Archive for the ‘Medikamente’ CategoryNunmehr neigt sich die 2. Woche dem Ende zu, seit mein Entschluß in die Tat umgesetzt wurde, mein Antidepressivum Paroxetin abzusetzen. Gestaltete sich die erste Woche noch vergleichsweise harmlos, gab es am Samstag abend, dem 23.6.2007, einen ersten Vorgeschmack dessen, was Paroxetin bei mir an Entzugssymptomen aufzuweisen hat. Überraschung: Woche Nr. 2 brachte gewaltige Absetzungs-Symptome mit sichUrplötzlich war da der Kreislauf, der knapp eine Stunde lang nicht mehr so richtig mitspielte und eine leichte bis mittelschwere Angstattacke nistete sich bei mir ein. Zu bedenken gilt, daß ich den radikalen Weg wählte, und von meiner Tagesdosis von 60mg auf 0 runterging; das sollte sich rächen. Munter ging es weiter: Schwindel, Übelkeit, KopfschmerzenSonntag ging es gegen Abend los. Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen bemächtigten sich meiner. Dienstag dann gesellten sich noch massive Kreislaufprobleme hinzu. Von Sonntag bis einschließlich Dienstag lag ich nur im Bett, denn es drehte sich alles und mir war einfach nur übel. Strategiewechsel: dann doch lieber einen Schritt zurück, um zwei nach vorne gehen zu könnenDienstag abend dann gab ich mein Vorhaben auf, das 60 zu 0 Programm ohne Ausnahme durchzuziehen. Schrittweise nahm ich bis zum Schlafengehen meine bis dato üblichen 60mg ein. Bereits mit 20mg spürte ich eine langsame Besserung meines Wohlbefindens. Am Mittwoch waren die Absetzungs-Symptome – Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen – zu 90% verschwunden. Einzig einen ziemlich verwirrten und ausgelaugten Eindruck hinterließ ich. Kleinere Brötchen backenSeit Donnerstag, also gestern, bin ich halbwegs wieder auf dem Dampfer. Es scheint, als sei gegenwärtig eine Dosis im Bereich von 30 bis 40mg pro Tag im Rahmen des Möglichen, um die schweren Absetzungs-Symptome zu vermeiden bei Beibehaltung der schrittweisen Reduktion Paroxetins auf 0. Erfahrungsberichte im Internet lassen mich in bester Gesellschaft wissenLaut Internet-Recherchen soll Paroxetin hinsichtlich der Absetzungs-Symptome und damit Ausschleich-Problematik die Pest unter den SSRIs sein. Nicht nur ich bin vom Entzugshammer befallen worden. Bei einem Sprung von einem SSRI auf ein anderes fallen zumeist kaum Entzugs-Symptome an. Bei der Absetzung eines SSRIs dagegen schon. Na prima: Panikattacke der Kategorie äußerst heftigHeute etwa gab es in den Morgenstunden gänzlich aus dem Nichts heraus eine böse Panikattacke in Kombination einer Angstattacke. Mir blieb die Luft weg, quälende Atemnot befiel mich. Meine Erinnerung weiß keinen vergleichbar schweren Vorfall zu benennen in Sachen Panikattacke. Erst die Einnahme von 3 mal 10mg Paroxetin im Abstand von jeweils knapp 45 Minuten – jener Zeitspanne, in welcher üblicherweise Paroxetin bei mir zu wirken beginnt – brachte halbwegs Linderung. Ausblick: Hoffnung, das der Spuk sein Ende finden wirdEines steht fest: ich bin einfach nur froh, den Entzug, die Absetzung, das Ausschleichen von Paroxetin hinter mir zu haben. Mag das Absetzen auch wesentlich länger andauern, als ursprünglich erwartet, so fühle ich mich doch besser ohne Paroxetin. Ich SchlingelWie sehr man sich täuschen kann in betreff der Absetzungs-Symptome wenn man meint, wenige beschwerdefreie Tage im Anschluß an das Absetzen würden einen in Sicherheit wiegen, das zumindest haben mich die ersten zwei Wochen gelehrt. Halbwertszeiten des Blutspiegels kalkulierte ich mit ein; daß jedoch der Körper derart verrücktspielen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. ManöverkritikVerkehrt war das Experiment nicht. Manöverkritik gilt es insofern zu üben, als daß ich früher hätte wieder mit der Paroxetin-Einnahme beginnen sollen, als sich Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen einstellten, anstatt auf das Verschwinden der Absetzungs-Symptome zu hoffen. Das Rezept hierzu ist einfach. Man nehme einen folienfesten Stift und markiere auf der Folienseite der Tabletten die Wochentage, an welchen man die entsprechenden Pillen einzunehmen habe. Alternativ kann man sich auch auf einem Din-A4-Blatt das Datum und die Medikamenten-Menge notieren, und nach der Einnahme entsprechend abhaken. Die Methode klingt banal, und das ist sie auch. Obendrein jedoch ist sie äußerst hilfreich, nützlich und daher zweckdienlich. Und das ist alleine entscheidend. Selbstverständlich kann man auch beide Methoden kombinieren. Schon das eine oder andere stand ich vor der Frage, habe oder habe ich nicht meine Medikamente eingenommen. Fehlende oder unregelmäßige Medikamenten-Einnahme gefährdet die Therapie. Und wer mag schon einen Rückfall erleiden? Besagten Kontroll-Zettel sollte man zusammenfalten und in der Medikamenten-Packung verstauen. So geht man sicher, den Zettel niemals zu verlegen. Außerdem hat man, etwa wenn man Urlaub macht, den Zettel stets dabei. Investiere einmalig diese fünf Minuten und die Medikamenten-Vergeßlichkeit gehört der Vergangenheit an. Zugegeben: wer schätzt sie nicht, die Tabletten mit Geschmack, die auf der Zunge zergehen und keinen bitteren Nachgeschmack hinterlassen? Die Tabletten, die wie lecker Brausepulver aus der Jugend schmecken? Medikamente zum Gernhaben also – und gelegentlich tödlich obendrein. Täglich nehme ich Lamictal mit dem Wirkstoff Lamotrigin ein. Beigemischt ist dieser Tablette ein Geschmacksstoff namens „Schwarze Johannisbeere-Aroma“. Was sich auf den ersten Blick so harmlos und unverfänglich liest bedeutete vor zwei Wochen beinahe mein Todesurteil. Was war passiert? Nun, eigentlich ist Lamictal/Lamotrigin ein Wundermittel. Nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Depressive. Und auch in diesem Blog wird es zurecht als solches angepriesen. Seit zwei Wochen aber weiß ich, wie dicht Glück und Suizid beieinander liegen können. Zugetragen hatte sich, daß ich von einem Lamotrigin-Generika auf ein anderes umgestiegen bin. Derselbe Wirkstoff nur von einem anderen Pharmazeuten – welche Überraschung sollte mich also da schon erwarten? Gutgelaunt nahm ich die 100 mg Tablette Lamotrigin ein. Doch dieses Mal war alles anders:
Alles geriet aus den Fugen, wie nie zuvor, seitdem ich Lamictal/Lamotrigin einnehme. Trotz allem sich plötzlich auftuenden Unheil versuchte ich mich in Durchhalteparolen, daß diese Symptome nur vorübergehend sein würden und jede Minute das Medikament greifen müsse. Unerschütterlich war mein Glaube an Lamictal/Lamotrigin. Wenn aus meiner Sicht etwas wider meine Depression wirkte, dann war es dieses Präparat. Dachte ich. Gegen abend verlor sich mein Glauben an irgendwelche Besserung endgültig, als ich anfing aus heiterem Himmel heraus zu heulen wie ein Schloßhund. Bewährt hatte sich in solchen Situationen das Beruhigungsmittel Temesta mit dem Wirkstoff Lorazepam, einem Benzodiazepin. Üblicherweise genügten in solchen akuten Krisenphasen 2 mg Temesta, um mich im Wortsinne zu beruhigen und meinen Zustand schlagartig zu bessern. Doch dieses Mal war alles anders:
Jetzt waren die innerhalb meiner schwere depressiven Episode noch zu einem halbwegs sinnvollen Gedanken fähigen Kapazitäten meines neuronal geschädigten, und damit depressiven Hirnes, völlig verstört. Wenn selbst das sonst so knallharte und Ultima ratio-Mittel nicht mehr wirkte – was dann? Ja, was dann? Nachvollziehen kann ich die Gründe nicht mehr, aber ich warf im 15-Minutentakt – Benzos greifen in der Regel nach 5 Minunten – bald 1, bald 2 mg Temesta nach, bis ich schlußendlich 10 mg Benzodiazepin in mir hatte. 10 mg Benzodiazepine! Höchstmenge pro Tag markiert laut Beipackzettel 2,5 mg – in „Notfällen“. Erst mit 10 mg wurde es langsam ruhig, die Anspannung und Agitiertheit löste sich entgegen sonstiger Erfahrungen ganz langsam. Auch war und wurde ich durch die Temesta nicht müde, was mich auch stark wunderte. Der nächste Tag sollte es also bringen. Am nächsten Tag aufgewacht, stürzte ich mich regelrecht auf mein Lamictal. Wieder flößte ich mir meine bis dato so wirksame Mischung Medikamente bestehend aus meinem Antidepressivum Paroxetin (Paroxat/Paxil) und meinem Stimmungsstabilisator, eben jenem Lamictal/Lamotrigin ein. Doch dieses Mal war alles anders:
Mangels Möglichkeit zum Psychiater zu gehen, verbrachte ich die kommenden Tage völlig depressiv und unter massiven Suizidgedanken – meine Freundin versteckte alle Messer – in einer Welt der Entmutigung. Plötzlich verließ mich jede Aussicht auf Eindämmung der Depression. Niemals zuvor fühlte ich mich derart enttäuscht. Derart viel Hoffnung kraft bester Wirkung hatte ich in Lamictal/Lamotrigin gesetzt, daß mir dieser über eine Woche währende Einbruch einen deutlichen Knacks bescherte. Wie ging es weiter? In meinen lichten Momenten klapperte ich das Internet nach allen möglichen Erklärungsversuchen und Erfahrungen zu Lamictal/Lamotrigin ab. Sehr häufig stieß ich dabei auf meinen Blog. Selbst dieser wußte keine Antwort auf mein sehr buchstäbliches Leiden. Wie von Sinnen durchwühlte ich meine Medikamenten-Sammlung und stieß auf eine Packung jener Tabletten Lamotrigin, mit welchen ich früher keine Probleme hatte. Ohne zu zögern gönnte ich mir über meine eingenommene Tagesdosis nicht wirkenden Lamotrigins weitere 50 mg Lamotrigin. Doch dieses Mal war alles anders:
Erleichtert und auch sehr erschöpft setzt ich mich hin und nutzte den lichten Moment, um zu rekapitulieren, was sich ereignet hatte. War ein Lamotrigin gleicher als das andere? Was war also des Rätsels Lösung? Detektivisch-investigativ verglich ich wie ein Getriebener pedantisch und voller Akribie die beiden Beipackzettel des „böse“ und des „guten“ Lamotrigins. Am Ende der Beipackzettel sind bei in Deutschland vertriebenen Präparaten jeweils die Inhaltsstoffe (Ingredienzien) aufgeführt. Immer wieder wanderte mein Auge von einem Zettel zum anderen. Wo lag der Unterschied, falls es einen gab? Und am Aromastoff „schwarze Johannisbeere“ blieb ich hängen. Dieser machte den Unterschied zwischen beiden Präparaten aus. Das „böse“ Lamotrigin besaß diesen Inhaltsstoff, während das „gute“ ohne diesen auskam. Es dauerte noch knapp drei Tage, ehe ich wieder halbwegs von meiner depressiven Symptomatik halbwegs genese war durch Nutzung des „guten“ Lamotrigins. Aus meiner Sicht markierte dieses Aroma, dessen Anteil an 100 mg Lamotrigins ganze 0,1 mg ausmachte, den Unterschied, der den Unterschied machte zwischen etwas Wohlbefinden trotz Depression und Suizidgefahr trotz Medikamentierung. Nachforschungen bei einem Pharmahersteller brachten auch keine wirklichen Erkenntnisse hierzu. Möglicherweise liegt eine (pseudo-) Allergie auf das Aroma vor. Genaueres versuche ich noch durch weitere Recherchen zu klären. Bleibt nur die Frage, wozu man aromaversetztes Lamictal/Lamotrigin verwendet Es ist recht einfach. Liest man den Beipackzettel ganz genau, so wird man ersehen, daß das „gute“ Lamotrigin zum Schlucken gedacht ist, während das „böse“, mit dem Aromastoff „schwarze Johannisbeere“ versetzte Lamotrigin, nicht nur zum Schlucken, sondern auch zum Lutschen gedacht ist. Aroma = guter Geschmack = lutschen Schlußendlich habe ich wieder etwas gelernt. Freud und Leid machen manchmal nur 0,1 mg aus. Um einen Vergleich zu bemühen: Unter 1000 Losen ist ein Glückslos versteckt. Ausgerechnet dieses zieht man. Ziemlich unwahrscheinlich, oder? Mittlerweile bin ich wieder einigermaßen auf meine Status quo ante angelangt. Geblieben allerdings ist besagter Knacks. Beschreiben kann ich es nicht genau. Mein bestehendes Urvertrauen in Medikamente und damit vor allem Psychopharmaka ist ungebrochen. Ins Wanken gekommen ist allerdings meine Vorstellung von der fragilen Welt, der ich Depressiver leben. Wenn mich nur 0,1 mg ins Wanken bringen kann und nur Zufälle einen Ausweg und Erklärung bieten – wie sollte ich mich dann für die Zukunft wappnen, wenn neue Medikamente rauskommen, die ich ausprobieren möchte? Ist es der Wirkstoff selbst, der nicht greift, oder wieder nur 0,1 mg einen sonstigen Inhaltsstoffes, der mit dem Wirkstoff verbunden ist? Und wieso mußte ich mich erst mit 10 mg Benzos zudröhnen, bevor es mir besser ging? Vielerlei Fragen, deren Antworten ich hoffentlich die kommenden Wochen und Monaten ergründen werden kann. PS: Don´t try this at home. |