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Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 16-08-2007

Ob man Depression lindern könne ohne Hinzuziehung von Medikamente ist eine gerne gestellte, häufig wiederkehrende Frage.

Drei Antworten sind in diesem Falle möglich, ja, nein und jein.

Charakteristisch ist für die Depression bzw. eine depressive Episode unter anderem deren Schweregrad, die Ausprägung der Depression als auch deren Art und Entstehung, wie auch zeitliches Maß.

Gab es bereits gehäuftes Auftreten von Depression in der Familie, spricht diese Beobachtung für einen vererbten, genetischen Einfluß. Von der leichten Verstimmung bis hin zu massiven Suizid-Gedanken prägt sich die Depression unterschiedlich aus.

Anlaßabhängig ist sei insofern, als daß Schicksalsschläge im Leben eine depressive Episode auslösen können. Man spricht dann von einer reaktiven Depression, die als Reaktion auf ein einschneidendes Erlebnis folgte, wie etwa den Verlust eines geliebten Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder auch Kriegserlebnisse, wie sie die im Irak eingesetzten US-Soldaten gegenwärtigen.

Grundsätzlich entscheiden Art und Schweregrad der Depression über die Linderungsmöglichkeit. Von Heilung zu sprechen ist nicht möglich, denn dies bedeutete, daß bis zum Lebensende keine depressive Episode mehr einträte. Diese Prognose jedoch zu wagen, kann höchstens Gott wagen und verantworten.

Aus nämlichen Grunde ist es daher vorzugswürdig, von Linderung zu sprechen, welche freilich auch gegen Null gehen kann, also die Depression nahezu vollständig beseitigt, jedoch nicht auszuschließen ist, daß sie erneut auftritt im Laufe der kommenden Lebensjahre eines Menschen.

Medikamente wirken vornehmlich wider die akuten Stimmungsschwankungen und emotionale Instabilität, welche die Depression bedingt. Als Mittel der ersten Wahl werden sie eingesetzt, wenn das Leben völlig freudlos und sinnfrei erscheint.

Andererseits hat das Denken, Handeln und Fühlen eines Menschen enorme Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden.

Der Depression im Kern zu begegnen bedeutet auch, ihr mental beizukommen. Man mag zwar die emotionalen Schwankungen mittels Medikamente sehr gut in Griff bekommen, wie es auch in meinem Falle geschehen ist, doch der letzte Schliff entsteht durch Gedankenarbeit.

Verdeutlichen läßt sich dies anhand eines Bildes.

Liegt man bei einem Fußball-Spiel 0:3 hinten, so können Medikamente als Tore betrachtet werden, die man selbst schießt. Von keinem bis hin zu 1, 2 oder 3 ist alles drin. Mentale Arbeit an seinen Gedanken dagegen ist wie ein Elfmeter für die eigene Mannschaft in der letzten Spielminute. Der Sieg ist drin und die Aussicht auf diesen sehr hoch.

Verwandeln muß man die Elfmeter jedoch selbst.

So verhält es sich auch mit der Gedankenarbeit. Durch das Anlegen positiver, fröhlicher und das Selbst-Vertrauen stärkender Gedanken und Handlungen ändern sich auch die Gefühle eines Menschen, ganz gleich ob depressiv oder nicht.

Damit wäre auch die Frage nach der Behandlung einer Depression mit oder ohne Medikamente geklärt.

Mit Medikamenten läßt sich die Depression am wirksamsten behandeln im Sinne von lindern und dauerhaft eindämmen, den letzten Schliff jedoch erlangt man durch das Ausrümpeln der vorherigen üblen Gedanken, indem man das Feld neu bestellt.

Helfen können Bücher der Gattung Selbsthilfe (Self-help) auf diesem Weg.

Gegenüber Psychotherapeuten bin ich reserviert eingestellt. Die Psychotherapie als solche heiße ich gut, allerdings sind mir Psychoanalytiker ein Greuel. Das Herumpfuschen in der Vergangenheit eines Menschen hilft nichts.

Das Hier und Jetzt ist zu ändern und das gelingt nur, wenn man heute Schritte und Maßnahmen ergreift, daß man in der Zukunft besser dasteht. Was war, kann man nicht ändern, lediglich – und das ist eine Menge – die Einstellung hierzu kann man modifizieren.

Genau das ist gemeint, als ich vier Absätze weiter oben vom Gedanken-Feld sprach, das es neu zu bestellen gelte.

Du schaffst es! :)



Comments:
7 Comments posted on "Depression heilen ohne Medikamente?"

[...] Therapeutisch wirken sollte ja die Psychoanalyse, aber was “die Psychoanalyse” ist, hängt in der Praxis sehr von der Persönlichkeit des jeweiligen Analytikers ab. Ihr Bild ist sicherlich von Freud geprägt, aber auch das Verständnis dessen, was die “Freud’sche Analyse” ist, ändert sich. So ist kürzlich die Mitschrift einer Patientin Freuds als Dachbodenfund aufgetaucht und in Teilen auch publiziert worden. [...]


Nina.M on June 17th, 2009 at 9:54 am #

Aus meiner Erfarung bezüglich Antidepressiva sowie Benzodiazepine, welche ich teiweise über einen längeren Zeitraum eingenommen habe, kann ich Summa Summarum sagen, dass alle in ihrer Wirkung gleich waren. Meine Denkstruktur wurde wesentlich eingedämmt was meine Lebensqualität enorm beeinträchtigte. Über diesen Zeitraum war ich gefühlstechnisch weder Fisch noch Vogel d.h ich konnte weder Freude noch Kummer empfinden was meines Erachtens, wesentliche Bestandteile der Lebensqualität sind. Ich gebe dir Recht, dass man im Hier und Jetzt arbeiten sollte da das “herumwühlen” in der Vergangenheit nichts anderes als destabilisierend wirkt. Zusammen mit einer Fachperson sollte man an Stabilisierungsmassnahmen arbeiten welche der jeweilige Klient auch umsetzen kann um so Schritt für Schritt mit ganz viel Geduld und Verständnis von der Seite der Fachperson, wieder auf die Sonnenseite zu gelangen.


Roman on September 18th, 2009 at 8:26 pm #

Neben der Medikamentösen Behandlung, empfehle ich Sport, Selbsthypnose und einen geregelten Tagesablauf.


chocoli on April 3rd, 2011 at 1:03 am #

Also, ich habe selbst eine psychoanalytisch fundierte Gesprächstherapie gemacht. Die Medikation in Form von Psychopharmaka wollte ich nie. Ich nahm nur Johanniskraut, wobei der Psychiater meinte: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Ich hingegen war überzeugt, dass auch ein Placeboeffekt eine Wirkung ist.
Die Psychotherapie hat mir bedingt geholfen. Wenn man das Glück hat echte Freunde zu haben, hat das eine heilendere Wirkung als Gespräche mit einem Therapeuten. Aber dieses Glück hatte ich so nicht. Ein geregelter Tagesablauf hilft bestimmt!


Antonia Scheller on April 14th, 2011 at 6:16 am #

Sport – ja! Und wenn möglich draußen, nicht im Studio. Ein Ansatzpunkt (eher in der Rekonvaleszenzphase) ist eine gemeinnützige Tätigkeit, das kann z.B. auch in einem Sportverein sein. Und Selbsthypnose – während der Depression und um später einen Rückfall zu vermeiden… Denn bei der Selbsthypnose geht es um das Mobilisieren eigener Ressourcen und darum, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – Quelle http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/29078.html

Von Psychoanalyse halte ich auch nicht viel. Mir ist immer ein Rätsel, wie man in ein paar Therapiestunden Einblick in die komplexe Psyche eines Menschen bekommen will. Dann noch eher Psychotherapie, denn bei Depressionen muss man oft einfach reden. Der Therapeut ist dann der Mensch, der zuhört.


Christian on June 6th, 2011 at 1:14 pm #

Gerade das herumpfuschen in der Vergangenheit ist wichtig. Die schädlichen Verhaltensmuster entstehen in der Kindheit und werden größtenteils von den Eltern übernommen. 90% vom Verhalten der Eltern wird kopiert. Dort ansetzen ist wichtig, hinter die Karten schauen, die Eltern nicht mehr als unfehlbar zu sehen, ich finde das ist das wichtigste. Die Mechanismen zu durchschauen bringt allerdings keine Heilung. Man ist als Erwachsener nicht mehr ausgeliefert und kann/muss sich wehren.


IchLIebeDiesesLeben on January 14th, 2012 at 12:51 am #

ich liebe das lebn und bin depri..

kann mir das ma einer erklärn?!

eig. hätt ich keinen grund mehr für dieses scheiß gefühl..ich hab alles was ich immer haben wollte…

und trz..

dieses gefühl ist immoment dabei mir alles zu zerstören..


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