Archive for June, 2007

Jun
11
Filed Under (Internes) by Rene Kriest on 11-06-2007

Seit heute mittag habe ich den Depressions-Blog auf ein neues Wordpress-Theme umgestellt, so daß der Blog nunmehr in einer ganz neuen Optik erstrahlt. Das alte Theme hat seinen Dienst mit Bravour verrichtet und ich war der Meinung, einem anderen einmal die Chance zu geben. Ich hoffe, daß das neue Layout auch bei euch gut ankommen wird. :)

An den Links usf. muß ich noch ein wenig feilen. Zwecks Überblicks noch einmal die wichtigsten Links:

Weitere Änderungen sind eher administrativer Natur. So müssen noch ein paar Links neu eingestellt werden usf. Das wird im laufe der Woche über die Bühne gehen.

Viel Spaß weiterhin auf dem Depressions-Blog und auch im Forum! :)



Jun
11
Filed Under (Klinik-Erfahrungen) by Rene Kriest on 11-06-2007

März dieses Jahres befand ich mich in der psychiatrischen Klinik. Zu jener Zeit wurde mir in den Entlassungsbrief der Befund kombinierte Persönlichkeitsstörung geschrieben unter explizitem Ausschluß der bipolaren Erkrankung, also manischer Depression.

Über die Motive bzw. den Grund des Diagnose-Wechsel und damit der Revision des bisherigen diagnostischen Standpunktes meines Psychiaters bin ich nie im Bilde gewesen. Begründungen erhielt ich nie, Urteile gleichwohl um so mehr.

Nichtsdestotrotz nahm ich die Diagnose nach der Durchsicht einiger Unterlagen im Internet – in der Klinik/Tagesklinik wurde mir nichts erläutert (!) - nicht wirklich ernst. Mein Psychiater und ich beließen es bei der bipolaren Erkrankung, die auch weit zutreffender mein Krankheitsbild beschreibt.

Eher zufällig nun bin ich wohl auf das Indiz gestoßen, welches mein Unbehagen stützt, daß man mich einfach irgendwie in die psychoanalytische Schublade mit aller Gewalt pressen wollte:

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in erster Linie mit psychotherapeutischen Verfahren, am häufigsten mit psychoanalytischer, interpersoneller kognitiver und verhaltenstherapeutischer Ausrichtung. Therapien dauern oft viele Jahre, stellen große Ansprüche an die Therapeuten und sind häufig nicht erfolgreich.

Fassen wir zusammen: mir erst zögerlich meine Medikamente verordnen und die psychoanalytische Ausrichtung der gesamten Klinik herausstellen, die ich bis dato genommen hatte, mir erst nach mehrfachem Nachhaken entgegnen, ich hätte keine Depression und in der Tagesklinik, welche der Klinik angeschlossen ist, die psychoanalytische Karte voll ausspielen – das sind alles Zufälle und keine Paranoia. ;)



Ein Gedanke beherrscht mich gegenwärtig. Der Konflikt von Gegenwart, Zukunft und Prognose. Jüngst wird Depression mit Alzheimer in Verbindung gebracht. Dopamin, Serotonin, Noradrenalin – alles hängt irgendwie miteinander zusammen und doch nicht.

Vor die Wahl gestellt, 10 Jahre länger in einem vermaledeiten Körper zu leben, oder aber diese 10 Jahre zu siechen und dafür 25 Jahre richtig Gas geben, wie würdest Du Dich entscheiden?

Um den Sachverhalt noch mal ein wenig näher zu konkretisieren, sei er im folgenden noch einmal kurz aufbereitet. Nehmen wir an, daß man eine Lebenserwartung von 65 Jahren habe. Nehmen wir ferner an, daß man bereits 31 Jahre davon abgelebt hat.

Option 1: Gegenwart vs. Zukunft

Nun hat man die Wahl, die kommenden 25 Jahre nahezu symptomfrei von der Depression und weiteren Nebenerkrankungen zu sein, und kann im Leben richtig durchstarten. Der Preis wäre, möglicherweise die letzten knapp 10 Jahre seines Lebens dafür stärkere körperliche Leiden jenseits der Depression, wie Alzheimer, dulden zu müssen.

Option 2: Gegenwart vs. Zukunft

Dem steht gegenüber, sich für ein nicht wirklich symptomfreies Leben zu entscheiden, und mehr schlecht als recht im gegenwärtigen Zustand diesen bis ungefähr zum 65. Geburtstag hin aufrechtzuerhalten.

Vor die Wahl gestellt

Weshalb diese Szenerie? In jüngster Zeit gehe ich weiteren Diagnosen nach bezüglich Narkolepsie und nunmehr auch ADS, auch als ADHS bekannt. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, alles hängt irgendwie zusammen und irgendwie auch nicht.

Wäre ich zumindest von ADS betroffen, würde sich auch die Narkolepsie im vorbeigehen zu 90% erledigen, denn Ritalin (Methylphenidat) bildet ebenfalls ein Mittel der Wahl zur Behandlung der Narkolepsie.

ADS und Depression

Ritalin hilft obendrein auch wider viele Symptome der Depression, wie der Antriebslosigkeit oder der Gedankenflucht. Zwischen ADS und Depression gibt es wohl auch einen Zusammenhang biochemischer Art. Hinter mancher Depression verbirgt sich ADS und umgekehrt führt nicht selten gerade die unbehandelte ADS zu Depression. Etwa 40% der Depressiven sollen auch unter ADS leiden. Perfekte Kombination mit Antidepressiva also?

Andererseits beäugt mich ein enger Freund, seines Zeichens angehender Facharzt für Neurologie, mit ein wenig Skepsis. Medikamente ja, doch zu viel Psychopharmaka? lautet seine Sorge. Spätfolgen könnten sich ergeben – könnten, oder auch nicht.

Prognose

Gesetzt den Fall, es werde Nebenfolgen geben, so kann es umgekehrt binnen 25 Jahren auch wiederum bessere, wirksamere und nebenwirkungsfreiere Medikamente geben. Wer weiß das schon genau?

Ich ziehe es vor, 25 Jahre zu leben, ohne massive Stimmungseintrübungen, unerträgliche Schlafattacken und quälender Antriebslosigkeit. Mir ist es das wert. Anders als der Raucher, der seiner drohenden Lugenkrebs-Erkrankung den Weg per Kippe ebnet und meint, sterben müsse man sowieso, höre ich bildlich gesprochen gerade mit dem Rauchen auf, um später dennoch an Krebs zu sterben.

Paradox.



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