Archive for the ‘Klinik-Erfahrungen’ CategoryMärz dieses Jahres befand ich mich in der psychiatrischen Klinik. Zu jener Zeit wurde mir in den Entlassungsbrief der Befund kombinierte Persönlichkeitsstörung geschrieben unter explizitem Ausschluß der bipolaren Erkrankung, also manischer Depression. Über die Motive bzw. den Grund des Diagnose-Wechsel und damit der Revision des bisherigen diagnostischen Standpunktes meines Psychiaters bin ich nie im Bilde gewesen. Begründungen erhielt ich nie, Urteile gleichwohl um so mehr. Nichtsdestotrotz nahm ich die Diagnose nach der Durchsicht einiger Unterlagen im Internet – in der Klinik/Tagesklinik wurde mir nichts erläutert (!) - nicht wirklich ernst. Mein Psychiater und ich beließen es bei der bipolaren Erkrankung, die auch weit zutreffender mein Krankheitsbild beschreibt. Eher zufällig nun bin ich wohl auf das Indiz gestoßen, welches mein Unbehagen stützt, daß man mich einfach irgendwie in die psychoanalytische Schublade mit aller Gewalt pressen wollte: Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in erster Linie mit psychotherapeutischen Verfahren, am häufigsten mit psychoanalytischer, interpersoneller kognitiver und verhaltenstherapeutischer Ausrichtung. Therapien dauern oft viele Jahre, stellen große Ansprüche an die Therapeuten und sind häufig nicht erfolgreich. Fassen wir zusammen: mir erst zögerlich meine Medikamente verordnen und die psychoanalytische Ausrichtung der gesamten Klinik herausstellen, die ich bis dato genommen hatte, mir erst nach mehrfachem Nachhaken entgegnen, ich hätte keine Depression und in der Tagesklinik, welche der Klinik angeschlossen ist, die psychoanalytische Karte voll ausspielen – das sind alles Zufälle und keine Paranoia. Anbei ein paar Infos, die ich heute in einem Forum zum Thema Klinikaufenthalt veröffentlicht habe:
Mit der Klinik verhält es sich wie mit jeder Therapie. Trotz Depression kommt es darauf an, was man selbst daraus macht. Am besten das Beste. Auch gibt es große Unterschiede zw. Kliniken. So gibt es reine Psychiatrien mit eigenen Abteilungen für Depressive. Ich war auf der psychiatrischen Stadion. Dort sammelt sich alles an, was irgendwie was mit der Rübe hat, also auch Schizos usf. (letztere haben meinen Alltag amüsant gehalten ;). Die Klinik ist auch kein Durchlauferhitzer. Montags reingegangen und ein paar Wochen später gesundet wieder raus - das ist nicht. Wo wir schon beim Thema sind: man verbleibt nicht ein paar Tage in der Klinik, sondern meist mehrere Wochen. Im Anschluß gibt es dann noch häufig das Hardcore-Programm namens Tagesklinik. Während des stationären Klinikaufenthaltes ist easy-going angesagt. Man muß sich um nichts kümmern, außer ein paar wenige Regeln einzuhalten. Nicht einmal die Kaffee-Tassen muß man selbst spülen usf. In dieser entspannten Atmosphäre kann man gut zu sich selbst finden. Viele verwechseln diese freie Zeit jedoch mit Langeweile. Meine Empfehlung daher: nicht unvorbereitet in die Klinik gehen, sondern ein Zwischenziel verfolgen, also etwa das nächste halbe Jahr planen usf. Mir tat die Klinik recht gut und hat mir neue Impulse verliehen. Beispielsweise übernahm ich das Malen für mich. |