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Sind Depressionen heilbar?Ja und nein. Die Antwort kann man sich aussuchen, vielmehr kommt es auf die Frage an. Erwartet man Heilung verstanden als lebenslange Garantie, nach dem Abklingen einer depressiven Episode nie wieder unter Depressionen leiden zu können, zu kann man in diesem Falle zu 99,9% die Heilung verneinen, da niemand ausschließen kann, daß jemanden noch einmal im Leben eine depressive Phase erleiden wird. Kann man Depressionen lindern?Ja. Unter Zuhilfenahme geeigneter Therapiemaßnahmen kann man erstaunliche Fortschritte machen, weg von dem lähmenden Würgegriff der Krankheit hinzu einem Leben in Freude und Zufriedenheit. Linderung meint, daß einzelne depressive Episoden gemildert werden können bis hin zu ihrem vollständigen abklingen, jedoch fest davon ausgeht, daß in Zukunft erneut Schübe auftreten können, wogegen es sich mit geeigneten Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen zu wappnen gilt, um für den Fall der Fälle angemessen vorbereitet zu sein. Warum ist gleichwohl dennoch von Heilung die Rede?Heilung ist der gängigste Begriff in der Medizin. Jeder Mensch strebt nach Heilung einer Krankheit. Verstandenwissen möchte ich den Begriff Heilung jedoch im Sinne von Linderung. Was sind die gegenwärtig erfolgreichsten Heilungsmethoden?Ausgehend von erfolgskontrollierten medizinischen Studien, sogenannter evidenzbasierender Medizin, die die Wirksamkeit ihrer Therapie ständig in unabhängigen Studien überprüft und kontrolliert, sind Kombinationsansätze am erfolgversprechendsten und damit beste Therapieansätze zur Linderung der Depressionen. Üblicherweise umfassen diese Behandlungen die Verabreichung von Antidepressiva als auch Stimmungsstabilisatoren, welche von Psychiatern oder Neurologen in der Regel verschrieben werden, in Verbindung mit psychologischer Betreuung in Gestalt der Psychotherapie. Durchgeführt werden können die Therapien stationär, etwa in einer psychiatrischen Klinik, als auch ambulant bei einem niedergelassenen Arzt und Psychologen. Welche psychotherapeutischen Ansätze sind am effektivsten?Innerhalb der Psychotherapien genießt die kognitive Verhaltenstherapie eine sehr hohe Linderungsquote, die psychoanalytischen Ansätzen weit überlegen sind hinsichtlich Wirksamkeit, Ansprechverhalten beim Betroffenen als auch Dauer der Wirkung. Empfehlungen gelten für die Allgemeinheit. Letztlich muß Du für Dich selbst herausfinden, was für Dich am besten ist, sprich, welche Therapieform samt Therapeuten am meisten zusagt. Keine sogenannte Koryphäe auf dem Gebiet der Depressionstherapie wird Dir jemals helfen können, wen die Chemie im übertragenen Sinne nicht stimmen sollte und umgekehrt sollte man alles unternehmen und verstärken, was einen positive und konstruktiv von der Depression wegbringt. Wenn Du das Joggen für Dich als Aufhellung der Seele entdeckst und Du über den Sport zurück zur Lebensfreude auch in den sonstigen Bereichen Deiner irdischen Existenz zurückfinden solltest, so sei es und man sollte entsprechend seine Aktivitäten in diesem Bereich forcieren. Entscheiden muß man sich sodann, ob man dennoch einer Psychotherapie nachgeht. Wichtig ist alleine, daß man sich wohlfühlt – und zwar nicht nur, wenn man in der Therapiestunde vor dem Therapeuten sitzt. Nützlich und hilfreich sind nur solche Ansätze, die jeden Tag als Geschenk des Himmels erscheinen lassen. Nicht wenige Betroffene wünschen sich, daß man Depression ohne Medikamente heilen könne, da sie eine Scheu vor Medikamenten haben. Daß man Depression nicht heilen, sondern lediglich lindern kann, habe ich an anderer Stelle bereits besprochen. Gute Möglichkeiten, auch ohne Medikamente Herr der Depression zu werden, versprechen die Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie. Ende der 60er Jahre entwickelt, fußt ihre Prämisse bei der Behandlung der Depression darauf, daß die Worte, Gedanken und Taten eines Menschen dessen Gefühle nicht nur beeinflussen, sondern bestimmen. Änderungen der Gefühlslage erreiche man durch Änderung der Gedanken. Studien belegen deren Wirksamkeit bereits nach wenigen Sitzungen zumal mit langfristigem Effekt, also Schutz vor Rückfällen. Erfahrungen mit der kognitiven Verhaltenstherapie als Monotherapie oder auch Kombinationstherapie bei der Behandlung der Depression habe ich gemacht und kann sie jedem nur wärmstens ans Herz legen, ganz gleich ob man flankierend Medikamente nehmen möchte oder nicht. Depressionen kann man aus meiner Sicht nur lindern, nicht heilen. Heilen kann man die Krankheit Depression grundsätzlich nicht, da niemand für die Zukunft Gewehr darüber abgeben kann, ob man bis zu seinem Tode von Depressionen verschont bleibt. Erfahrungsgemäß bleibt es nicht bei einer depressiven Episode. Was niederschmetternd stimmt, ist es genau besehen gar nicht. Wichtig ist alleine, daß man vorbereitet ist auf eine mögliche neue Episode. Wähnt man sich geheilt und wird vom Schicksal dergestalt ereilt, daß sich ein depressiver Schub seiner selbst bemächtigt, addiert sich zum Schweregrad der neuerlichen Depression der Grad des Schocks ob des Rückfalls hinzu. Völlig unvorbereitet in des Wortes Sinne wird man doppelt ereilt: einmal von der Episode selbst und andererseits von der Möglichkeit eines Rückfalls als solcher, da man sich als geheilt dünkte. Wer dagegen sich letztgenannter Wahrscheinlichkeit gewiß ist, kann sich entsprechend darauf vorbereiten, ganz gleich ob durch Prophylaxe mittels Medikamenten oder durch Schaffung eines mentalen Notfallprogramms bei Wiederauftreten der Depression. Heilbarkeit von Depressionen hängt die Latte zu hoch. Linderung bis hin zum vollständigen Verschwinden der depressiven Symptomatik dagegen ist durchaus möglich und sollte auch von jedem Betroffenen erstrebt werden. Das Verständnis von der Milderung der Ausprägung der Krankheit Depression umfaßt jedoch schon begrifflich dessen Wiederaufkommen und neuerliches Ausbrechen, das man freilich selbst ein stückweit in der Hand hat. Wer sich kontinuierlich wider die Depression stemmt und leiseste Anflüge im Keim erstickt, hat es letztlich in der Hand, ob sich die Depression seiner wieder selbst ermächtigt. Wer von Heilung der Depressionen ausgeht, verfällt in den Trugschluß des Einmal und nie wieder. Um so entsetzlicher fühlt man sich, so die Krankheit erneut von einem Besitz ergreift. Verantwortungsvoller Umgang mit der Depression ist also möglich, sofern man den Unterschied zwischen Heilung und Linderung verinnerlicht. Depressionen sind heilbar in dem Sinne, als daß man sich gedanklich von ihnen lösen kann. Verschwinden die Depressionen gedanklich aus dem Kopf, heilt auch der Körper. |