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Filed Under (Medikamente) by Rene Kriest on 27-12-2006

Paroxetin ist bekanntlich ein Antidepressivum. Daß Antidepressiva wiederum schlaflos machen ist gerade für Nutzer dieser Medikamente keine Neuigkeit. Bereitete einem die Depression schon einen schlechten Schlaf, so wird das Durchschlafen auch durch Antidepressiva nicht wirklich besser, allenfalls wacht man regelmäßiger auf. Was also tun? Könnte man sich den Nebeneffekt der Antidepressiva irgendwie zunutzen machen? Anbei ein paar Erfahrungen aus einem Selbstversuch! :)

Depression machte mich schlaflos

Mit meiner Depression kam auch die Schlaflosigkeit bzw. der äußert schlechte Schlaf. Nachts wachte ich irgendwann zwischen vier und fünf auf und konnte nicht wirklich wieder einschlafen und das völlig unabhängig davon, wann ich ins Bett gegangen war am Abend zuvor. Schlechter Schlaf führte zu noch schlechterer Stimmung - ein weiterer Teufelskreislauf der Depression schloß sich. Bekannte Helferlein gegen Müdigkeit wie Koffein in Gestalt von Kaffee halfen nicht wirklich.

Antidepressiva sind kein Schlafmittel

Erste Maßnahme gegen die Depression war die Einnahme von Antidepressiva. Sertralin brachte es bei mir nicht so wirklich. An dessen Stelle trat dann Paroxetin, das mir schon sehr half bei der Bewältigung meiner Depression. Gegen die Schlaflosigkeit allerdings war auch dieses Mittel machtlos, im Gegenteil! Zumeist nach genau drei Stunden Schlaf wurde ich nachts fortan wach – ein Effekt übrigens, der auch anderen SSRIs zueigen zu sein scheint.

Nachts liege ich wach oder schlafe unruhig

Nach wie vor wachte ich des Nachts immer wieder auf. Folge war also weiterhin der unruhige Schlaf und damit Tagesmüdigkeit. Kompensiert hatte ich diese Schlafdefizite mit diversen Mittags- und Abendschläfchen als auch Kaffee, Espresso und Red Bull. ;)

Damit wurden aber nur Symptome kuriert, nicht aber die Ursache als solche angegangen. Vor zwei Wochen erhielt ich sodann ein Schlafmittel, das auf den wunderlich anmutenden Namen Zopiklon lautet. Nach Einnahme von Zopiklon war es mir immerhin möglich, 6 Stunden durchzuschlafen und mich doch recht ausgeschlafen zu fühlen.

Bezodiazepin und Schlafmittel als Wundermittel?

Temesta, ein Benzodiazepin mit dem Wirkstoff Lorazepam, führte zu ähnlichen Erfolgen. Selig schlummerte ich vor mich hin ohne lästige Wachphase in der Nacht. Doch spätestens an dieser Stelle drängte sich mir eine wichtige Frage auf: sollte ich tatsächlich meine Schlaflosigkeit („Insomnia“) durch eine mögliche Benzodiazepin-Abhängigkeit abgelöst werden? Und wenn nicht Benzodiazepin – ein Leben lang Schlafmittel schlucken? Konnte es dann sein?

Plan B: Modafinil (Vigil)!

Innerlich beantwortete ich die Frage unentschieden. Ich schlafe gerne, zumal wenn es mir schlecht geht. Im Schlaf peinigt einen die Depression nicht. Mein Verstand zwang mich jedoch, Plan B zu verfolgen. Das Problem war nur, daß ich keinen Plan B hatte. Modafinil (Vigil), das moderne Gegenstück zum Schlafmittel, ein Wachmacher, erhält man nicht so einfach, auch wenn man dem Psychiater noch so überzeugend klarmacht, daß einen der Schlafmangel massiv schadet.

Unverhoffte Schützenhilfe durch Paroxetin

In diesem Moment kam mir eine zufällig gemachte Entdeckung zugute. Aus Neugier heraus dosierte ich im Selbstversuch mein Antidepressivum Paroxetin, von der laut Beipackzettel empfohlenen Höchstdosis in Höhe von 60 auf 70 mg pro Tag hoch. Ziemlich schnell ging es mir dadurch besser. Nebenfolge war jedoch, daß ich nicht nur wie oben beschrieben nach drei Stunden Schlaf wach wurde. Vielmehr blieb ich auch noch wach. ;)

Was also tun? Zwei Möglichkeiten hatte ich sodann. Entweder blieb ich liegen, starrte stundenlang die Decke an und grämte mich oder ich stand auf und nutzte den hinzugetretenen völlig unerwarteten Zeitgewinn.

Das gute alte Koffein :)

Völlig ausgeruht war ich nicht. Den Rest besorgte jedoch zuverlässig Koffein als Anschubmittel zum endgültigen Wachwerden. Den Tag über blieb ich wach und halbwegs ausgeruht. Allerdings schien sich der Effekt nur jeden zweiten Tag einzustellen. Auf drei bis vier Stunden Schlaf in einer Nacht folgte eine unruhige Nacht, worauf sich wiederum eine kurze Nacht anschloß. Mir gefällt der Gedanke, mehr vom Tag zu haben, wenn es mir gut geht und ich halbwegs wach bin. Und offensichtlich hing alles von der Dosierung mit Paroxetin ab.

Experimente

Aus genannten Gründen werde ich daher noch ein wenig weiter experimentieren. Mitte Januar werde ich Paroxetin auf 80 mg pro Tag hochdosieren. Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dürfte ich jeden Tag nach vier Stunden Schlaf wach werden und müßte ziemlich ausgeruht sein.

Erfahrungen zu einem Langzeitversuch mit Paroxetin in dieser zugegeben etwas höheren Dosis liegen mir bislang nicht vor. Angst oder Unbehagen vor dem Selbstversuch habe ich auch nicht unbedingt. Als schwer Depressiver habe ich ohnehin nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, auch wenn ich solche Selbstversuche nicht wirklich jedem empfehlen kann. Inzwischen gar habe ich Paroxetin auch abgesetzt.

Erfahrungen

Über meine weiteren Erfahrungen in Sachen Schlaflosigkeit in Verbindung mit Paroxetin werde ich berichten. Ich freue mich schon auf die neuen Erfahrungen. (Nebenbei bemerkt: diesen Blog-Eintrag schrieb ich zwischen vier und fünf Uhr morgens. ;))

Wie gehst Du mit Schlaflosigkeit und Schlafdefiziten im Alltag um? Welches Antidepressivum nimmst Du ein und welche Wirkungen hast Du erfahren bezogen auf Deinen Schlaf und Paroxetin?



Comments:
8 Comments posted on "Schlaflos durch Paroxetin"
Susanne on December 27th, 2006 at 1:42 pm #

Es machen nicht alle AD schlaflos, es gibt die sog. sedierenden Ad, von denen kann man prima schlafen. z.B. Trimipramin ;-).

Ich hatte in der Klinik immer Schlafprobleme und habe zuerst Zop (hat nicht lange gewirkt) und dann das Benzo Noctamid bekommen. Von diesem konnte ich wunderbar schlafen. Natürlich bekommt man das nur in einem begrenzten Rahmen und es wird, bevor man entlassen wird, abgesetzt.

Du könntest ja auch abends ein sedierendes AD nehmen, zu deinem Paroxetin morgens.Vielleicht nützt es dir . Auf Dauer schlecht oder wenig schlafen, ist genauso wenig gesund, wie man depressiv ist…


Ulf on December 28th, 2006 at 5:55 am #

Schlaflosigkeit war bei mir schon mal schlimmer. Ich schlafe zwar immer noch unruhig und träume seltsam, aber besser isses geworden. Ich bekomme Fluoxetin (wie auch Paroxetin ein SSRI), Sulpirid gilt auch nicht als schlaffördernd, und Zopliclon bekam ich mal (jetzt nicht mehr), und seitdem isses eher besser….


Sabine on January 7th, 2007 at 12:37 am #

Seit ich sedierende AD bekomme, schlafe ich wunderbar. Es sind zumindest ein paar Stunden, in denen ich echt Ruhe habe. Das Aufwachen danach ist allerdings oft scheußlich, so als ob mir eine schwere Platte auf den Kopf fallen würde.


Rene Kriest on January 8th, 2007 at 12:23 pm #

@Sabine
Ja, das habe ich auch schon gehört, daß man mit sedierenden ADs morgens wie geplättet aufwachen soll.

Bei mir ist es so, daß ich in letzter Zeit um 22 Uhr ins Bett gehe, um 0 Uhr aufwache, und dann 2 Stunden lese. Dann gehts wieder ins Bett und irgendwann zwischen 4:30 und 5:30 wache ich wieder auf. Hierauf stehe ich dann ganz auf, koche Kaffee und muß erst einmal vollständig wach werden.

LG,

René


23jähriger junger mann on July 22nd, 2007 at 12:10 pm #

hi mi rgehts genau so dich.ich kann nachts auch nciht in ruhe schlaffen, ich stehe alle 2std auf. ich nehme keine depresiva, leider aber seit 4 jahren daran. schlaflose nächte usw…

tagsüber war ich dadurch zu müde, ich konnte genau wie du.. nur Kompensiert hatte ich diese Schlafdefizite mit diversen Mittags- und Abendschläfchen als auch Kaffee, Espresso und Red Bull…

irgendwann bin ich auf kokain gestoßen.

also wens mir schlecht geht, das und wen ich müde bin das, weni ch schlaffen muss zopiclon.


Xenons on September 21st, 2007 at 6:30 am #

Hi , bei mir hat es vor 4 Wochen angefangen als ich aus dem Urlaub nach Hause gekommen bin.Ich bin schon immer ein Langschläfer gewesen und jetzt schaffe ich nicht mal 5std. wenn ich dann am heiligsten Tag beim Auto Fahren beinah
weg döse merke ich wie gefährlich das
seien kann.Ich nehme seid 2004 Paroxetin 30mg und ich hatte bis jetzt
keine Schlafprobleme.Wenn ich lese das du auf 70 bzw auf 80mg hoch gehst kann ich das nicht glauben.Ich hatte 40mg mal 2 Monate lang genommen ,die Nebenwirkungen waren einfach zu hoch.Aber wie es aussieht ist das von Mensch zu Mensch anders.

ps.auch ich schreibe dir dieses Posting um halb sieben morgens.Es ist echt zum kotzen


kerstin on September 21st, 2007 at 8:46 am #

Hi, ich nehme seit einer Weile 20mg Parotexin und kann pennen zu jeder Zeit.Jahrelang litt ich unter Schlafstörungen und Schlaflosigkeit.Nur Schlaftabletten haben mich schlafen lassen, jedoch haben die mich so weggeballert, dass ich am nächsten Tag Stunden brauchte um klar zu kommen.Ich lief also genauso verpeilt rum, als hätte ich garnicht geschlafen.Meine schlaflosigkeit war so schlimm, das ich wirklich nur jeden dritten Tag schlafen konnte.Und das auch nicht am Stück, sondern selbst da alle zwei Stunden hellwach war.Ich hoffe, das dass noch eine ganze Weile so bleibt und wenn Parotexin auch noch gegen meine Depri helfen….Halleluja!!


Bernhard on September 18th, 2008 at 5:12 pm #

Du kannst Dir Mirtazapin 30mg, ein Antidepressivum verschreiben lassen. Dann einfach die Tablette teilen und 15 mg zur Nacht nehmen. Dann schläft man sicher durch. Kann sein, das Du die erste Zeit morgens noch müde bist, das legt sich aber schnell. Wird mittlerweile auch zu diesem Zweck verschrieben. Komischerweise ist der schlaffördernde Effekt in Niedrigdosis stärker. Im Gegensatz zu Benzos macht das Mittel auch nicht anhängig.


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