Archive for April, 2007

Anknüpfend an den Artikel Techniken zur Krisen-Bewältigung und die DST-Methode möchte werde ich im folgenden die in dem Artikel bereits angeführten Denkfilter erörtern. Einem Zerrspiegel gleich überlagern sie jede äußerliche Wahrnehmung, so daß man letztlich jeden, Gedanken schlechtreden kann und sich automatisch in die Depression begibt.

Die 10 Denkfehler:

  1. Alles-oder-nichts-Denken
  2. Extreme Verallgemeinerung
  3. Wahrnehmungsfilter
  4. Ausblenden des Positiven
  5. Vorschnelles Urteilen: Gedankenlesen/Prognosefehler
  6. Übertreiben oder kleinreden
  7. Emotionales Schlußfolgern
  8. Zwangs-Anweisungen
  9. Schubladendenken und
  10. Personifizieren

Alles-oder-nichts-Denken

Man sieht sämtliche Vorgänge in schwarz oder weiß. Entweder, eine Sache ist schlecht oder gut. Dazwischen ist nichts. Konnte man eine Aufgabe zu 90% fertigstellen und nicht zu 100%, so betrachtet man die Aufgabe als fehlgeschlagen und sieht sich selbst als Versager an.

Extreme Verallgemeinerung

Bereits ein negativer äußerer Einfluß reicht aus, um für die Zukunft nur noch schwarz zu sehen. Typische Aussagen lauten „Das kann nur mir passieren!“ oder „Anderen geht es besser als mir!“.

Wurde man einmal auf der Autobahn von einem Rüpel geschnitten, der einen BMW fuhr, erscheinen plötzlich sämtliche BMW-Fahrer als Rüpel.

Wahrnehmungsfilter

Man sucht bei einer Angelegenheit nach einem Fehler oder einer düsteren Feststellung und verweilt darauf solange, daß ausgehend von diesem winzigen Detail allmählich die ganze Welt als schlecht erscheint.

Vom Diebstahl einer Handtasche bis hin zur Aussage, Deutschland sei ein hochkriminelles und schlechtes Land liegt dann die kürzeste Verbindung.

Ausblenden des Positiven

Wer kennt nicht die berühmten Verniedlichungs-Formeln „Das war doch nichts Besonderes!“, „Das zählt doch nicht!“ oder „Das kann doch jeder!“

Bei sämtlichen Vorgängen verweilt der Blick auf düsteren Details, die den Gesamteindruck einer Angelegenheit formen. Positive Details nimmt man nicht wahr, sondern blendet sie bewußt aus, um das negative Gefühl aufrechtzuhalten.

Kein Wunder, daß die Welt tiefschwarz erscheint. Pessimismus ist somit programmiert, denn man befindet sich in einem Teufelskreislauf.

Vorschnelles Urteilen

Mittels dieses Filters werden Prognosefehler begangen, also völlig grundlos negative Ereignisse für die Zukunft vorhergesagt.

Variante 1: Gedankenlesen
Für die Zukunft sieht man es als erwiesen an, daß jemand auf einen ablehnend reagieren wird, ohne dies jedoch zu überprüfen.

Variante 2: Prognosefehler
Man nimmt an, daß ein Ereignis einen schlechten Ausgang nehmen wird und man fühlt sich bereits überzeugt, daß die Prognose unabänderlich feststeht.

Übertreiben oder kleinreden

Die Bedeutung von Ereignissen wird übertrieben (etwa, wenn man einen Fehler macht, gehe die Welt unter) oder Ereignisse und Handlungen werden völlig unangemessen kleingeredet, bis sie kaum noch wahrnehmbar sind (beispielsweise die Fehler anderer).

Emotionales Schlußfolgern

Aufgrund eines schlechten Gefühls wird der Schluß gezogen, daß die Gefühle die Erlebnisse objektiv wiedergeben und der Wahrheit entsprechen.

Zwangs-Anweisungen

„Ich muß dies und jenes tun!“, „Ich sollte besser lernen, statt Fernsehen zu schauen!“. Mittels solcher Anweisungen versucht man sich selbst zu motivieren, ganz so, als bedürfte es der Strafe, um aktiv zu werden in einer vermeintlich unangenehmen Angelegenheit. Folge ist, daß man sich schuldig fühlt, der anderen Tätigkeit nicht nachgegangen zu sein.

Häufig werden diese Müssen- und Sollens-Befehle auch auf Dritte übertragen. „Person X hätte nicht so reagieren sollen!“, „Von Person Y erwarte ich, daß sie Z tut!“. Unausweichliche Konsequenz solcher Aussagen sind Enttäuschung und Frustration.

Schubladendenken

Schubladendenken ist eine Ausprägung der extremen Verallgemeinerung. Statt einen Fehler zu benennen, gibt man sich selbst eine abwertende Bezeichnung. Typische Aussagen leuten etwa „Ich bin ein Versager!“ oder „Ich bin faul!“.

Auf das Verhalten Dritter läßt sich das Schubladendenken übertragen, indem man andere als „Idiot!“ bezeichnet oder jemanden einen Versager schalt, weil der Person ein Fehler unterlaufen ist.

Gemeinsam ist dem Schubladendenken, daß die getroffenen Aussagen völlig überzeichnet sind und emotional aufgeladen sind.

Personifizieren oder abstempeln

Noch weiter als die extreme Verallgemeinerung und das Schubladendenken geht das Personifizieren. Man sieht sich als ursächlich an für das Fehlverhalten anderer an. „An der Misere trage ich alleine die Schuld.“ oder „Ich hätte das Ereignis X verhindern können/müssen. Das ist alles meine Schuld!“ sind charakteristische Aussagen hierfür.



Apr
21
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 21-04-2007

Seit Schäubles Ankündigung, wegen ein paar Personen, die Schäuble „Terroristen“ nennt, die möglicherweise und vielleicht und überhaupt Anschläge in Deutschland vornehmen könnten, geistert das Phantom der dritten Installation eines Terror-Staates nach dem Nazi-Diktatur und des DDR-Regimes in Deutschland umher.

Politik möchte ich grundsätzlich in diesem Blog nur am Rande streifen, etwa in Versicherungsfragen. Allerdings möchte ich einmal einen Gedanken loswerden, der mich sehr beschäftigt.

Psychisch Kranke könnten nämlich besonders stark von Schäubles Wahnvorstellungen betroffen sein.

Gegenwart

Schäubles Pläne, vor welchen Politiker jedweder Provenienz abseits der totalitär umnachteten CDU warnen, um „so etwas wie Guantánamo auch in Deutschland“ angesichts von „Verhaftungen ohne Grund“ (schleswig-holsteinische Innenminister Stegner (SPD)) zu verhindern, beruhe auch zu einem Großteil auf seiner persönlichen Biographie.

So kann man in der Wikipedia folgendes nachlesen:

„Es kam teils zu Spekulationen, dass Schäubles sehr starke Gewichtung der „Sicherheit“ in der Abwägung gegen die Freiheit des Einzelenen eine durch ein Posttraumatische Belastungsstörung verursachte symbolische Vermeidungshandlung sei, er also wegen er Spätfolgen des Attentats 1990 auf ihn in seiner Wahrnehmung der Realität beeinträchtigt sei.“

Rückblick: das Attentat auf Schäuble 1990

Weiter heißt es dort: „Am 12. Oktober 1990 wurde Schäuble bei einem Attentat nach einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau durch einen Schuss, der von einem psychisch kranken Mann namens Dieter Kaufmann abgefeuert wurde, schwer verletzt. Er ist seitdem vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen, es gibt zudem Mutmaßungen, dass die psychischen Spätfolgen der Tat Schäubles politische Positionen beeinflussen.“

Aus diesen beunruhigenden Befunden auch Schäubles Blick auf die Vorgänge in den USA liegt die Vermutung nicht fern, daß gerade psychisch Kranke, wie Depressive etwa, in Zukunft unter verschärfte Beobachtung geraten könnten.

Nahezu sämtliche Täter jüngster Massaker, wie etwa der Amoklauf Eric Harris und Dylan Klebod, besser bekannt als die Columbine-Attentäter, als auch Cho Seung-Hui, der für die Toten des Campus Shootings an der Virginia Tech-Universität in den USA verantwortlich ist, wiesen psychische Probleme auf, die vornehmlich mit Antidepressiva behandelt worden sind.

Bei Eric Harris war es Luvox, bei Cho Seung-Hui ein noch nicht bekanntes Antidepressiva.

Ist ein Generalverdacht möglich?

Ein von einem psychische Kranken angeschossener Amok-Politiker, Täter, die Antidepressiva einnahmen – was bedeutet das für Depressive?

Ich weiß es nicht. Doch liegt die Vermutung nicht wirklich fern, daß Schäuble etwa die ärztliche Schweigepflicht aufweichen könnte und Patientendaten auch über Krankenversicherungen auf Verhaltensauffälligkeiten in welcher Form auch immer verknüpfen und prüfen könnte.

Potentiell könnten so zukünftig sämtliche Depressive unter Generalverdacht möglichen Terrorpotentials geraten.

Dies ist meine Meinung. Die letzten Jahre führten zu einer größeren Akzeptanz der Depression in der Öffentlichkeit. Diese Änderungen zum Positiven hin könnte ins Wanken geraten. Wer die Unschuldvermutung nonchalant und mit einem hämischen Lachen abzuschaffen gedenkt, der könnte auch psychisch Kranke „sicherheitshalber“ wegsperren lassen. Immerhin weisen viele Täter eine Überschneidung mit psychischen Erkrankungen auf.

Für mich ist die CDU gestorben. Nie wieder werde ich diese rasant ins Totalitäre abdriftende „demokratische“ Partei wählen. Dies gilt für sämtliche Feinde des Rechtsstaates und der Demokratie. Für mich ist Schäuble der eigentliche Terrorist, eben ein Verfassungsfeind.



Apr
20
Filed Under (Selbsthilfetechniken) by Rene Kriest on 20-04-2007

Eine kleiner Zwischenfrage, die ich mir selbst bei er Anwendung der Drei-Spalten-Technik stellte, bleibt noch unbeantwortet im Raum stehen.

Weshalb kennt respektive kannte bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum jemand diese so wirkmächtige Methode zur Besserung des eigenen Wohlbefindens?

Zwei Gründe erscheinen mir plausibel bei der Beantwortung dieser aus meiner Sicht grundsätzlichen Frage.

Zum einen ist da die allgemeine Ausrichtung der Psychotherapie in Deutschland auf analytische Aspekte, die in bester Tradition ihren Ursprung in Freuds Thesen hat. Ursachen für die Depression sind in der Vergangenheit, also der Biographie des von der Depression Betroffenen zu suchen.

Gleichzeitig erscheinen diese Ursachen als ungelöste, sogenannte verdrängte Prozesse, die es aufzulösen gilt mittels Konfrontation, worauf sich auch die Depression lindern lasse.

Aus meiner Sicht ist dieser Ansatz verfehlt. Etwas zu verdrängen bedeutet, ein Ereignis bewußt zu vergessen. Paradoxerweise kettet man sich damit erst recht an das gemeinhin unangenehme Ereignis.

Folgender Satz möge das verdeutlichen. Man folge dieser Anweisung: „Bitte denke daran, mich zu vergessen.“ Daran denken, jemanden zu vergessen – geht das überhaupt? Im Ergebnis soll die Erinnerung an eine Person getilgt werden. Fortan lautet der innere Gedanke, bewußt nicht mehr an bestimmte Ereignisse zu denken.

Genau damit jedoch ruft man sie sich immer wieder bewußt ins Gedächtnis. Ähnlich paradox ist der Satz, daß man nicht an einen rosa Elefanten denken solle. Das geht ebenfalls nicht beziehungsweise nur mittels eines Tricks. Und dieser Trick ist der Schlüssel zur Ablehnung der analystischen Methode.

Man kann nicht in Nicht-Kategorien denken. Nur positiv kann man denken. Lösen kann man beide Paradoxa, indem man die Aussagen außer acht läßt und die Nicht-Aussage durch eine positive Aussage ersetzt.

Statt daran zu denken, etwas bewußt zu vergessen, kann man das Ergebnis des Vergessens nur erreichen, indem man den Satz keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Zuwege gebracht werden kann dies nur durch Ersetzen der Aussage durch eine positive. Man denkt einfach an etwas anderes, was mit der Aussage nichts zu tun hat.

Gleiches gilt in Hinsicht auf das Rosa-Elefanten-Beispiel. Nicht an rose Elefanten kann man etwa denken, indem man an sich Amseln oder einen Strand vorstellt. Das Ergebnis ist damit erfüllt, man denkt nicht mehr an die Elefanten.

Übertragen auf die Psychoanalyse bedeutet dies, daß man nichts bewußt verdrängen kann. Wie gezeigt, funktioniert es nicht, etwas bewußt zu vergessen, denn vergessen ist eine Nicht-Aussage, also ein Paradoxon.

Die Psychoanalyse der Wiedererinnerung früherer erlittener Kränkungen führt einen zurück in den Strudel der inneren Konflikte. Was aber ist der Nutzen? Ich sehe keinen, im Gegenteil.

Weit eher sollte man Techniken für die Zukunft ersinnen, die einem die Zukunft tatsächlich erleichtern. Weshalb sollte man hierzu in die Vergangenheit abschweifen, die man ohnehin nicht ändern kann?

Aus diesem Grunde empfiehlt sich aus meiner Sicht ein gänzlich anderer Ansatz, nämlich die Auflösung ausschließlich gegenwärtiger Widrigkeiten, die man für die Zukunft überwinden möchte.

Man setze sich Ziele, etwa kommunikativer zu werden. Stochert man in der Vergangenheit herum und sucht nach Sündenböcken, macht einen dies keinen Deut kommunikativer oder beseitigt Ängste.

Statt dessen sollte man für die Zukunft ein Programm entwickeln, daß bestimmte erreichbare und konkrete Ziele enthält, etwa zu planen täglich eine fremde Person in einen kleinen Small-Talk zu verwickeln bis hin zu dem Ziel, eine Rede vor mehreren Personen zu halten.

Der zweite Grund für die Wirkmächtigkeit der Drei-Spalten-Technik und damit für die Macht des Wortes oder anders ausgedrückt, Unterschätzung der noch bessern Kraft des geschriebenen Wortes liegt darin begründet, daß viele Therapeuten gar nicht zukunftsgewandt mit konkreten Zielen sind.

Ziele folgen einem inneren Bedürfnis, nämlich Sinn. Ziele sind Mittel zum Zweck. Will ich meine kommunikativen Fähigkeiten verbessern, so steckt etwa das Motiv und damit der Antrieb dahinter, die eigene Schüchternheit zu überwinden.

In analytischen Therapiesitzungen wird jedoch selten die Sinnfrage gestellt. Man wird mit der schummrigen Vergangenheit einfach so alleine gelassen, ohne daß man einen Nutzen für die Zukunft hat, die es alleine zu bewältigen gilt.

Wer den Tod eines geliebten Menschen nicht einfach zu übergehen kann, der befindet sich gerade in der Vergangenheit, kann gerade nicht verdrängen und kann noch weniger die Zukunft mit voller Kraft meistern. Ändern kann man dieses Geschehnis nicht.

Statt dessen kann man nur seine Sicht der Dinge auf das Ereignis korrigieren, damit die Zukunft, und damit ein konkretes Ziel, zu bewältigen erscheint.

Ziel und Sinn für die Überwindung des Ereignisses könnte sein, sein eigenes Leben wieder im Einklang mit dem Tode des geliebten Menschen zu führen. Hierzu sollte man die Leidensgedanken durch rationale ersetzen.

So etwa könnte man festhalten, daß der Tod unausweichlicher Bestandteil des menschlichen Daseins ist. Weiter kann man festhalten, daß der Tote nicht gewollt haben kann, daß man leidet, sondern einem selbst Glück wünscht.

Diese Gedanken kann man jedoch nur auf Dauer in sicht manifestieren, indem man immer wieder mit den neuen, wünschenswerten Gedanken arbeitet. Daher sollte man sich dringlich auf Papier festhalten, ähnlich dem Vorkabellernen.

Papier und Stift sind der Königsweg zur Linderung der Depression abseits medikamentöser Therapie.

Probiert es aus. Auch Du sollst nämlich glücklich sein und werden. :)



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