Archive for the ‘Depression’ Category

May
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Filed Under (Depression, Mission depressionsfrei) by Rene Kriest on 25-05-2010

Gute Botschaften eignen sich vorzüglich als Aufmacher eines Artikels, zumal in einem Sujet, das selbst für milde Formen des Überschwangs nicht gerade bekannt ist, nämlich das weite Feld der Depressionen.

Seit rund einem Vierteljahr bin ich symptomfrei – meine Depressionen sind weg. Erstmals seit Jahrzehnten, ja eigentlich seit ich denken kann, bin ich frei von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Pessimismus. Ebenfalls befreit habe ich mich von meiner Sozialphobie als auch meinen Panikattacken, die ich als zusätzliches Joch neben den Depressionen zu tragen hatte.

Natürlich ist von Interesse, wie es mir gelang, mich von Suizidgedanken und völliger Antriebslosigkeit, flankiert von größtmöglicher Isolation und Rückzug in die eigenen vier Wände, zu wandeln in einen Partytiger, der nur so vor Esprit und Lebensfreude strotzt, der vor allem Optimismus und Zuversicht atmet als auch ausstrahlt und besser als je zuvor mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen klarkommt – ganz so, als hätte es das Martyrium der Depressionen niemals gegeben.

Natürlich ist es von Interesse, wie ich mich fühle, was sich alles in meinem Leben geändert hat und vor allem, wie ich mich weiterentwickelt habe.

Unter persönlich betrachtet niederschmetternden Vorzeichen zu Beginn dieses Jahres brachen bei mir Dämme. Gefühltermaßen war ich meiner Depressionen überdrüssig und öffnete voller Entschlossenheit die Schleusentore, die als Ventil für den Druck der Depressionen darstellten, um ihn ein für allemal aus mir entweichen zu lassen, um endlich in die Freiheit und Glückseligkeit des Lebens entlassen zu werden. Nach vielen Jahren des Herumdokterns, der Symptomkorrektur, war ich endlich an der Ursache meiner Depressionen angelangt. Endlich konnte ich den Hebel, der mich von den Depressionen befreien sollte, so ansetzen, daß es mir auch gelingen würde, mich von dieser tückischen Krankheit zu befreien und hierzu bedurfte ich keiner Medikamente, Pillen und Tabletten, einzig mein Wille und ein Buch genügten, um dem Spuk, der mich über Jahrzehnte vexiert hatte, ein finales Ende zu bereiten.

„Wille? Buch lesen? Das klingt nach Märchenstunde!“ – doch genau das ist es nicht. Manchmal sind die Dinge respektive das Leben tatsächlich so einfach, daß wir es nicht fassen können noch wollen und ich bin der lebende Beweis, daß der Weg aus dem Tal der Depressionen zurück ins warme Licht der Lebenslust möglich ist, und zwar dauerhaft.

Was war geschehen? Mein Wille trug mir auf, das Band der Depression zu zerschneiden. Mittel auf dem Weg hierzu waren Übungen aus dem Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie, welche ich täglich rund 2 Stunden durchexerzierte und zwar kompromißlos, ohne Ausrede, ohne Wenn und Aber.

Nach wenigen Tagen der Selbsttherapie ging es merklich aufwärts, die Resultate meiner Bemühungen waren greifbar. Von sehr schwerer Depression schwang ich mich gemessen nach dem Beck’s Depression Index auf eine mittelgradige Depression auf und binnen rund zwei weiteren Monaten war ich erstmals symptomfrei laut BDI. Möglicherweise gelang es mir schon früher, doch evaluierte ich während dieser Zeit meinen BDI nicht, ich wollte den ungekannten Zustand zunächst einmal genießen. Das Leben war auf einmal viel zu schön, als daß ich hierzu noch der Bestätigung durch den BDI bedurft hätte.

Natürlich gab es Rückschläge; natürlich ist nicht alles auf einmal super; natürlich gab es neue Hürden in meinem Leben, doch anders als noch zuvor ergab ich mich nicht meinem vermeintlichen Schicksale, vielmehr war ich gereift und vor allem mit Werkzeugen ausgestattet, welche mir gestatteten, jede neue Hürde nehmen zu können, ohne wieder von der Macht der Depressionen ergriffen zu werden.

Die kommenden Tage werde ich en detail darüber schreiben, was sich alles getan hat seither! Ich wünsche euch viel Spaß mit der Serie und vor allem gleichsam den Erfolg, welchen ich habe. Das Gute nämlich ist, daß jeder die Tips und Tricks nutzen kann, welche ich mir zunutze gemacht habe, um seinerseits symptomefrei in Sachen Depressionen zu werden.

Ich wünsche euch einen sonnigen Abend!

PS: Das nämliche Buch werde ich selbstverständlich vorstellen. :)




Lange Zeit veröffentlichte ich nichts mehr in diesem meinem Blog, meinem Baby. Geburtsstunde des Depressionsblogs markierte der Wille, über meine Erkrankung und die damit einhergehenden Erfahrungen und Eindrücke in Wort und Bild Auskunft zu erteilen.

Geraume Zeit entzog ich mich diesem Anspruch und jetzt sehe ich wesentlich klarer auch die Gründe, weshalb ich mein Baby stiefmütterlich vernachlässigt hatte.

Aufgegeben hatte ich den Umgang mit der Krankheit. Aufgegeben hatte ich mich, meine Selbstachtung, mein Selbstwertgefühl, meinen Ehrgeiz, meinen Optimismus, meinen Charme, mein gewinnendes Auftreten, meine Begeisterungsfähigkeit, meine Empathie, meine Freude an anderen Menschen als auch die Sorge um diese.

Selbstanklage, gar Selbstjustiz ist meine Sache nicht, vielmehr geht es um Verantwortung. Der Zeitpunkt dies zu schreiben und zu veröffentlichen könnte besser nicht gewählt sein, mal wieder liegt mein Ich – für die Kliniker respektive Ego – danieder.

Fehler über Fehler häufte ich die vergangenen Jahre als trübe Option an, und die Aussicht auf die Zukunft erscheint alles andere als rosig oder vielversprechend.

Viele Eigenschaften, die mich haben Depression und Narkolepsie diagnostizieren und über weite Strecken auch therapieren ließen, erstrahlen nicht in ihrer vollen Blüte, sondern siechen vor sich hin.

Erneut komme ich mir vor wie Phoenix aus der Asche und das ist letztlich auch in Ordnung. Für meinen gegenwärtigen Zustand zeichne alleine ich verantwortlich im Sinne der Kausalität. Es geht nicht um Besserwisserei, sondern um das Eingeständnis, daß gewisse Ursachen und Bedingungen ein bestimmtes Ergebnis beeinflußt hatten. Folglich dürften andere Voraussetzungen auch andere Folgen zeitigen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit.

Arbeiten will und werde ich an mir. Gewissen Dingen bin ich überdrüssig, bestimmte Denk- und Sichtweisen als auch Verhaltensweisen meines Repertoires werde ich angehen und auf ihre Vorteilhaftigkeit für mich und meine Ziele prüfen. Gegebenenfalls werde ich sie modifizieren, teils auch beibehalten, teils auch aufgeben und durch neue, bessere ersetzen.

Ich kann mehr, ich kann es besser und ich will es bessermachen. Darüber zu schreiben ist fortan Aufgabe dieses Blogs, denn ich sah als letzter ein, daß ich viel zu lange und viel zu tief inmitten der Depression gefangen war.

Meine neuen Ziele orientieren sich also gerade an der Bekämpfung der Depression. Ich kann nicht leben ohne die Krankheit, sondern nur mit ihr.

Ich werde leben, weil ich leben will!



Depression sei heilbar wird landauf, landab verkündet. Voller Hoffnung begibt man sich zum Arzt, der meist ein Psychiater ist, und sieht der Besserung seiner Lage entgegen.

Daß an dieser Stelle große Erwartungen zerrinnen und in ernste Enttäuschung umschlagen können, liegt auf der Hand. Im folgenden findet sich eine Zusammenstellung der aus meiner Sicht größten Enttäuschungen, die sich im Umgang mit Ärzten für Depressive ereignen können.

Nicht erstgenommen werden vom Arzt

Vor allem Kliniker trifft diese Feststellung: man wird seitens des behandelnden Arztes nicht ernstgenommen. Vorbehalte und Nachfragen werden teils schnippisch, falls überhaupt, beantwortet, von Kooperation keine Spur.

Vorwertung und selektive Wahrnehmung des Arztes

Immer wieder erlebt habe ich, daß jeder Arzt trotz jahrelanger Ausbildung an der Uni und Zusatzqualifikation im Rahmen der fachärztlichen Weiterbildung sein Gegenüber nur nach seinen persönlichen Vorurteilen hin abklopft. Vorschnell wird man in eine Ecke gedrückt, aus der es nahezu nie ein Zurück gibt. Unterschwellige Annahmen des Arztes teilt dieser selbstverständlich nicht so gerne mit.

Unfreundliche Behandlung und Patienten-Mobbing

Beginnend im Vorzimmer, setzt sich diese extreme Miesepetrigkeit im Behandlungszimmer fort. Der Patient als Feind; was kein Geld bringt, wird abfällig behandelt. Was der Arzt als Kostenfaktor betrachtet, nämlich daß er zu wenig Einnahme für einen Patienten pro Quartal erzielt, nenne ich Patienten-Mobbing. Alles andere ist eine Mogelpackung.

Behandlung von oben herab

Autoritäres Auftreten gewahrte ich insbesondere auch bei Klinikern. Depressive werden wie kleine Kinder behandelt, deren Malaise nicht als klinische Herausforderung betrachtet wird, sondern vielmehr als persönlicher Vorwurf und damit intellektuelle Diskrepanz. Herrisch abgebügelt wird der Patient vor allem bei Nachfragen. „Ich bin der Arzt und sie tun, was ich ihnen sage.“ sind Sätze, über welche man zwar nicht lachen kann, aber dennoch sollte und auf der Stelle die Behandlung einem raschen Ende zuführen muß.

Arschlöcher in Weiß braucht niemand, denn für alles gibt es eine Erklärung und wer diese verweigert, sollte sich ernsthaft fragen, ob er sich selbst in Therapie begeben sollte. (Depression als Dunkelziffer unter Ärzten ist Schätzungen zufolge hoch. Wie ein befreundeter Arzt mitteilte, ist auch die Rate der Alkoholiker unter den Ärzten im Vergleich zu anderen Berufsgruppen extrem hoch.)

Kommunikationsdefizite

Man muß vorsichtig sein in der Wahl der Worte, denn dieser Befund trifft vielmehr das Mark der Therapie:

  • Fehlende Erklärungen und Erläuterungen zur Krankheit, Diagnose und Therapie
  • Keine Darlegung des Sinns einer Maßnahme
  • Verordnungen ohne Rücksprache mit dem Patienten
  • Rückfragen werden nicht beantwortet bzw. rüde und unfreundlich zurückgewiesen als auch ignoriert

Nicht selten saß ich mit einem Arzt zusammen und fragte mich, ob es Wikipedia und Google nicht auch getan hätten und zwar wesentlich besser.

Reinen Wein bekommt man selten von einem Arzt eingeschenkt. Ob dahinter Arroganz oder schlicht das Eingeständnis des Unvermögens einer sachgerechten Therapie steht, kann offenbleiben, denn es ändert nichts an dem Umstand, daß man selbst auf mehrfaches Nachfragen hin kaum bis nie eine Antwort auf seine Fragen erhält, die auch den Namen Antwort verdienen als freundliche und das Interesse des Fragestellers spiegelnde Auskunft für den Betroffenen.

Mangelnde Sorgfalt

Sehr skurril mutet an, daß nahezu keine Evaluation des Wohl und Befindens eines Patienten stattfindet. Allenfalls beim ersten Termin wird etwas gründlicher nachgehakt. Eine dereinst getroffene Diagnose wird jedoch nicht als dynamischer Prozeß betrachtet, der veränderlich ist, sondern vielmehr als ein in Stein gemeißeltes Faktum angesehen und folglich fortan nicht mehr hinterfragt, obgleich Ziel jeder Therapie wenn nicht die Heilung, so doch die Linderung der Symptomatik einer Krankheit sei.

Änderungen des Krankheitsbildes wie etwa eine Neudiagnose, Verbesserung oder Verschlimmerung, werden selten bis nie entdeckt. Trauriger Höhepunkt markiert die Verfahrensweise vieler Ärzte für den Fall, daß der schutzbefohlene Patient auf Nachbesserung insistiert. Nachlesen, was in solchen Fällen sich ereignet, kann man unter oben skizzierten Punkten.

Teils über viele Jahre befindet man sich in Behandlung, und das einzige, was sich ändert, ist die Laune des Arztes respektive der Ärztin, die – im Wortsinne – je nach Kassenlage ihre Laune dem Patienten gegenüber anpaßt.

Schlechte Vorbilder

Bonuspunkt der Sammlung großer Enttäuschungen im Umgang mit Ärzten ist der vielbeobachtete Aspekt, daß gerade Leute mit Facharzt-Qualifikation ihre eigene Medizin nicht zu schlucken scheinen. Reaktion und Verhalten der Ärzte läßt den Schluß zu, daß sie wahrlich alles andere als souverän im Umgang mit Problemen sind. Optimistisch in die Zukunft blickt kaum einer. In solch einer Atmosphäre soll dem Depressiven also die Weisheit der medizinischen Zunft vermittelt werden – wers glaubt…

Fazit

Ärzte sind zuvörderst auch nur Menschen wie Du und ich. Man tut gut daran, sie zu desmystifizieren. Unter der weißen Robe steckt oftmals ein nicht minder sorgengeplagter Mensch wie Du und ich.

Enttäuschungen lassen sich vermeiden, wenn therapiesuchende Depressive auf selbige vorbereitet sind und wissen, was schiefgehen kann.



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