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Nicht-Depressive werden sich niemals in Depressive hineinversetzen können Unumstößlich steht für mich fest, daß ein Nicht-Depressiver niemals verstehen wird, was sich in einem Depressiven abspielt, wie er denkt, fühlt und seine Umwelt wahrnimmt. Niemand, der nicht selbst einmal eine depressive Episode hatte, wird verstehendes Wissen über die Krankheit erlangen und mitempfinden können, was sich in einem Betroffenen abspielt. Sämtliche Schilderungen über die Krankheit rufen regelmäßig nur Erstaunen bis Unverständnis hervor. Ein Buch mit sieben Sigeln tut sich da vor einem Nicht-Depressiven auf, der plötzlich mit der tückischsten aller Krankheiten konfrontiert wird, weil etwa das Kind, der Gatte oder die Tochter an einer Depression erkrankt ist. Verweigerung der Einsicht, erkrankt zu sein an Depression Ebenso, wie die Erkrankten selbst, verweigert sich auch das Gros der Angehörigen der Einsicht, was es heißt, an Depression erkrankt zu sein. Zu abstrakt ist diese Krankheit und auch noch überwiegend mit Tabus belegt. Übliche Vorurteile reichen von „Der hat einen an der Klatsche!“ bis hin zu „Der tut nur so.“ Gleichwohl sollten mittelbar Betroffenen versuchen, sich in das Leid der Depressiven hineinzuversetzen. Denn das innere Leid, daß ein Depressiver durchmacht, ist wahrlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Möglichkeiten, sich in die Welt der Depressiven zu versetzen, habe ich in meinem Blog bereits veröffentlicht. Depressive sind Mittler zwischen zwei Welten Um es mit einem Bild zu sagen: Depressive sind Mittler zwischen zwei Welten, einem Paralleluniversum, von dem Nicht-Depressive allenfalls aus Sagen und phantastischen Geschichten wissen. Ein schrecklicher Ort soll es sein. Wir waren und sind dort. Von der Unmöglichkeit, einem geregelten Tagesablauf folgen zu können Ich möchte ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung erzählen. Mir war und ist es teils völlig unmöglich einem geregelten Tagesablauf zu folgen. Ungleich schwieriger wird es mit der Bewältigung von sieben aufeinander folgenden Tagesabläufen, also einer Woche. Was andere sich als Pensum für einen Tag vornehmen, kann ich allenfalls verteilt über eine Woche leisten. Keinen geregelten Tagesablauf? Schwierigkeiten selbst bei banalen Aufgaben und Erledigungen des Alltags? Ich gebe gerne zu, daß ich mir vor fünfzehn Jahren, zur Zeit meiner Pubertätswirren, als meine Depression noch nicht schwer ausgeprägt war, hatte selbst nicht vorstellen können, daß so etwas möglich sein könne und obendrein auch noch mich treffen würde. Bis dahin hielt ich mich – eben typisch für Depressive – für einen etwas zu faul geratenen Schlamper, der zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Die Depression schleicht sich in das Tagesgeschehen ein Wie bereits angedeutet und durch eigene Erfahrungen belegt, mag ein Grund, weshalb insbesondere Eltern selten Verständnis zu Anfang der Diagnose Depression bei ihren Kindern aufbringen, in dem schleichenden Prozeß der Krankheit selbst liegen. Zu eigen ist der Depression, daß sie sich langsam in den Alltag der Betroffenen einnisten, festsetzt und ihr destruktives Tagwerk verrichtet. Die an Depression Erkrankten stoßen immer wieder auf enger gesetzte Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten und versuchen diese nach außen hin zu überspielen. Spätestens wenn diese Kompensationsversuche an ihre Grenzen stoßen, und der Alltag kaum noch zu bewältigen ist, bricht sich Verzweiflung Bann. Depression? Sozialphobie, Angststörungen usf. bekommt man gratis hinzu Damit ist es aber nicht getan, im Gegenteil. Beispiele bilden die die Depression häufig begleitende Sozialphobie. Anfangs fühlt man sich unwohl unter vielen Menschen, doch zieht man gerade bei Gruppenaktivitäten entgegen seinem Empfinden lieber mit, als sich der Gruppe auszuschließen. Man selbst fühlt sich unnormal, denkt aber, daß es an der eigenen Einstellung hapere. Angststörungen oder auch Panikattacken sind ebenfalls Begleiterscheinungen der Depression. Die Eltern sehen nur die Oberfläche des Kindes Die Eltern und Bekannte bekommen von solchen Entwicklungen, die langsam, aber stetig voranschleichen, in der Regel nichts mit. Sie gewöhnen sich ihrerseits an die schrittweise erfolgenden Verhaltensänderungen der noch unerkannt, das heißt, nichtdiagnostizierten Depressiven. Gelegentlich schlägt die Krankheit stark durch, daß man sich krank fühlt und lieber zu Hause bleibt. Auf Außenstehende wirkt man dagegen faul und träge – ein fataler Teufelskreislauf hat sich geschlossen. Post a comment
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