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Ob man Depression lindern könne ohne Hinzuziehung von Medikamente ist eine gerne gestellte, häufig wiederkehrende Frage. Drei Antworten sind in diesem Falle möglich, ja, nein und jein. Charakteristisch ist für die Depression bzw. eine depressive Episode unter anderem deren Schweregrad, die Ausprägung der Depression als auch deren Art und Entstehung, wie auch zeitliches Maß. Gab es bereits gehäuftes Auftreten von Depression in der Familie, spricht diese Beobachtung für einen vererbten, genetischen Einfluß. Von der leichten Verstimmung bis hin zu massiven Suizid-Gedanken prägt sich die Depression unterschiedlich aus. Anlaßabhängig ist sei insofern, als daß Schicksalsschläge im Leben eine depressive Episode auslösen können. Man spricht dann von einer reaktiven Depression, die als Reaktion auf ein einschneidendes Erlebnis folgte, wie etwa den Verlust eines geliebten Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder auch Kriegserlebnisse, wie sie die im Irak eingesetzten US-Soldaten gegenwärtigen. Grundsätzlich entscheiden Art und Schweregrad der Depression über die Linderungsmöglichkeit. Von Heilung zu sprechen ist nicht möglich, denn dies bedeutete, daß bis zum Lebensende keine depressive Episode mehr einträte. Diese Prognose jedoch zu wagen, kann höchstens Gott wagen und verantworten. Aus nämlichen Grunde ist es daher vorzugswürdig, von Linderung zu sprechen, welche freilich auch gegen Null gehen kann, also die Depression nahezu vollständig beseitigt, jedoch nicht auszuschließen ist, daß sie erneut auftritt im Laufe der kommenden Lebensjahre eines Menschen. Medikamente wirken vornehmlich wider die akuten Stimmungsschwankungen und emotionale Instabilität, welche die Depression bedingt. Als Mittel der ersten Wahl werden sie eingesetzt, wenn das Leben völlig freudlos und sinnfrei erscheint. Andererseits hat das Denken, Handeln und Fühlen eines Menschen enorme Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden. Der Depression im Kern zu begegnen bedeutet auch, ihr mental beizukommen. Man mag zwar die emotionalen Schwankungen mittels Medikamente sehr gut in Griff bekommen, wie es auch in meinem Falle geschehen ist, doch der letzte Schliff entsteht durch Gedankenarbeit. Verdeutlichen läßt sich dies anhand eines Bildes. Liegt man bei einem Fußball-Spiel 0:3 hinten, so können Medikamente als Tore betrachtet werden, die man selbst schießt. Von keinem bis hin zu 1, 2 oder 3 ist alles drin. Mentale Arbeit an seinen Gedanken dagegen ist wie ein Elfmeter für die eigene Mannschaft in der letzten Spielminute. Der Sieg ist drin und die Aussicht auf diesen sehr hoch. Verwandeln muß man die Elfmeter jedoch selbst. So verhält es sich auch mit der Gedankenarbeit. Durch das Anlegen positiver, fröhlicher und das Selbst-Vertrauen stärkender Gedanken und Handlungen ändern sich auch die Gefühle eines Menschen, ganz gleich ob depressiv oder nicht. Damit wäre auch die Frage nach der Behandlung einer Depression mit oder ohne Medikamente geklärt. Mit Medikamenten läßt sich die Depression am wirksamsten behandeln im Sinne von lindern und dauerhaft eindämmen, den letzten Schliff jedoch erlangt man durch das Ausrümpeln der vorherigen üblen Gedanken, indem man das Feld neu bestellt. Helfen können Bücher der Gattung Selbsthilfe (Self-help) auf diesem Weg. Gegenüber Psychotherapeuten bin ich reserviert eingestellt. Die Psychotherapie als solche heiße ich gut, allerdings sind mir Psychoanalytiker ein Greuel. Das Herumpfuschen in der Vergangenheit eines Menschen hilft nichts. Das Hier und Jetzt ist zu ändern und das gelingt nur, wenn man heute Schritte und Maßnahmen ergreift, daß man in der Zukunft besser dasteht. Was war, kann man nicht ändern, lediglich – und das ist eine Menge – die Einstellung hierzu kann man modifizieren. Genau das ist gemeint, als ich vier Absätze weiter oben vom Gedanken-Feld sprach, das es neu zu bestellen gelte. Du schaffst es!
Depression ist eine Krankheit ist eine Bürde, die man zu tragen hat. Ästhetisch frivol versuche ich meine Depression mit so viel Anmut und Grazie zu ertragen, wie nur irgend möglich. Depression als ein Trotzdem: trotz aller WidrigkeitenSchon immer habe ich Depression als ein Trotzdem empfunden. Trotz Depression bin ich bislang zu dem gelangt, was ich erreicht habe. Der Begriff „erreicht haben“ selbst ist wiederum etwas Subjektives und zwar in zweifacher Hinsicht. Einerseits drückt er aus, daß man ein Ziel umgesetzt hat, welches einem persönlich wichtig ist. Zum anderen, und das ist aus meiner Sicht die Pointe, verbirgt sich hinter dem Begriff „erreicht haben“ auch das Trotzdem. Bereits vor der Diagnose Depression litt man unter der Krankheit, ohne genau zu wissen, was einen in seiner Entfaltung hemmt. Depression: Das Ankämpfen gegen das UnbekannteUnbewußt stemmte man sich gegen diese unerklärlichen Einflüsse, die der betrübten Seele Kummer und Qual bereiteten. Mein größtes Trotzdem, also ”trotz Depression”Mein größtes Trotzdem lautet Abitur und Studium – trotz Depression. Ich wußte nicht, daß ich depressiv bin, sondern bemerkte nur, daß mich eine sehr starke Melancholie und Traurigkeit umgab, sich rechte Freude nicht wirklich einstellen wollte bei dem, was ich täglich tat. Unter diesem Eindruck machte ich mein Abitur und ging an die Uni. Mit dem Wissen der heutigen Zeit wäre vieles anders und verschiedenerlei gewiß einfacher zu bewerkstelligen gewesen. Und trotzdem habe ich es geschafft. Schon öfter stellte ich mir die Frage, welchen Nutzen meine wider die Depression eingenommenen Medikamente für mich haben und hatten. An erster Stelle steht für mich stets Lamictal mit dem Wirkstoff Lamotrigin. Lamictal sorgt für gute Laune bei mir und das dauerhaft und stabil Lamictal ist für mich eine Erleichterung und mittlerweile die einzige medikamentöse Stütze, die ich verwende. Ehedem nahm ich noch Paroxetin parallel ein, doch vermisse ich es seit dem Absetzen nicht wirklich, im Gegenteil. Somit bleibt lediglich Lamictal übrig. Gegenwärtig liegt meine Tagesdosis Lamictal bei 150mg. Resultat ist, daß ich mich bester Laune erfreue, von Rückfällen in die Depression keine Spur. Fraglos hat auch viel meine Belesenheit im Bereich der Selbsthilfe-Techniken geholfen, dem Teufelskreislauf der Depression entfliehen zu können. Gerade gestern wurde ich dem Härtetest schlechthin unterzogen. Es begab sich, daß meinem Ansinnen, wenigstens bis zu meinem Schlaflabor-Termin ein paar Medikamente wider meine exzessive Tagesmüdigkeit zu erhalten, kategorisch abgeschmettert worden war. Der Härtetest für Lamictal Wie ich auf den Worst-Case reagieren sollte, welchen ich gedanklich vorab schon betrachtet hatte, wußte ich nicht. Der Worst-Case des Worst-Case wäre ein depressiver Schub gewesen. Nichts dergleichen ereignete sich jedoch, obwohl ich gestern sehr niedergeschlagen war. Heute dagegen geht es mir der Stimmung nach wieder prächtig. Mitverantwortlich zu einem großen Teil ist hierbei Lamictal. Als Stimmungsstabilisator fängt es die gröbsten Schwankungen wirksam auf. Wenigstens ein Mittel, das mich nicht im Stich läßt. Wenn Dir der Artikel gefallen hat, registriere den RSS-Feed des Depressions-Blog. |