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Filed Under (Selbsthilfetechniken) by Rene Kriest on 08-01-2007

Besser Leben mit Depression – mittels sechs einfacher Schritte ist dies möglich. Erläutert werden wichtige Bausteine beim Kampf wider die Depression. Gleich in Punkt 1 wird auf den wohl wichtigsten Aspekt in bezug auf Heilung der Depression eingegangen, nämlich daß es sich hierbei um ein sehr präsentes, gleichwohl tabuisiertes Thema handelt. Geschickt genutzt, kann dieser Umstand Kräfte mobilisieren, welcher man sich nicht versah und zu seinem Vorteil einsetzen.

Die sechs Schritte markieren hierbei keine einzuhaltende Reihenfolge, vielmehr sollen sie nur das Wichtigste prägnant zusammenfassen, wie man angehen kann gegen die bösen Geister, die auf der Seele lasten.

1. Du bist nicht alleine - nimm an Selbsthilfegruppen oder Online-Foren teil, wie dem Depressions-Forum etwa!

Wo sonst, wenn nicht durch andere Betroffene erhält man mehr Erfahrung und Unterstützung? Gänzlich unumgänglich halte ich die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Bedenke, daß Du nicht alleine bist mit Deiner Krankheit! Bei mir wirkte die Teilnahme wie eine Erlösung.

Den einfachsten und mitunter aufgrund der Möglichkeit, anonym bleiben zu können, angenehmsten Weg zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen bilden hierbei Online-Foren zum Thema Depression. Das aus meiner Sicht beste Forum hierzu ist das Depressions-Forum – ich bin dort unter dem Nick Rene angemeldet.

2. Hilf Dir selbst, indem Du anderen hilfst!

Indem Du anderen Menschen durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen hilfst, stärkst Du Dein Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl. Das Gefühl, gebraucht zu werden oder etwas für andere tun zu können, ist überaus angenehm.

Darüber hinaus entwickeln sich Freundschaften und auch vertiefendes Verständnis. Nur Depressive können nachempfinden, wie es einem geht. Deren Unterstützung durch einfache Gesten und Worte ist Balsam auf die depressive Seele.

3. Ausdauer ausbilden!

Dies ist einer der heikelsten Punkte der Krankheit. Befindest Du Dich in einem Tief, fällt es Dir schwer, den Glauben und die Hoffnung auf Besserung zu behalten. Nicht minder schwierig fällt es, Ausdauer im Umgang mit der Krankheit Depression zu bewahren. Gleichwohl ist dieser Aspekt eine Schlüsselkomponente auf dem Weg zur Linderung der Krankheit.

Ich habe mich nach mehreren Suizid-Versuchen, sehr schweren Tiefs mit Angst- und Panikattacken auf eine Stufe emporgearbeitet, von der aus ich allmählich wieder optimistisch ins Leben blicken kann; der Abgrund rückt immer weiter in die Ferne. Zu verdanken habe ich diesen Gewinn an Lebensqualität vor allem meiner Ausdauer trotz gewaltiger und unüberwindlich erscheinender Hürden in meinem Leben.

Durch meinen unter der Depression verborgenen Lebenswillen erschloß sich mir ungeahnte Hilfe von außen. Die Mithilfe dieser Menschen berührte mich sehr.

4. Dein Selbstbewußtsein stärken!

Stelle Dir Herausforderungen! Ob das das Wegbringen des Mülls ist oder was auch immer – es geht um Dich und Deine Herausforderungen und individuellen Grenzen im täglichen Leben, die es zu erweitern gilt.

Mit jedem Schritt nach vorne durchbrichst Du den Teufelskreislauf bestehend aus mangelndem Selbstbewußtsein und Schuldgefühlen.

Ich habe sehr lange für diese Einsicht benötigt und war oftmals selbst zu – aus der Perspektive eines Nicht-Depressiven! - einfachsten Dingen des Alltags nicht in der Lage. Darunter fällt das Wegbringen des Mülls, spülen, saubermachen. Erst als ich entdeckte, daß in der Bewältigung diese für mich in depressiven Phasen großen Herausforderungen eine Chance liegt, fingen die Angelegenheiten an, nicht mehr unüberwindlichen zu scheinen. Ich begann sogar weitergehendes Interesse zu entwickeln. Manche Verrichtungen machen mir mittlerweile derart viel Spaß, – das Putzen und Saubermachen – daß es mir selbst unheimlich erscheint. ;)

5. Gehe kleine Schritte – einen nach dem anderen!

Ganz gleich, was Du machst, Du solltest kleine, überschaubare Schritte in Angriff nehmen. Der Grund ist einfach! Zu große Schritte zu planen bedeutet nichts anderes, als Dich selbst von Anfang an zum Scheitern zu verurteilen.

Jeder Erfolg – und damit meine ich wirklich jeden! – sollte dokumentiert werden. In Dir steckt trotz Depression mehr, als Du denkst! Lies Dir durch, was Du die vergangenen Wochen geleistet hast – und schaue niemals mit Schuldgefühlen auf das, was Dir nicht paßte.

Ich habe mir jede Kleinigkeit notiert. Angefangen beim morgendlichen Aufstehen, dem Kaffeekochen im Anschluß hieran, das Bettmachen als auch weitere Alltagsverrichtungen. Letztlich schwoll die Liste dessen, was ich erfolgreich absolvierte den Tag über, auf ein beträchtliches Maß an. Ich bekämpfte mit diesen Listen meinen Eindruck von mir selbst, faul und unfähig zu sein.

6. Laß Dich niemals entmutigen!

Neben der Ausdauer und den kleinen Schritten ist das Vermögen, Dich durch nichts in Deinem Ziel, der Linderung der Krankheit, entmutigen zu lassen, ein weiterer äußerst wichtiger Baustein.

Wenn Du dauerhaft kleine Schritte gehst, kommst Du ans Ziel. Dich hierbei nicht entmutigen zu lassen bedeutet, unbeirrbar diesen Weg weiterzuschreiten, Dich von Negativem fernzuhalten und Unterstützung zu suchen.

Ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, entscheidest Du selbst. Rede Dir trotz aller Widrigkeiten ein, daß das Glas nicht nur im Moment halbvoll ist, sondern auch wieder gänzlich gefüllt werden kann. Vielleicht mußt Du hierzu einen Schluck verschütten. An der Tatsache, daß es wieder nachgefüllt werden wird, ändert dies nichts! :)



Comments:
11 Comments posted on "6 Schritte zu einem besseren Leben mit Depression"
Ulf on January 10th, 2007 at 8:43 pm #

Zu 1:
Ich hab es heute ENDLICH geschafft, zum Telephon zu greifen und meinen Ex-Zimmergenossen anzurufen.

Morgen ist dann Mini-Stammtisch, nur zu dritt, aber immerhin.
Und ich war nicht völlig passiv…


Rene Kriest on January 11th, 2007 at 8:30 am #

Guten Morgen Ulf! :)
Das ist eine wunderschöne Nachricht! Ich freue mich sehr für Dich und wünsche euch allen trotz Depression viel Spaß.

Vielleicht kannst Du noch kurz reinschreiben, wie euer Treffen verlaufen ist. Das würde mich freuen.

Liebe Grüße,

René


Ulf on January 11th, 2007 at 9:50 pm #

sieht so aus, als könnten wir uns etwas stützen, indem wir therapeuthische kekse backen ;-)


Rene Kriest on January 12th, 2007 at 3:20 pm #

Hallo Ulf!

Das hört sich sehr gut an. Habt ihr noch ein Keksli für mich übrig? :)


Ulf on January 13th, 2007 at 12:16 pm #

wennste hier bist, ehe die aufgefuttert sind…. was ich bezweifel ;-) die werden nie alt…


Rene Kriest on January 13th, 2007 at 12:22 pm #

lol! :P


[...] 6 Schritte zu einem besseren Leben mit Depression [...]


Silke on February 1st, 2007 at 12:20 pm #

Lieber René, Dein Blog ist sehr gut gelungen, diese Tipps eine große
Hilfe!
Ich auch gerne in der Hinsicht aktiv werden, habe aber etwas Scheu wegen der Anonymität gegenüber meinem Arbeitgeber. Wie handelst Du das?

Schöne Grüße

Silke


Rene Kriest on February 2nd, 2007 at 10:56 am #

Hallo Silke!

Danke für Deinen Kommentar. Depression und Arbeitgeber sind ein heikles Thema. Am Rande hatte ich diesen Punkt schon einmal erwähnt: http://www.depressionsblog.com/blog/?p=45

Die Reaktionen in bezug auf dieses Thema sind geteilt. Manche erwähnen es gegenüber dem Arbeitgeber vertraulich, also nur ihrem Chef etwa, andere schweigen sich gänzlich aus.

Allgemeingültige Regeln kann man nicht aufstellen. Allerdings dürften die Chancen auf Verständnis steigen, je größer das Unternehmen ist, denn dann hat man meistens gewisse soziale Einrichtung auf Initiative des Unternehmens oder kann Rücksprache mit dem Betriebrat führen, etwa ob schon Fälle dieser Art gab und wie dabei verfahren worden ist.

Bei kleinen Unternehmen kann dies auch klappen. Insbesondere wenn das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander eher familiär und sehr kollegial ist.

Grundsätzlich würde ich dem Arbeitgeber meine Krankheit nicht mitteilen. Oben genannte Aspekte berücksichtigend würde ich auf den Arbeitgeber zugehen, wenn man sich überfordert fühlt. Dann würde ich schauen, ob man mit dem Chef seinen Arbeitsplatz anders strukturieren könnte, etwa halbtags arbeiten oder dergleichen.

Ebenfalls hilfreich sind Online-Foren, in welchen Betroffene unterschiedlichster Richtung von ihren Erfahrungen sprechen. Ergänzend kann auch ein Therapeut weiterhelfen. Dieser hat in der Regel auch viel Erfahrung, da er Krankmeldungen ausstellt und häufig gerade das Arbeitsleben Thema von Therapiesitzungen ist.

Liebe Grüße,

René


Kobzar on February 18th, 2007 at 12:16 am #

Ich stoße immer wieder auf das großmäulige Versprechen ” garantiert anonym “.

Technisch ist das ohne großen Aufwand nicht möglich.
Also ist das nur eine fabelhafte Möglichkeit, Leute zu identifizieren?


Rene Kriest on February 20th, 2007 at 1:40 pm #

Hallo Kobzar!

Du scheinst sehr mißtrauisch zu sein in bezug auf das Internet, zumindest bei ein paar meiner Empfehlungen.

Anonymität kann man wohl niemals zu 100% erreichen. Auch nicht im Internet. Gleichwohl ist und wäre der Aufwand zur Identifikation einer Person sehr hoch. Gemessen daran ist man nahezu anonym im Internet im Bereich legaler Angebote.

Auch denke ich, sollte man seinen eigenen Nutzen sehen. Den habe ich bei den meisten Angeboten, gänzlich unabhängig davon, was diese mit meinen wenigen greifbaren Daten anstellen.

Versuchs doch einfach mal! :)
Grüße,

René


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