Archive for October, 2007
Nicht selten werde ich gefragt, was es mit der Bruderschaft glücklicher Depressiver auf sich habe. Für jene, welchen der nebulöse und sagenumwobene Geheimbund bislang unbekannt und verborgen blieb, als auch für jene, die von ihm Wind bekommen haben, will ich die Geschichte, wie es zur Entstehung kam, kurz erzählen. Entstanden ist der Begriff spontan und war eine Schnapsidee. Entworfen respektive empfangen hatte ich Idee und Name Bruderschaft glücklicher Depressiver aus einer Laune, einer guten zumal, heraus, es war Intuition. Glücklich war ich seinerzeit und folglich gibt es auch glückliche Depressive. Nur depressiv zu sein ist das eine, sich wider das Schicksal anzustemmen und den Gedanken abzulegen und hinter sich zu lassen, als Depressiver nicht mehr, niemals oder überhaupt nicht mehr glücklich sein oder werden zu können, widerstrebte mir sehr. Thomas Mann bemerkte einmal, daß alles im Leben ein Trotzdem sei, trotz Widerstandes, trotz Widrigkeit, trotz Krankheit schwingen sich viele Personen zu Höchstleistungen auf. Gestattet sei der Schluß, daß manches auch ein Gerade wegen sein könnte: gerade wegen der Krankheit. Glück, verstanden als unbedingtes Glücklichsein, erschien mir als erstrebenswertes Ziel. Mit fortschreitendem Zeitablauf stieß ich immer wieder auf neue Hürden und Hindernisse im Umgang mit der Depression. Eingesehen habe ich, daß das größte Hemmnis auf den Schultern der Menschen selbst sitzt. Man kann sich nur so weit entwickeln und exponieren, wie man sich auch in Gedanken dafür einsetzt. (Ausführliches zu dieser Sichtweise gebe ich ein anderes Mal zum besten. Für dieses Mal sei lediglich dieser Vermerk gestattet.) Die Depression kann man nicht überwinden, wenn man sich begrifflich an sie festkettet. Drum folgte ich einem anderen Ansatz. Wunderlich nimmt sich in der deutschen Sprache aus, daß nicht einmal begrifflich möglich ist auszudrücken, was das englische Wort namens Happiness meint, nämlich unbedingtes Glücklichsein, widerspruchslos und um seiner selbst willen. Glück, Glückseligkeit, das dem griechischen, den Epikureern entlehnte Eudämonie sind alles begrifflich zu rationelle oder schwerfällige Ausdrücke dessen, was wie eine wortgewordene Selbstverständlichkeit, wie sie etwa als Happiness, Joy und Love, daherkommt. Kurz, indem ich Happiness und Joy als Lebensziel für mich entdeckte, löste sich die Depression begrifflich in Luft auf. Wider die Depression kämpfe ich nicht. Sie ist ein Teil von mir, und erst wenn man begreift (das Wort hat nicht umsonst Ähnlichkeit mit dem Wort Begriff), daß man sich unbedingt selbst lieben muß, um glücklich sein zu können und Happiness zu erfahren, kann man der Depression auch als Wert begreifen. Depression ist der Resonanzboden und das Gegensatzpaar des Glücks. Leiden kann unter der Depression nur, wer sich nicht selbst liebt, und zwar unbedingt und genau so, wie man im Augenblick ist. Wer sich nicht selbst liebt – und viele Depressive hassen sich sogar, zerbrechen an sich und begehen Suizid ob des Leidens an der Unerträglichkeit ihres irdischen Zustandes! –, dem kann schlechterdings keiner Liebe zuteil werden, Selbstliebe zumal, Gottes reinste Form der Liebe und Anerkennung. Gefühle der Wertlosigkeit stehen nicht Pate für die Depression, sie sind nur Symptome, die verschleiern und verkennen, was tiefer liegt und Kern der Depression ist, nämlich fehlende Selbstliebe. Gott läßt niemanden alleine, doch obläßt er jedem die Freiheit wählen zu können. Der Teufel steht für Leid, nicht Gott. Schelte nicht Gott, sondern sei Dir gewiß, daß Du auf die falschen Einflüsterer hörst, wenn es Dir schlechtgeht. Eigne Dir unbedingte Selbstliebe an, nimm sie an und entgegen, lasse sich darauf ein. So kannst und wirst Du sie fassen. Dies ist ein Prozeß, der Zeit in Anspruch nimmt und ein Weg voller Versuchungen ist. Ein Ziel gibt es nicht, vielmehr ist der Weg das Ziel. Die Bruderschaft glücklicher Depressiver beschreitet diesen Weg und lädt jeden und jede herzlich ein, sich ihr anzuschließen. Du mußt nichts tun, außer, Dich selbst zu erkennen.
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Der Ansatz der Psychotherapie ist faszinierend und nahezu banal einfach. Postuliert wird, daß Depressive eine gestörte Wahrnehmung und Sichtweise ihrer Umwelt besitzen, der Blick also verstellt sei. Hemmschuh persönlichen Fortkommens sei also die fehlerhafte innere Repräsentation äußerer Ereignisse. Wie jemand denke, so handele er auch. Wessen Denken eingetrübt sei, der handele auch entsprechend bis hin zur Selbstschädigung – eben der Depression. Ausgangspunkt der Therapie ist also das Denken der Depressiven selbst. Mittels defekter Sensoren tasten Depressive ihre Umwelt ab und gelangen so zu völlig fehlgehenden Urteilen, die sich in dem äußern, was die Depression kennzeichnet: Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit und ein Gefühl der Hilflosig- und Nutzlosigkeit. Das Denken beeinflusse somit das Gefühlsleben. Ändert man sein Denken, änderten sich auch die Emotionen. Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe.
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, registriere den kostenlosen RSS-Feed des Depressions-Blog. Monatelang plagte ich mich mit dem Ausschleichen des Antidepressivums Paroxetin herum. Absetzen wollte ich es, da es auf mich keine therapeutische Wirkung entfaltete, im Gegenteil. Jetzt ist es mir endlich geglückt, und zwar einfach, schnell und nahezu ohne Absetzungssymptome. Viele Monate hinweg konsumierte ich die Höchstdosis Paroxetin, nämlich 60mg pro Tag. Ursprünglich war Paroxetin dazu gedacht, mir über meine Sozialphobie, Panikstörung und Angstattacken im Rahmen meiner schweren depressiven Episoden hinwegzuhelfen. Zuletzt verhielt sich Paroxetin recht bockig. Jeder Absenkung der Tagesdosis um auch nur wenige Milligramm wurden zu einer seelisch-mentalen Belastungsprobe sondergleichen. Zuletzt wies ich nahezu die gesamte Bandbreite der Absetzungssymptome Paroxetins auf, die nicht gerade gering und in ihrer Tragweite alles andere als harmlos sind. Ohne zu untertreiben, so fühlte ich mich angesichts der Nebenwirkungen, die das Ausschleichen begleitete, teils depressiver als je zuvor. Letztlich wendete ich einen Trick an, indem ich den fliegenden Wechsel von Paroxetin auf Zoloft (Sertralin) vollzog, um sodann Zoloft als geringeres Übel in Sachen Absetzungsprobleme ausschleichen zu können. Dies gelang auch wie geplant und gewünscht. Seit einer Woche bin ich frei von jedweden Antidepressivums und fühle mich nach anfänglicher Übelkeit und Schwindel pudelwohl. Nunmehr nehme ich nur noch Lamictal (Lamotrigin) ein als auch Ritalin (Methylphenidat) und Vigil (Modafinil). Paroxetin weine ich nicht wirklich eine Träne nach. Wenn Dir der Artikel gefallen hat, registriere den kostenlosen RSS-Feed des Depressions-Blog. |