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Ein oder mehre Medikamente? Selten wird man nur mit einem Präparat auskommen. Häufig bedarf der Depressive mehrerer Medikamente, um verschiedene Symptome zu bekämpfen. Beginnen wird man wahrscheinlich mit einem Antidepressivum. Schon zu Beginn sollte man je nach Schwere der Depression eventuell auch ein Beruhigungsmittel wie Temesta hinzunehmen. Ähnlich verhält es sich mit einem Schlafmittel. Nicht selten bezahlt man die Stimmungsaufhellung mit Schlafstörungen. Zwar hatte man diese auch schon im Verlauf der Depression – Schlafstörungen sind ein Symptom der Depression -, doch prägen sich diese nach meiner Erfahrung unter Einnahme eines Antidepressivums eher aus. Ausnahme von der Regel bilden hierbei sogenannte sedierende Antidepressiva, die eher schlafanregend wirken. Um einem Antidepressivum den letzten Schliff zu verpassen, sollte man auch die Einnahme von Lamotrigin (Lamictal) erwägen. Bei diesem Präparat handelt es sich um einen Mood-Stabilizer, also einen Stimmungsstabilisierer. Vornehmlich werden diese bei bipolaren Störungen angewendet, doch helfen sie allgemein sehr gut, depressive Episoden vorzubeugen. Nicht-medikamentive Therapie Seitens des nicht-medikamentiven Behandlungsbereichs ist vor allem die Psychotherapie zu nennen. Im Bereich dessen gehört die Gesprächstherapie zur gängigsten Behandlungsmethode. Im Falle von leichten bis mittelschweren Episoden der Depression kann man möglicherweise auch auf den Einsatz von Antidepressiva verzichten. Anzuraten ist es jedoch nicht. Ich halte eine Kombinationstherapie immer noch für die beste Wahl. Ausblick Ganz gleich, welchen Therapieweg man einschlägt, allen gemeinsam ist, daß es viel Zeit und Geduld bedarf, um erfolgreich die Depression lindern zu können. Los wird man diese Krankheit nicht mehr vollständig. Daß man von einer chronischen und lebenslang zu behandelnden Krankheit betroffen ist, sollte früh im Bewußtsein verankert werden. Mit dieser Sichtweise fällt es auch einfacher, mit Rückschlägen, also wiederkehrenden Episoden umgehen zu können. Wähnt man sich dagegen als geheilt oder erfreut man sich allgemein bester Laune, können Rückschläge in Gestalt von depressiven Episoden die Psyche nochstärker belasten. Wer sich als geheilt empfand, ist der Verzweiflung nahe. Ist man dagegen darauf eingestellt, daß Rückschläge jederzeit kommen können, fällt es leichter mit diesen auch umgehen zu können, sollten sie eintreffen. Verhaltensanpassung Medikamente können wie kleine Babys sein: überall sind sie dabei und vergessen darf man sie auch nicht. Wem sage ich es alles… Ich vertrete die Ansicht, daß der offene Umgang mit der Krankheit der beste Weg zur Unterstützung eines guten Krankheitsverlaufes ist. Bislang tat noch jede Offenbarung unter dem Strich besehen sehr viel mehr, als umgekehrt weiter vor sich hin zu lügen, oder sich aus Angst und Scham zu isolieren. Häufig ergeben sich auch erst neue vorteilhafte Möglichkeiten, wenn Dritte von der Krankheit wissen. Denn es gibt mehr Depressive, als man gemeinhin denkt. Anpassung des Lebensalltags Gerade in den ersten zwei Jahren (!) nach der Diagnose sollte man versuchen, sein Leben unter dem Gesichtspunkt seiner Krankheit zu sehen. Folgende 9 Hinweise sollte man in Betracht ziehen:
Weshalb spreche ich von zwei Jahren? Nun, das belegen meine Erfahrungen im Umgang mit meiner Krankheit, einer schweren Depression. Fortschritte vollziehen sich nur langsam, aber dennoch für mich sichtbar. Besonders deutlich werden diese, wenn man die Fortschritte nicht im Tagesrhythmus analysiert, sondern in einem größeren Zusammenhang, wie wöchentlicher oder am besten monatlicher Weiterentwicklung in bestimmten Bereichen meiner Persönlichkeit. Häufig muß man auch erst einmal sich selbst wieder fangen und die angesammelten Scherben der Vergangenheit zusammenfegen und beseitigen. Bis man wieder altlastenfrei das Tageslicht erblickt, vergehen häufig Jahre. Gedankenspielchen Nach dem bisher Gesagten – lohnt es sich, an eine Besserung zu glauben? So schwer es auch in den dunkelsten Momenten der Krankheit fällt, so sehr man auch ausgelaugt und niedergeschlagen sein sollte in den Schubphasen der Depression: seinen Glauben und seine Hoffnung auf eine dauerhafte Linderung darf man niemals aufgeben. Alleine der Glaube selbst an dauerhafte Linderung gibt einem die Kraft, die notwendig ist, seinen Weg weiterzugehen, kleine wie auch große Rückstände zu überstehen. An diesem Punkt ist die Unterstützung von Nahestehenden unheimlich wichtig. Gerade in diesen Zeiten sollte das Auffangnetz greifen. Einfache Gesten sind meist die besten Eine Umarmung, ein kurzes Telephonat, in welchem man den Depressiven nach seinem Wohlbefinden befragt und diesen reden läßt – das alles sind einfache Gesten der Anteilnahme und des Verständnisses, dessen Depressive in ihren depressiven Phasen so bedürfen. Ehrliche Anteilnahme ohne viele Worte hilft. Es muß nichts Großes sein, im Gegenteil. Unheilbar krank – Der Unterschied zwischen der Krankheit und den Symptomen Angehörige und Nahestehende sollten sich immer wieder bewußt machen, daß die Depression nichts Vorübergehendes ist. Man muß zwischen der Krankheit und den Symptomen unterscheiden. Die Krankheit ist unheilbar. Die Symptome der Krankheit dagegen kann man lindern. Letztere sind wiederkehrend in nahezu allen Fällen der Depression. Vereint sind Depressive und Nahestehende darin, daß sie niemals die Hoffnung auf Besserung aufgeben dürfen. Mit vereinten Kräften ist es möglich, die Krankheit zu lindern. Reiche dem Depressiven die Hand. Er wird es Dir danken!
Comments:
1 Comment posted on "Infos, die Angehörigen helfen, sich und Depressiven das Leben leichter zu machen – Teil 3"
Besser nicht! « Patiently waiting on May 31st, 2010 at 5:06 pm #
[...] Infos, die Angehörigen helfen… (Teil 3) [...] Post a comment
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