|
Paroxetin abzusetzen ist eine Kunst für sich. Mittlerweile befinde ich mich in Woche 10 und es ist kein Ende abzusehen, wann ich Paroxetin endgültig hinter mir gelassen haben werde. Zunächst einmal möchte ich Abbitte leisten. Vor meinem Absetzungsversuch las ich wenige, dafür um so eindringlicher formulierte Schilderungen des Leidens und der Pein, Paroxetin abzusetzen. Von wochenlangem schrittweiser Reduktion des SSRI war da die Rede, teils in Milligrammschritten und teils monatelanger Einnahme von Spurenelementen des Antidepressivums. Für mich klang das bestenfalls wie Übervorsicht, und forscher betrachtet wie Hysterie. Wie die Absetzungs-Geschichte einer Horde Warmduscher legte ich die schmerzlichen Zeugnisse erfolgter Paroxetin-Absetzungsversuche aus. Um es kurz zu machen: die Warmduscher hatten allesamt recht und ich lag richtig, richtig falsch. Krasser als ich konnte man sich nicht auf dem Holzweg befinden – mea culpa. Paroxetin, Paroxat, Paxil – ganz gleich unter welchem Handelsnamen sich das Antidepressivum verbirgt, ist eine gute Sache, solange es wirkt. Das Medikament der Gattung SSRI abzusetzen bzw. auszuschleichen dagegen ist die Hölle auf Erden für mich als auch diverse andere Personen. Ich reihe mich willig und gerne in den Chor der Wehklagenden Paroxetin-Opfer ein. Die größeren Reduktionsschritte bei der Senkung der Tagsdosis in der Höhe von jeweils 10mg nach Ablauf einer Woche gingen gut von der Hand. Meine Therapie-Dosis betrug 60mg. Von den 60mg ging es runter auf 40, sodann auf 30, 20 und schließlich 10mg Paroxetin (Paroxat, Paxil). Doch als ich endlich Vollzug melden wollte mit meiner erfolgreichen Absetzung, indem ich von 10mg weitere 10mg abzog und bei 0mg pro Tag Paroxetin angelangt war, meldete sich Paroxetin wirkmächtig zurück. Ganz so, als wollte Paroxetin partout in meinem Blutspiegel bleiben, gewahrte ich nach Einnahme der letzten Tablette zu 10mg Paroxetin die bereits früher schon erlebten negativen Absetzungsfolgen, nämlich:
Die Reihenfolge spiegelt die Heftigkeit und Dauerhaftigkeit der einzelnen Symptome wider. So hatte ich nahezu eine Woche lang den ganzen Tag über Kopfschmerzen und mir war übel ohne Ende. Schwindel gesellte sich gerne hinzu, gefolgt von nicht selten vorhandenen Kreislaufproblemen und Schwitzanfällen. Flugs ging ich zwei Schritte zurück und nahm wieder 10mg Paroxetin pro Tag, um den Dämon im Blute zu willfahren. Genutzt hatte dies schon, allerdings stellte sich die wohltuende Wirkung der negativen Symptombeseitigung erst nach weiteren 4 Tagen ein. Ehedem verschwanden die Symptome noch am selben, spätestens am kommenden Tage der Dosiserhöhung. Was also tun, sprach René?! Basierend auf den Erfahrungen meiner Leidensgenossen, die den Entzug schon hinter sich gebracht hatten, fahre ich Paroxetin nunmehr in 2,5mg-Schritten pro 8 Tage herunter. Allerdings sehe ich es schon kommen, daß ich wahrscheinlich Paroxetin noch in 0,1mg-Schritten weiter reduzieren muß. Hoffen wir als das Beste, um Paroxetin endlich auf nimmer wiedersehen sagen zu können.
Comments:
27 Comments posted on "Paroxetin absetzen, oder: Wie man sich die Pest hoffentlich endgültig vom Halse schafft"
Niki on December 15th, 2007 at 9:42 pm #
Hallo, ich kann Deinen Bericht nur bestätigen. Ich habe vor einem Jahr schon mal versucht Paroxetin abzusetzen, mir gings so dreckig, daß ich beschloß es nur noch in stationärer oder teilstationärer Behandlung zu versuchen. Nun ist es wieder soweit… seit 3 Tagen bin ich ohne, meine letzte Dosis war 5 mg, und mir gehts ziemlich schlecht. Abgesehen von den körperlichen Symptomen wie starker Schwindel, Übelkeit, extreme Appetitlosigkeit, Kreislaufprobleme, Zitteranfälle und starkes Schwitzen, hab ich dazu noch Ängste, Verwirrtheitszustände und krieg zur Zeit nix auf die Reihe, selbst das im Bett liegen und nix tun ist super anstrengend. Ich hoffe, daß ichs dieses Mal durchhalte. Hab als Ersatz jetzt 3000 mg Baldrian am Tag. Wer weiß wie ich ohne das durch den Tag kommen würde… Beileid an alle die versuchen Paroxetin abzusetzen und Kopf hoch
Rene Kriest on December 18th, 2007 at 3:24 pm #
@Niki
Corinna on December 25th, 2007 at 10:04 am #
Hallo René! Das gleiche Problem habe ich auch.Meine Therapeutin versicherte mir das Paroxetin nicht abhängig macht und daraufhin habe ich es eingenommen.Das ist jetzt 3 Jahre her.Ich nehme pro Tag 1 Tablette (20 mg) ein.Vor ein paar Monaten habe ich schon einmal versucht die Tablette abzusetzen aber ich bekam Nebenwirkungen wie zB. Schwindel, Kreislaufprobleme,ein “Hämmern”im Kopf usw.Ich bin dann auf die normale Dosis zurück gegangen.Dann ging es mir wieder super! Jetzt möchte ich es wieder absetzen und bin schon auf 10 mg innerhalb 2 Monaten runter, aber ich verspüre trotzdem wieder diese Nebenwirkungen.Was meinst du oder welche Erfahrungen hast du,gehen diese nach einiger Zeit weg? Und wie geht es dir zur Zeit?
Corinna on January 1st, 2008 at 11:28 am #
Frohes neues Jahr! Ich hoffe du bist gut rein gekommen! Schade das du mir noch nicht geantwortest hast.Mir geht es im Moment mit der halben Tablette sehr gut und ich habe keine Nebenwirkungen mehr.Bald reduziere ich auf 5mg.Ich glaube man muß einfach versuchen durchzuhalten und das Ganze einfach nicht so schnell absetzen.Ich wünsche allen hier noch einen guten Start ins Neue Jahr und haltet die Ohren steif!!Ich werde auf jeden Fall Paroxetin den Kampf ansagen!Ganz liebe Grüße Corinna
Rene Kriest on January 1st, 2008 at 9:57 pm #
Hallo Corinna! Ich wünsche Dir auch ein frohes Neues! Tut mit leid, daß ich erst jetzt antworte, doch hatte ich vorher nicht in die Kommentare reingesehen. Ich bewundere Deinen Durchhaltewillen in Sachen Paroxetin. Ich habe das Zeug nunmehr endgültig ausgeschlichen, wenn auch mittels eines Tricks, über welchen ich in den folgenden beiden Postings geschrieben habe: http://www.depressionsblog.com.....ymptome-2/ http://www.depressionsblog.com.....in-zoloft/ Ich habe Paroxetin mittels Zoloft via fliegendem Wechsel ersetzt, da beides SSRI sind. Anschließend setzte ich dann Zoloft ab, was um ein Tausendfaches einfacher war, als mich weiterhin mit Paroxetin abzuplagen. Bei mir waren die Nebenwirkungen bedingt durch das Absetzen wahrlich extrem und nicht auszuhalten. Aus der Not entwickelte sich dann diese Idee des fliegenden Wechsels. Paroxetin war wirklich gut, sofern man die Nebenwirkungen/Absetzungssymptome außer acht läßt. Ich drücke Dir ganz doll die Daumen! Du schaffst den „Entzug“! Viele liebe Grüße, René
Corinna on January 6th, 2008 at 10:17 am #
Hallo René!
patricia on January 6th, 2008 at 10:22 pm #
hallo rene….nun möchte ich dir hier mitteilen das ich gerade dabei bin paroxetin abzusetzen…es ist die hölle…schwindel,elektrische schocks sogar inna zunge…es is schlimm…dazu kommt das schwitzen und ständig könnte ich anfangen zu heulen…einfach nur grausam…ich bin allerdings schon soweit das ich kein paroxetin mehr nehme,zum glück haben diese intensive träume schon aufgehört…naja wie dem auch sei…ich wünsche euch allen hier nen erfolgreiches jahr 2008…und viel viel erfolg paroxetin entkommen zu können…denn ich kann nachvollziehen und leide mit!liebe grüsse patricia
Angelina on January 7th, 2008 at 10:10 am #
Hallo zusammen.
Corinna on January 8th, 2008 at 8:08 pm #
Hallo noch einmal!
patricia on January 22nd, 2008 at 11:10 am #
halli hallo ich nehme jetzt seid 3 wochen kein paroxetin mehr…jetzt ist es bei mir so das ich ständig richtig dolle aggressiv werde und alles andere is weg…ich schätze ich habs bald geschafft…naja ich arbeite dran…viel erfolg und gesundheit für euch…
Corinna on January 27th, 2008 at 8:34 am #
Guten Morgen!
Sa on March 25th, 2008 at 11:57 am #
Hallo!
Rene Kriest on March 25th, 2008 at 12:47 pm #
Hallo Sa! Danke für Deinen Kommentar. Gerade folgenden Passus unterschreibe ich zu 100%: “Vielleicht noch etwas positives: Paroxetin hat mir zu einem glücklicheren Leben verholfen. Ich habe es wegen Panikattacken genommen. Das Medikament hat mich wirklich davon befreit. Das soll mein Schlusswort sein.” Mir hatte es seinerzeit auch sehr gut geholfen und meine Stimmung gut aufgehellt. Schade, daß das Absetzen jedoch so der Horror war.
El Bakadi on April 28th, 2008 at 8:06 am #
Hallo alle zusammen. Ich wünsche allen viel Erfolg!!!
marcel on April 29th, 2008 at 1:31 am #
Also, ich nehme seit 6 Jahren Paroxetin. Angefangen mit 20, dann auf 40 und nun habe ich mich selbst auf 0,5 mg reduziert. Mir gehts gar nicht gut damit, aber ich habe auch keine Lust mehr darauf, mein Leben den Tabletten zu widmen. Paroxetin hat mir was meine Angststörung betrifft sehr gut geholfen, aber es hatte auch erhebliche Nebenwirkungen. Sprich z.B. Gleichgültigkeit und Empfindungslosigkeit. Ebenfalls hatte ich das Gefühl, dass meine Phantasie, Kreativität, ja mein ICH als solches verloren geht. Aber ich stelle fest, dass ich über die Jahre wohl vergessen habe, wie ich mich ohne Tabletten fühle. Deswegen gehts mir momentan wahrscheinlich auch so beschissen. Habe nun ein ganz komisches und unangenehmes Körpergefühl. Bekomme gelegentlich Herzrasen und Zitteranfälle, aber irgendwie habe ich auch keine Interesse daran, die ganze Schote nochmal von vorne zu beginnen. Keinen Plan, was ich tun soll. Habe heute die letzten 0,5 mg genommen und es ging mir heute schon richtig schlecht und der Gedanke, morgen dann wieder aus Angst vor Nebenwirkungen zum Arzt zu rennen, kotzt mich noch mehr an. Fakt ist, dass meine Neurologin mich nicht wirklich über die Palette an Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen aufgeklärt hat und jetzt hab ich den Salat, lol….Naja.
susapp on June 22nd, 2008 at 9:31 am #
Ich hab auch <paroxat abgesetzt und mir gehzs mal so richtig scheiße. Habe 2 20 mg genommen und bin dann auf 10 mg runter gegangen das ging auch noch ganz gut. Aber als ich die Tab. ganz wegließ ging nach 2 Wocheen gar nix mehr. ich habe totale angstzustände,<schwindel und mir is ständig als ob ich ohnmächtig werde. Gehts noch jemandem so? hab voll Angst ich hab irgendwas Schlimmes. kann mich jemand beruhigen?
Thomas on July 7th, 2008 at 9:14 am #
Ich kann Marcel nur bestätigen. Wenn ich Paroxetin nehmen, hören zwar die Angstzustände auf, aber man fühlt auch sonst nicht mehr so intensiv “das Leben an sich”, wie ich es mal ausdrücken will. Ich habe auch wie Marcel das Gefühl, dass man sich sozusagen selber irgendwie entfremdet, weil die Phantasie und Kreativität verloren gehen und man immer gefühlsmäßig wie leicht betäubt ist. Ich versuche grade Paroxetin abzusetzen, und es ist der Horror. Sowas von intensiven Alpträumen. Und Schwindelgefühlen. Aber ich will auch wieder mehr ich selber sein, auch wenn mal eine Panikattacke sich einschleichen will. Aber ich bin mittlerweile recht gefestigt, so dass ich die Panik objektiv beurteilen kann und mich dann wieder runterbringe davon. Abgesehen davon fühle ich mich jetzt wieder mehr wie ich selber. Thomas
Thomas on July 8th, 2008 at 8:50 am #
bin nur noch am heulen. Aber ich werde es nicht wieder einnehmen. weil mir mit paroxetin alles so egal ist, und das ist noch schlimmer.
reini on July 8th, 2008 at 9:16 pm #
Also ich war 7 Jahre Paroxat abhängig, weil ich einem Arzt vertraut habe, und habe auch etliche Male nach Vorschrift versucht abzusetzen und bin jedesmal wie ein Junkie gescheitert. Auf der Packung sollte eigentlich eine große rote Sinuskurve sein, weil nur so läßt sich Paroxat am besten beschreiben, sowohl während der Einnahme mit all den drogenartigen Feelings und teilweise sogar echten Halluzinationen, (aus dem Augenwinkel heraus irgendwas vorbeischwirren sehen, was beim 2ten Blick garnicht da ist) als auch beim Entzug. Ja übrigens.. ich bin jetzt komplett von Paroxat frei ! ! ! Ihr müßt dem Ganzen viel Zeit geben. Bei mir hat das Ausschleichen lassen insgesammt länger als 6 Monate in Anspruch genommen. Man kann generell auch immer wieder mal einen Tag aussetzen, aber bitte langsam. ihr wisst ja die wirkung lässt erst nach 3 bis 4 tagen nach und die schlimmen Zeiten beginnen. Ich habe am Ende 5mg alle 2-3 Wochen genommen und selbst diese waren jedesmal wie eine Erlösung für mich. Irgendwann hat es dann ein Ereignis in meinem Leben gegeben, das war am letzten Tag letzten Jahres, da hab ich dann endgültig Schluss machen müssen. Bis jetzt also frei. Paroxat hat mir ständig Glücksgefühle beschehrt, die ich mir nicht selbst verdient habe, Selbstbescheißung also. Paroxat hat mir schon was gebracht: Es kann nur besser werden, selbst wenn alles echter rüberkommt. Ich muss schon sagen durch das Paroxat habe ich 7 Jahre lang nicht über die Augen weinen können, maximal Kurzatmung für ganz kurz aber richtiges Weinen war nicht möglich. Jetzt ist das schon anders. Mir kommen jetzt sehr oft Tränen in nachdenklichen Situationen, aber so gehört das glaub ich auch. Weinen ist ein natürlicher Heilungsprozess, den ein Paroxat-Zombie nicht erleben darf, weil er eben viel zu zugedröhnt dafür ist. Es ist jetzt das erste mal, dass ich irgendwo im web über das rede seit dem ich davon runter bin und wie man sieht bin ich noch ein wenig sauer. Viel Erfolg allen, die das alles noch vor sich haben. und NUR schön langsam ausschleichen lassen !!
reini on July 8th, 2008 at 9:21 pm #
ja genau.. ich hatte bei diesem endgültigen Abstezversuch überhaupt keine Absetzsymptome. Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich damals jeden Tag damit gerechnet habe, dass sie kommen aber sie kamen nie! es ist also möglich schmerzfrei!
Sabine on July 11th, 2008 at 11:41 pm #
Hi Leute! Sorry, ich bin gerade ziemlich durch den Wind. Falls mir jemand Mut machen kann / will, kann er mir auch gerne mailen.
Elke on July 17th, 2008 at 8:18 am #
Hallo ihr alle!
Niene on July 19th, 2008 at 2:44 pm #
Hallo Leidensgenossen.. habe anfangs 20mg am Tag genommen, da es aber anscheinend nicht die richtige Wirkung hatte, erhöhte mein Arzt es auf 40mg. Drück die Daumen… Niene
reini on July 20th, 2008 at 12:40 pm #
Absetzen:
reini on July 20th, 2008 at 4:45 pm #
http://www.adfd.org/forum/view.....ht=paroxat ..habe da was interessantes gefunden. vielleicht hilfts ja wem.
Etain on July 25th, 2008 at 7:45 pm #
Hallo liebe Leute, also ich bin seit 7 Monaten auf Paroxetat und versuche schon wieder es abzusetzen. Einerseist weil ich nicht all zu schwer Panik/Angstkrank war und andereseits, weil ich ungerne Chemie in mich reinstopfe. Bin also von 20 mg erst mal runter auf 15 für einen monat, jetzt auf 10 mg. soweit so gut keine nebenwirkungen. Nur dass ich immer noch hundemüde bin. seit ich paroxetin nehme muss ich mindestens 10 stunden am tag schlafen, bevorzugt vormittags, was blöde ist, wenn man sein leben lang frühaufsteher war!!! Aber ich bin student, von daher kann ich es einigermaßen ins Tagespensum integrieren. Da ich aber momentan zeimlcih im Lernstress bin habe ich gerstern die tablette vergessen, was sich direkt heute gerächt hat…..schwindel, angst!? oder liegt es nur am stress…oder ist es beides.? na auf jeden fall habe ich angst wieder rückfällig zu werden (depri/angstkrank) aber das gehört wohl, wenn ich die anderen Beiträge so lese zum absetzten dazu. ALso an alle, Kopf hoch, durchhalten und , da kann ich mich allen nur anschließen…….schön langsam runter damit, zur not die tablette vierteln, das geht auch! und immer min. 2 wochen, besser 4 bei der dosis bleiben bis man wieter runter geht (gerade bei damen wichtig, denn der hormonhaushalt schwankt ja bekanntlich im 28 tage rhythmus, denkt dran!!!) also, verliert den Mut nicht, wir sind nicht alleine!!!!
jacqueline on August 14th, 2008 at 10:24 pm #
Hallo, Post a comment
|