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Aus eigener, sehr leidvoller Erfahrung weiß ich, daß häufig gutgemeinte Ratschläge aus dem Umfeld, doch „einfach mal rausgehen“ oder „mal was schreiben“ für unter Depression Leidende in der Regel eine gegenteilige Reaktion auslösen. Aufgeführte Zitate, selbst in Teilen, ziehen einen nur noch mehr runter; demnach sind sie kontraproduktiv. Wie viele Tage verbrachte ich schon im Bett und fragte mich, wie kann man überhaupt fröhlich sein, und auch, was ist überhaupt Freude? Verstanden habe ich in der Therapie-Zeit bislang, daß die Linderung meiner Depression zweigleisig aus Antidepressiva und kognitiver Therapie besteht. Jeden Tag versuche ich, der Krankheit so viel schöne Zeit wie möglich abzutrotzen. Hierzu habe ich in meinem Baukasten auch das Lächeln angeführt. Es ist kein Allheilmittel für mich, doch hilft es häufig, meine depressiven Schübe abzumildern. Wie bereits gesagt, sehe ich es so, daß bei mir zumindest auf absehbare Zeit keine Heilung möglich ist. Zum einen habe ich die Krankheit zu lange, zum anderen sind die Symptome in einer derartigen Bandbreite und Heftigkeit ausgeprägt, daß ich teilweise die Linderung mancher Symptome schon selbst als die Beseitigung der Krankheit als solcher empfinde. Sinn und Zweck des Baukastens Wichtiges Ziel meines Baukastens ist es, tätig zu sein. Dieses Tätigsein umfaßt für mich alles, angefangen beim Putzen und Saubermachen, über Bücher sortieren und Computer spielen bis hin zum Verfassen von Beiträgen für meinen Blog und meine neue Freude, das Schreiben von Einträgen für dieses Forum. In der Tätigkeit habe ich in etwa dieselbe Ruhe gefunden, wie ich sie nur vom Schlafen her kenne. Vor zwei Wochen etwa putzte ich vier Tage hintereinander jeden Abend meine Wohnung – weil es mir dadurch besser ging. Ja, wirklich! Eine so banal anmutende Tätigkeit war genau das, was ich in diesem Moment brauchte. Zu anderem wäre ich nicht fähig gewesen. Das eigentlich Lustige dabei ist, daß ich mittlerweile als ordentlich durchgehe und meine Wohnung fast gänzlich von Unordnung befreit ist – ohne, daß ich das auch nur wollte! Welch Nebeneffekt! Also packte ich diesen neuen Befund in meine Liste ein, in welcher ich meine Aktivitäten der letzten Zeit sammle und bewerte, in welchem Zustand ich zu was noch fähig bin. Baukasten + Stimmungstagebuch = Produktivität Wenn man so will, ist er das Gegenstück zu einem Stimmungstagebuch. Geht es mir prächtig, kann der Tag nicht genügend Stunden haben und auch kompliziertest Sachen klappen wie am Schnürchen. An schlechten Tagen dagegen, die in der Mehrzahl überwiegen, will das alles nicht klappen. Komplizierte Aufgaben gehe ich nicht einmal an, und selbst banale erscheinen mir schwierig und schrecken mich nur ab. Im Ergebnis zieht mich das noch weiter runter und man fühl sich schlecht bis hin zu Versagensangst. Doch weshalb sollten einem auch unter schwersten Symptomen nicht wenigstens ein paar Dinge gelingen? Schon häufiger wollte ich meine Bude aufräumen, doch brach ich unter der Last der Aufgabe zusammen. Mittlerweile putze ich häufiger (schließlich geht es mir auch häufiger schlecht Wie legt man den Baukasten an? Was ich also aus meiner Erfahrung heraus empfehlen kann ist der Baukasten. Man schreibt einem Brainstorming gleich einfach mal alle Tätigkeiten und Verrichtungen auf. Einmal als Überbegriff und dann in Einzelteile gegliedert. Beispiel putzen: Oberbegriff wäre Wohnzimmer saubermachen. Unterbegriffe wären unter anderem saugen, naß aufwischen usf. Beispiel Staub wischen: Oberbegriff wäre Wohnzimmer entstauben, Unterbegriffe wären Fernseher abstauben, ein bestimmtes Regal oder auch nur eine Platte abwischen. Manches erledigt man in 30 Sekunden (Gläser aufräumen), anderes in 45 Minuten (saugen und naß aufwischen). Weiter könnte man Müll rausbringen, Briefkasten leeren usf. aufführen. Tanken, Auto in die Waschstraße fahren, im Supermarkt bei der süßen Kassiererin vorbeischauen und Schokolade kaufengehen, Freunde treffen, jemanden anrufen usf. Je nach Beeinträchtigungsgrad meiner Depression findet sich dann ganz sicher irgend etwas, das ich machen kann und auch unter Anstrengung dann tue. Hierdurch fühle ich mich dann immer etwas besser und komme mir nicht völlig hilflos vor. Ich wünsche euch viel Spaß und gutes Gelingen mit eurem Baukasten! Probiert es aus, es lohnt sich. Gerne wüßte ich auch, wie ihr mit eurem Leiden umgeht oder ob und wie euch der Baukasten geholfen hat. Schreibt mir einfach einen kurzen Kommentar, ich würde mich freuen!
Comments:
1 Comment posted on "Der Baukasten – Tätigsein trotz Depression"
Peter on December 6th, 2008 at 6:47 pm #
Die Idee mit dem Baukasten ist nicht schlecht, allerdings denke ich das es vielleicht auch mit dem Grad der Depression zu tun hat. Ich selbst leide wahrscheinlich auch unter Depressionen (muss allerdings zu meiner Schande gestehen das ich noch nicht unter medizinischer Betreuung stehe was sicherlich nicht schlecht wäre). Post a comment
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