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Am Anfang stand das Wort. Das tut es auch heute noch. Depressive Menschen haben den argen Hang, destruktive innere Monologe zu führen. Hinter dem inneren Monolog steht die eigene Stimme, die einem fortwährend in kräftigst aufgetragenen Farben die Zukunft dunkel und bedrohlich ausmalt. Hinzu gesellen sich das zu einem wesentlichen Anteil durch die inneren Monologe fehlende Selbstvertrauen und damit das bis zur völligen Auflösung minimierte Selbstwertgefühl. Kritisch ist dabei, daß vor allem das von innen kommende Selbstwertgefühl gänzlich abgeht, und unter Umständen sogar in selbstverletzende oder gar selbstzerstörerische Züge übergehen kann. Nur allzu häufig versuchen Depressive ihr inneres Leid, ihr abgehendes Selbstwertgefühl durch äußere Einflüsse zu kompensieren. Der Ausbruch in Affären ist ein solches Fluchtmotiv, wenigstens für einen Augenblick wertvoll, da begehrenswert zu erscheinen. Was ehedem Spaß hätte sein können, sofern man nicht depressive ist, wird zu einer im Wortsinne Ersatzbefriedigung und Zwangshandlung. Vom inneren Monolog Bei jeder menschlichen Handlung, ob bewußt oder unbewußt durchgeführt, geht, abgesehen von Reflexen, dieser ein Gedanke voraus. Typische Angewohnheit depressiver Menschen etwa ist sich zu suggerieren „Das klappt eh nicht.“ oder „Das hat keinen Sinn.“ als auch: „Ich habe jetzt keine Lust!“ Auf Vorschläge oder Anregungen wird ablehnend reagiert, sei es, einer Aktivität nachzugehen oder gleich welcher Beschäftigung ein „Ich will nicht.“ beizufügen. Diese Antworten sind Antworten auf Fragen, die man sich selbst stellt, während die ablehnende Haltung auf einer internalisierten, das heißt auf einer zutiefst verankerten Vorstellung beruht. Gemein ist ihnen, daß sie reflexartig geäußert werden. Nachträgliche Beispiele mögen die kompliziert anmutenden Absätze in ihrer kruden Theorie in dessen einfache Aussagen zu übersetzen:
Vor eine Kaufentscheidung gestellt, in einem Supermarkt stehend etwa Butter zu kaufen, ins extreme gesteigert:
Die Struktur selbstzerstörerischer Sätze Den Fragen geht ein „Wozu?“ voraus, während die Antwort in der Regel „Nein!“ lautet. Wozu und Nein schließen einen Teufelskreislauf, den zu durchbrechen wohl der Kernpunkt der Behandlung der Depression bildet. Ansetzen sollte man hierzu abhängig vom Schweregrad mit Medikamenten als auch Psychotherapie. Innere Dialoge, also die innere Stimme betreffend, als auch äußere Dialoge verstanden als ein Dialog mit anderen Menschen, werden zumeist von Depressiven in der folgenden Machtart vorgenommen:
Der Sinn des Lebens? Daß das Leben hat keinen Sinn hat! „Wozu“ leitet stets die Sinnfrage ein. Und wer die Sinnfrage stellt, verzweifelt, da das keinen Leben keinen Sinn hat. Das Leben ist dazu da, gelebt zu werden und nicht, um verstanden zu werden. Was würde ich wie alle anderen Depressiven wohl auf letzte Aussage antworten? „Nein!“ Nein, da das Leben Sinn haben muß; nein, da alles Sinn hat, nur das eigene Leben nicht; nein, da das Leben zu komplex ist; nein, weil nein; nein – weil weiß auch nicht. Auf Wozu-Fragen, auf die man keine Antwort findet, sollte man tunlichst verzichten. Erreicht wird dies dadurch, daß man die Fragestellung ändert. Statt den Sinn des Lebens zu suchen, sollte man sich lieber Fragen, welche Tätigkeit man widerspruchslos als nächste verrichten könnte. Das wäre wesentlich streßfreier und weniger belastend. Die Parabel vom Müllsack Selbst unter der Prämisse, daß das Leben Sinn hätte: weshalb nach der Antwort suchen und daran verzweifeln? Weshalb sollte man überhaupt sämtliche Dinge hinterfragen? Meine beste Wozu?-Frage kreiste um die Frage, ob ich den Haushalts-Müll, der voll war, nun rausbringen sollte oder nicht. Zwei Varianten auf eine triviale, banale und doch komplexe Ausgangsfragestellung. Nein, weil kann ich noch später machen; nein, weil ich keine Lust habe, meine Schuhe anzuziehen; nein, weil ich sicherlich mal rausgehen werde und dabei den Müll mitnehmen kann, schließlich würde ich dann ja zweimal laufen, was ja einmal zu viel wäre; nein, weil weiß auch nicht. Natürlich sprach alles dafür, den Sack rauszubringen. Natürlich ist es völlig widersinnig, sich mit solchen Fragen aufzuhalten. Weshalb? Im Grunde genommen gibt es hierfür nur eine Antwort. Wozu minutenlang eine Situation zu hinterfragen und letztlich nichts zu tun und in Lethargie zu verharren wie bisher, wo der Vorgang im Ergebnis großzügig geschätzte wichtige 3 Minuten meines Lebens gekostet hätte. So aber grübelte ich ungefähr 10 Minuten darüber nach, bis ich mich wirklich in Überlegungen wiederfand, ob wie ich künftig das Müll-Problem anzugehen hätte usf. Was würde ich wie alle anderen sich in einer depressiven Episode sich befindlichen Menschen wohl auf diesen Artikel antworten? „Nein!“ Was Du tun kannst Zähle nur für 3 Tage die Anzahl Deiner bewußt oder unbewußt benutzten Wörter „Wozu?“ und „Nein!“. Notiere Dir zusätzlich, welche Möglichkeiten Dir dadurch entgangen sind. Die Überraschung wird sehr groß sein. Sehr groß!
Comments:
1 Comment posted on "Die 2 Lieblingswörter sämtlicher depressiver Menschen"
rainer on January 13th, 2008 at 5:05 pm #
Ein sehr schöner Artikel, weil er gut und glaubwürdig geschrieben auf mich wirkt. Das mit der Übung finde ich eine sehr schöne Idee. Post a comment
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