Kommentare aus anderen Blogs aufgreifend in Reaktion auf ein Posting in diesem Blog möchte ich die These vertiefen, wonach man gerade wegen Depression glücklich und zufrieden mit seinem Leben sein sollte.

Eingewandt worden ist unter anderem, daß die Depression eine Bürde sei. Dem ist auch so. Unbestritten ist, daß es ohne die Krankheit den Betroffenen fraglos besser ginge. Insofern ist die Krankheit als Last zu werten. Hinzu kommt erschwerend, daß es sich bei der Krankheit um eine der Natur nach äußerst tückische handelt. Nicht umsonst sprechen die Erwerbsunfähigkeitsstatistiken Bände, in welchen sich viele Depressive wiederfinden.

Unbenommen ist auch, daß die Depression sicht in allen Lebenslagen belastend auswirkt. Blockieren Geist und Stimmung wird jede Verrichtung zur Qual. Diesbezüglich spricht auch noch eine andere, weit trauriger stimmende Statistik eine eindeutige Sprache. Der Anteil depressiver Menschen in der Suizid-Statistik ist überdurchschnittlich hoch.

Nach diesem niederschmetternden Befund kann man der Depression wohl kaum etwas Gutes abgewinnen. Dem ist grundsätzlich zuzustimmen. Doch genügt ein Perspektivenwechsel, um eine andere Sicht auf die Krankheit zu gewinnen.

Nicht die Depression ist Lebensinhalt, sondern das Leben selbst. Innerhalb dessen spielt die Depression eine untergeordnete Rolle. Gewissermaßen ist sie eine Krankheit von vielen, als da wären AIDS, Diabetes, Multiple Sklerose, Krebs, Epilepsie, Hepatitis. Anders gewendet kann man sagen, daß man es einem hätte schlimmer gehen können.

Zu verstehen ist dies völlig frei von Ironie, Sarkasmus oder auch Zynismus. Von der Krankheit unmittelbar Betroffene führen ihr Leben trotz der Depression. Sie ist also eine Barriere von vielen Krankheiten, die es zu überwinden gilt, um Lebensziele und –träume verwirklichen zu können.

Überwunden werden kann jede Krankheit nur, indem man sie anerkennt und sich im Rahmen der Möglichkeiten, die sich einem bieten, sich ihrer erwehrt. Falsch dagegen ist es, mit dem Schicksal zu hadern. Wer nach dem „Warum nur?“ fragt, wird niemals eine Antwort erhalten und blockiert sich demnach selbst. Wer dagegen fragt „Wie kann ich trotz der Erkrankung mein Leben bestmöglich leben?“ erhält konstruktive Antworten.

Der Status quo ist zu akzeptieren. So drastisch es klingt, so hat jeder Depressive zwei Möglichkeiten im Leben. Entweder, der Betroffene bringt sich um, oder er lebt weiter. Lebt er weiter, so tun sich zwei weitere Alternativen auf. Einerseits kann man sich dem Siechtum, der Vorstufe des Todes, hingeben, oder aber kämpfen.

Der Kampf wiederum ist eine Lebenseinstellung. Vom Willen beseelt, die Depression als Hemmnis des eigenen Entfaltungswillens zu begreifen, sollte man herausfinden, inwiefern noch geistige und körperliche Kapazitäten frei sind zum Leben und von diesem Zustand aus leben.

Ein Beispiel möge dies verdeutlichen. Querschnittsgelähmte, die ihre Beine nicht bewegen können und darob an den Rollstuhl gefesselt sind, könnten ihre Lage positiv begreifen, indem sie nicht nach dem Warum fragen, sondern dem Wie ihrer Lage. Primaballerina können diese Versehrten nicht, oder nur sehr eingeschränkt, werden.

Was bleibt ihnen aber? Sehr viel. Dank Rollstuhl ist ihnen sogar Sport möglich. Ihr Kopf ist ebenfalls unversehrt. Denkleistung ist also möglich. Verweilt der Blick der betroffenen Gelähmten auf Möglichkeiten, die nur ohne Behinderung möglich wären, schmisse man viel weg. Konzentrierten sich die Betroffenen dagegen auf das, was ihnen noch bleibt, können sie nur gewinnen.

Auch Depressive haben diese Möglichkeit, wenn sie ihren Blickwinkel ändern. Fraglos ist die Depression, oder genauer: eine depressive Episode überflüssig wie ein Kropf. Andererseits kann man dagegen angehen derart, daß man unternimmt was möglich ist, seinen Zustand zu bessern, um besser leben zu können um seine Kapazitäten auszubauen.

Arrangiert habe ich mich mit der Krankheit. Gegenwärtig fühle ich mich nur bedingt eingeschränkt. Unterkriegen lasse ich mich von der Krankheit jedoch nicht. Niemals. Die Gegenwart ist schön. Von meiner mißlichen Vergangenheit kann man in diesem Blog nur zu genüge erfahren.

Sieht meine Zukunft damit rosig aus? Neulich fiel der Kommentar, daß meine Medikamente der Wirkung nach auch nachlassen könnten. Zutiefst schockierend empfand ich diese Äußerung. Bislang hatte ich diese Möglichkeit nicht hinlänglich bedacht. Allerdings wollte ich mich durch diesen negativen Gedanken nicht unterbekommen lassen.

Positiv und rational übersetzt erwiderte ich, daß niemand in die Zukunft blicken könne. Ferner wäre es auch nicht fern jedweder Aussicht, daß es auch noch besser wirkende Medikamente in naher Zukunft geben könne. Damit war ich wieder positiv geeicht. Ein Perspektivenwechsel genügte, die Gegenwart, in welcher ich alleine lebe, wieder zufrieden anzugehen und neue Kräfte zu tanken.

Die Depression stellt Spielregeln auf, die man zu einem gewissen Teil ändern kann. Die Spielregeln gewähren viel Freiraum. Nutze ihn. Aussteigen kann man aus dem Leben jederzeit. Beruhigt diese Aussicht etwa nicht? :)



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