Archive for December, 2006

Dec
31
Filed Under (Allgemeines) by Rene Kriest on 31-12-2006

Ich wünsche Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr! Viel Glück und vor allem Gesundheit möge Dich ereilen. Mögen Deine Vorsätze halten und umgesetzt werden.

Allen Depressiven wünsche ich zusätzlich Kraft und Durchhaltevermögen. Wir schaffen das gemeinsam. Garantiert! :)

PS: Nicht zu tief ins Glas schauen. ;)



Robbie Williams, Sebastian Deisler und viele Prominente wie Nicht-Prominente sind an Depression erkrankt. Angehörige, Verwandte und Freunde tun sich schwer im Umgang mit Depressiven. Vor allem der Ausdrucksweise kommt hier einen Schlüsselfunktion zu. Oftmals unterscheiden Nuancen über eine für den Depressiven positive oder negative Botschaft.

46 Möglichkeiten habe ich aufgereiht, um bestimmte Erkenntnisse, Handlungen und Sichtweisen so darzustellen, daß nicht Depressive nachvollziehen können, wie ihre Erfahrungen und Aussagen bei Depressiven ankommen. Mit diesem Wissen sollte es Angehörigen erleichtert werden, mit Depressiven umgehen zu können, da das Verständnis vertieft wird.

Äußerungen zur Depression, Gedanken eines Depressiven:

Diese sind für einen Nicht-Depressiven vergleichbar mit, fühlen sich in etwa an wie:

Depression ist eine chronisch auftretende und lebenslang anhaftende Krankheit.

Vergleichbar ist die Krankheit Diabetes. Dagegen gibt es auch kein Heilmittel, sondern Linderungsmittel.

Täglicher Bedarf an Medikamenten eines Depressiven.

Insulin-Spritzen bei Diabetes

Einmalige Einnahme insbesondere von Antidepressiva hilft auf Dauer nicht.

Depression ist nicht wie Kopfschmerzen, sondern eher einer Salbe vergleichbar, die eine Wunde heilen soll mittels tagelanger Anwendung oder Antibiotika, die man teils zwei Wochen lang einnehmen sollte.

Starke Stimmungsschwankungen über den Tag hin

Geburtswehen: kommt das Baby oder nicht? Oder: minütliches oder stündliches Würfelwerfen bezüglich des Befindens.

Zufälliges Kommen und Gehen der Symptome

Wie eine Allergie bei Pollenflug oder Nahrungsmitteln. Es kann gut gehen oder nicht.

Erschöpfungszustände

Tagelanger Schlafentzug.

Traurigkeit

Tiefer Liebeskummer.

Sinnlosigkeit

Verlust eines sehr geliebten Menschen durch Tod.

Hoffnungslosigkeit

Lebenslange Freiheitsstrafe oder Todesurteil bei einer Geiselnahme.

Mutlosigkeit

Bestrafung, ganz gleich was man macht.

Gute Phasen

Schmerzfreiheit dank Morphium. Sobald die Wirkung der Medikamente nachläßt, sind die Symptome wieder da. Parallel zur guten Laune schwingt immer die Angst vor Rückfällen mit.

Antriebslosigkeit

Demütigende Langeweile; Entführung: gegen seinen eigentlichen Willen ist man zur Untätigkeit verdammt.

Pünktlichkeit alias Zuspätkommen

Größte denkbare Anstrengung, die ein Depressiver verrichtet, um den Regeln der Gesellschaft gerecht werden zu können. Ein sehr schwieriges Unterfangen vor allem aufgrund der Angststörung, Sozialphobie und Antriebslosigkeit der Depressiven.

Angststörung

Unerklärliche Todesangst.

Sozialphobie

Von jedem Menschen geht eine Bedrohung aus; Spießrutenlauf in der Öffentlichkeit. Ruhe und Zurückgezogenheit wird bevorzugt, Menschenansammlungen (= alles mit mehr als 2 Personen) werden gemieden.

Suizid

Ruhe, Friede, Freiheit, Erlösung – alles ist besser und schöner, als weiterzuleben.

Maßregel/Kritik an einem Depressiven ob gerechtfertigt oder nicht.

Stich ins Herz. Wird überwiegend persönlich genommen; man fühlt sich unfähig und für die jeweilige Aufgabe, ganz gleich wie einfach oder nicht, unangemessen.

Alltagsverrichtungen

Spießrutenlauf.

Psychotherapie

Dialyse bei Nierenkranken. Man geht immer wieder hin und Verbesserungen treten langsam ein.

Gedankenkreisen

Gehirnwäsche; derselbe Gedanke wird ständig wiederholt, ohne das man sich dagegen wehren kann.

Gedankensprünge

50 Dinge zu selben Zeit durchdenken.

Schlafen

Suizid-ähnlicher Zustand der Glückseligekeit.

Daß Nicht-Depressive Verständnis Depressiven entgegenbringen können…

…wäre für Depressive genauso großartig und ähnlich unmöglich, wie Deutschland 2006 Weltmeister geworden ist.

Angemessene Therapie und geeignete Unterstützung von Dritten zu erhalten.

Dreimal hintereinander den Jackpot beim Lotto knacken.

Nebenwirkungen der Medis

Einen Teil des Körpers für die Gesundung seines Geistes opfern. Es gibt niemals nur Vorteile ohne Nachteile bei etwa Antidepressiva.

Tagesdämmern.

Arzt

Hoffnungsträger und Richter zugleich.

Unverständnis über die Krankheit

Grob fahrlässige Diskriminierung und Benachteiligung der Depressiven; Verspottung.

Freude

Wort mit sechs Buchstaben. Sehr selten vorhanden.

Verzweiflung

Ausweglosigkeit infolge Unverständnis

Lächeln, lachen

Unerträgliche Qual.

Klinik

Ort, an dem einem Depressiven sehr viel Verständnis entgegengebracht wird und hoffentlich ebenso viel Linderung seiner Krankheit.

Benzos

Tafel Schokolade zwischendurch.

Antidepressivas, Mood-Stabilizer

Lebenselixier. Niemals ohne.

Selbsthilfegruppe

Zwillings-Brüder und Zwillingsschwestern. Verständnisvolle und inspirierende Gedankenatmosphäre.

Alleinsein

Zustand ohne äußeren Streß.

Arbeit

Unmoralisches Angebot; vielfach fühlt sich der Depressive überfordert.

Schlaftabletten

Ohne geht sehr häufig gar nichts mehr in Sachen ruhigen Schlaf.

Rückfall

Humor

Wie beim Losen: mal gewinnt man was, mal nicht.

Geburtstag

Weiteres Jahr ohne Suizid.

Zurückziehen und Gefühl der Hilflosigkeit, nicht verstanden werden zu wollen.

Einer der Sprüche, die kein Depressiver benötigt, im Gegenteil. Ein wenig Zuspruch und auch Stolz darauf, wie man sein Leben trotz der Widrigkeiten im kleinen wie im großen meistert, wäre weit mehr angebracht.

„Du bist nicht krank und schon gar nicht depressiv. Du redest Dir das nur ein.“

Und die Erde ist eine Scheibe…

„Ich weiß, was dir hilft!“

Jesus konnte Lepra-Kranke heilen. Du nicht. ;)

Welche Vergleiche und Sprüche zum Thema Konfrontation zweier Welten – Depressiver trifft auf Nicht-Depressiven – könnt ihr nicht ausstehen?



23.12.2006 – das war ein Datum, das mir in Erinnerung bleiben wird – auf sehr unangenehme Weise! Am Abend dieses Tages hatte ich meinen bislang heftigsten Angst- und Panikschub seit ich denken kann. Wie kam es zu dieser akuten Angststörung und Panikattacke?

Und auch noch Sozialphobie…

Mir ging es den gesamten Tag über nicht gerade berauschend, schon seit dem Aufwachen. Zwecks Geschenkekaufs und sonstiger Erledigungen machte ich mich nach langem Grübeln und Widerwillen auf. Hier überwog die Sozialphobie in einer leichteren Form.

Am Abend dann wollte ich bereits gegen 20 Uhr nur noch das mich erschütternde Elend wegschlafen und nahm eine Zopiclon. Zum Essen trank ich ein Gläschen Merlot, am Schreibtisch konsumierte ich noch drei leckere Barcardi Breezer. Und brach sich das Unheil Bann, als ich vom Bett aufstand um noch mal auf Toilette zu gehen.

Tränen flossen – Benzodiazepine als vorletzter Ausweg

Wie ein Schloßhund heulte ich knapp eine Stunde lang, bis ich zu Temesta, meinen Benzodiazepinen griff, und nach der Einnahme der zweiten Tablette mich befreiter und gelöster fühlte. In Kombination mit der bereits zwei Stunden zuvor genommenen Zopiclon-Tablette, einem Müdemacher, entschlummerte ich im Anschluß an ein Telephonat mit meiner Freundin sehr rasch.

Zuvor lag ich während der Heul-Phase wie paralysiert im Bett. Ich entsann mich des Temestas (Lorazepam/Bezodiazepine) in der Küche, doch hatte ich Angst in die Küche zu gehen, da ich an der Schublade mit den Messern vorbeimußte, und zuvor wieder starke Selbstmordgedanken gehegt hatte.

Temesta – Die Erlösung

Das war ein schlimmes Gedankenspiel. Tatsächlich wog ich gegeneinander ab, mir eines der langen Messer mit fester Schneide in mich zu stoßen, oder doch Temesta zu nehmen. Ich wollte unbedingt diesen Zustand beenden. Gewissermaßen als vorletzte Option vor dem letzten Mittel, dem Suizid, rannte ich los zu meiner Temesta-Packung, vorbei an der Schublade mit den vielen scharfen Messern, und griff sogleich eine Tablette, die ich sofort zergehen ließ. Zur Sicherheit nahm ich noch eine zweite.

Entspannung und Erleichterung

Und während ich noch darüber nachsann, was aus meinem Suizid-Gedanken geworden ist, entfaltete sich ein wunderbares Gefühl der Entspannung und Erleichterung in mir. Der Druck und der Schmerz waren gewichen zugunsten einer Entspannung, ganz so, als hätte ich mich verkrampft.

Die verheulten Augen wurden photographiert

Innerlich durchströmte mich ein wenig Wärme, die mein Herz berührte und die Angststörung und die Panikattacke wirkmächtig beiseite schob. In diesem Moment griff ich zu meiner Kamera, um mich im Moment nach dem Abflauen des inneren Elends für einen guten Moment auf einem Bild festzuhalten.

Meine Frau

Sodann telephonierte ich mit meiner Frau, deren wunderbare Stimme der wohltunste Balsam auf meiner Seele und meinem Körper war. An den Wortlaut des Gesprächs kann ich mich kaum noch entsinne. Tags darauf versuchte Sie das Telephonat für mich aufzubereiten.

Ausblick und Resümee

Einerseits war diese Attacke äußerst schlimm. Andererseits war ich recht gut präpariert für sie mit Temesta. Glück im Unglück also, oder eher Schade, daß es soweit kommen mußte? Eine optimistische Antwort führt mich zu ersterer Aussage. Da bedauerlicherweise auch nur ohne einen Gran Pessimismus bei der folgenden Voraussage eine Rolle spielt, steht zu vermuten, daß ich wieder eine Attacke und auch diesen Ausmaßes erleiden werde.

Für die Praxis

Mental bereite ich mich auf diese mit Temesta vor. Praktisch werde ich fortan stets zwei Tabletten Temesta bei mir führen. Nichts auszudenken, wenn ich an einem fremden Ort eine solche Attacke erleide und Temesta ist weit und breit nicht in Sicht.

Wie sind Deine Erfahrungen mit Panikattacken oder Angstattacken? Wie verhältst Du Dich in einer Schubphase der Attacke und was tust Du dagegen?



bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Bloggeramt.de

kostenloser Counter