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Der Tag, an dem man wußte unter Depression zu leiden – weißt Du, wann dieser war? Erinnerst Du Dich noch der Zeit vor der Diagnose, als Du Verhaltensauffälligkeiten an Dir beobachtet hattest? In einer kurzen Serie über zwei Teile möchte ich Dir meine Geschichte schildern. Vielleicht mache ich damit Mut, daß andere auch ihre Erfahrungen etwa als Kommentar oder per Email mitteilen wollen. Der gefürchtete Rückblick in die Vergangenheit Aus meiner Sicht sind Rückblicke auf meine Vergangenheit eine Mischung aus Horror und Schlüsselszenen. Über mein erstes Mal, also den Tag der Diagnose meiner Krankheit Mitte 2006, möchte ich ein paar Worte verlieren. Jüngst durchstöberte ich mein Buchregal. Mein Blick fiel auf einen Jahres-Kalender aus dem Jahre 1994. Zu dieser Zeit war ich an der Oberstufe und bereitete mich auf das Abi vor. Damals wähnte ich mich überwiegend melancholisch und nicht depressiv. Mit ein wenig täglicher Anstrengung ließ sich das Leben damals noch halbwegs meistern und gelegentlich gab es auch mal richtig gute (hypomanische) Phasen. Mein erster dokumentierter Suizid-Versuch Beim Durchblättern des Kalenders stieß ich irgendwann auf eine interessante Notiz. Im Verlauf des Jahres hatte ich zumindest einen dokumentierten Suizid-Versuch unernommen und viele Todes-Phantasien und Gedanken über Todessehnsucht in dem Kalender preisgegeben. Ich wußte, daß ich in den Jahren um mein 20. Lebensjahr diverse Male Suizid-Versuche unternommen hatte, diese jedoch aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht präziser dokumentiert hatte. Dennoch liegt unzweifelhaft ein Zeugnis früher Suizid-Versuche vor. Schwere Depression, Ja – Diagnose, nein Aus psychiatrischer Sicht dürfte ich damit wohl schon mal ein wesentliches Kriterium der schweren Depression erfüllt haben: Suizid-Gedanken und auch Suizid-Versuche. Gleichwohl dauerte es noch zwölf weitere lange Jahre, bis ich entsprechend diagnostiziert worden bin und angemessene Therapie-Möglichkeiten vorfand. Zwölf Jahre! Rechnet man die Vorphase, die zu den Suizid-Versuchen geführt hat hinzu, erweitert sich dieser Zeitraum noch einmal um ein nicht unerhebliches Maß. Was wäre wenn? Das Zetern mit der fehlgelaufenen Vergangenheit Gelegentlich stelle ich mir die Frage, was aus mir geworden wäre, hätte man frühzeitig die erlösende Diagnose für mich stellen können. Wäre ich heute glücklicher und zufriedener? Wäre mein Leben zum besseren geändert worden? Hätten sich gewisse Widrigkeiten, die sich aus der Depression ergeben, vermeiden lassen? Zu Anfang stellte ich mir diese Fragen mit Nachdruck. Mittlerweile, da ich die aufgeworfenen Fragen nicht beantworten will, da man allenfalls orakeln kann, stelle ich mir die Frage, ob man sich solche hypothetischen „Hätte, wäre, wenn“-Fragen überhaupt stellen sollte. Heutzutage verzichte ich wohlweislich auf ernsthafte Antworten zu diesem Komplex, denn es gibt sie nicht; daher führt ein Versuch deren Beantwortung auch zu nichts. Der Blick nach vorne Einzig nach vorne kann man blicken und die Zukunft gestalten, anstatt an der eigenen, zugegebenermaßen mißlichen, Vergangenheit zu verzweifeln. Zu diesem Zweck möchte ich Dir mit dieser Website Hoffnung vermitteln. Es geht nicht mehr Bis 2006 vergingen jene zwölf Jahre, die mich am Ende wirklich mental und körperlich erschöpften. Die Depression hatte mich derart stark erfaßt, daß ich kaum mehr in der Lage war, dem nachzukommen, was man geregelten Tagesablauf nennt. Nennen wir die mich beherrschenden Gedanken einfach mal krasse Gleichgültigkeit allem gegenüber und völlige Sinnlosigkeit. Abgerundet wurde der unheilvolle Gedankenkreis mit massiven Suizid-Gedanken. Ich und krank? Als Bipolar-Kranker schwankte ich zwischen den Polen der Hypomanie, also eines durchaus schönen Zustandes, und der Depression, einer schweren Depression, um genau zu sein. Infolge der Schwankungen tat ich mich sehr schwer damit, mich als krank anzusehen. Immerhin ging es mir zeitweilig, wenn auch sehr selten, sehr gut und ich brachte dann auch immer wieder etwas zustande und das mußte an allem liegen, nur nicht an einer Krankheit. Also gesellten sich die bekannten Schuldgefühle hinzu, weil man sich selbst als Ursache der Fehlschläge des Alltags ausmachte. Riesenschritte in Richtung Diagnose – nur: wie zum Arzt gehen ohne Krankenkasse? Über ein Buch zum Thema Suizid kam ich in großen Schritten der Diagnose Depression entgegen. Es fehlte mir noch die „offizielle“ Diagnose, nämlich die ärztliche Feststellung, depressiv zu sein. Mangels Krankenversicherung, die ich zu jener Zeit aus völliger Gleichgültigkeit heraus auslaufen ließ, konnte ich jedoch nicht einfach zum Arzt gehen, als ich mich zu diesem Schritt endlich durchgerungen hatte. Für mich stand fest, depressiv in irgendeiner Form zu sein. Der Arzt sollte diesen Befund nur noch offiziellmachen. Etliche Wochen zogen ins Land. Nur der Hilfe einer sehr guten Freundin ist es zu verdanken, daß ich diese finanzielle Wiedereingliederungsmaßnahme in meine frühere Krankenkasse überhaupt stemmen konnte. In gewisser Weise hat sie damit mein Leben gerettet. Diagnose abseits der Therapie-Möglichkeiten geholfen? Vertraust Du Dich Dritten an?
Comments:
2 Comments posted on "Die wundersame Kraft der Diagnose Depression – Teil 1"
Patricia M. on February 18th, 2007 at 8:32 am #
Es geht mir sehr, sehr scchlecht. Alles aufzuzählen, sprengt den Rahmen. Habe mit einer Psychotherapie angefangen. Dennoch, ich bin mir sicher, dass ich Depressionen habe, aber es wurde noch nie diagnostiziert. Ich glaube es ginge mir etwas besser wenn ich was zum greifen hätte. Ich habe keine Kraft mehr.
Rene Kriest on February 20th, 2007 at 1:38 pm #
Hallo Patricia! Danke für Deinen Kommentar. Der Anfang ist gemacht. Ich denke, daß es hilft zu wissen, daß es Menschen gibt, die ähnlich wie Du betroffen sind. Obwohl bei Dir die Diagnose noch aussteht, dürfte bei Dir wohl eine Depression vorliegen. Empfehlen und auch anraten würde ich Dir den Gang zum Psychiater. Psychotherapien sind eine gute Wahl und kombiniert um einen Facharzt der beste Weg zur Wiedergenesung. Vielleicht findest Du auch noch den einen oder anderen Tip auf dieser Website. Ich wünsche Dir alles Gute! Grüße, René Post a comment
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