Archive for the ‘Lamictal/Lamotrigin’ Category

Das erste Antidepressivum, das mir verschrieben wurde, war Fluoxetin. Leider kann ich mich nicht mehr genau an die Dosis erinnern, ich glaube es waren schlussendlich 20 mg. Die Nebenwirkungen von Fluoxetin zeigten sich bei mir jedenfalls sehr stark:

Fluoxetin – leider überwiegend nur Nebenwirkungen

  • Appetitlosigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Herzrasen
  • Innere Unruhe

Durch die Appetitlosigkeit habe ich schnell und viel abgenommen – bis auf 51 kg bei 1,68 m – und fühlte mich dadurch sehr schwach. Das Herzrasen und die Schlaflosigkeit haben mich zusätzlich fertig gemacht. Ich war müde, aber innerlich nervös und konnte nicht schlafen. In diesem Zustand war arbeiten praktisch unmöglich. Trotzdem habe ich mich jeden Tag ins Büro geschleppt (nur nicht zu Hause rumsitzen und grübeln!).

Der nächste Versuch: Tolvon (Mianserin)

Nach 6 Wochen, in denen ich nur Nebenwirkungen und keine positive Wirkung des Antidepressivums gespürt habe, hat mir meine Ärztin Tolvon (Mianserin) wegen der Schlaflosigkeit verschrieben. Tolvon ist nicht nur ein Antidepressivum, sondern auch ein Antihistaminikum – eines der alten Generation, das als Nebenwirkung starke Müdigkeit auslöst. Antihistaminika werden bei Allergien angewendet und da ich Allergikerin bin, war das für mich eine gute Lösung.

Nebenwirkung Müdigkeit

Angefangen habe ich mit 30 mg täglich, abends vor dem Zubettgehen. 20 Minuten nach der Einnahme habe ich tief und fest geschlafen. Leider hielt die Müdigkeit auch morgens noch an, sodass ich kaum aus dem Bett kam. Diese Nebenwirkung liess aber langsam nach und wir steigerten die Dosis bis auf 90 mg. Morgens und auch tagsüber war ich immer noch müde. Da ich es aber nicht anders kannte, sprich mein ganzes Leben lang eine grosse Müdigkeit in mir spürte, habe ich mir nicht viele Gedanken darüber gemacht.

Der Wechsel zu Seropram (Citalopram)

Eines Tages erklärte mir ein Freund, dass es durchaus nicht normal ist, dauernd müde zu sein, und dass es neuere Präparate gebe, die fast keine Nebenwirkungen haben. Also, auf zu meiner Ärztin, und ein anderes Antidepressivum verlangen.

Neu auf dem Markt war zur Zeit Seropram (Citalopram). Tatsächlich spürte ich praktisch keine Nebenwirkungen. Es ging mir nicht schlecht und ich fühlte mich besser, was die Depression betrifft.

Ich hatte aber das Gefühl, dass meine Konzentration und mein Gedächtnis immer schlechter wurden. Ich konnte mir kaum eine Telefonnummer merken (was früher problemlos ging), was mir, ausblickend auf eine Ausbildung, die mir bevorstand, gar nicht passte.

Johanniskraut – eine pflanzliche Alternative?

Nach ca. 18 Monaten meinte die Ärztin deshalb, ich solle es mal mit Johanniskraut versuchen. Die genaue Tagesdosis weiss ich nicht mehr. Nach einem Jahr habe ich es wieder abgesetzt, weil die Wirkung viel zu schwach war und ich weiterhin starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt war.

Das Ende eines Testmarathons – Efexor (Venlafaxin)

Da ich tagsüber immer noch relativ müde war, habe ich schlussendlich Efexor (Venlafaxin) verschrieben bekommen. Efexor wirkt antriebssteigernd, weshalb ich mir viel davon versprach. Als Nebenwirkungen zeigten sich leichte Übelkeit und Sekundenschwindel, beides klang jedoch nach einer Woche ab.

Nach zwei Jahren ging es mir immer noch schlecht. Ich war müde, motivationslos und die Stimmungsschwankungen wurden immer schlimmer. Meine Ärztin (die dritte seit Anfang meiner Depression) war hoffnungslos überfordert.

Der Turbo: Lamictal (Lamotrigin)

Ich wendete mich an einen Psychiater, von dem ich wusste, dass er auf die medikamentöse Therapie Depressiver spezialisiert ist. Er verschrieb mir zusätzlich zu Efexor Lamictal (Lamotrigin). Lamictal ist ein Antiepileptikum – bei klinischen Anwendungen wurde eine antidepressive und stimmungsstabilisierende Wirkung festgestellt. Seither wird Lamotrigin auch bei depressiven und bipolaren Patienten angewendet. Wir begannen mit 25 mg täglich und steigerten alle 2-3 Wochen um 25 mg.

Die Lamictal-Dosis soll langsam erhöht werden, weil bei zu schneller Aufdosierung lebensgefährliche Hautveränderungen auftreten können. Solch schlimme Fälle sind aber höchst selten und bei mir zeigte sich auch nichts dergleichen.

Ich nehme jetzt seit 9 Monaten 150 mg Lamictal und 150 mg Efexor und habe keine depressiven Phasen mehr. Besser gesagt: Habe ich mal welche, sind sie sehr schwach und nach einem Tag vorüber.

Lamictal hat mein Leben verändert – zum Guten

Lamictal hat mein Leben verändert. Ich habe Freude am Leben, mehr Energie, bin viel wacher, meine Libido ist erwacht und ich fühle mich rundum gut. Als einzige Nebenwirkung trage ich noch Schlafstörungen mit mir herum, die mal schlimmer, mal weniger schlimm sind. Aber das nehme ich gerne dafür in Kauf mich gesund zu fühlen.

Was wäre wenn…

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte schon früher Lamotrigin bekommen. Mir wäre viel erspart geblieben. All diese Erfahrungen zeigen mir, dass die Medikation keine einfache Aufgabe ist und nicht unerfahrenen Hausärzten überlassen werden sollte, sondern Ärzten und Psychiatern, die – wenn möglich – klinische Erfahrung mit Depressiven haben. Es braucht viel Geduld von Seiten der Ärzte und Patienten, ist aber schlussendlich das A und O dafür, dass Depressive den Weg in ein normales Leben zurück finden.



Bloggeramt.de

kostenloser Counter