Archive for June, 2007

Jun
29
Filed Under (Medikamente) by Rene Kriest on 29-06-2007

Nunmehr neigt sich die 2. Woche dem Ende zu, seit mein Entschluß in die Tat umgesetzt wurde, mein Antidepressivum Paroxetin abzusetzen. Gestaltete sich die erste Woche noch vergleichsweise harmlos, gab es am Samstag abend, dem 23.6.2007, einen ersten Vorgeschmack dessen, was Paroxetin bei mir an Entzugssymptomen aufzuweisen hat.

Überraschung: Woche Nr. 2 brachte gewaltige Absetzungs-Symptome mit sich

Urplötzlich war da der Kreislauf, der knapp eine Stunde lang nicht mehr so richtig mitspielte und eine leichte bis mittelschwere Angstattacke nistete sich bei mir ein. Zu bedenken gilt, daß ich den radikalen Weg wählte, und von meiner Tagesdosis von 60mg auf 0 runterging; das sollte sich rächen.

Munter ging es weiter: Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen

Sonntag ging es gegen Abend los. Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen bemächtigten sich meiner. Dienstag dann gesellten sich noch massive Kreislaufprobleme hinzu. Von Sonntag bis einschließlich Dienstag lag ich nur im Bett, denn es drehte sich alles und mir war einfach nur übel.

Strategiewechsel: dann doch lieber einen Schritt zurück, um zwei nach vorne gehen zu können

Dienstag abend dann gab ich mein Vorhaben auf, das 60 zu 0 Programm ohne Ausnahme durchzuziehen. Schrittweise nahm ich bis zum Schlafengehen meine bis dato üblichen 60mg ein. Bereits mit 20mg spürte ich eine langsame Besserung meines Wohlbefindens. Am Mittwoch waren die Absetzungs-Symptome – Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen – zu 90% verschwunden. Einzig einen ziemlich verwirrten und ausgelaugten Eindruck hinterließ ich.

Kleinere Brötchen backen

Seit Donnerstag, also gestern, bin ich halbwegs wieder auf dem Dampfer. Es scheint, als sei gegenwärtig eine Dosis im Bereich von 30 bis 40mg pro Tag im Rahmen des Möglichen, um die schweren Absetzungs-Symptome zu vermeiden bei Beibehaltung der schrittweisen Reduktion Paroxetins auf 0.

Erfahrungsberichte im Internet lassen mich in bester Gesellschaft wissen

Laut Internet-Recherchen soll Paroxetin hinsichtlich der Absetzungs-Symptome und damit Ausschleich-Problematik die Pest unter den SSRIs sein. Nicht nur ich bin vom Entzugshammer befallen worden. Bei einem Sprung von einem SSRI auf ein anderes fallen zumeist kaum Entzugs-Symptome an. Bei der Absetzung eines SSRIs dagegen schon.

Na prima: Panikattacke der Kategorie äußerst heftig

Heute etwa gab es in den Morgenstunden gänzlich aus dem Nichts heraus eine böse Panikattacke in Kombination einer Angstattacke. Mir blieb die Luft weg, quälende Atemnot befiel mich. Meine Erinnerung weiß keinen vergleichbar schweren Vorfall zu benennen in Sachen Panikattacke. Erst die Einnahme von 3 mal 10mg Paroxetin im Abstand von jeweils knapp 45 Minuten – jener Zeitspanne, in welcher üblicherweise Paroxetin bei mir zu wirken beginnt – brachte halbwegs Linderung.

Ausblick: Hoffnung, das der Spuk sein Ende finden wird

Eines steht fest: ich bin einfach nur froh, den Entzug, die Absetzung, das Ausschleichen von Paroxetin hinter mir zu haben. Mag das Absetzen auch wesentlich länger andauern, als ursprünglich erwartet, so fühle ich mich doch besser ohne Paroxetin.

Ich Schlingel

Wie sehr man sich täuschen kann in betreff der Absetzungs-Symptome wenn man meint, wenige beschwerdefreie Tage im Anschluß an das Absetzen würden einen in Sicherheit wiegen, das zumindest haben mich die ersten zwei Wochen gelehrt. Halbwertszeiten des Blutspiegels kalkulierte ich mit ein; daß jedoch der Körper derart verrücktspielen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Manöverkritik

Verkehrt war das Experiment nicht. Manöverkritik gilt es insofern zu üben, als daß ich früher hätte wieder mit der Paroxetin-Einnahme beginnen sollen, als sich Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen einstellten, anstatt auf das Verschwinden der Absetzungs-Symptome zu hoffen.



Jun
21
Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 21-06-2007

Prozentangaben, reine Zahlen – Statistiken wollen interpretiert werden. Gerade im Falle von statistischen Auswertungen bei Studien und Befunden zur Krankheit Depression liegt der Teufel im Detail. Nicht selten haben Prozentangaben keinen wirklichen Aussagewert und umgekehrt können reine Zahlen auch in die Irre führen.

Anhand des Medikaments Lamictal, einem Stimmungsstabilisator, möchte ich ein paar Zahlenspiele anbringen, die den Unterschied zwischen relativer und absoluter Betrachtungsweise im Zusammenhang mit Zahlen und Statistiken deutlich belegen.

Wirkung und Wirksamkeit am Beispiel von Lamictal

Dauerhafte und größte Erleichterung brachte mir Lamictal mit dem Wirkstoff Lamotrigin. Unter Lamotrigin fühle ich mich relativ gefestigt und gerade die depressiven Phasen fallen hinsichtlich Häufigkeit, Dauer und Schwere nicht mehr so stark aus. Auch hier gilt es jedoch unbedingt zu bedenken, daß der Erfolg relativ ausfällt. Dem Krankheitsbild nach bin ich (hypo-) manisch-depressiv, also bipolar 2 Erkrankter. Gleichwohl überwiegen bei mir die depressiven Episoden massiv.

Bei starken emotionalen Schwankungen das Jahr über (Häufigkeit) und ungefähr zwei Wochen währenden depressiven Phasen (Dauer), welche stets Suizidgedanken zutage förderten (Schwere), wirkt sich eine Reduktion gemessen an einem nicht an manischer Depression Erkrankten absolut besehen sehr bescheiden aus.

  • Beispiel für relative Erfolge

Eine relative Senkung bedeutet etwa, daß meine Symptome um 60% zurückgegangen sind. Das hört sich gut an und ist es prinzipiell auch. Bei 100 (hundert) depressiven Episoden pro Jahr bedeutet ein Wegfall von 60% einen Rest von 40 (vierzig) Episoden.

  • Beispiel für absolute Erfolge

Unter absoluter Betrachtung versteht man dagegen ausschließlich den Bezug auf konkrete Zahlen. Deutlich wird das, wenn man mit größeren Zahlen operiert. Bei 1.000 (tausend) depressiven Episoden im selben Zeitraum, also einem Jahr, führte eine Verringerung der Episoden um 60% zu einem Resultat von 400 (vierhundert) Episoden pro Jahr.

  • Die Pointe

In beiden Fällen spricht man von 60% - doch liegt absolut besehen der Faktor 10 zwischen ein und demselben Befund: 60% können sowohl 40 als auch 400 Episoden bezeichnen.

Auf meine Krankheit im Vergleich zu einem Nicht-Depressiven gewendet

Ähnlich liegt es auch bei mir. Gemessen an der Gesamtziffer meiner auf den Tag, die Woche, den Monat und das Jahr heruntergebrochenen Gebrechen nimmt sich die wohltuende Wirkung des Stimmungsstabilisators Lamictal (Lamotrigin) bedeutend aus. Unter dem Strich bleibt aber noch ein derart großer Rest an Lebenseinbuße, daß ich gemessen an einem Nicht-Depressiven immer noch als – im übertragenen Sinne – Totalausfall gelten werde.

Mit konkrete Zahlen gesprochen

Lag ich dereinst zwei Wochen am Stück nur im Bett und war selbst für den Suizid zu schwach, so mag sich diese Spanne von 14 Tagen auf 6 Tage und damit um knapp 60% verkürzt haben, doch bleibt unter dem Strich ein schrecklicher Rest. Jeder Tag mit Depression und Suizid-Gedanken ist eine unglaubliche Tortur. Die Pein und Marter bleibt einem trotz allem gerade nicht erspart.

Halbwegs gute Tage zählen doppelt

Gleichwohl läßt sich auch anführen, daß umgekehrt auch jeder halbwegs gute Tag zählt. In der Gesamtbetrachtung überwiegt auch bei mir diese Sichtweise. Jeder halbwegs gute Tag zählt doppelt für mich. Grund zur verhaltenen Freude gibt esrelativ betrachtet. ;)



Jun
15
Filed Under (Depression) by Rene Kriest on 15-06-2007

Zum Genießen und Entspannen


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