Mar
02
Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 02-03-2008

Überrascht bin ich, daß zuletzt viele Besucher dieses Blogs mittels dieser Suchanfrage bei Google auf genau diesem Blog geleitet worden sind. Fraglos freue ich mich über jeden interessierten Besucher, der diesen Blog liest und für sich aus meinen und den Beiträgen anderer, die hier bisher veröffentlich worden sind und zukünftig eingestellt werden, etwas mitnehmen kann.

(Zudem freue ich mich wenn die Leser nach Möglichkeit auch gerne wieder den Weg auf diese Website zurückfindet und sich gegebenenfalls auch im Depressions-Forum beteiligen möchten im Gespräch und Erfahrungsaustausch mit anderen.)

Über meine eigenen Ziele wähnte ich mich in Gewißheit. Doch wie so häufig im Leben können scheinbar einfache Fragen zu umfangreichen Reflexionen und Überlegungen führen. Einladend an der Frage war insbesondere deren Pluralfassung. Welche Ziele haben Depressive. Gefragt wurde nicht nach dem Individuum, sondern nach dem Kollektiv der unzähligen Depressiven des deutschsprachigen Raums.

Welche Ziele haben Depressive?

Sprechen kann grundsätzlich jeder nur von sich, welche Ziele man also selbst verfolgt und in diesem Falle vor dem Hintergrund der Erkrankung namens Depression.

Ohne sich auf die komplexe Sinnsuche, was ein Ziel ist und welchen Nutzen diese für einen Menschen bereithalten, zu begeben, soll vorläufig genügen, daß Ziele einen Orientierungspunkt im Leben markieren und bewußt als solche gesetzt werden von jenem, der es erreichen möchte.

Die Frage nach dem Ziel ist interpretationsbedürftig. Ziele hat jeder, sei es auf Toilette zu gehen, am Wochenende auszugehen oder im kommenden Jahr in den Urlaub zu fahren. Welche besonderen Ziele stellen sich jedoch an Depression Erkrankte?

Die Ziele, die Depressive haben

Primär verfolgen Depressive einfache Ziele. Vorherrschen wird der Wunsch nach Gesundheit. Depressive haben also gemeinhin das Ziel, nicht mehr depressiv sein zu wollen. Und genau jetzt nimmt die scheinbar simple Fragestellung Welche Ziele haben Depressive erst jene interessanten Wendungen, die aus dem Einfachen das Spannende zu machen pflegen.

Gemeinhin unterscheidet man zwischen Ziel und Wunsch. Der Wunsch hebt sich vom Ziel dergestalt ab, als daß ihnen keine Umsetzung folgt. Allenfalls der Zufall mag hierbei zur Verwirklichung, die keine ist, als Komplize herzuhalten.

Ziele formuliert man konkret, indem man genau umreißt, was man erreichen möchte respektive welcher Zustand gemessen an der Gegenwart in der Zukunft bestehen solle. Wesentlicher Unterschied zu einem Wunsch ist hierbei der Zeitpunkt. Auf ein Ziel arbeitet man sprichwörtlich zu. Ziele sind Wünsche auf Termin.

Ergänzt wird diese Formel allerdings noch um eine weitere Komponente. Unbedingt muß man zur Tat schreiten, also handeln, so man denn das gesetzte Ziel verwirklichen möchte.

Wünschen kann man sich, am Wochenende in die Disko zu gehen. Ein Ziel wird der Wunsch dann, wenn man ein konkretes Wochenende als auch eine bestimmte Disko ins Auge faßt und zudem alles in seiner Macht Stehende an Handlungen vornimmt, das gewünschte Ergebnis, das Ziel, auch zu erreichen. Wird man etwa krank und ist am nämlichen Wochenende verhindert, ändert das nichts daran, daß man sein Ziel im Rahmen seiner Möglichkeit ernsthaft verfolgt hatte.

Verwirklichen lassen sich Ziele nur durch Zufall oder durch eigenes Tun und Handeln

Verwirklichen lassen sich Ziele nur durch Zufall oder durch eigenes Tun und Handeln. Auf den Zufall zu vertrauen ist gleichbedeutend damit, lebenslang Lotto zu spielen, um Millionär werden zu wollen. Je mehr man seinen Einflußbereich ausweitet, Ziele aus eigener Kraft erreichen zu können, desto weniger vertraut man auf den Zufall.

Ziele und Wünsche scheidet also im wesentlichen, daß man im ersten Falle aktiv sein Tun und Handeln auf eine Sache hin bewußt ausrichtet, während man im zweiten Falle sich paradoxerweise immer mehr von seinem Ziel entfernt.

Wer also nach den Zielen von Depressiven fragt, der muß insbesondere auch an der Ernsthaftigkeit der Verfolgung der gesetzten Ziele ansetzen. Andernfalls verfolgt man keine Ziele, sondern Wünsche.

Welche Ziele also haben Depressive? Nun, vielfach wird es der Wunsch sein Kraft zu finden, Ziele formulieren und umsetzen zu können.



Feb
25
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 25-02-2008

Beste Schauspielerin und damit Oscar-Gewinnerin 2008 ist Marion Cotillard. Für ihre Darstellung der Edith Piaf in dem Film La Vie en Rose gewann sie die unter Schauspielern begehrteste Trophäe der Welt.

Gewonnen hat den Oscar 2008 in der Kategorie bester Schauspieler Daniel Day-Lewis für seine Rolle in There will be Blood.

Die Liste sämtlicher Oscar-Preisträger 2008 gibt es hier.



Wer zu Hause sitzt und mit allein mit sich ist kann darüber erfreut oder betrübt sein. Es gibt Menschen die suchen bewußt die Einsamkeit, um mit sich selbst auch wirklich alleine sein zu können, und es gibt den diametralen Gegensatz: Menschen, die sich einsam und vergessen fühlen, isoliert und im gesellschaftlichen Abseits.

Während meiner Abitur-Zeit konfrontierte ich mich erstmals mit dem Unterschied von bewußter Einsamkeit und ungewollter Einsamkeit respektive wurde damit konfrontiert. Nicht selten zog ich mich zurück und wählte Unternehmungen für mich aus, die ich willentlich ohne Freunde und Kollegen bestreiten wollte am Wochenende. Auf Partys, auf welchen ich allgemeinhin vertraute und gewohnte Gesichter gewahren würde, etwa hatte ich keine Lust. Statt dessen zog ich alleine los und frönte nach Herzenslust dem Nachtleben, beispielsweise auf Techno-Parties im Dorian Gray, Omen oder XS als auch Palazzo.

Angesprochen darauf, daß man mich des öfteren alleine anträfe und ob ich keine Freunde hätte entgegnete ich spontan mit dem Satz: „Alleine zu sein heißt nicht unbedingt sich einsam zu fühlen.“ Erst später wurde mir die Wahrheit dieses Satzes bewußt. Äußerlichkeiten haben wenig zu tun mit innerer Repräsentation von Geschehnissen.

Um Gefühle geht es bei der Gegenüberstellung von Alleinsein und Einsamkeit und Gefühle sind wirkmächtig. Dieselben Szenen und Gedanken lösen unterschiedliche Reaktionen beim Menschen aus. Gedanken ans Alleinsein sind überwiegend positiver Natur, während das Bild von Einsamkeit einer Agonie gleicht, die es tunlichst zu vermeiden gelte.

Ironischerweise kann man sich in Gesellschaft und hierbei unter Freunden sehr einsam fühlen, während man auch umgekehrt auch alleine mit sich selbst bleiben kann. Alleine innere Vorgänge, Gedanken bald an die eine, bald an die andere Vorstellung, entscheiden über die entsprechend assoziierte Empfindung.

Grobgesagt markiert Alleinesein den Rückzug aus Gewohntem – und hierbei vor allem dem Alltag –, vollzogen in bewußter Abkehr, derweil Einsamkeit ein aufoktroyierter Prozeß ist, dem man sich ausgesetzt fühlt – Aktivität steht Passivität gegenüber.

Freundschaft und Gesellschaft wählt man als Aktiver. Passivität folgt aus dem Sichtreibenlassen und der Abhängigkeit von anderen, die einen entweder mitschleppen oder eben nicht.

Durch aktiven Rückzug setzt man einen Kontrapunkt analog von Arbeit und Pause. Man balanciert sein Leben und die Forderungen desselben aus. Auf Passivität fußendes Alleinsein macht deshalb einsam, da Angst und Kontrollverlust die ausschlaggebenden Motivatoren des eigenen Verhaltens sind. Aus Angst vor Einsamkeit fügt man sich ins Gegenteil dessen, was nach gesellschaftlicher Norm Einsamkeit ausmacht, nämlich Stubenhockerei anstelle von Aktivitäten in der Gruppe. Letzteres hat betäubende Zerstreuung oftmals zur Folge.

Energie gewinnt man nur durch eine bewußte Entscheidung für das Alleinesein, sofern diese auf Zeit erfolgt. Nur wenige können diesen als Dauerzustand aufrechterhalten; selbst Eremiten steigen buchstäblich von ihrem Berg herab. Gravierenden Energieverlust, gleichwohl schleichend im Vollzug, ruft Einsamkeit hervor.

Gegenmittel in beiden Fällen ist Aktivität verstanden einmal als Eigeninitiative, auf andere Menschen zuzugehen, und begriffen als äußerliche Beschäftigung unter Menschen. Wichtig ist nur das Ergebnis und Maßstab ist das Wohlgefühl, das man jeweils empfindet.



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