Archive for August, 2007Als passionierter BILD-Online-Leser machte mich ein Satz von Veronika Jarzombek stutzig, ihres Zeichen ehemalige Managerin der Schnulzen-Sängerin Yvonne Catterfeld, der von ihr stammen soll und welchen die BILD dokumentiert hat. Der Satz lautet: Ich bin gezwungen, gegen das Teilurteil Berufung einzulegen. Gefallen ist der ominöse Satz im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen Veronika Jarzombek und Liebeslieder-Sängerin Yvonne Catterfeld. Erstere fordert von Letzterer Honorarzahlungen aus einem nichtigen Vertrag. Geklagt habe Veronika Jarzombek auf Geldforderungen wider Yvonne Catterfeld in Höhe von 500.000€. Mangels Vertrag, der nichtig ist, aus welchem die 500.000€ sich ableiten, möchte Veronika Jarzombek in Berufung gehen. Die Begründung lautet eben: Ich bin gezwungen [...]. Für mich stellt sich die Frage, wer die Frau zwingt, wider ein Urteil Berufung einzulegen. Gott? Die Mafia? Schneewittchen und die 7 Zwerge? Der blaue Himmel über Berlin? Von Zwang in solchen Lagen zu sprechen kommt immer eine Art missionarischer Impetus zu. Nicht man selbst wehrt sich gegen erlittenes Unrecht bzw. Recht, sondern man wird von höheren Kräften dazu angetrieben – Zwang eben. Analog lauten ähnlich dümmliche Ausreden etwa:
Niemand wird zu irgend etwas gezwungen. Jeder Mensch hat ein Wahlrecht, in jeder Situation. Die Logik hinter solchen Aussagen ist klar. Rasch erscheint man hierdurch als Opfer, der andere, der einem keine Wahl lasse, sei der Täter. Das macht es auch entsprechend einfacher, nahezu alles zu rechtfertigen. Insofern wäre es ehrlich gewesen von Frau Veronika Jarzombek auszusprechen, was Antrieb ihres „Kampfes“, den Sie bis zum „bitteren Ende“ zu kämpfen gedenke: Geld. Sie will Schotter in Höhe von angeblich 500.000€ von ihrem Ex-Zögling Yvonne Catterfeld. Daran ist grundsätzlich nichts verwerflich. Sich hinzustellen und Nebelbomben zu werfen, die sie als Opfer erscheinen lassen, ist dagegen grotesk lächerlich. PS: Für diesen Artikel kann ich nichts. Veronika Jarzombek ließ mir keine andere Wahl. Ich war gezwungen, diesen Artikel zu schreiben. Sorry!
Medikamente, die man täglich einnehmen muß, können einem auf unterschiedlichste Weise abhanden kommen. Unter den möglichen Formen ist eine so schlecht wie die andere, im Ergebnis nehmen sie sich damit nichts: weg ist weg. Wenn die Medikamente im Koffer sind und der Koffer ungewollt weg istÄrgerlich ist es, wenn man sämtliche Medikamente in den Koffer packt und der Koffer nicht am Zielflughafen auf dem Rollband der Gepäckausgabe erscheint. Genau das hat sich in meinem Falle am Mittwoch ereignet. Zum ersten Mal in meinem Reise-Leben habe ich sämtliche Medikamente im Koffer verstaut. Platz war in diesem ausnahmsweise einmal auch reichlich vorhanden. Auf eine Notration im Handgepäck wurde dieses Mal verzichtetSonst nehme ich aus Koffer-könnte-abhanden-kommen-Paranoia stets wenigstens eine kleine Ration Medikamente mit ins Handgepäck. Nur dieses eine Mal nicht und genau dabei ist es dann auch passiert: Koffer weg. Lamictal, Paroxetin, Ritalin – alles vorübergehend wegZwei Tage später, also heute, bekam ich meinen Koffer unversehrt und mitsamt dem für mich lebenswichtigen Inhalt zurück; banges Warten hatte damit sein glückliches Ende gefunden. Auf Beteuerungen seitens des Flughafens Zürich, daß dies kein unüblicher Vorgang sei und 98% des nicht an Board befindlichen Gepäcks meist innerhalb von 24 Stunden nachgesendet werde, kann man sich letztlich nicht wirklich verlassen. An Medikamenten nehme ich im Moment Lamictal, Paroxetin und Ritalin ein. Auf keines der genannten Präparate kann ich verzichten, jedes erfüllt eine lebenswichtige Funktion, Tag für Tag. Was tun im Fall der Fälle?Wenn sich die unverhoffte Möglichkeit bietet, einmal auszuprobieren, was im schlimmsten Falle machbar ist, wenn die Medikamente einmal weg sein sollten, sollte man sie auch nutzen. Die Flughafen-Apotheke konnte in betreff des Paroxetin und Lamictal weiterhelfen. Beim Thema Ritalin sah die Sache schon wieder anders aus. Immerhin habe ich meinen Koffer zurückerhalten mitsamt dem für mich in mehrfacher Hinsicht wichtigen Inhalt. Die Moral von der Geschicht’? Vergesse die Notration im Handgepäck niemals nicht!Lehre war und wird sein, wieder zumindest eine Medikamenten-Ration, die für ein paar Tage reichen sollte, ins Handgepäck zu nehmen. Erst hatte man kein Glück und jetzt kam auch noch Pech hinzuLetztlich zeigt sich auch in diesem Falle, daß Menschen mit Behinderung auch im Unglücksfalle eher benachteiligt werden, indem sie gewisse verschreibungspflichtige Präparate nicht umgehend erhalten und selbst wenn wohl den Kaufpreis ohne Zuschuß vorlegen müssen. Auf den Kosten und dem Ärger bleibt man nicht selten in solchen Fällen sitzen. So etwas gilt es also fortan wieder zu vermeiden.
Was soll man von Artikeln halten, die auf der Grundlage folgender Aussage böse wider Ritalin wettern: „Zwar gibt es auch in den USA dazu keine genauen Zahlen.“ Mit anderen Worten bedeutet dies, daß man nichts weiß. Gar nichts. Der Focus zum Thema RitalinAufbewahrungsort dieser fragwürdigen Beweisführung ist der Artikel Ritalin-Partys in Amerika. Eingeleitet wird der Artikel folgendermaßen:
Und dann zu Beginn des Artikels fällt obengenanntes Zitat: „Zwar gibt es auch in den USA dazu keine genauen Zahlen.“ Wie kann eine Ansicht „weit verbreitet“ sein, wenn außer dem Focus niemand von dieser Ansicht je gehört hat dem Hören nach? Der Onkel meiner Schwester dessen Freundin wo die andere Freundin mit dessen Sohn usf. hat gehört, daß – gell? ArmutszeugnisNicht im Ansatz wird eine der Aussagen untermauert, keine Studie wird herangezogen, allenfalls darf mal ein Mensch mit Scheinautorität eine Prognose wagen, was ebenso für Evidenz sorgt, wie die Expertise von Bier-Paule aus der Eckkneipe zum Thema Doping bei der Tour de France. Man muß sich das mal vorstellen, wie aberwitzig solche Artikel in ihrer Wirkung sind. Was ist eigentlich eine Ritalin-Party?Mir gefällt dieser Ansatz der Wahrheitsfindung. Abseits solcher Sarkasmen hält der Artikel selbst noch mehr fragwürdige Pointen parat. Interessant ist nämlich ferner, daß der Focus einen Begriff einbringt, ohne ihn überhaupt weiter auszuführen. Was ist denn eigentlich eine Ritalin-Party? Was genau hat man sich darunter vorzustellen? Versammeln sich auf diesen Ritalin-Partys die Grenzdebilen, die gerade noch so viel Hirnmasse in sich führen, daß sie auf den Gedanken verfallen, einer solchen Party beizuwohnen, um dort dann gemeinsam Ritalin zu werfen und sodann für 1 Stunde ins Reich von Einsteins Relativitätstheorie abzutauchen? Von Lernturbo keine Spur zu sehenKongenial auch das strukturelle Umfeld, in welchem sich der Artikel bewegt. Überschriften wie Notenturbo usf. bilden ein prächtiges Umfeld, um über Ritalin zu schreiben. Es ist schlicht einfacher, den Teufel an die Wand zu malen, Hätte-wäre-wenn-Phantasien zu bemühen, anstatt gewisse Fragen wirklich zu klären. Was sich der Focus bei diesem Artikel gedacht hat, entzieht sich mit und ohne Ritalin meiner Erkenntnis. |