Archive for the ‘Depression’ Category

Depression sei heilbar wird landauf, landab verkündet. Voller Hoffnung begibt man sich zum Arzt, der meist ein Psychiater ist, und sieht der Besserung seiner Lage entgegen.

Daß an dieser Stelle große Erwartungen zerrinnen und in ernste Enttäuschung umschlagen können, liegt auf der Hand. Im folgenden findet sich eine Zusammenstellung der aus meiner Sicht größten Enttäuschungen, die sich im Umgang mit Ärzten für Depressive ereignen können.

Nicht erstgenommen werden vom Arzt

Vor allem Kliniker trifft diese Feststellung: man wird seitens des behandelnden Arztes nicht ernstgenommen. Vorbehalte und Nachfragen werden teils schnippisch, falls überhaupt, beantwortet, von Kooperation keine Spur.

Vorwertung und selektive Wahrnehmung des Arztes

Immer wieder erlebt habe ich, daß jeder Arzt trotz jahrelanger Ausbildung an der Uni und Zusatzqualifikation im Rahmen der fachärztlichen Weiterbildung sein Gegenüber nur nach seinen persönlichen Vorurteilen hin abklopft. Vorschnell wird man in eine Ecke gedrückt, aus der es nahezu nie ein Zurück gibt. Unterschwellige Annahmen des Arztes teilt dieser selbstverständlich nicht so gerne mit.

Unfreundliche Behandlung und Patienten-Mobbing

Beginnend im Vorzimmer, setzt sich diese extreme Miesepetrigkeit im Behandlungszimmer fort. Der Patient als Feind; was kein Geld bringt, wird abfällig behandelt. Was der Arzt als Kostenfaktor betrachtet, nämlich daß er zu wenig Einnahme für einen Patienten pro Quartal erzielt, nenne ich Patienten-Mobbing. Alles andere ist eine Mogelpackung.

Behandlung von oben herab

Autoritäres Auftreten gewahrte ich insbesondere auch bei Klinikern. Depressive werden wie kleine Kinder behandelt, deren Malaise nicht als klinische Herausforderung betrachtet wird, sondern vielmehr als persönlicher Vorwurf und damit intellektuelle Diskrepanz. Herrisch abgebügelt wird der Patient vor allem bei Nachfragen. „Ich bin der Arzt und sie tun, was ich ihnen sage.“ sind Sätze, über welche man zwar nicht lachen kann, aber dennoch sollte und auf der Stelle die Behandlung einem raschen Ende zuführen muß.

Arschlöcher in Weiß braucht niemand, denn für alles gibt es eine Erklärung und wer diese verweigert, sollte sich ernsthaft fragen, ob er sich selbst in Therapie begeben sollte. (Depression als Dunkelziffer unter Ärzten ist Schätzungen zufolge hoch. Wie ein befreundeter Arzt mitteilte, ist auch die Rate der Alkoholiker unter den Ärzten im Vergleich zu anderen Berufsgruppen extrem hoch.)

Kommunikationsdefizite

Man muß vorsichtig sein in der Wahl der Worte, denn dieser Befund trifft vielmehr das Mark der Therapie:

  • Fehlende Erklärungen und Erläuterungen zur Krankheit, Diagnose und Therapie
  • Keine Darlegung des Sinns einer Maßnahme
  • Verordnungen ohne Rücksprache mit dem Patienten
  • Rückfragen werden nicht beantwortet bzw. rüde und unfreundlich zurückgewiesen als auch ignoriert

Nicht selten saß ich mit einem Arzt zusammen und fragte mich, ob es Wikipedia und Google nicht auch getan hätten und zwar wesentlich besser.

Reinen Wein bekommt man selten von einem Arzt eingeschenkt. Ob dahinter Arroganz oder schlicht das Eingeständnis des Unvermögens einer sachgerechten Therapie steht, kann offenbleiben, denn es ändert nichts an dem Umstand, daß man selbst auf mehrfaches Nachfragen hin kaum bis nie eine Antwort auf seine Fragen erhält, die auch den Namen Antwort verdienen als freundliche und das Interesse des Fragestellers spiegelnde Auskunft für den Betroffenen.

Mangelnde Sorgfalt

Sehr skurril mutet an, daß nahezu keine Evaluation des Wohl und Befindens eines Patienten stattfindet. Allenfalls beim ersten Termin wird etwas gründlicher nachgehakt. Eine dereinst getroffene Diagnose wird jedoch nicht als dynamischer Prozeß betrachtet, der veränderlich ist, sondern vielmehr als ein in Stein gemeißeltes Faktum angesehen und folglich fortan nicht mehr hinterfragt, obgleich Ziel jeder Therapie wenn nicht die Heilung, so doch die Linderung der Symptomatik einer Krankheit sei.

Änderungen des Krankheitsbildes wie etwa eine Neudiagnose, Verbesserung oder Verschlimmerung, werden selten bis nie entdeckt. Trauriger Höhepunkt markiert die Verfahrensweise vieler Ärzte für den Fall, daß der schutzbefohlene Patient auf Nachbesserung insistiert. Nachlesen, was in solchen Fällen sich ereignet, kann man unter oben skizzierten Punkten.

Teils über viele Jahre befindet man sich in Behandlung, und das einzige, was sich ändert, ist die Laune des Arztes respektive der Ärztin, die – im Wortsinne – je nach Kassenlage ihre Laune dem Patienten gegenüber anpaßt.

Schlechte Vorbilder

Bonuspunkt der Sammlung großer Enttäuschungen im Umgang mit Ärzten ist der vielbeobachtete Aspekt, daß gerade Leute mit Facharzt-Qualifikation ihre eigene Medizin nicht zu schlucken scheinen. Reaktion und Verhalten der Ärzte läßt den Schluß zu, daß sie wahrlich alles andere als souverän im Umgang mit Problemen sind. Optimistisch in die Zukunft blickt kaum einer. In solch einer Atmosphäre soll dem Depressiven also die Weisheit der medizinischen Zunft vermittelt werden – wers glaubt…

Fazit

Ärzte sind zuvörderst auch nur Menschen wie Du und ich. Man tut gut daran, sie zu desmystifizieren. Unter der weißen Robe steckt oftmals ein nicht minder sorgengeplagter Mensch wie Du und ich.

Enttäuschungen lassen sich vermeiden, wenn therapiesuchende Depressive auf selbige vorbereitet sind und wissen, was schiefgehen kann.



Seit knapp zwei Monaten nunmehr nehme ich keine Antidepressiva mehr ein. An meinem Krankheitsbild im Sinne der Diagnose hat sich seither jedoch nicht verändert, nachwievor bin ich von Depression betroffen.

Mit Depressionen leben zu können und gleichzeitig ohne Medikamente wie Antidepressiva auszukommen scheint für viele ein Traum zu sein, die ihrerseits Medikamente einnehmen. Für andere wiederum kommt die Einnahme von Medikamenten grundsätzlich nicht in Frage, weshalb sie nach Wegen Ausschau halten, zwecks Linderung ihrer Depressionen weitgehend auf Psychopharmaka verzichten zu können.

Wie bin ich von meinen Antidepressiva losgekommen?

Nun, es kam anders als gedacht und gewollt war es auch nicht wirklich. Zuletzt nahm ich wieder Paroxetin ein zusätzlich zu Lamictal bzw. Lamotrigin, einem Stimmungsstabilisator, der zurecht zunehmend seinen Weg in die Therapie der Depression findet.

Neben der Depression bin ich auch von Narkolepsie betroffen, einer wahrlich kongenialen Ergänzung zur Depression, und es begab sich, daß sich die Medikamente, welche ich wider die Narkolepsie nehme, nicht mit jenen zur Behandlung der Depression vertrugen.

Xyrem und Paroxetin als auch Lamotrigin weisen als mögliche Nebenwirkung allesamt mehr oder weniger verklausuliert aus, daß deren Einnahme zu Ödemen führen könne. Bei mir stellte sich kaum zwei Wochen nach Beginn der Therapie mit Xyrem ein Ovulaödem ein, der Gaumen schwoll an und schnürte mir die Luft ab.

Auf der Notfallambulanz der Klinik wies man mich an, außer Modafinil und Ritalin, die ich zur Bekämpfung der Tagesmüdigkeit meiner Narkolepsie einnehme, sämtliche Medikamente abzusetzen. Notgedrungen also entsagte ich von da an Paroxetin und Lamotrigin.

Wie lebt es sich seither ohne Antidepressiva?

Angst ohne Antidepressiva auskommen zu müssen, hatte ich nie. Allenfalls der Zeitpunkt überraschte mich ein wenig als auch die Art und Weise, wie ich meine gewohnte Medikamenten-Kombination fahrenlassen mußte. Unter diesen Umständen, also mit lebensbedrohlichen Komplikationen in der Klinik zu landen, hatte ich bis dato in meinen kühnsten Phantasien nicht gerechnet und vergleichbare Fälle waren mir auch nicht bekannt.

Fortan beschränken sich meine Antidepressiva auf rein psychotherapeutische Maßnahmen und hierbei vor allem der Bibliotherapie. Ich lese in wohltuend-stimulierenden Büchern, die positiv gehalten sind als auch konkrete Tips zu einem Umgang mit Problemen geben, eben Selbsthilfeliteratur. Zudem folge ich meinem seit knapp zwei Jahren nunmehr schon aufgestellten Programm, meinem Mentaltraining.

Rückschläge in die Depression in nennenswerter Weise gab es bislang erst einen, wobei dieser auch mehr ernährungbedingter Natur zu sein scheint. Auf der anderen Seite fühle ich mich durchweg gut in nicht-depressiven Phasen.

Noch kann ich nicht präzise scheiden zwischen den Zeiten mit und ohne Einnahme von Antidepressiva auf Gefühlsebene. Gemeint ist die Frage, ob ich mich, wie gerade von Psychoanalytikern gerne apostrophiert, authentischer fühle oder nicht.

Gewachsen ist nur das Bewußtsein, daß es sich sehr gut mit als auch ohne Antidepressiva leben kann, sofern man das möchte. Aufmerksam geworden bin ich zudem einmal mehr auf die Schattenseite der Antidepressiva, nämlich deren Nebenwirkungen.



Mar
02
Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 02-03-2008

Überrascht bin ich, daß zuletzt viele Besucher dieses Blogs mittels dieser Suchanfrage bei Google auf genau diesem Blog geleitet worden sind. Fraglos freue ich mich über jeden interessierten Besucher, der diesen Blog liest und für sich aus meinen und den Beiträgen anderer, die hier bisher veröffentlich worden sind und zukünftig eingestellt werden, etwas mitnehmen kann.

(Zudem freue ich mich wenn die Leser nach Möglichkeit auch gerne wieder den Weg auf diese Website zurückfindet und sich gegebenenfalls auch im Depressions-Forum beteiligen möchten im Gespräch und Erfahrungsaustausch mit anderen.)

Über meine eigenen Ziele wähnte ich mich in Gewißheit. Doch wie so häufig im Leben können scheinbar einfache Fragen zu umfangreichen Reflexionen und Überlegungen führen. Einladend an der Frage war insbesondere deren Pluralfassung. Welche Ziele haben Depressive. Gefragt wurde nicht nach dem Individuum, sondern nach dem Kollektiv der unzähligen Depressiven des deutschsprachigen Raums.

Welche Ziele haben Depressive?

Sprechen kann grundsätzlich jeder nur von sich, welche Ziele man also selbst verfolgt und in diesem Falle vor dem Hintergrund der Erkrankung namens Depression.

Ohne sich auf die komplexe Sinnsuche, was ein Ziel ist und welchen Nutzen diese für einen Menschen bereithalten, zu begeben, soll vorläufig genügen, daß Ziele einen Orientierungspunkt im Leben markieren und bewußt als solche gesetzt werden von jenem, der es erreichen möchte.

Die Frage nach dem Ziel ist interpretationsbedürftig. Ziele hat jeder, sei es auf Toilette zu gehen, am Wochenende auszugehen oder im kommenden Jahr in den Urlaub zu fahren. Welche besonderen Ziele stellen sich jedoch an Depression Erkrankte?

Die Ziele, die Depressive haben

Primär verfolgen Depressive einfache Ziele. Vorherrschen wird der Wunsch nach Gesundheit. Depressive haben also gemeinhin das Ziel, nicht mehr depressiv sein zu wollen. Und genau jetzt nimmt die scheinbar simple Fragestellung Welche Ziele haben Depressive erst jene interessanten Wendungen, die aus dem Einfachen das Spannende zu machen pflegen.

Gemeinhin unterscheidet man zwischen Ziel und Wunsch. Der Wunsch hebt sich vom Ziel dergestalt ab, als daß ihnen keine Umsetzung folgt. Allenfalls der Zufall mag hierbei zur Verwirklichung, die keine ist, als Komplize herzuhalten.

Ziele formuliert man konkret, indem man genau umreißt, was man erreichen möchte respektive welcher Zustand gemessen an der Gegenwart in der Zukunft bestehen solle. Wesentlicher Unterschied zu einem Wunsch ist hierbei der Zeitpunkt. Auf ein Ziel arbeitet man sprichwörtlich zu. Ziele sind Wünsche auf Termin.

Ergänzt wird diese Formel allerdings noch um eine weitere Komponente. Unbedingt muß man zur Tat schreiten, also handeln, so man denn das gesetzte Ziel verwirklichen möchte.

Wünschen kann man sich, am Wochenende in die Disko zu gehen. Ein Ziel wird der Wunsch dann, wenn man ein konkretes Wochenende als auch eine bestimmte Disko ins Auge faßt und zudem alles in seiner Macht Stehende an Handlungen vornimmt, das gewünschte Ergebnis, das Ziel, auch zu erreichen. Wird man etwa krank und ist am nämlichen Wochenende verhindert, ändert das nichts daran, daß man sein Ziel im Rahmen seiner Möglichkeit ernsthaft verfolgt hatte.

Verwirklichen lassen sich Ziele nur durch Zufall oder durch eigenes Tun und Handeln

Verwirklichen lassen sich Ziele nur durch Zufall oder durch eigenes Tun und Handeln. Auf den Zufall zu vertrauen ist gleichbedeutend damit, lebenslang Lotto zu spielen, um Millionär werden zu wollen. Je mehr man seinen Einflußbereich ausweitet, Ziele aus eigener Kraft erreichen zu können, desto weniger vertraut man auf den Zufall.

Ziele und Wünsche scheidet also im wesentlichen, daß man im ersten Falle aktiv sein Tun und Handeln auf eine Sache hin bewußt ausrichtet, während man im zweiten Falle sich paradoxerweise immer mehr von seinem Ziel entfernt.

Wer also nach den Zielen von Depressiven fragt, der muß insbesondere auch an der Ernsthaftigkeit der Verfolgung der gesetzten Ziele ansetzen. Andernfalls verfolgt man keine Ziele, sondern Wünsche.

Welche Ziele also haben Depressive? Nun, vielfach wird es der Wunsch sein Kraft zu finden, Ziele formulieren und umsetzen zu können.



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