Archive for January, 2008

Jan
27
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 27-01-2008

Jüngst wurde auf arte in einer Reportage zum Themenabend Depression – die Sendung wurde als Wiederholung vergangenen Freitag, den 25.1.2008 ausgestrahlt – konstatiert, daß sich „Depressionen heutzutage gut behandeln“ ließen. Zustimmen kann man dieser Aussage bedenkenlos – sofern man offenläßt, was mit der Äußerung zu verstehen ist.

Behandelbar ist weder gleichbedeutend mit Heilung noch mit Linderung der Depression. Nüchtern und objektiv besehen deutet der Terminus nichts anderes an, als daß es Methoden gibt, auf welche die Depression anspricht. Gefunden wurde also ein Mittel, daß wider die Symptome der Depression wirken kann. Nicht dagegen ist damit gesagt, wie stark und in welchem Umfang diese Methoden wirken.

Nur eines wird anhand dieser Stellungnahme deutlich, daß nämlich die Krankheit selbst nicht beseitigt werden kann, denn sonst hätte man unumwunden von Heilung gesprochen. Eine Krankheit muß stets und fortdauernd behandelt werden, wenn sie als solche, also der Ursache nach, nicht behoben werden kann. Behandlung bezeichnet also begriffsnotwendig die Symptombekämpfung einer Krankheit.

Aus meinem engen als auch erweiterten Kreise der an Depressionen Erkrankten traf ich noch niemand an, der von sich stabiles Wohlergehen ohne depressive Einschübe behaupten konnte.

Fraglich ist darüber hinaus, was man als Erfolg in Sachen Depressionsbehandlung definiert. Kristallisiert man anhand der im Film zur Sprache gekommenen fatalen Finalität der Krankheit Depression das Verhindern von Suiziden unter Depressiven als Behandlungserfolg heraus, hat man gleichwohl bis heute sehr viel erreicht in Sachen Behandlung.

Aufbauend auf den vor diesem Hintergrund großen Fortschritten innerhalb der Depressionsforschung besteht die Hoffnung, daß auch die anderen Krankheitssymptome von einem weitergehenden Behandlungserfolg betroffen sein werden. So oder so nämlich sind Depressionen überflüssig.



Einer neuen Studie zufolge bekämpft man Trägheit am besten mit – Beschleunigung. Größter Nutznießer dieser Ergebnisse (Quelle: Psychology Today, 11/12 2007) sind hierbei vor allem Depressive. Hinlänglich bekannt ist, daß Depressive gerne in Gedankenstarre verfallen, träge vor sich hin sinnen und allgemein die Gedanken derart träge reagieren, daß man gemeinhin auch von Denkverlangsamung bei Depressiven spricht.

Apathie und Leblosigkeit sind charakteristische Merkmale der Depression und durchdringen sämtliche Bereiche eines von der Krankheit Betroffenen. Tangiert sind sowohl der Gang und der Habitus, also das äußere Erscheinungsbild des Erkrankten, als auch das Innenleben, das ebenfalls von dem Phlegma befallen ist und den Geist immer mehr immobilisiert. Das letzte Quentchen geistiger Energie, das Depressiven bleibt, wird zudem auch noch für gänzlich unergiebige Dinge wie trübe Gedanken und Sinnfragen verschwendet.

Abhilfe schafft sonderbarerweise genau das Gegenteil. Wer seinen Gedanken als auch seinem Auftreten einen Kick gibt, vertreibt nahezu automatisch damit auch den Geist des Negativen, der in der Verlangsamung von Auftreten und Denken sichtbar in Erscheinung tritt. Wer etwa kaum zwei Zeilen eines Buchs zu lesen imstande ist, ohne daß ihn negative Gedanken und schlimme Sorgen umgeben, dem kann helfen, wenn er schlicht schneller liest.

Schnelleres Denken vertreibt negative Gedanken – sogar dann, wenn man über ihnen brütet! Wichtig ist alleine, daß man selbst negative Gedanken schnell denkt.

Gestützt wird diese Beobachtung durch das Symptombild der Manie. Maniker zeichnen sich durch überbordende gute Laune aus, durch Ausblenden alles Negativen und Einwickeln in alles Positive. Nicht geklärt war bislang, weshalb dem so sei. Den Ergebnissen der Beschleunigungsstudie nach könnte die Manie daher eine Denkkrankheit sein. Unter Manien leidende denken rascher, euphorisieren sich dadurch selbst und denken sich dabei in einer Aufwärtsspirale mit ungeahnten Höhen.

Depression dagegen verstanden als das Gegenbild zur Manie geht nahezu immer mit Denkverlangsamung einher. Je schwerer die Depression, desto langsamer und verfahrener auch das Denken.

Indem Depressive ihren Gedanken einen Geschwindigkeitszuwachs bescheren und ihr Denken beschleunigen, können diese ebenfalls künstlich eine kleine Manie erzeugen.

Deutlich wird der Zusammenhang als auch die scheinbare Banalität der Beobachtung, daß man bei sanftem Entscheidungsdruck niemals mit schlechter Laune herausgeht. Beispielsweise fordert das Brainstorming von maximal 30 Sekunden oder einer Minute, daß man schnell und rasch loslegt und das Tempo beibehält. Bei Tätigkeiten, die ihrerseits rasche Handlungsabfolgen mit sich bringen, wie etwa Federball oder Fangen, Tischfußball oder Assoziationspiele auf Zeit, ist die Depression – sofern vorhanden –, bei nahezu sämtlichen Akteuren ausgeblendet.

Überprüfen kann man das auch anhand von Sprechern, die ein Publikum begeistern. Worte, die schwerfällig und bleiern ihren Weg zum Zuhörer suchen, vertreiben diese, sofern sie vorher noch nicht eingeschlafen sein sollten. Rasche Wortfolgen dagegen stacheln und feuern an, sie beflügeln sowohl den Vortragenden als auch das empfangende Menschenmenge.

Paradoxien kann man durch Tempowechsel ebenfalls erzeugen. Unheilvolle Urteile werden langsam vorgetragen, damit die Schwere ihrer Worte auch wirken kann. Man stelle sich einen atemlosen Verkäufer vor, der in bester Redekunst eine schlechte Nachricht überbringt: sie wird anders empfunden, als der Inhalt verspricht.

Selbiges gilt auch für gute Nachrichten. Wer nahezu über den Worten „Ich liebe Dich!“ einschläft, oder wer die fabelhafte Botschaft „Sie haben 10 Millionen Euro gewonnen!“ mit schwerfälliger Zunge über eine Minute gestreckt Wort für Wort ausspuckt, wird kaum freudig jubelnd vom Adressaten aufgenommen.

Anfeuerungsreden, Beschleunigung – man kennt das von guten Trainern, die einen zu mehr Leistung anspornen wollen und dies auch bewerkstelligen. Sich selbst kann man auf die Sprünge helfen, indem man geistig aufs Gaspedal drückt.



Jan
20
Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 20-01-2008

„Die“ Depression gibt es nichts, sondern nur Kennzeichen, die auf eine Form der Volkskrankheit Depression verweist, die viele Spielarten hervorgebracht hat.

Symptome und Merkmale der Depression sind unter anderem:

  1. Alles durchdringende Angst und Sorgen
  2. Kaum vorhandenes Selbstvertrauen
  3. Starke Unzufriedenheit mit sich und anderen
  4. Leeregefühle
  5. Unerklärliche gleichwohl tiefgehende Schuldgefühle
  6. Gedankenkreisen um Schuld und Verzweiflung
  7. Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  8. Apathie
  9. Versagensangst und Gefühl des Versagens
  10. Suizidgedanken
  11. Gefühl der Überforderung
  12. Sexuelle Schwierigkeiten
  13. Gereiztheit, launische Reaktionen
  14. Unerklärliche Frustration
  15. Labilität, Stimmungsschwankungen
  16. Generelle negative Sichtweise, zumal der Zukunft („Klappt eh nicht!“, „Geht sowieso schief!“)
  17. Selbstvorwürfe
  18. Niedergeschlagenheit
  19. Schlafstörungen
  20. Müdigkeit, Kraftlosigkeit
  21. Freudlosigkeit
  22. Stark vermindertes Selbstwertgefühl
  23. Desinteresse, bis hin zu teils völliger Interessenlosigkeit an sich selbst und seiner fernen als auch nahen Umwelt, selbst seiner liebsten Menschen
  24. Konzentrationsverlust
  25. Antriebslosigkeit
  26. Entschlußlosigkeit und Entscheidungsschwäche
  27. Genußunfähigkeit
  28. Kritikintoleranz/Hypersensibilität gegenüber Kritik und Ablehnung
  29. Neigung, alle Vorgänge persönlich zu nehmen
  30. Zukunftsangst
  31. Rückzug aus dem Leben, verbarrikadieren in den eigenen vier Wänden als letztem Zufluchtsort
  32. Appetitveränderungen: Heißhunger- bzw. Freßattacken oder Appetitlosigkeit
  33. Lebensqual statt Lebensfreude
  34. Verdrußgefühle, als falle einem alles lästig, auch man selbst anderen Personen
  35. Fatalismus

Der Katalog ist nicht abschließend zu verstehen, sondern lediglich eine Richtschnur zur Behandlung eines komplexen Krankheitsbildes mit dem Namen Depression.

Die Merkmale der Depression sind durch fließende Übergänge und durch unterschiedliche Intensitäten geprägt. Hinzu tritt der zeitliche Aspekt. Erst langandauerndes Vorhandensein mehrerer der aufgeführten Symptome prägen eine depressive Episode. Vorübergehendes Auftreten der Merkmale dagegen sind natürliche Reaktionen eines Menschen entsprechend seiner inneren Haltung.

Entscheidender Unterschied zwischen Depression und Nicht-Depression ist, daß an Depression erkrankte Menschen den Wechsel in ein glückliches und zufriedenes Leben nicht mehr vollziehen können. Aus dem tiefen und finsteren Tal der sprichwörtlichen Tränen finden sie kein Zurück.

Mitunter hat sich die Depression derart fest im Seelenleben der Betroffenen verankert, daß sie sich an keinen anderen Zustand mehr entsinnen können, die schreckliche Traurigkeit zum gewohnheitsmäßigen Bild der Depressiven sich ausgeprägt hat und durchgreift bis in die hintersten Winkel der eigenen Denkweise und des persönlichen Seelenlebens.

Depressive empfinden überwiegend nur noch innerhalb ihrer negativen Muster. Was bei nicht-depressiven Personen die Regel ist, daß Zufriedenheit, Glück und Spaß bei diesen dominieren, wurde bei den Depressiven zur Ausnahme und umgekehrt.

Wer mehrere der genannten Symptome über etwa zwei Wochen hinweg aufweist, sollte ärztlichen Rat in Anspruch nehmen.



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