Archive for January, 2007

Jan
25
Filed Under (Medikamente) by Monica Treve on 25-01-2007

Seit 22. März 2006 nehme ich Lamotrigin. Angefangen habe ich mit 25 mg täglich. Nach drei Tagen spürte ich eine Verbesserung meiner Stimmung. Ich hatte gute Laune wie schon lange nicht mehr. Die einzige Nebenwirkung, die ich gespürt habe, waren Schlafstörungen. Ich konnte nicht mehr durchschlafen.

Lamotrigin: Rasche Aufhellung der Stimmung

Mit meinem Psychiater habe ich besprochen, dass ich alle 14 Tage die Dosis um 25 mg erhöhe. Die Stimmung war immer noch gut, ich fühlte überhaupt nichts von der Depression. Aber leider blieben auch die Nebenwirkungen – nachts um 3 oder 4 wachte ich auf und konnte ca. 1 Stunde nicht schlafen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich gerädert. Gerädert, aber gut gelaunt und fit.

Eine depressive Episode dauerte nur noch einen Tag!

Nach etwa 12 Wochen hatte ich auf 150 mg täglich gesteigert. Die Stimmung war weiterhin stabil. Als das erste Tief kam, bekam ich Angst. Angst, dass es jetzt wieder abwärts geht und die Depression mich wieder gefangen hält. Das Tief war aber gar nicht so schlimm und am nächsten Tag auch schon wieder vorbei.

Drastische Verkürzung der depressiven Episoden dank Lamotrigin

Ich habe meinem Psychiater davon erzählt und er meinte, dass ich umlernen müsse. Bisher waren depressive Phasen stark und dauerten lange. Ich habe Angst bekommen, weil ich es nicht anders kannte. Jetzt muss ich lernen, dass die dunklen Phasen vorbeigehen (und das schnell!), und dass sie nicht mehr so schlimm sind. Es war eine Erlösung das zu hören. Nach etwa 3-4 Monaten hörten übrigens die Schlafstörungen auf und ich konnte wieder durchschlafen. Nochmals eine Erlösung. :)

Vertrauen in das Medikament durch die Zuverlässigkeit der Wirkung

Alle paar Wochen packt mich wieder so eine depressive Phase (oft während dem PMS), die dann aber schnell vorbei ist, zumeist innerhalb eines Tages anstatt wochenlangen Martyriums. Ich habe mittlerweile gelernt, damit umzugehen und das Wissen, dass sie nur eine kurze Zeit dauert, tut gut.

Lamotrigin: Doch keine heile Welt?

Als ich nach dem Weihnachtsurlaub (ich war 2 Wochen in Spanien) wieder zu Hause und an der Arbeit war, spürte ich einen Depressionsschub. Diesmal fühlte er sich anders an. Jeden Tag ging es mir ein bisschen schlechter. Nach etwa einer Woche war ich am Tiefpunkt angelangt. Ich habe nur noch geweint und hatte Angst, dass die Medikamente nicht mehr wirken. Das zog mich noch mehr runter.

Plötzlich war die Depression wieder verschwunden

Am nächsten Tag war die Depression wie weggeblasen. Glücklicherweise hatte ich kurz darauf einen Termin bei meinem Psychiater, der mich beruhigte. Solch ein Tief könne durchaus vorkommen.

Das letzte aus Lamotrigin herausholen durch eine Blutuntersuchung

Trotzdem ordnete er eine umfängliche Blutuntersuchung an. Heute habe ich erfahren, dass alle Werte sehr gut sind, ich also kerngesund bin. Der Lamotrigin- und der Venlafaxin-Spiegel, mein Antidepressivum, sind jedoch zu tief. Bereits vor einem halben Jahr haben wir festgestellt, dass mein Körper Efexor (Venlafaxin ist der Wirkstoff) sehr schnell verstoffwechselt, also abbaut.

Belastende äußere Umstände

So wie es aussieht, geschieht dasselbe mit Lamotrigin (Lamictal). Sowohl dies, wie auch die Rückkehr aus dem Urlaub – also wieder in die Routine geworfen zu werden – könnten diesen depressiven Schub begünstigt haben.

Eventuelle Anpassung der Lamotrigin-Dosis

Ich werde heute mit meinem Psychiater über die Dosierung der beiden Medikamente sprechen. Efexor möchte ich eigentlich nicht erhöhen. Das letzte Mal, als ich es um 75 mg auf 225 mg täglich erhöht hatte (im Herbst 2006), fielen mir die Haare fast büschelweise aus. Das war übrigens auch der Zeitpunkt, an dem die Schlafstörungen wieder anfingen. Nach zwei Wochen dosierte ich wieder auf 150 mg zurück. Der Haarausfall ging weg, die Schlafstörungen blieben und sind jetzt noch da.

Warten auf die Ergebnisse

Sobald ich die Besprechung mit meinem Doc gehabt habe und ich erste Resultate habe, werde ich hier wieder posten. Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute und freue mich auf Euer Feedback. :)



Jan
25
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 25-01-2007

Der Tag, an dem man wußte unter Depression zu leiden – weißt Du, wann dieser war? Erinnerst Du Dich noch der Zeit vor der Diagnose, als Du Verhaltensauffälligkeiten an Dir beobachtet hattest?

In einer kurzen Serie über zwei Teile möchte ich Dir meine Geschichte schildern. Vielleicht mache ich damit Mut, daß andere auch ihre Erfahrungen etwa als Kommentar oder per Email mitteilen wollen. :)

Der gefürchtete Rückblick in die Vergangenheit

Aus meiner Sicht sind Rückblicke auf meine Vergangenheit eine Mischung aus Horror und Schlüsselszenen. Über mein erstes Mal, also den Tag der Diagnose meiner Krankheit Mitte 2006, möchte ich ein paar Worte verlieren.

Jüngst durchstöberte ich mein Buchregal. Mein Blick fiel auf einen Jahres-Kalender aus dem Jahre 1994. Zu dieser Zeit war ich an der Oberstufe und bereitete mich auf das Abi vor. Damals wähnte ich mich überwiegend melancholisch und nicht depressiv. Mit ein wenig täglicher Anstrengung ließ sich das Leben damals noch halbwegs meistern und gelegentlich gab es auch mal richtig gute (hypomanische) Phasen.

Mein erster dokumentierter Suizid-Versuch

Beim Durchblättern des Kalenders stieß ich irgendwann auf eine interessante Notiz. Im Verlauf des Jahres hatte ich zumindest einen dokumentierten Suizid-Versuch unernommen und viele Todes-Phantasien und Gedanken über Todessehnsucht in dem Kalender preisgegeben.

Ich wußte, daß ich in den Jahren um mein 20. Lebensjahr diverse Male Suizid-Versuche unternommen hatte, diese jedoch aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht präziser dokumentiert hatte. Dennoch liegt unzweifelhaft ein Zeugnis früher Suizid-Versuche vor.

Schwere Depression, Ja – Diagnose, nein

Aus psychiatrischer Sicht dürfte ich damit wohl schon mal ein wesentliches Kriterium der schweren Depression erfüllt haben: Suizid-Gedanken und auch Suizid-Versuche. Gleichwohl dauerte es noch zwölf weitere lange Jahre, bis ich entsprechend diagnostiziert worden bin und angemessene Therapie-Möglichkeiten vorfand.

Zwölf Jahre!

Rechnet man die Vorphase, die zu den Suizid-Versuchen geführt hat hinzu, erweitert sich dieser Zeitraum noch einmal um ein nicht unerhebliches Maß.

Was wäre wenn? Das Zetern mit der fehlgelaufenen Vergangenheit

Gelegentlich stelle ich mir die Frage, was aus mir geworden wäre, hätte man frühzeitig die erlösende Diagnose für mich stellen können. Wäre ich heute glücklicher und zufriedener? Wäre mein Leben zum besseren geändert worden? Hätten sich gewisse Widrigkeiten, die sich aus der Depression ergeben, vermeiden lassen?

Zu Anfang stellte ich mir diese Fragen mit Nachdruck. Mittlerweile, da ich die aufgeworfenen Fragen nicht beantworten will, da man allenfalls orakeln kann, stelle ich mir die Frage, ob man sich solche hypothetischen „Hätte, wäre, wenn“-Fragen überhaupt stellen sollte. Heutzutage verzichte ich wohlweislich auf ernsthafte Antworten zu diesem Komplex, denn es gibt sie nicht; daher führt ein Versuch deren Beantwortung auch zu nichts.

Der Blick nach vorne

Einzig nach vorne kann man blicken und die Zukunft gestalten, anstatt an der eigenen, zugegebenermaßen mißlichen, Vergangenheit zu verzweifeln. Zu diesem Zweck möchte ich Dir mit dieser Website Hoffnung vermitteln.

Es geht nicht mehr

Bis 2006 vergingen jene zwölf Jahre, die mich am Ende wirklich mental und körperlich erschöpften. Die Depression hatte mich derart stark erfaßt, daß ich kaum mehr in der Lage war, dem nachzukommen, was man geregelten Tagesablauf nennt. Nennen wir die mich beherrschenden Gedanken einfach mal krasse Gleichgültigkeit allem gegenüber und völlige Sinnlosigkeit. Abgerundet wurde der unheilvolle Gedankenkreis mit massiven Suizid-Gedanken.

Ich und krank?

Als Bipolar-Kranker schwankte ich zwischen den Polen der Hypomanie, also eines durchaus schönen Zustandes, und der Depression, einer schweren Depression, um genau zu sein. Infolge der Schwankungen tat ich mich sehr schwer damit, mich als krank anzusehen. Immerhin ging es mir zeitweilig, wenn auch sehr selten, sehr gut und ich brachte dann auch immer wieder etwas zustande und das mußte an allem liegen, nur nicht an einer Krankheit. Also gesellten sich die bekannten Schuldgefühle hinzu, weil man sich selbst als Ursache der Fehlschläge des Alltags ausmachte.

Riesenschritte in Richtung Diagnose – nur: wie zum Arzt gehen ohne Krankenkasse?

Über ein Buch zum Thema Suizid kam ich in großen Schritten der Diagnose Depression entgegen. Es fehlte mir noch die „offizielle“ Diagnose, nämlich die ärztliche Feststellung, depressiv zu sein. Mangels Krankenversicherung, die ich zu jener Zeit aus völliger Gleichgültigkeit heraus auslaufen ließ, konnte ich jedoch nicht einfach zum Arzt gehen, als ich mich zu diesem Schritt endlich durchgerungen hatte. Für mich stand fest, depressiv in irgendeiner Form zu sein. Der Arzt sollte diesen Befund nur noch offiziellmachen.

Etliche Wochen zogen ins Land. Nur der Hilfe einer sehr guten Freundin ist es zu verdanken, daß ich diese finanzielle Wiedereingliederungsmaßnahme in meine frühere Krankenkasse überhaupt stemmen konnte. In gewisser Weise hat sie damit mein Leben gerettet.

Diagnose abseits der Therapie-Möglichkeiten geholfen? Vertraust Du Dich Dritten an?



Jan
24
Filed Under (Depressive Promis) by Rene Kriest on 24-01-2007


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