May
01
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 01-05-2007

Meine Wahrheit nenne ich beim Namen. Im Moment geht es mir schlecht, einfach nur schlecht. Mein Befinden gleicht einem Mischzustand. Es ist nicht so, daß sich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit breitmachte und sich meiner ermächtigte. Vielmehr liegt es so, daß ich mich völlig antriebslos und lustlos vor mich hin langweile.

Dieser Zustand dauert seit etwa Mittwoch vergangener Woche an. Gestern erreichte dieser Zustand einen Höhepunkt, der sich durch die üblichen Symptome der Depression äußerte. Den ganzen Tag über schlief ich. Nahezu auf Knopfdruck konnte ich mich dem Schlaf hingeben, den ich als sehr selig in dieser Notlage empfand.

Suizid-Gedanken hegte ich keine. Allenfalls stark frustriert war ich gestern abend. Keine Technik und nicht mein Willen ließen mich die Depression überwinden. Zu stark erschien mir deren negative Wucht auf mich und zu leicht fiel es mir, lieber zu schlafen, als mich weiter den Tag über mit der Sorge um die Depression zu quälen. Schließlich betätigte ich mittels des Schlafens den Ausknopf, um mich der Pein und Marter der Depression zu entziehen.

In solchen Augenblicken fühle ich mich auf eine harte Probe gestellt. Einerseits bemächtigt sich meiner die Depression, welche ich mehrere Wochen lang nicht mehr kannte, und andererseits versuche ich in solchen Zuständen immer wieder meine in diesem Blog angebotenen Hilfestellungen selbst anzuwenden und einer Prüfung zu unterziehen.

Ein wirklich wirksameres Mittel als das Schlafen konnte ich bislang jedoch in solchen derbe hemmenden Zuständen wie gerade gestern für mich noch nicht ausfindig machen. Wie in einen Schraubstock eingespannt wähnte ich mich gestern. Auf der einen Seite waren da meine Gefühle, welche sich in nämlicher Lust- und Antriebslosigkeit äußerten, und welchen ihnen das Rumoren und Gedankenkreisen auf der anderen, mentalen Ebene gegenüberstand.

Direkt beeinflussen kann man keine Sphäre, allenfalls mittelbar auf sie einwirken, indem man zur Bekämpfung der starken Emotionen Antidepressiva und ähnliches konsumiert. Mittels dieser Behandlung kann man wiederum seine eigenen Gedanken erreichen und durch bewußte Handlungen sich seiner negativen Gedanken entledigen.

Umgekehrt funktioniert dies nicht wirklich, denn ich habe keine leichten depressiven Episoden, sondern stets stark ausgeprägte.

Für mich geht der Kampf im Jahr 2 der Zeitrechnung des Kampfes wider die Depression – mein Therapiebeginn war im Mai vergangenen Jahres – in eine neue Runde. Gestern morgen ließ ich mir einen Termin in einem Schlaflabor geben, um wider meine starke Tagesmüdigkeit und allgemeinen Schlafstörungen die Nacht über angehen zu können, indem die Ursache der Störungen herausgefunden werden sollen.

Weiter werde ich das Antidepressivum wohl wechseln. Paroxetin hat bei mir hervorragende Dienste getan. Allerdings werde ich ohne Wechsel nie erfahren, ob es noch besser wirkende Mittel für mich gibt oder nicht.

Augenblicklich überwiegt bei mir der Erkenntnisdrang. Vor einem Jahr setzte ich mir zum Ziel, alles auszuprobieren, was in therapeutischer Hinsicht für Depressive mögliche sei. Darunter fallen auch die Medikamente im allgemeinen und Antidepressiva im speziellen. Zwei Antidepressiva habe ich ausprobiert, Sertralin und Paroxetin. Wie das kommende Antidepressivum heißen wird, vermag ich noch nicht zu sagen.

Der Kampf geht weiter und damit in eine neue Runde. Gewonnen ist noch nicht; verloren allerdings auch nicht.



Comments:
18 Comments posted on "Der Augenblick der Wahrheit"
Susanne on May 1st, 2007 at 11:25 am #

Nun, es wäre mir wirklich neu, wenn man mit seinem Willen die Depression beeinflussen kann! Leider geht das nicht.

Machst du zusätzlich eine Psychotherapie?


Rene Kriest on May 1st, 2007 at 12:37 pm #

Indirekt kann man mit dem Willen die Depression beeinflussen. Den Willen, sie zu bekämpen, verstehe ich darunter. Der muß unbedingt vorhanden sein.

Psychotherapie
Ich schätze die Pychotherapie sehr, allerdings stehe ich 99% der Psychotherapeuten wiederum sehr skeptisch gegenüber. Zu sehr verstehen viele Psychotherapeuten unter einer Psychotherapie eine Laberstunde.

Davon halte ich nichts, weil außer kurzfristiger Erleichterung kein langanhaltender Effekt und dauerhafte Wirkung übrigbleibt. Techniken zum Umgang mit der Depressin werden nahezu überhaupt nicht vermittelt.

Etwas, an das man sich zwischen den Sitzungen halten kann, gibt es nicht. Dinge wie die 3-Spalten-Technik, die sehr effektiv ist, kennt kein deutscher Therapeut. Das ist einfach nur traurig, traurig, traurig.

Daher belasse ich es bei der indirekten Psychotherapie, und lese Bücher der besten amerikanischen Psychotherapeuten. Dort nennt man das Bibliotherapie. Und die tut mir wahnsinnig gut.

Einem Katalog gleich kann ich je nach Gefühlslage und Gedanken auswählen, was in dieser Situation am besten für mich sein könnte. Sodann nehme ich die entsprechende Technik in Anspruch und es geht aufwärts.

Bei Psychotherapien heißt es, man solle sich seine Gemütslage unter der Woche notieren und dann in der Therapie besprechen. Hahahahaha… Mir soll es doch gerade abseits der Gespräche gutgehen! Dann kann ich mich auch mit einer Parkuhr unterhalten.

Das ist meine Meinung. Wie ist Deine?


Susanne on May 1st, 2007 at 5:10 pm #

wenn man schwer depressiv ist, kann man nicht kämpfen! zumindest ich nicht, ich schaffe es dann gerade eben, mich am leben zu halten…

Nun vielleicht musst du nur erst einen gescheiten Therapeuten finden, das ist genauso wie mit der Arztsuche ;-) , aber das ist wieder sehr aufwendig und kaum machbar, wenn es einem schlecht geht :-( .

Ich glaube momentan, dass ich nicht therapierbar bin (zu stur, ich hasse es, wenn ich bemerkt, mich will jemand beeinflussen ;-) ).
Eine Depression kann man versuchen auszusitzen, einfach abwarten, Pillen testen, sich zurückziehen und kontakt suchen, sobald man sich dazu in der lage fühlt, etwas glück (oder das leben ist Veränderung und geht immer weiter) gehört auch dazu.

Im Nachhinein hat mir das nix tun müssen am meisten geholfen! Dazu schreibe ich aber demnächst noch was..


Rene Kriest on May 1st, 2007 at 5:19 pm #

Dazu schreibe ich aber demnächst noch was.
Hey, endlich ein Gastbeitrag von Dir! Ich freue mich. :)


Susanne on May 1st, 2007 at 5:24 pm #

du bist süß Rene :-)


Nikolaus Stöger on May 1st, 2007 at 5:30 pm #

Grüß dich René,

ich will dir sagen, dass ich dir einfach gute Gedanken des Verständnisses sende.

Vieles von dem, was du schreibst, kann ich nachvollziehen, gar -empfinden.

Eins ist sicher ganz wichtig: Niemals zu kapitulieren.

Du bist erfahren und intelligent, offen und hilfeannahmebereit genug, um neue Wege zu gehen. Ich wünsch dir, dass du einfach erstmal wieder ein wenig Kraft bekommst. Mit hat einmal eine liebe Freundin vor Jahren ein Bild mitgegeben, das ich abgewandelt verwenden will und damit auch Susanne recht gebe: Wenn der Tsunami der Depression über dich hinweg rollt, macht es nicht viel Sinn, die einzelnen Wassertropfen zu analysieren. Erst muss er vorbeigedonnert sein, dann lässt es sich sich trocknen, Schäden lokalisieren und Restnässe verarbeiten.

Liebe Grüße

Niki


Susanne on May 1st, 2007 at 6:29 pm #

Hallo Nikolaus,
wow, sehr schön beschrieben1


Norma on May 2nd, 2007 at 7:42 am #

Hallo René,

aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich sehr gut nachfühlen wie es Dir geht. Du suchst selbst jetzt noch nach Möglichkeiten um wieder aus der Depression heraus zu kommen. Schau mal auf die Kraft die darin steckt!
Jedoch glaube nicht, dass es eine willentliche Beeinflussung gibt, die Chemie im Kopf zu steuern.

Die Suche nach Möglichkeiten ist allerdings eine machtvolle Recource die den Weg wieder frei machen wird eine neue Lösung und damit einen Weg aus der Depression zu finden; sich nicht aufzugeben, sondern dem Leben zuzuwenden.
Ich habe in den Jahren viele Medikamente ausprobiert und versuche momentan Moclobemid und gebe die Hoffnung auf eine leichte Besserung nicht auf.
Ich wünsche Dir viel Kraft.
Herzliche Grüße
Norma


Ulf on May 2nd, 2007 at 8:23 am #

Depressionen sind Scheiße..
Halt durch, Alter!


Rene Kriest on May 2nd, 2007 at 8:44 am #

Vielen Dank für die lieben Kommentare. :)

Im Moment geht es mir wieder recht gut und ich bin vor allem nicht mehr so müde.

Ich wünsche euch einen schönen Tag! :)


Brigi on May 2nd, 2007 at 8:54 am #

Nun lieber Rene… du weisst, nach jedem Regen kommt wieder die Sonne.. auch bei dir. Ich schaffte gestern auch kaum was… was solls. Schlaf ist auch fuer mich die beste Flucht.. aber nimm die weniger guten Tage an wie die guten, mit dem Wissen dass auch die wieder vorbei gehen. Kaempfe nicht in schlechten Tagen, nimm an und tu nur worauf du allein wirklich lust hast, also keinen Stress oder so, alles andere ist zu ermuedend. Ich schicke dir [img]http://www.cosgan.de/images/more/bigs/a170.gif[/img] ganz ganz viel Licht und Kraft und umarme dich ganz lieb.
Brigi


Ulf on May 2nd, 2007 at 8:58 am #

[OT]
du darfst auch Ulfs Blog statt Hundeikers Blog schreiben ;)


Susanne on May 2nd, 2007 at 10:12 am #

scheinbar hat Rene aber heftige Stimmungsschwankungen, die ich überhaupt nicht kenne.


Frank on May 2nd, 2007 at 4:07 pm #

Ich bewundere es, dass Du *trotz* Depri mit schlecht ausm Bett kommen und allem was dazugehört so einen guten, ehrlichen Zustandsbericht bloggen kannst. Mein Blog ruht meistens während der Episoden, da ich mich nicht entscheiden kann, über *was* ich schreiben könnte :(

Dein *Kampf* gegen die Depri hat mich angesprochen, da ich mich zur Zeit darin übe, *mit* der Depression leben zu lernen. Ich mag nicht mehr dagegen ankämpfen, dazu fehlt mir die Kraft. Aber viel besser geht es mir damit denn auch (noch) nicht.

LG, Frank


Rene Kriest on May 2nd, 2007 at 10:52 pm #

Hallo!

Vielen Dank für die aufmunternden Worte.

Ich werde morgen ausführlicher zurückschreiben. Ich bin müde, und falle gleich vom Schreibtisch direkt ins Bett. :)

Gute Nacht! :)


Susanne on May 3rd, 2007 at 9:04 am #

wenn du eh nix besseres zu tun hast, könntest du ja mal länger auf eine depri-fachstation gehen ;-) , schaden kann das nicht.


nastorseriessix on May 3rd, 2007 at 6:16 pm #

Mit der Depression zu leben ist möglich, nur das man eben diese Depressionen hat anderen das klar zu machen, das ist bisweilen mein problem.

Klar, mich zieht die Depri auch extrem runter, werde Müde und könnte den ganzen Tag über nur schlafen. Aber trozdem schaffe ich es aufzustehen und wenigstens in meiner Wohnung umher zu wander oder mich vor den Mac zu hocken und zu schreiben.

Warum schaffe ich das?
Weil das was ich tuhe mir wichtig ist. Weil ich es für gut empfinde. Aber den größten Anteil daran hat immer noch mein iPod. Ohne den, und dessen beruhigende und alles abschottende Musik wäre ich nicht in der Lage irgendwas zu machen.

Vielleicht kann mein Therapheut dem Rest der ja endlich mal verständlich machen warum ich meinen iPod so brauche… Ich kann trozdem wunderbar zuhören, meist besser als andere.


Ach ja, mich gibts noch… :: frank huncks blog on May 4th, 2007 at 12:13 am #

[...] ich jetzt darüber schreibe: Angeregt hat mich ein Artikel von Rene Driest auf seinem Depressionsblog, in dem er seine derzeitige depressive Episode [...]


Post a comment
Name: 
Email: 
URL: 
Comments: 
Bloggeramt.de

kostenloser Counter