bereichen des Gehirn die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin nicht in normalem Maße möglich ist, wie soll da bitte etwas anderes als eine Medikation diese Ursache bekämpfen, alle anderen Maßnahmen sind natürlich wichtig, um den Umgang damit zu erlernen - keine Frage - doch ohne an die Wurzel zu gehen sind da nur unbefriedigende Resultate zu erwarten. Ich selbst bin einer von denen, wo als Kind ein Verdacht bestand, diese jedoch als für eine Modekrankheit aus den USA befundene Diagnose wurde nie ausgestellt. Mit 20 endlich kam der Verdacht durch einen in der Familie bekannten Neurologen erneut auf, nachdem ich im Zivildienst und an sich überall und ständig weggetreten war und ständig einschlief, wie in der Schule übrigends auch. Alle möglichen Situationen überforderten mich und ich konnte mich in keiner Form ausleben, da ich selbst nach kurzer Zeit von Dingen zuviel bekam (bis hin zu dissoziativem Erleben). 15 Jahre nach dem ersten Verdacht hielt ich dann die Diagnose in den Händen und würde auf Ritalin eingestellt, worauf alle derartigen Probleme instantan verschwanden. Wozu erwähne ich das, wo doch offensichtlich ist, daß es sich um einen schweren Fall von ADS handelt, und die s bei erwachsenen ja wesentlich seltener als bei Kindern ist? Schlichtweg um einmal aufzuzeigen, was es bedeutet unerkannt mit sowas zu leben (ich denke, die FOlgen für mich, die ja nur angedeutet sind, sind zu erahnnen) und um aufzuzeigen, wie sehr die Diskussionen in der Öffentlichkeit bezüglich dieses Themas schlichtweg an der SAche vorbeigehen, und das in bisher allen von mir gelesenen Blättern. Modekrankheit ADS habe ich so oft gehört, dass ich fast kotzen muss. Bedenkt man die Sicherheit des Präparates Ritalin ist doch die Frage was ist, wenn jemand fälschlich diagnostiziert wurde, keine dramatische, die was ist, sollte jemand nicht diagnostiziert werden, hingegen schon.


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