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Filed Under (Selbsthilfetechniken) by Rene Kriest on 12-01-2007

1. Sei Dein eigener Arzt!

Welche Person hat 24 Stunden am Tag mit Dir zu tun – Du oder Dein Arzt? Weil der Arzt immer nur Momentausschnitte Deiner Person präsentiert bekommt und erfassen kann, ist es so eminent wichtig, daß Du selbst über Strategien zur Bewältigung Deiner Krankheit nachsinnst.

Schreibe Deine Symptome und Gedanken auf. Notiere sie stündlich oder als Tagesresümee abends bzw. dann, wenn es Dir besser geht und Du Dich hierzu in der Lage siehst. Vergleiche Deine Befunde mit dem Vorgehen anderer, wie diese sich in der Lage, in der Du Dich befindest oder befandest, zu helfen wußten.

Viele Betroffene in Online-Foren halten brillante Tips bereit. Nutze diese! Unter anderem habe ich einem solchen das Medikament Lamotrigin/Lamictal zu verdanken. Für mich war dieses Präparat eine Erlösung! (Danke, Monica! :) )

2. Lesen, lesen, lesen!

Ergänzend zum vorigen Punkt solltest Du es Dir zur Angewohnheit machen, Informations-Quellen zum Thema Depression möglichst täglich zu lesen. Ich habe hierdurch sehr viel gelernt und bin der Überzeugung, daß es Dir auch sehr helfen wird.

Zum einen habe ich Erfahrungsberichte sehr vieler Betroffenen gelesen und für mich wichtige Erkenntnisse gesammelt und zum anderen sehr viel Wissen zu den Möglichkeiten mit der Krankheit umzugehen, gesammelt, angefangen bei persönlichen Tips, über Berichte über Medikamente bis hin zu rechtlichen Hinweisen.

Mißlich nimmt sich nämlich aus, daß das Thema Depression derart vielschichtig ist, daß man es nicht in einer zehnseitigen Broschüre umfassend abhandeln kann.

Die gute Nachricht dagegen lautet, daß Du diesen Umstand durch das Lesen unterschiedlicher Quellen recht gut kompensieren kannst und für Dich das mitnimmst, was Du speziell in Deiner Lage benötigst.

Eine Möglichkeit und Anlaufstation bildet meine Website. Als Betroffener schreibe ich stets auch aus dieser Perspektive über Erfahrungen und Tips im Umgang mit der Krankheit. Ich denke, daß etwas für Dich dabei ist, was Dir hilft. :)

3. Experimentiere und sammele Erfahrungen – eigene!

Edison, der Erfinder der Glühbirne benötigte über 1000 (!) Versuche, bis er erfolgreich war. Sein Umgang mit den Fehlschlägen ist bemerkenswert. Statt von 1000 Fehlschlägen zu sprechen sagte er, daß er nun wisse, daß es 1000 Möglichkeiten gibt, die nicht für eine Glühbirne taugen. Vorbildhaft!

Viele Wege führen nach Rom. Auf die Krankheit gewendet bedeutet dies, daß es den perfekten Weg zur Linderung der Krankheit nicht gibt. Auch bedeutet dies, daß es auch Wege gibt, die nicht nach Rom führen, Du also unter Umständen auch wieder einen neuen, anderen Weg beschreiten solltest.

Experimentieren meint, daß Du im Hinblick auf die Linderung der Krankheit für viele Möglichkeiten offen sein solltest. Magst Du keine Medikamente, so gewöhne Dich an diese. Geht es Dir mit einem Medikament nicht gut, wechsle das Präparat dies nach Rücksprache mit Deinem behandelnden Psychiater. Möchtest Du eine weitere Therapie machen oder hast von einer neuen Therapiemöglichkeit gehört, bespreche Dich zum Beispiel mit anderen Betroffenen in einem Forum und gehe es an. Befürchtest Du Probleme mit dem Arbeitgeber, so ziehe Erkundigungen in einem Forum ein. Nicht selten findet man dort Personen, die bereits in ähnlichen Lagen waren und ihre Erfahrung weitergeben.

Am wichtigsten sind jedoch eigene Erfahrungen. Probiere verschiedene Dinge aus! Laß Dich nicht von Deinem verneinenden Unterbewußtsein oder negativen Prophezeiungen aus dem Umfeld bremsen oder gar abhalten. „Das geht nicht!“ oder „Das klappt ohnehin nicht!“ sind Ausreden und keine Gründe! Ob etwas gut für Dich ist, wirst Du nur durch Ausprobieren feststellen können. Geht etwas schief, hast Du die wichtige Erkenntnis erhalten, daß Du einen anderen Weg gehen solltest.

4. Medikamente nehmen und hochdosieren!

Aus meiner Sicht scheuen sich viele Depressive, die Dosis ihrer Medikamente angemessen zu dosieren. Und dies meint in der Regel, diese in höheren Dosen einzunehmen. Wäre ich der Empfehlung meines Psychiaters gefolgt, stünde ich heute bei 30 mg Paroxetin/Paxil/Paroxat – eine viel zu geringe Dosis, die mich nicht weiterbrachte! Wahrscheinlich hätte ich ein anderes Präparat ausprobiert, anstatt das Mittel erst einmal auszureizen. Mittlerweile stehe ich bei 70 mg – und es geht mir (bisweilen sehr) gut, von nur noch selten auftretenden Rückschlägen abgesehen. Auf die 70 mg habe ich mich selbst gesetzt und meinen Psychiater hierüber informiert.

Weshalb nehmen viele Depressive zu geringe Dosen ein? Ich denke, daß im wesentlichen zwei Gründe hierzu verantwortlich sind. Grund eins ist, daß die behandelnden Psychiater der Ansicht sind, auch geringe Dosen würden ausreichen und höhere Dosen würden eher zu Nebenwirkungen führen und weniger die antidepressive Wirkung steigern. Das Gegenteil ist aber aus meiner Sicht der Fall.

Der andere Grund dürfte in der Unsicherheit der Depressiven liegen, mit Medikamenten umzugehen. Häufig haben diese grundsätzlich Bedenken davor, Medikamente einzunehmen. Je mehr man einnimmt, desto größer auch das Unbehagen, so die gängige Sichtweise. In Kombination mit den Vorbehalten der Psychiater bleibt man also eher auf geringen, teils homöopathisch anmutenden Dosen stehen.

Meine Empfehlung dagegen lautet, daß Du Dich schrittweise der empfohlenen Höchstdosierung laut Beipackzettel annäherst und beobachtest, wie sich die Krankheit entwickelt. Anschließend kannst Du schrittweise wieder herunterdosieren, bis die Symptome der Krankheit wieder zunehmen. Jetzt weißt Du, daß Du wieder etwas höher dosieren solltest, um symptomfrei zu sein. Diese Stufe entspricht dann der Erhaltungsdosis, der idealen Dosis eines Medikamentes.

Bedenke, daß Du unter Depression leidest, und nicht der Arzt. Du solltest für Dich selbst herausfinden, was für Dich gut ist und was nicht.



Comments:
12 Comments posted on "4 weitere Schritte zu einem besseren Leben mit Depression"
Madzia on January 13th, 2007 at 2:58 pm #

Hallo Rene,

erstens: finde ich Deine Web- Seite Klasse!!!
zweitens: Du schreibst, dass Lamotrigin eine Erlösung für dich ist.
Könntest Du ein paar Worte mehr dazu schreiben.

z.B. Wie geht es dir damit?
nach welcher Zeit hast Du die antidepressive Wirkung gespürt?
wie lange sollte man es einnehmen?
wann nimmst Du es ein?
(ob gleichzeitig mit Deinem Antidepressivum)

freue mich auf Deine Antwort.
schöner Gruss und viel Gesundheit!!!
von Madzia


Rene Kriest on January 16th, 2007 at 6:06 am #

Hallo Madzia! :)

Schön, daß Dir die Website gefällt. Danke! :)

Ich würde mich freuen, wenn Du auch weiterhin die Artikel, die Dir gefallen, kommentieren würdest. Deine Fragen sind anregend und eine Bereichung für den Blog! :)

Lamotrigin ist aus zwei Gründen eine Erlösung für mich:

- meine depressiven Episode haben sich um ca. 90% verringert. Ich bin viel stabiler geworden.
- Lamotrigin hilft nicht nur gegen die depressiven Episoden, sondern besitzt von sich heraus zusätzlich neben der Stimmungsstabilisierung eine antidepressive Wirkung

Ein Beispiel: bis zum Erreichen der Erhaltungsdosis, also jene Dosis, die die Symptome lindert, Ende Dezember hatte ich nahezu wöchentlich mindestens eine depressive Episode, teils dauerten diese bis zu zwei Wochen an.

Zeitlich ausgedrückt hat es ungefähr 7 Wochen gedauert, bis Lamotrigin richtig griff.

Einnehmen werde ich es mein Leben lang, es sei denn, daß es irgendwann einmal ein Nachfolgepräparat geben wird.

Ich nehme Lamotrigin jeweils morgens zusammen mit meinem Antidepressivum Paroxetin ein. Zurzeit beträgt die Dosis 250 mg; am Freitag werde ich jedoch auf 300 mg erhöhen um zu sehen, wie sich dies auswirkt.

Anmerken möchte ich noch, daß Lamotrigin bei mir völlig (!) nebenwirkungsfrei wirkte. Ein Grund mehr, es mit dem Präparat zu versuchen. Von Lithium rate ich ab, da es zu kompliziert zu handhaben ist.

Lamotrigin entwickelt sich immer mehr zu einem Pflichtmedikament für Depressive.

Angeregt durch das rege Interesse an Lamotrigin werden Monica und ich die kommenden Tage 2 Artikel in den depressionblo.com einstellen, die sich ausführlich mit dem Präparat auseinandersetzen und Erfahrungen einbringen. :)

Liebe Grüße und einen schönen Tag! :)

René


Susanne on January 16th, 2007 at 10:32 am #

Lieber Rene, ich hoffe, du achtest dennoch auf deine Blutwerte,besonders bei dauerhaften Gebrauch von Lamictal und AD?!


Madzia on January 16th, 2007 at 12:11 pm #

HAllo Rene,

schön, dass Du geantwortet hast! ! Da mein AD seit vier Monaten ungenügend wirkt, habe ich ein Depriforum besucht, da habe ich die Erfahrung von Monica mit lamictal gefunden. Und da bei mir kaum was gingt, dass ich schon dachte ich muss in die Klinik, hab ich ein Versuch mit lamictal gestartet. Seit vier Tagen nehme ich 25 mg lamictal zusätzlich zu meinem AD. Es ist erstaunlich, aber ich fühle mich deutlich besser, als nur mit AD, bin wacher, meine Stimmung hat sich verbessert und ich kann mich endlich konzentrieren. Echt ein Wunder. Ich hoffe, dass die nächsten Tage noch weitere Besserung bringen, so dass ich endlich mein Studium weiter machen kann.

Ich habe nur Bedenken,dass Einnahme von AD plus lamictal zu einem Switch in die manische Phase führen könnte. Aber lamictal soll ja stabilisierend wirken. Schafft das lamictal auch bei zusätzlicher Gabe von AD? Du nimmst auch ein AD und lamictal, wie ist es bei dir?

Ich habe interessanten Artikel im Internet zu lamictal im Vergleich zu Lithium gefunden:
st von Universimed “Bipolare Störungen: Depressionen stärker beachten.”

schöner Gruss von Madzia


Rene Kriest on January 16th, 2007 at 3:57 pm #

Hallo Madzia!

Schön, daß Du Dich so rasch besser fühlst. Das freut mich für Dich. Die nächsten Tage bzw. Wochen werden Dir noch weitere Fortschritte bringen, da bin ich mir sicher, denn das Lamotrigin spricht ja schon an.

Erhöhe weiter vorsichtig die Dosis. Um die 150 mg/Tag herum dürfte anzupeilen sein. Ich bin derzeitig auf 250 mg/Tag.

Du bist auch bipolar? Ich bin bipolar II.Lamicatal hat bei mir einen leichten Switch ausgelöst. Allerdings war das schön und aufgrund der stabilisierenden Wirkung Lamotrigins nicht weit ausgeprägt. Angst brauchst Du also nicht zu haben.

Ich habe Lamotrigin auch gewählt als Stimmungsstabilisator, da es primär gegen Depression wirkt, und weniger gegen (hypo-) manische Phasen. Letztere wollte ich dann doch hin und wieder mal erleben. ;)

Aber wie gesagt, es war eine deutlich gebremste Form.

Danke auch für den Hinweis auf Studie! :)

LIebe Grüße,

René


Madzia on January 16th, 2007 at 8:28 pm #

Hallo Rene,

Danke für Deine ermutigende Worte und Deinen Tipp zur ErhaltungsDosis;)
Es tut gut hier zu sein, weil man weisst, man ist nicht alleine. Vor allem man wird verstanden;) Das ist echt gut. Hilft mir momentan auch sehr weiter!

Ich bin auch bipolar. Die richtige Diagnose folgte erst so nach 5 Jahren. habe bipolare Depression. Und weil ich sehr empfindlich auf Medikamente reagiere, induzieren sie bei mir im Anschluss an die schwere depressive Phase, die 4-6 Monate dauert eine Hypomanie/Manie.
Seit Jahren wird meine Depression nur mit AD behandelt, was eigentlich nicht ganz richtig ist, aufgrund der Gefahr des Switchrisiko in das Manische. Ich spreche auch sehr schlecht auf AD-s. Das jetzige nehme ich schon seit 4 Monaten, ohne deutliche Besserung;( Ich bin jetzt froh lamictal gefunden zu haben. Es gibt mir dann Hoffnung mein Leben in Griff zu kriegen bzw. mein Leben zu leben, genauso wie früher.

Wenn lamictal tatsächlich gut wirken sollte, bin ich am überlegen, ob ich das AD reduziere und langsam ausschleichen lasse, da es mir kaum was gebracht hat und nur das Risiko einer Manie erhöht, und unnötige Chemie muss ja nicht sein…Nur ob lamictal es alleine bringt?

Eine Frage habe ich noch:
kannst Du Deinem Beruf nachgehen? In wie weit schränkt dich die Krankheit ein?

Freue mich von Dir wieder was zu hören!
Alles Gute;)))
L.G. Madzia


Rene Kriest on January 22nd, 2007 at 9:03 am #

Hallo Madzia! :)

Ich freue mich, daß Du regelmäßig schreibst. Gerade als ebenfalls bipolar IIer profitiere ich ungemein von Deinen Erfahrungen.

Bei mir ging es Gott sei Dank recht rasch mit der korrekten Diagnose bipolar II. Bei mir dauerte das ca. ein halbes Jahr. Aufmerksam geworden bin ich auf bipolar II durch das viele Lesen diverser Artikel und Bücher zum Thema Depression und auch den bipolaren Erkrankungen. Bei mir war es jedoch so, daß sehr, sehr viel Zeit verstrich, bis ich überhaupt zum Psychiater und damit in Behandlung gegangen bin, nämlich wenigstens zahn Jahre.

Während meiner hypomanischen Phasen war alles irgendwie rosarot und warm. Ich wollte jeden Menschen, der mir begegnete umarmen und war überaus gut gelaunt. Umgekehrt war ich auch ziemlich distanzvergessen und recht frei von irgendwelchen Hemmungen. Mit der Zeit lernt man damit umzugehen und bremst sich bewußt ein.

Ich bin auch regelmäßig bei Tablettenwechsel oder Dosissteigerung geswitcht. Allerdings machte mir das nicht viel aus, im Gegenteil. ;)

Die ADs haben mir auch nicht wirklich weitergeholfen bezüglich der Depression. Wo sie jedoch sehr gut geholfen haben war der Bereich der Nebeneffekte der Depression, wie der Sozialphobie und der Angststörungen. Auch während depressiver Episoden, die bei mir stets sehr schwer ausgeprägt sind und regelmäßig mit massiven Suizidgedanken und großer Erschöpfung einhergehen, wirkte wenigstens mein AD Paroxetin wider die Sozialphobie, so daß ich mich gerade noch so zum Einkaufen schleppen konnte, ohne gleich in Panik ob der vielen Menschen auszubrechen. Glück im großen Unglück könnte man also sagen.

Noch behalte ich das AD in derselben Dosis bei, wie ich es auch vor der Lamotrigin-Einnahme genommen hatte. Erst in ein paar Monaten, wenn sich das Lamotrigin endgültig stabilisiert hat, versuche ich mit einer Reduzierung. Trotz Stimmungsstabilisators bleiben ja die depressiven Episoden nicht aus, sondern werden stark herausgezögert und auch hinsichtlich der Dauer stark begrenzt. Dann soll das AD noch wirken.

Lamotrigin könnte es wohl alleine richten. Da dürftest Du mit Deiner Vermutung richtigliegen. Gegen „Chemie“ habe ich kaum Vorbehalte, da ich sie als den einzigen gangbaren Weg in Richtung Linderung der Depression/bipolaren Erkrankung halte. Ich denke, daß eine positive Einstellung gegenüber Medikamenten auch seitens der Placebo-Komponente eine Rolle spielen und die Wirkung mitunter verstärken können. Aber das ist nur meine Meinung.

Zum Beruf: hierzu bin ich bis dato nicht in der Lage. Regelmäßiger Tätigkeit acht Stunden am Tag über eine Woche hinweg kann ich nicht leisten. Regelmäßig haute mich die Depression spätestens gegen 10 bis 11 Uhr völlig um, so daß ich nur noch nach Hause in mein Bett oder, alternativ, Suizid begehen wollte.

Die Krankheit schränkt mich massiv ein. Während der depressiven Episoden läuft nichts, aber auch gar nichts. Allenfalls zu einer Stunde unter höchster Anstrengung und Anspannung geht am Tag etwas. Sonst vertreibe ich mir die Zeit mit „Low level“-Aktivitäten, falls ich mich dazu aufraffen kann, was selten bis nie vorkommt. Dann tippe ich im Depri-Forum herum, spiele Computer, da das irgendwie derart unterbewußt abläuft, daß das Spielen eine Art Wachkoma-Zustand simuliert, in welchem ich ähnlich des Schlafens um mich herum die Welt vergesse, ohne wirklich bewußt was vom Spiel mitzubekommen.

An Konzentrierte Arbeit ist nicht wirklich zu denken. Und Streß haut mich wegen des Cortisols erst richtig weg.

Unter meinen hypomanischen Phasen dagegen kann ich arbeiten bei höchster Konzentration, Ausdauer und bester Laune wie ein nimmermüdes Uhrwerk. Da laufe ich derart auf hohen Touren, daß ich abends kaum zu bremsen bin, und ähnlich einem Langstreckenläufer im Ziel mit einem Lasso eingefangen werden muß, sonst würde ich weiterlaufen, bis ich umfalle.

Um planen zu können, müßte ich wissen, wann die Depri-Phase oder die Hypo-Phase käme. Das jedoch ist nicht möglich. Daher plane ich kaum noch irgend etwas, da es nichts bringt. Bei mir ist nahezu alles (!) tagesformabhängig, derart bin ich von der Krankheit eingeschränkt.

Mein Umfeld kann das alles nicht verstehen und nimmt es mir nicht ab. Erst wenn sie mich sehen, glauben sie mir. Sage ich am Telephon, daß nichts geht, dagegen nicht. Komische Welt. ;)

Ich hoffe sehr, daß das Lamotrigin stabil und langfristig wirkt. Ich würde so gerne endlich wieder halbwegs strukturiert leben können. Ich habe die Krankheit angenommen. Daher kämpfe ich auch wie ein Löwe darum, einfach nur erst einmal zwei Tage am Stück verplanen zu können, dann drei, vier, fünf, eine Woche, alsdann zwei Wochen.

Enttäuschend oder auch typisch finde ich die Reaktion selbst bester Freunde. Eine sehr gute Bekannte hielt mir neulich erst wieder Simulation vor, weil ich „mal wieder“ (!) nur vorgäbe, daß es mir schlecht ginge. Für den Blog könne ich ja schreiben, andere Sachen aber würde ich nicht machen wollen (!). Die Blog-Einträge dieses Monats hatte ich im Dezember und Anfang Januar geschrieben und mittels Zeitautomatik des Blog-Programms auf die Tage im Januar verteilt. Gerade weil es mir im Urlaub im Dezember/Januar so gut ging, arbeitete ich vor wie ein Wilder, weil ich wußte, daß die Depris wieder aus dem Blauen heraus kommen könnten. Das versteht nur niemand.

Ich will doch arbeiten! Ich will doch auch noch etwas vom Leben haben, anstatt wie die vergangenen zehn Jahre, wenigstens 2/3 der Zeit unter starken Depressionen gelitten zu haben. Mir wurden Jahre geraubt, ganz so, als wäre ich in einem Strafgefangenenlager interniert gewesen, in welchem man die Gefangenen psychisch gefoltert hat.

Dir drücke ich ganz, ganz doll die Daumen, daß Du bald wieder richtig glücklich bist und mit Deinem Studium vorankommst. Einen Tip an der Stelle: laß Dich mal bei der Studienberatung instruieren, wie es mit Fristverlängerungen und sonstigen Erleichterungen für Hausarbeiten und Aufsichtsklausuren aussieht, als auch Urlaubssemestern. Das steht Dir als bipolar Kranke zu. Nutze diese Möglichkeiten! Unterschätze diese nicht. Nutze alle Möglichkeiten, die Dir Dein Status als bipolar Kranke erlaubt. Die Unis sind hierzu qua Gesetz verpflichtet, auf Einschränkungen der Studenten Rücksicht zu nehmen. Rede Dir nicht ein, „so schlimm ist das doch nicht“. Auch wenn es Dir unter Lamotrigin richtig gut gehen sollte – nutze diese Möglichkeiten! :)

Ganz liebe Grüße,

René


Madzia on January 22nd, 2007 at 5:03 pm #

Hallo Rene,

das war ja lange Antwort;) freut mich sehr;-) Den Erfahrungsaustausch finde ich auch sehr nützlich, schade nur, dass es so wenige sich daran beteiligen;( Aber durch Deinen Tipp um Depriforen zu besuchen, kommt man wirklich weiter…

“Chemie” = AD-s, nach Meiner Meinung so viel wie nötig, und nach Möglichkeit nicht mehr… Da bei mir AD-s nicht so recht helfen, bin ich froh über die Wirkung von Lamotrigin. Ich habe noch nie einen Stimmungsstabilisator eingenommen. Und ich denke wenn lamotrigin gut hilft, werde ich auf jeden Fall es über längere Zeit einnehmen, um gewisse Stabilität in mein Leben reinzubekommen…

Ich bewundere, dass Du trotz der Schwere Deiner Erkrankung, kämpfst und die Hoffnung nicht verlierst. Das ist wirklich das wichtigste!!!

Bei mir gibt es zwar schwere Depressive Episoden, aber ich hab sie einmal im Jahr und halt mit Einnahme von AD über mehrere Monate (bis zu 6 Monaten, in den kaum was geht). Im Anschluss immer nach Absetzen von AD tritt bei mir üblich eine Hypomanische Phase.
Da ich nie Stimmungsstabilisierer eingenommen habe, habe ich jetzt Hoffnung auf eine deutliche Besserung und positive Entwicklung der Krankheit;-)

Ich danke Dir für Deine Tipps bezüglich des Studiums!!!

Behalte Ziel vor Augen!!! Ich wünsche Dir viel Kraft
viele liebe Grüsse
Madzia


[...] 4 weitere Schritte zu einem besseren Leben mit Depression [...]


Barbara on February 1st, 2008 at 10:11 pm #

Lieber René!

Vor kurzem hat mir mein Psychiater/Therapeut die Idee unterbreitet, die Dosis des Paroxetin von 4 x 20mg täglich auf 5 x zu erhöhen. In der Absicht, dass sich dadurch vielleicht mein Abendtief mildert. Er wollte das aber nicht ins Blaue hinaus versuchen und desshalb zuerst eine Blutuntersuchung machen um den Paroxetinspiegel festzustellen. Der hat schliesslich ergeben, dass ich etwas über dem Durchschnitt liege. Er hat mir also davon abgeraten, die Dosis zu erhöhen. Ist das sinnvoll oder nicht?
Ich hatte die Hoffnung auf Linderung durch eine Dosiserhöhung, aber wenn er sagt, dass das nix bringt, halte ich mich natürlich daran. Sollte ich das nicht?

Liebe Grüsse

Barbara


Mara on August 2nd, 2010 at 3:24 am #

Ich schließe mich dem an, dass diese Website wirklich sehr schön ist und auch hilfreich. Ich bin zwar Medikamenten gegenüber anders eingestellt, aber bin der Meinung, dass jeder mit Depression anders umgeht.
Was mir meist bei Tipps gegen Depression abgeht, ist, dass nichts über Ernährung geschrieben wird, obwohl Ernährung eine große Rolle für das Wohlbefinden eines Menschen spielt. Es ist möglich, und das kann natürlich nur jeder für sich selbst checken, dass mit Veränderung der Ernährung die Einnahme von Psychopharmaka herabgesetzt, wenn nicht sogar verhindert werden kann. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich habe nur 3 Tage lang Medikamente genommen und habe wahrscheinlich länger gelitten, habe aber nach einer größeren Ernährungsumstellung schnell eine Besserung erreicht.
Depressions-fördernd waren Getreide produkte. Eine Besserung trat ein als ich begann genügend proteinreiche Nahrung und viel Obst und Gemüse zu essen.
Genauso wichtig wie die Ernährung, finde ich, ist Sport, besonders wenn in der Natur ausgeübt. Es reicht schon ein Lauf im Park.


wohnungen augsburg on November 30th, 2011 at 12:55 am #

Nach untersuchen ein paar der weblog Beiträge auf web site jetzt, und ich eigentlich Art des Bloggens. I bookmarked es mein Lesezeichen web site Checkliste und vielleicht wieder bald . Pls versuchen meine Website als auch und lassen Sie mich wissen, was Sie denken.


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