Archive for January, 2007Der heutige Termin bei meinem Psychiater war sehr gut. Am letzten Sonntag hatte ich einen leichten Taucher, ich fürchtete mich vor einem erneuten Tief. Es hielt aber zum Glück nicht lange an und am nächsten Tag ging es mir wieder gut. Wir haben nun folgende Vorgehensweise besprochen:
Der letzte Punkt ist wohl der schwierigste. Am letzten Sonntag, habe ich erst sehr spät bemerkt, dass die Stimmung unten ist. Ich dachte einfach, ich sei müde, es liege am Wein vom Vorabend usw. Erst am Montag ist mir klar geworden, dass es sich um ein Stimmungstief gehandelt hat – erst erkannte ich die Zeichen. Ich hoffe, dass mir das alles gelingt, und dass das Lamictal gut anschlägt. Morgen nehme ich die erste Dosiserhöhung in Angriff. Wünscht mir Erfolg! Heute abend, 30.1.2007, wird über dieses Thema von Betroffenen als auch Therapeuten diskutiert werden. Die Sendung wird in der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ um 22:45 Uhr ausgestrahlt. Das Interessante an der munteren Runde sind die Teilnehmer. Nahezu aus jedem Bereich der Betroffenen und Therapieansätzen kommen Menschen zu Worte, so daß für jeden etwas dabei sein sollte. An Teilnehmerzahl überwiegen Betroffene, bestehend aus Depressiven und einer Angehörigen. Als Diskutanten sind mit von der Partie:
„Rätsel Depression - heimliche Volkskrankheit?“ - heute abend, 30.1.2007, ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ um 22:45 Uhr 1. „Jeder hat mal eine Depri-Phase. Stell Dich nicht so an!“ Wenn es nur so einfach wäre! Zwischen schlechter Laune oder einem schlechten Tag und einer Depression im klinischen Sinne liegen Welten. Ersteres, also die Trübseligkeit, vergeht meist von selbst und man rational dagegen vorgehen. Im Falle der klinischen Depression, die nach unterschiedlichen Schweregraden unterscheidet, ist eine Therapie in der überwiegenden Anzahl unausweichlich. 2. „Depression ist keine Krankheit“ Über die Ursachen und Auslöser einer Depression gibt es keine abschließenden Erkenntnisse. Festgestellt hat man, daß genetischen Faktoren im Falle der schweren Depression eine Stoffwechselstörung im Gehirn bedingen. Leichtere Fälle der Depression stehen meist in einem komplexen Zusammenspiel von genetischen Ursachen und Umwelteinflüssen. Gleichwohl wirkt in beiden Fällen der Einsatz unterschiedlicher Medikamente der Depression entgegen. Infolgedessen, daß man nicht willentlich seine Depression hinwegwünschen kann, stellt die Depression eine Krankheit da, die vergleichbar des Diabetes ist. 3. „Dir geht es nur zu gut! Du hast doch alles, was Du brauchst. Denk mal an die hungernden Kinder in Afrika. Denen geht es wirklich schlecht.“ Auch das ist nicht richtig. Daß niemand von der Krankheit verschont bleibt, der materiell abgesichert ist oder gar im Reichtum lebt und damit gesellschaftlich anerkannt ist, dürfte durch prominente Opfer belegt sein. Viele Stars und Promis haben sich trotz einiger Berühmtheit und Leben in Saus und Braus umgebracht, oder haben sich das Leben durch Einnahme von Drogen schöngemacht. Dieser Befund stützt die These von der Depression als Stoffwechselstörung. 4. „Du hast doch gute Laune. Demnach bist Du wieder geheilt!“ Mitnichten. Die gute Laune resultiert in der Regel aus der Einnahme und Wirkung von Medikamenten wider die Depression. Stabilisiert wird dieser Zustand gerade durch die Einnahme der Medikamente. Um den Zustand aufrechtzuerhalten, muß man die Medikamente auch bei Nachlassen der depressiven Symptome weiterhin einnehmen. Häufig ein Leben lang. Und dennoch ist nicht gesagt, daß der Depressive mit guter Laune diese konstant weiterbehält. Depressive Phasen kehren wieder. Man kann nur dessen Häufigkeit mittels neuerer Medikamente verringern und die Zeit der Phasen verkürzen. Wann depressive Episoden eintreten, kann man nicht vorhersagen. Aus diesem Grunde sollte man eine Momentaufnahme, nämlich gute Laune, gerade nicht als Regelfall betrachten, sondern als Ausnahme von der Regel. 5. „Du willst doch nur bemitleidet werden. Das mache ich nicht mit!“ Schön wäre es! Durch das gebrechliche Verhalten des Depressiven kommt nur zum Ausdruck, daß man sehr stark unter der Krankheit leidet und beeinträchtigt ist. Probleme im sozialen Umgang in der Gesellschaft kumulieren. Belastend kommt hinzu, daß ein Nicht-Depressiver einen Depressiven hinsichtlich seines Denkens und Empfindens nicht verstehen kann. Doch hierzu weiter unten mehr. 6. „Wenn Depression eine Krankheit ist, muß sie auch heilbar sein!“ Es gilt zu unterscheiden. Heilung im Sinne vollständigen Verschwindens der Krankheit ohne zurückbleibende Beeinträchtigungen als auch Ausbleiben von Rückfällen in depressive Episoden gibt es nur selten. Regelfall ist die Wiederkehr der depressiven Symptome (sogenannte rezidivierende Depression), die Ausprägungen der Krankheit sind. Alleine die Symptome kann man lindern. Ähnlich wie bei AIDS hat man gewissermaßen einen Virus in sich, der jederzeit sein zerstörerisches Werk betreiben kann, aber nicht muß. Zahlreiche mit HIV infizierte Menschen leben viele Jahre, ohne daß die Krankheit, AIDS, ausbricht. Gleichwohl können auch diese Menschen nicht von der Krankheit, HIV, geheilt werden. 7. „Depris müßten nur mal anständig arbeiten und sich ablenken.“ Hierbei handelt es sich bedauerlicherweise keineswegs um eine Ausrede. Vielleicht kann man nur anhand dieser Erkenntnis ermessen, wie stark Depressive in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sind und entsprechende Behandlungen komplex zugehen. Stimmst Du den genannten Punkten zu oder bist Du anderer Meinung? Welche Vorurteile kennst Du? Anmerkungen/Fußnoten
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