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Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 26-01-2007

Auf gehts zum Psychiater

Und wie bereits erwartet, ging dann auf einmal alles sehr rasch. Zwecks Überweisung zum Psychiater („Sonst kostet es 10€!“) suchte ich meine Hausärztin auf. Mit Nennung des Zauberwortes „massive Suizid-Gedanken“ öffnete sich das Tor zum Psychiater. Auf der Überweisung stand als Grund der Überweisung: „schwere Depression“.

Schwere Depression?

Was ist das eigentlich? So richtig konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Auch konnte ich mir nicht ausmalen, was so schwer an meinem Krankheitszustand sein sollte. Ich verweigerte mich nicht unbedingt stark der Einsicht in die Diagnose, doch dachte ich damals, daß es vielen Menschen schlechter als mir ginge und ich aus diesem Grunde in eine weniger schwere Kategorie gestuft werden müßte.

Welch ein Irrtum!

Je mehr Informationen ich über meine Krankheit in mir aufnehme, desto mehr schwant mir mittlerweile, daß ich eigentlich unter einer sehr schweren Depression leide. Erschwerend kommt hinzu, daß ich bipolar II bin. Laut Statistik und klinischer Studien kommt da noch einiges Böses auf mich zu. Warten wir es mal ab. ;)

Mein erstes Antidepressivum

Beim Psychiater endlich angelangt, entpuppte sich der Hinweis auf Suizid-Gedanken als eine Art Chiffre für schwere Depression und damit war der Einsatz von Antidepressiva in jedem Falle geboten. Bereits am ersten Tag in jenem Juni im Jahre 2006 erhielt ich mein erstes Antidepressivum verschrieben: Sertralin.

Ein halbes Jahr ist seither vergangen. Davon war wenigstens die Hälfte des Zeitraums von medikamentöser Einstellung als auch Phasen der schweren Depression gekennzeichnet. Sertralin wirkte bei mir keine Wendung zum Guten. Das daraufhin verordnete Paroxetin dagegen wirkte wunder.

Hoffnung und Lebenswille

Erleichtert bin ich nunmehr dennoch. Mental habe ich einen neuen Fokus erhalten, der da heißt, der Krankheit trotzen zu wollen. Ich kann nicht verhehlen, daß mir gerade dies in Phasen der Depression nicht leichtfiel und noch immer nicht leichfällt, im Gegenteil. Gleichwohl arbeite ich daran, in mir einen großen Funken Hoffnung zu verankern, den man auch Lebenswillen bezeichnen könnte.

Ehedem war ich derart gleichgültig, daß ich mir nicht einmal mehr im klaren war, ob ich mich umbringen und damit selbst töten, oder weiter vor mich hinsiechen sollte. Am liebsten war mir der Zustand des Schlafens mit seiner Ruhe und unbeschwerten Form des Unbewußten.

Perspektive entwickeln

Gegenwärtig habe ich bedingt durch viele Faktoren und Umstände wieder eine Perspektive entwickeln und erarbeiten können. Ob ich die berühmte Talsohle durchschritten habe, weiß ich nicht. Ich weiß dagegen, daß ich mich wieder nach oben kämpfen werde, ganz gleich wie tief ich noch fallen mag.

Neuer Lebenssinn durch Depression?

Ermuntert hierzu wurde ich paradoxerweise durch die Diagnose meiner Krankheit. Viele Depressive verkriechen sich, was ich auch lange Zeit tat und gelegentlich auf eine gewisse Art noch tue und somit durchaus verstehen kann. Vielleicht habe ich dadurch, daß ich meine Krankheit öffentlichmachte dazu beigetragen, meinem Leben unbewußt neuen Sinn zu verleihen, der höheren Idealen folgt, aber auch den Lebenswillen bei mir aufrechtzuerhalten. Niemals darf man außer acht lassen, daß ich trotz allem immer wieder suizid-gefährdet bin.

Offener Umgang mit Depression

Doch der offene Umgang mit meiner Krankheit hat sehr viel Unterstützung aus meinem Umfeld freigesetzt, teils an Stellen, wo ich es gar nicht vermutet hätte und teils in einer Form, die ich mir nicht einmal im Traum ausmalen konnte. Umgekehrt gab es auch vereinzelt Personen, die nicht ganz nach meinen Vorstellungen reagiert hatten, doch war auch das eine wichtige Erfahrung für mich. Überglücklich bin ich darüber, so viele Freundschaften online geschlossen zu haben, gerade über diesen Blog. :)

Unter dem Strich bin ich zufrieden mit meiner Diagnose und dem offenen Umgang damit. Mein Leben ist wieder reicher an Erfahrungen. Wesentlichen Beitrag hierzu haben meine Medikamente geleistet, Paroxetin (Paxil/Paroxat) als auch Lamotrigin/Lamictal. Auf diese Helferlein möchte ich auch mein ganzes Leben nicht verzichten.

Medikamente, die zur Gemütsbesserung führten und die Lebensgeister wieder weckten, in Kombination mit einem neuen Ziel – das stellt für mich die wundersame Kraft der Diagnose Depression dar.

Wie sah es bei Dir aus? Wie verliefen Deine Diagnose und die Zeit bis dahin? Hat Dir die Diagnose abseits der Therapie-Möglichkeiten geholfen? Vertraust Du Dich Dritten an?



Comments:
3 Comments posted on "Die wundersame Kraft der Diagnose Depression – Teil 2"
Susanne on January 26th, 2007 at 9:15 am #

Guten Morgen Rene, ist das jetzt von dir ? ;-) Meinen Kommentar kannst du gleich wieder löschen.
Du brauchst für diese Seite ein Kontaktformular und eventuell auch ein Gästebuch, was hältst du davon? Auf dieser Seite gibt es auch noch eine Menge anderer guter Plugins :-)


Susanne on January 26th, 2007 at 9:16 am #

du brauchst keine Überweisung zum Psychiater, du bezahlst beim Arzt einfach die 10€uro und zeigst bei den anderen Ärzten die Quittung vor…


Dennis on March 9th, 2007 at 12:21 am #

Hallo René,
ich bin auf deine Seite über die Seite von Susanne gekommen. Ich hatte ihr eine E- Mail geschrieben da sie sich mit einem Thema beschäftigt was mich auch betrifft. Sie hatte einen Post gesetzt wo sie meinen neuen Blog angepriessen (das finde ich sehr nett) hat. In diesem Post haz sie auch deinen Blog erwähnt da wir eine große Gemeinsamkeit haben. Ich bin auch manisch Depressiv und froh das man sich mal mit jjemanden austauschen kann. Allerdings schreibe ich in meinen Blog nicht nur Sachen über Depressionen sondern über meinLeben allgemien und Dinge die mich interesieren. In den nächsten Woche kommt auch ein ausführlicher Post über eine manische Phase. Es würde mich freuen wenn du dich meldest könne uns ja mal austauschen. Mit deinem Blog habe ich mich noch nicht konkreter beschäftigt da ich im Moiment sehr viel zu tun habe.


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