Archive for October, 2007

Oct
30
Filed Under (Depressions-Forum) by Rene Kriest on 30-10-2007



Antidepressiva sind grundsätzlich eine hervorragende Sache, die ich rundweg jedem Depressiven nur empfehlen kann. Die Stimmung hellt sich auf und man ist wieder halbwegs imstande, klar zu denken und sich seines Geistes ohne emotionalen Druck zu bedienen.

Grundsätzlich erlauben Antidepressiva einen Einstieg in die weitere Therapie der Depression, etwa in Gestalt einer Verhaltenstherapie, die ich, sofern fachkompetent durchgeführt und observiert, jedem nur ans Herz legen kann.

Mit dem Vollbild einer sehr schweren Depression, rezidivierend und chronisch zugleich, bin ich idealer Kandidat für Antidepressiva – zumindest will man das vordergründig meinen.

Bei mir jedoch lagen die Dinge etwas komplizierter, denn zum einen bin ich manisch-depressiv bzw. bi-polar II, um der Wahrheit die Ehre zu erweisen, weshalb ein Antidepressivum alleine bei mir wenig auszurichten vermochte. Auf meine wenigen hypomanischen Phasen folgten langanhaltende, sehr schwere depressive Episoden, die aufzufangen oder gar zu lindern ein Antidepressivum alleine nicht konnte.

Hinzu trat der Umstand, daß bei mir Narkolepsie diagnostiziert worden ist, eine weitere neurologische Krankheit organischen Ursprungs, die ihrerseits nur mit Medikamenten wirksam behandelt werden kann. Mittel der Wahl sind vor allem Ritalin (Methyphenidat) und Vigil (Modafinil).

Erst Lamictal, ein Stimmungsstabilisator mit dem Wirkstoff Lamotrigin, brachte bei mir den Durchbruch auf der Stimmungsebene. Dieses alleine verrichtet gegenwärtig seinen Dienst als Depressions-Prophylaxe.

Gelegentlich merke ich, daß bei mir vermehrt die Manie durchbricht. Allerdings kann ich diese durch bewußtes Gegensteuern noch im Zaume halten. Abseits dessen betrachte ich sie auch als nicht geringen Ausgleich für all das Leiden, das mir bisher die Depression bescherte. Sollten die hypomanischen Phasen an Häufigkeit, Dauer und Intensität zunehmen, kann man immer noch den Einsatz anderer Mittel wider Manien erwägen.

Allerdings sollte man nur so viele Medikamente wie nötig nehmen. Aus diesem Grunde auch schlich ich Paroxetin aus. Ohne therapeutischen Nutzen für mich sah ich keinen Sinn daran, an dessen Einnahme weiter festzuhalten, im Gegenteil, denn es biß sich nicht nur unerheblich mit Ritalin, was für mich wiederum wir die Luft zum Atmen notwendig ist vor dem Hintergrund meiner Schlafattacken resultierend aus der Narkolepsie.

Besser kann es mir eigentlich nicht gehen und seit der medikamentösen Therapie insbesondere der Narkolepsie geht es mir stabil blendend, nicht nur gemessen am Status quo ante zu Zeiten schwerster depressiver Episoden.

Wie belastbar ich bin, wie dauerhaft diese gute Laune ist, wird sich weisen. Gleichwohl bin ich voller Hoffnung und gutem Glauben an die Zukunft gerüstet für künftige Unbill. Die Zukunft kann kommen, und zwar ohne Antidepressivum. :)



Oct
26
Filed Under (Psychotherapie, Therapie) by Rene Kriest on 26-10-2007

Sinn und Zweck der Psychotherapie ist es, insbesondere Depressive auf psychologischer Ebene vor weiteren depressiven Episoden wirksam zu schützen. Ausgangspunkt der Psychotherapie ist die Beobachtung, daß das Denken das Handeln und vor allem Fühlen beeinflußt. Gerade die Gefühlswelt liegt bei den Depressiven sehr im argen, und eine gestörte Wahrnehmung der äußeren Umwelteinflüsse sei Wasser auf die Mühlen der Depression.

Bestandteile der Psychotherapie sind unter anderem folgende Aspekte:

  • Denkweise und Denkmuster neu programmieren
    Mittels der Psychotherapie werden neue Denkweisen erarbeitet, um auch in kritischen Lebenslagen kühlen Kopf zu behalten. Statt Angst und Panik, die sich im Denken widerspiegelt, sollen konstruktiv-positive Lösungsansätze im Denken der Depressiven verankert werden. Ratio: Wer nicht wie ein depressiver denkt, handelt auch nicht so wie dieser.
  • Negative Verhaltensmuster ausmachen und ändern
    Vor allem der Defätismus und die völlige Perspektivlosigkeit der Depressiven kann mittels kleiner, aber weitreichender Wechsel im Denken in den Griff bekommen werden.
  • Selbstreflexion
    Man sieht sich in einem neuen Lichte. Man ist alles andere als so schlecht, wie man sich malt oder gar meint, tatsächlich zu sein.
  • Auseinandersetzung mit sich selbst
    Eigene Vorurteile werden ausgemerzt und negative Bremsen werden gelöst. Vollgas in eine Zukunft voller Zuversicht und Hoffnung lautet das Credo.
  • Techniken zum Umgang mit der Depression erlernen
    Die Psychotherapie ist keine Hexerei, im Gegenteil. Sie beruht auf viel Erfahrung und Beobachtung von immer wiederkehrenden Verhaltensweisen nicht depressiver Menschen, die im Vergleich zu den an Depression Leidenden etwas anders machen, daß sie nicht depressiv werden läßt bei ähnlichen Lebensbedingungen.
  • Interessanter Ansatz
    Anders denken und gleichzeitig anders fühlen. Der Gedanke klingt sehr reizvoll und verlockend. Bis dato ging man den umgekehrten Wege. Jedem ist der Satz „Ich fühle mich nicht gerade danach!“ ein Begriff. Anstatt auf der Gefühlsebene herumzufeilen, schafft man es mittels Psychotherapie, sowohl das fehlerhafte Denken zu therapieren, so daß man sich nicht erst schlecht fühlt, und umgekehrt auch beseitigt man negative Emotionen, so sie denn auftreten sollten.

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