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Filed Under (Therapie) by Rene Kriest on 30-11-2006

Herkömmlicherweise behandelt man Depressive überwiegend aus einer Kombination von Gesprächstherapie (kognitive Verhaltenstherapie) und Medikamenten. Leichte und auch mittlere Formen von Depression sind hervorragend mit einer Gesprächstherapie in den Griff zu bekommen, zumal dann, wenn man frühzeitig diese Form der Therapie in Anspruch nimmt.

Was verbirgt sich genau hinter dem Begriff Gesprächstherapie?

Unsere Gedanken bestimmen unsere Gefühle

Die Entwicklung der Gesprächstherapie ist eng mit den Fortschritten auf den Gebieten von Psychologie und Psychiatrie des 20. Jahrhunderts verbunden. Wegbereiter und gerne zitierter Urheber ist Sigmund Freud, was jedoch nur teilweise richtig ist.

Im Bereich der Depressions-Forschung stellte man fest, daß Gedanken Gefühle auslösen können. Gedanken wiederum werden von äußeren Einflüssen hervorgerufen. Bahnbrechende Erkenntnis war, daß es von Mensch zu Mensch verschieden war, was diese über dieselben Einflüsse dachten und empfanden. Folglich begann man, auf dieser kognitiven, also gedanklichen Eben zu arbeiten um zu sehen, ob Änderungen der Gedanken zu Änderungen der Gefühle führen.

Auf die Depression angewendet

Zur psychischen Ursache der Depression gibt es mehrere Theorien. In neuer Zeit wird vertreten, daß Depressive unter dem Syndrom der erlernten Hilflosigkeit litten. Dahinter steckt die Überlegung und in klinischen Studien nachgewiesene Erkenntnis, daß der innere Dialog, das Selbstgespräch im Unterbewußten bei Depressiven überwiegend pessimistisch ausgerichtet ist.

Ursachen und Schuld von Fehlern suchen Depressive immer gerne bei sich, während man die Ursache für Freude und Erfolg von Zufälligem und glücklichen Umständen abhängig macht. Solche Prozesse laufen auf der sogenannten kognitiven Ebene ab, das heißt, daß man diese Vorgänge durch bewußtes Gegensteuern beeinflussen kann – wo ein Wille, da auch die Möglichkeit, etwas zu ändern.

Die negativen Gedanken rufen negative Emotionen hervor

Gedanken wiederum rufen Emotionen hervor. Wer schlechte Gedanken denkt, die unmittelbar die eigene Person betreffen, ruft die hierzu passenden negativen Gefühle hervor; man fühlt sich mies. Auf das miese Gefühl folgen weitere schlechte Gedanken – der Teufelskreislauf ist geschlossen.

Angenommen, man ist verlassen worden. Vielfach fühlen sich dann die Verlassenen mies. Der Unterschied liegt in der Erklärung des Vorgangs. Während Nicht-Depressive zumeist die Ursachen im Verhalten des anderen ausmachen, wähnen sich Depressive als Täter.

Ein Vergleich der inneren Dialoge und Gedankengänge macht das transparent:

Gedanken des Nicht-Depressiven

 

  • „Das ist nicht mein Problem. Ich kann nichts dafür, wenn er/Sie sich in eine/einen anderen verliebt.“
  • „In letzter Zeit liefs ohnehin nicht mehr so gut. Zwar habe ich auch nicht alles richtig gemacht, doch hatte ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, mich zu trennen. Also ist es ok.“
  • „Mich betrügen und dann Schluß machen! Was bin ich froh, daß ich ihn/Sie los bin!“
  • „Kurzfristig mag es sehr weh tun, doch ist das seine/Ihre Entscheidung, und ich kann nichts daran ändern. Das Leben geht weiter; andere Mütter haben auch hübsche Töchter/Söhne.“

Gedanken des Depressiven

 

  • „Was habe ich nur falsch gemacht, daß er/Sie sich in eine/einen anderen verliebt hat?“
  • „Es ist meine Schuld. In letzter Zeit war er/Sie so komisch. Ich hätte versuchen sollen, mich zu ändern, dann wäre das alles nicht passiert. Warum war ich so egoistisch?“
  • „Es mußte ja so kommen, daß er/Sie mich betrügt. Weshalb habe ich ihm/Ihr nicht gegeben, was er/Sie wollte? Kein Wunder, daß ich verlassen worden bin.“
  • „Er/Sie war meine große Liebe. Ich werde nie über ihn/Sie hinwegkommen. Mein Leben ist so leer ohne ihn/Sie. Ich will dich nur ihn/Sie!“

Auf den ersten Blick erkennt man schon den Unterschied. Nicht-Depressive sehen die Ursache nicht bei sich, sondern bei äußeren Umständen verortet, die vorübergehen. Schuldfragen werden konstruktiv und abschließend behandelt.

Im deutlichen Kontrast hierzu stehen Depressive, die sich, ganz gleich, was passiert ist, als Ausgangspunkt des Ereignisses sehen. Fatalerweise kann man auf die gestellten Fragen keine befriedigenden Antworten finden. Eher noch werfen sie noch mehr Fragen auf, die allesamt in die Vergangenheit, die man nicht mehr verändern kann, gerichtet sind, anstatt abzuschließen und sich der Gegenwart wieder zuzuwenden – man ist Opfer. Und Opfer verhalten sich oftmals passiv.

Der Nicht-Depressive ist wütend und arbeitet darauf hin, wieder glücklich zu sein. Er geht aus, trifft sich mit Freunden, um zu vergessen und sich abzulenken. Anders der Depressive. Dieser verkriecht sich in seinem fragilen Ich, aufgrund der negativen Gedanken badet er auch eben in einem Meer aus negativen Empfindungen. Nichts bereitet Freude, man grübelt statt dessen unentwegt nach.

Wo die Gesprächstherapie ansetzte

An diesem Punkte setzt die Gesprächstherapie an. Nicht daß es eine Wahrheit gäbe, die sich dem Depressiven oder dem Nicht-Depressiven verschlösse. Der Nicht-Depressive hat einfach das bessere Erklärungsmuster, um seinen Seelenhaushalt gesund zu halten. Ein richtig oder falsch gibt es also nicht, sondern nur die Frage, ob man sich mit äußeren Einflüssen belastet oder diese nützlich und gewinnbringend verarbeitet. Und da Gedanken je nach Art gute oder negative Gefühle hervorbringen können, kann man mit einem Wechsel der Gedanken auch entsprechend die Empfindungen ändern.

Es besteht Hoffnung – für die Gedanken

Die gute Nachricht lautet, daß man die eigene Gedankenwelt mittels einfacher Techniken in die jeweils eine oder andere Richtung lenken kann. Das erklärt auch, weshalb niemand vor Depressionen geschützt ist, denn inner oder äußere Einflüsse können irgendwann einmal diesen inneren Dialog verändern. Allerdings fungiert, wie Martin Seligman nachweisen konnte, ein positiver innerer Dialog wie eine Art dauerhafter Schutzschild vor negativen Ereignissen, der nur schwer zu durchdringen ist.

Vom Opfer wird man zum aktiv Gestaltenden seiner inneren Bilder. Fortan soll man Emotionen und den Gedanken, die diese auslösen, rationalere Aussagen entgegensetzen. Gestaltet man seine Gedanken dieserart um von einer passiven Rolle hin zu einem aktiven Gestalten, wandeln sich auch die Emotionen hin zu positiveren Gefühlen. Verdeutlicht werden kann das anhand obiger Dialoge.

Innere Gedanken und damit innere Bilder ändern – über das Verhalten

In der Gesprächstherapie lernen Depressive nunmehr, wie man seinen inneren Dialog ändert zu einem selbstsichereren Bild der eigenen Person. Da die Therapie auf der Ebene des Denkens ansetzt, heißt sie auch kognitive (Verhaltens-) Therapie. Der Begriff Verhaltenstherapie wiederum soll bedeuten, daß man schon mittels einfacher Verhaltensänderungen seinen Seelenfrieden bessern kann.

Wird man etwa von seinem Mann oder der Frau geschlagen und wird hierdurch seelisch verletzt, müßte man nach der Verhaltens-Theorie schlicht die Ursache unterbinden. Das wäre zum einen das Verhindern von Gewalt im Eheleben oder im „schlimmsten“ Falle die Scheidung. Nicht hingegen darf die Verhaltensänderung in ein Vermeidungsverhalten ausarten. Wer Angst hat, darf nicht alles meiden, vor dem er sich ängstigt. Sonst könnte man bald gar nichts mehr machen.

Aus genannten Gründen kombiniert man das Beste der einen Therapieform mit den Vorzügen der anderen.

Grenzen der Gesprächstherapie

Bei schwer Depressiven dagegen bessert die Gesprächstherapie häufig nur das Wohlbefinden. Im Falle der genetisch bedingten Depression ist das auch einsichtig. Wer aufgrund des Mangels von Botenstoffen im Gehirn entsprechenden Einflüssen ausgesetzt ist, kann diese Mängel nicht mittels Gedanken ändern, allenfalls lindern.

Zumeist beginnt man dann mit einer Gabe von Antidepressiva, um die Stimmung aufzuhellen, um sodann den negativen inneren Dialog mittels Gesprächstherapie zu korrigieren.

Fazit

Die Depression ist eine der komplexesten Krankheiten, die es gibt. Einfache Erklärungsansätze verfangen nicht. Jeder Patient ist individuell zu behandeln. Es gibt keine allgemeingültigen Aussagen die Krankheit betreffend, sondern nur Ansätze, die die Krankheit besser oder schlechter beschreiben.

Wenn ich von Opfer, Passivität usf. sprach, dann ist das Ausdruck der Krankheit und in keinem Falle eine Schuldzuweisung, im Gegenteil. Die Schuldzuweisung ob seiner Ohnmacht erteilt sich der Depressive selbst. Deshalb ist es so wichtig, professionelle Hilfe aufzusuchen.



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