Archive for July, 2007Depression ist eine Krankheit ist eine Bürde, die man zu tragen hat. Ästhetisch frivol versuche ich meine Depression mit so viel Anmut und Grazie zu ertragen, wie nur irgend möglich. Depression als ein Trotzdem: trotz aller WidrigkeitenSchon immer habe ich Depression als ein Trotzdem empfunden. Trotz Depression bin ich bislang zu dem gelangt, was ich erreicht habe. Der Begriff „erreicht haben“ selbst ist wiederum etwas Subjektives und zwar in zweifacher Hinsicht. Einerseits drückt er aus, daß man ein Ziel umgesetzt hat, welches einem persönlich wichtig ist. Zum anderen, und das ist aus meiner Sicht die Pointe, verbirgt sich hinter dem Begriff „erreicht haben“ auch das Trotzdem. Bereits vor der Diagnose Depression litt man unter der Krankheit, ohne genau zu wissen, was einen in seiner Entfaltung hemmt. Depression: Das Ankämpfen gegen das UnbekannteUnbewußt stemmte man sich gegen diese unerklärlichen Einflüsse, die der betrübten Seele Kummer und Qual bereiteten. Mein größtes Trotzdem, also ”trotz Depression”Mein größtes Trotzdem lautet Abitur und Studium – trotz Depression. Ich wußte nicht, daß ich depressiv bin, sondern bemerkte nur, daß mich eine sehr starke Melancholie und Traurigkeit umgab, sich rechte Freude nicht wirklich einstellen wollte bei dem, was ich täglich tat. Unter diesem Eindruck machte ich mein Abitur und ging an die Uni. Mit dem Wissen der heutigen Zeit wäre vieles anders und verschiedenerlei gewiß einfacher zu bewerkstelligen gewesen. Und trotzdem habe ich es geschafft. Paroxetin abzusetzen ist eine Kunst für sich. Mittlerweile befinde ich mich in Woche 10 und es ist kein Ende abzusehen, wann ich Paroxetin endgültig hinter mir gelassen haben werde. Zunächst einmal möchte ich Abbitte leisten. Vor meinem Absetzungsversuch las ich wenige, dafür um so eindringlicher formulierte Schilderungen des Leidens und der Pein, Paroxetin abzusetzen. Von wochenlangem schrittweiser Reduktion des SSRI war da die Rede, teils in Milligrammschritten und teils monatelanger Einnahme von Spurenelementen des Antidepressivums. Für mich klang das bestenfalls wie Übervorsicht, und forscher betrachtet wie Hysterie. Wie die Absetzungs-Geschichte einer Horde Warmduscher legte ich die schmerzlichen Zeugnisse erfolgter Paroxetin-Absetzungsversuche aus. Um es kurz zu machen: die Warmduscher hatten allesamt recht und ich lag richtig, richtig falsch. Krasser als ich konnte man sich nicht auf dem Holzweg befinden – mea culpa. Paroxetin, Paroxat, Paxil – ganz gleich unter welchem Handelsnamen sich das Antidepressivum verbirgt, ist eine gute Sache, solange es wirkt. Das Medikament der Gattung SSRI abzusetzen bzw. auszuschleichen dagegen ist die Hölle auf Erden für mich als auch diverse andere Personen. Ich reihe mich willig und gerne in den Chor der Wehklagenden Paroxetin-Opfer ein. Die größeren Reduktionsschritte bei der Senkung der Tagsdosis in der Höhe von jeweils 10mg nach Ablauf einer Woche gingen gut von der Hand. Meine Therapie-Dosis betrug 60mg. Von den 60mg ging es runter auf 40, sodann auf 30, 20 und schließlich 10mg Paroxetin (Paroxat, Paxil). Doch als ich endlich Vollzug melden wollte mit meiner erfolgreichen Absetzung, indem ich von 10mg weitere 10mg abzog und bei 0mg pro Tag Paroxetin angelangt war, meldete sich Paroxetin wirkmächtig zurück. Ganz so, als wollte Paroxetin partout in meinem Blutspiegel bleiben, gewahrte ich nach Einnahme der letzten Tablette zu 10mg Paroxetin die bereits früher schon erlebten negativen Absetzungsfolgen, nämlich:
Die Reihenfolge spiegelt die Heftigkeit und Dauerhaftigkeit der einzelnen Symptome wider. So hatte ich nahezu eine Woche lang den ganzen Tag über Kopfschmerzen und mir war übel ohne Ende. Schwindel gesellte sich gerne hinzu, gefolgt von nicht selten vorhandenen Kreislaufproblemen und Schwitzanfällen. Flugs ging ich zwei Schritte zurück und nahm wieder 10mg Paroxetin pro Tag, um den Dämon im Blute zu willfahren. Genutzt hatte dies schon, allerdings stellte sich die wohltuende Wirkung der negativen Symptombeseitigung erst nach weiteren 4 Tagen ein. Ehedem verschwanden die Symptome noch am selben, spätestens am kommenden Tage der Dosiserhöhung. Was also tun, sprach René?! Basierend auf den Erfahrungen meiner Leidensgenossen, die den Entzug schon hinter sich gebracht hatten, fahre ich Paroxetin nunmehr in 2,5mg-Schritten pro 8 Tage herunter. Allerdings sehe ich es schon kommen, daß ich wahrscheinlich Paroxetin noch in 0,1mg-Schritten weiter reduzieren muß. Hoffen wir als das Beste, um Paroxetin endlich auf nimmer wiedersehen sagen zu können. Schon öfter stellte ich mir die Frage, welchen Nutzen meine wider die Depression eingenommenen Medikamente für mich haben und hatten. An erster Stelle steht für mich stets Lamictal mit dem Wirkstoff Lamotrigin. Lamictal sorgt für gute Laune bei mir und das dauerhaft und stabil Lamictal ist für mich eine Erleichterung und mittlerweile die einzige medikamentöse Stütze, die ich verwende. Ehedem nahm ich noch Paroxetin parallel ein, doch vermisse ich es seit dem Absetzen nicht wirklich, im Gegenteil. Somit bleibt lediglich Lamictal übrig. Gegenwärtig liegt meine Tagesdosis Lamictal bei 150mg. Resultat ist, daß ich mich bester Laune erfreue, von Rückfällen in die Depression keine Spur. Fraglos hat auch viel meine Belesenheit im Bereich der Selbsthilfe-Techniken geholfen, dem Teufelskreislauf der Depression entfliehen zu können. Gerade gestern wurde ich dem Härtetest schlechthin unterzogen. Es begab sich, daß meinem Ansinnen, wenigstens bis zu meinem Schlaflabor-Termin ein paar Medikamente wider meine exzessive Tagesmüdigkeit zu erhalten, kategorisch abgeschmettert worden war. Der Härtetest für Lamictal Wie ich auf den Worst-Case reagieren sollte, welchen ich gedanklich vorab schon betrachtet hatte, wußte ich nicht. Der Worst-Case des Worst-Case wäre ein depressiver Schub gewesen. Nichts dergleichen ereignete sich jedoch, obwohl ich gestern sehr niedergeschlagen war. Heute dagegen geht es mir der Stimmung nach wieder prächtig. Mitverantwortlich zu einem großen Teil ist hierbei Lamictal. Als Stimmungsstabilisator fängt es die gröbsten Schwankungen wirksam auf. Wenigstens ein Mittel, das mich nicht im Stich läßt. Wenn Dir der Artikel gefallen hat, registriere den RSS-Feed des Depressions-Blog. |