Kaum eine menschliche Bindung entscheidet über Wohl und Wehe der Linderung der Depression mehr als nämliche Beziehungsebene. Verallgemeinernd könnte man besser auch vom Therapeuten-Patienten-Verhältnis sprechen. Derart umrissen, umfaßt das Geflecht nämlich auch begrifflich Psychologen, die eine tragende Rolle bei der Depressionsbehandlung markieren.

Zu Beginn der Therapie – so sie denn bei Depressiven überhaupt erfolgt und damit überhaupt schon als ein großer Erfolg gewertet werden kann, ganz gleich wie sie ausfällt – empfindet sich der Patient zumeist als bloßer Empfänger, der sich mehr oder weniger widerwillig oder folgsam den Anweisungen des Arztes unterwirft. Ähnliches gilt für Therapiesitzungen bei Psychologen, deren Rat man zu Anfang gerne nachkommt.

Risse bekommt das Verhältnis für gewöhnlich unter 2 Bedingungen. Tauchen atmosphärische Störungen auf, die überwiegend auf der Sympathieebene angesiedelt sind, so wiegt dieser Punkt und damit Riß am schwersten. Dicht gefolgt heftet sich Unbehagen hinsichtlich der Behandlungsform an die Fersen der Sympathiefrage.

Ohne Sympathie kann kein Behandlungserfolg gewährleistet werden. Sympathie ist das Bindeglied der Menschen untereinander. Sämtliche Aspekte treten vor diesem Punkt in den Hintergrund. Vor Therapeuten macht diese anthropologische Konstante keinen Halt. Gleichfalls sind auch sie von dieser beeinflußt.

Interessanter ist jedoch die brüchige Liaison unter dem Gesichtspunkt der Behandlungsform und auftauchender Divergenzen, was nun dem Befinden des Patienten am dienlichsten sei. Über die Selbstbestimmung eines Patienten hinaus kann kein Therapeut behandeln, sein Einflußbereich endet mit der Kooperationsbereitschaft dieses. Versagt der Patient die Gefolgschaft, bricht auch die Behandlung entzwei, ganz gleich ob dieser Bruch offen und damit nach außen sichtbar wird, oder im verborgenen durch Ausbleiben zu den Terminen als auch innerer Verweigerung getragen wird.

Ich vertrete den Standpunkt, daß sich der Patient jenen oder jene Therapeuten suchen solle, die er für sich als hilfreich und dienlich erachtet. Keine Therapie der Welt wird dauerhaft anschlagen, wenn der Patient sie nicht mitträgt. Innere Rebellion führt zur Verweigerung der Therapiegefolgschaft, der Patient baut gewaltige innere Barrieren auf, die kaum zu durchdringen sind.

Richtschnur einer guten Behandlung ist für mich überwiegend der Rückgriff auf immaterielle Faktoren. Ausschlaggebend halte ich die Intuition. Jeder Depressive entwickelt rasch ein Gespür dafür, was ihm guttut und was nicht.

Vor jedem Therapiebeginn muß eine umfassende Aufklärung über die Ziele der Depressionsbehandlung erfolgen, und zwar mit dem Blick aufs große Ganze. Ziel muß es sein, daß der Patient selbständig und unabhängig wieder Freude und Zufriedenheit empfinden kann. Auf diesem Wege wird ihn das Gefühl leiten, daß er während und zwischen den Therapiesitzungen bei dem jeweiligen Therapeuten entwickelt und anschließend mit sich forttragen wird; ansonsten irrlichtert der Patient wirr vor sich hin.

Fällen muß jeder Depressive für sich die Entscheidung, glücklich werden zu wollen und auch werden zu können. Mit dieser Einstellung muß ein Depressiver an jedwede Behandlung herantreten. Aussuchen muß sich jeder Depressive sodann die für diesen Zweck tauglichsten Anziehungspunkte innerhalb der möglichen Behandlungsformen.

Der Therapeut wird vom Patienten bestimmt und gewählt, nicht umgekehrt. Hinter diesem Entschluß steckt viel Verantwortung. Rückblickend dürfte dieser Entschluß wiederum wahrscheinlich der bedeutendste Schritt des Patienten raus aus der Krankheit Depression sein. Äußerlich ein kleiner Schritt, innerlich stellt er jedoch einen großen Sprung dar.



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