Archive for November, 2006Herkömmlicherweise behandelt man Depressive überwiegend aus einer Kombination von Gesprächstherapie (kognitive Verhaltenstherapie) und Medikamenten. Leichte und auch mittlere Formen von Depression sind hervorragend mit einer Gesprächstherapie in den Griff zu bekommen, zumal dann, wenn man frühzeitig diese Form der Therapie in Anspruch nimmt. Was verbirgt sich genau hinter dem Begriff Gesprächstherapie? Unsere Gedanken bestimmen unsere GefühleDie Entwicklung der Gesprächstherapie ist eng mit den Fortschritten auf den Gebieten von Psychologie und Psychiatrie des 20. Jahrhunderts verbunden. Wegbereiter und gerne zitierter Urheber ist Sigmund Freud, was jedoch nur teilweise richtig ist. Im Bereich der Depressions-Forschung stellte man fest, daß Gedanken Gefühle auslösen können. Gedanken wiederum werden von äußeren Einflüssen hervorgerufen. Bahnbrechende Erkenntnis war, daß es von Mensch zu Mensch verschieden war, was diese über dieselben Einflüsse dachten und empfanden. Folglich begann man, auf dieser kognitiven, also gedanklichen Eben zu arbeiten um zu sehen, ob Änderungen der Gedanken zu Änderungen der Gefühle führen. Auf die Depression angewendetZur psychischen Ursache der Depression gibt es mehrere Theorien. In neuer Zeit wird vertreten, daß Depressive unter dem Syndrom der erlernten Hilflosigkeit litten. Dahinter steckt die Überlegung und in klinischen Studien nachgewiesene Erkenntnis, daß der innere Dialog, das Selbstgespräch im Unterbewußten bei Depressiven überwiegend pessimistisch ausgerichtet ist. Ursachen und Schuld von Fehlern suchen Depressive immer gerne bei sich, während man die Ursache für Freude und Erfolg von Zufälligem und glücklichen Umständen abhängig macht. Solche Prozesse laufen auf der sogenannten kognitiven Ebene ab, das heißt, daß man diese Vorgänge durch bewußtes Gegensteuern beeinflussen kann – wo ein Wille, da auch die Möglichkeit, etwas zu ändern. Die negativen Gedanken rufen negative Emotionen hervorGedanken wiederum rufen Emotionen hervor. Wer schlechte Gedanken denkt, die unmittelbar die eigene Person betreffen, ruft die hierzu passenden negativen Gefühle hervor; man fühlt sich mies. Auf das miese Gefühl folgen weitere schlechte Gedanken – der Teufelskreislauf ist geschlossen. Angenommen, man ist verlassen worden. Vielfach fühlen sich dann die Verlassenen mies. Der Unterschied liegt in der Erklärung des Vorgangs. Während Nicht-Depressive zumeist die Ursachen im Verhalten des anderen ausmachen, wähnen sich Depressive als Täter. Ein Vergleich der inneren Dialoge und Gedankengänge macht das transparent: Gedanken des Nicht-Depressiven
Gedanken des Depressiven
Auf den ersten Blick erkennt man schon den Unterschied. Nicht-Depressive sehen die Ursache nicht bei sich, sondern bei äußeren Umständen verortet, die vorübergehen. Schuldfragen werden konstruktiv und abschließend behandelt. Im deutlichen Kontrast hierzu stehen Depressive, die sich, ganz gleich, was passiert ist, als Ausgangspunkt des Ereignisses sehen. Fatalerweise kann man auf die gestellten Fragen keine befriedigenden Antworten finden. Eher noch werfen sie noch mehr Fragen auf, die allesamt in die Vergangenheit, die man nicht mehr verändern kann, gerichtet sind, anstatt abzuschließen und sich der Gegenwart wieder zuzuwenden – man ist Opfer. Und Opfer verhalten sich oftmals passiv. Der Nicht-Depressive ist wütend und arbeitet darauf hin, wieder glücklich zu sein. Er geht aus, trifft sich mit Freunden, um zu vergessen und sich abzulenken. Anders der Depressive. Dieser verkriecht sich in seinem fragilen Ich, aufgrund der negativen Gedanken badet er auch eben in einem Meer aus negativen Empfindungen. Nichts bereitet Freude, man grübelt statt dessen unentwegt nach. Wo die Gesprächstherapie ansetzteAn diesem Punkte setzt die Gesprächstherapie an. Nicht daß es eine Wahrheit gäbe, die sich dem Depressiven oder dem Nicht-Depressiven verschlösse. Der Nicht-Depressive hat einfach das bessere Erklärungsmuster, um seinen Seelenhaushalt gesund zu halten. Ein richtig oder falsch gibt es also nicht, sondern nur die Frage, ob man sich mit äußeren Einflüssen belastet oder diese nützlich und gewinnbringend verarbeitet. Und da Gedanken je nach Art gute oder negative Gefühle hervorbringen können, kann man mit einem Wechsel der Gedanken auch entsprechend die Empfindungen ändern. Es besteht Hoffnung – für die GedankenDie gute Nachricht lautet, daß man die eigene Gedankenwelt mittels einfacher Techniken in die jeweils eine oder andere Richtung lenken kann. Das erklärt auch, weshalb niemand vor Depressionen geschützt ist, denn inner oder äußere Einflüsse können irgendwann einmal diesen inneren Dialog verändern. Allerdings fungiert, wie Martin Seligman nachweisen konnte, ein positiver innerer Dialog wie eine Art dauerhafter Schutzschild vor negativen Ereignissen, der nur schwer zu durchdringen ist. Vom Opfer wird man zum aktiv Gestaltenden seiner inneren Bilder. Fortan soll man Emotionen und den Gedanken, die diese auslösen, rationalere Aussagen entgegensetzen. Gestaltet man seine Gedanken dieserart um von einer passiven Rolle hin zu einem aktiven Gestalten, wandeln sich auch die Emotionen hin zu positiveren Gefühlen. Verdeutlicht werden kann das anhand obiger Dialoge. Innere Gedanken und damit innere Bilder ändern – über das VerhaltenIn der Gesprächstherapie lernen Depressive nunmehr, wie man seinen inneren Dialog ändert zu einem selbstsichereren Bild der eigenen Person. Da die Therapie auf der Ebene des Denkens ansetzt, heißt sie auch kognitive (Verhaltens-) Therapie. Der Begriff Verhaltenstherapie wiederum soll bedeuten, daß man schon mittels einfacher Verhaltensänderungen seinen Seelenfrieden bessern kann. Wird man etwa von seinem Mann oder der Frau geschlagen und wird hierdurch seelisch verletzt, müßte man nach der Verhaltens-Theorie schlicht die Ursache unterbinden. Das wäre zum einen das Verhindern von Gewalt im Eheleben oder im „schlimmsten“ Falle die Scheidung. Nicht hingegen darf die Verhaltensänderung in ein Vermeidungsverhalten ausarten. Wer Angst hat, darf nicht alles meiden, vor dem er sich ängstigt. Sonst könnte man bald gar nichts mehr machen. Aus genannten Gründen kombiniert man das Beste der einen Therapieform mit den Vorzügen der anderen. Grenzen der GesprächstherapieBei schwer Depressiven dagegen bessert die Gesprächstherapie häufig nur das Wohlbefinden. Im Falle der genetisch bedingten Depression ist das auch einsichtig. Wer aufgrund des Mangels von Botenstoffen im Gehirn entsprechenden Einflüssen ausgesetzt ist, kann diese Mängel nicht mittels Gedanken ändern, allenfalls lindern. Zumeist beginnt man dann mit einer Gabe von Antidepressiva, um die Stimmung aufzuhellen, um sodann den negativen inneren Dialog mittels Gesprächstherapie zu korrigieren. FazitDie Depression ist eine der komplexesten Krankheiten, die es gibt. Einfache Erklärungsansätze verfangen nicht. Jeder Patient ist individuell zu behandeln. Es gibt keine allgemeingültigen Aussagen die Krankheit betreffend, sondern nur Ansätze, die die Krankheit besser oder schlechter beschreiben. Wenn ich von Opfer, Passivität usf. sprach, dann ist das Ausdruck der Krankheit und in keinem Falle eine Schuldzuweisung, im Gegenteil. Die Schuldzuweisung ob seiner Ohnmacht erteilt sich der Depressive selbst. Deshalb ist es so wichtig, professionelle Hilfe aufzusuchen. Immer wieder begegnen an Depression erkrankte Menschen Vorurteilen im Falle der Einnahme von Medikamenten. Zumeist handelt es sich hierbei um Antidepressiva, die zu den Psychopharmaka zählen. Ein paar der gängigsten Mythen sollen im folgenden Artikel beleuchtet werden. Mythos Nr. 1: „Wenn ich Psychopharmaka einnehme, bin ich nicht mehr ich selbst.“Diese Angst ist verständlich, wenn auch unbegründet. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Die Angst vor Psychopharmaka resultiert aus der Vorstellung, daß der Geist und damit die Gedanken des an Depressionen Erkrankten durch Psychopharmaka einer Gehirnwäsche gleich beeinflußt oder sonst das Bewußtsein des Betroffenen verändert werde. Allerdings soll und wird alleine die depressive Störung behandelt. Anders als bei Drogen findet keine Bewußtseinsveränderung statt. Man darf sich die Depression nicht ohne deren Symptome denken. Um deren Beseitigung geht es; die Depression ist eine Erkrankung, also eine negative Abweichung des körperlich-geistigen Ist- vom Soll-Zustand. Wird einem Erkrankten seine Lebensfreude, sein Antrieb, die Motivation als auch eine optimistischere Perspektive durch die Einnahme von Psychopharmaka ermöglicht, so fühlen sich die Patienten eher wie sie selbst. Ihnen wird etwas zurückgegeben, was viele schon längst vergessen wähnten. Mythos Nr. 2: „Psychopharmaka nehmen nur Verrückte in der Klapse!“Gemeinhin wird mit dem im Begriff Psychopharmaka steckenden Wort „Psycho“ etwas Negatives assoziiert, etwa verrückt und durchgeknallt zu sein. Ein entsprechender Film selbigen Titels legt diesen Zusammenhang in anschaulicher Weise nahe, ebenso wie das Leitbild des Verrückten, der in einer geschlossenen Anstalt, der Klapse, behandelt wird und sich üblicherweise einbildet, Napoleon oder sonst eine geschichtliche Figur zu sein. Folglich werden auch psychiatrische Kliniken häufig als „Klapse“ angesehen, deren Patienten eben als Psychos, auch wenn diese Einrichtung der Therapie auch anderer Störungen dient. Psychopharmaka werden hierbei zur Behandlung von depressiven Störungen eingesetzt. Zunutze macht man sich den medizinischen Umstand, daß Körpervorgänge auf chemischen Reaktionen basieren und letztlich auch der Träger des menschlichen Geistes, das Gehirn, nach chemischen Vorgängen arbeitet, die Gedanken und Stimmungslagen beeinflussen. Ausgangspunkt ist also die Überlegung, ähnlich im Falle eines chronisch Kranken, wie einem Zucker-Kranken, entsprechende Mängel im Stoffwechsel mittels Medikament-Einnahme zu kompensieren. Häufig fehlen Botenstoffe im Gehirnstoffwechsel der depressiv Erkrankten bzw. werden nicht im richtigen Verhältnis ausgeschüttet (Serotonin bei SSRIs etwa). Behandelt wird also keine Krankheit aufgrund derer man verrückt ist oder werden kann, sondern die chemische Ursache im Gehirnstoffwechsel eines Depressiven. Mit Beseitigung der Ursache soll auch die Folge entfallen, die depressive Erkrankung. Mythos Nr. 3: „Von Psychopharmaka wird man abhängig und süchtig.“Antidepressiva, welchen zur Behandlung der Depression hauptsächlich als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden und zu den Psychopharmaka zählen, machen grundsätzlich nicht abhängig. Kennzeichen einer Stoffabhängigkeit sind unter anderem die Einnahmetoleranz als auch das Verlangen nach höheren Dosen. Des weiteren folgt auf die Einnahme eine unmittelbare Reaktion meist körperlicher Art. Genannte Aspekte liegen nicht bei Antidepressiva vor. Zwar steigert man zu Anfang der Medikamenten-Einnahme die Dosis, doch liegt diese Maßnahme in dem Umstand begründet, daß erst ab einer bestimmten Dosis die anti-depressive Wirkung einsetzt. Danach wird die Dosis nicht mehr gesteigert und bewirkt auch keine weitere therapeutische Wirkung. Auch tritt die dauerhaft aufklarende Wirkung für den Depressiven erst nach Tagen bis Wochen der Einnahme ein. Der Behandlungserfolg ist somit nicht an die die unmittelbare Einnahme gekoppelt. Auch im Falle der Absetzung eines Medikamentes tritt keine Entzugssymptomatik ein. Mythos Nr. 4: „Es ist schändlich, Pillen schlucken zu müssen. Depression kann man auch ohne Psychopharmaka loswerden.“Moderne Forschungsergebnisse offenbaren, daß neben Psychopharmaka auch die Psychotherapie wirksam depressive Störungen beseitigen kann. Idealerweise kombiniert man zur langfristigen Gesundung beide Ansätze. Allerdings wirkt nicht jeder Heilungsansatz bei jeder Person gleichermaßen. Ebenso, wie nicht jedes Antidepressivum bei jeder Person gleich wirkt, so kann es auch sein, daß Personen nicht auf die Psychotherapie ansprechen respektive nicht im ausreichenden Maße. Im Falle der schweren Depression bilden die Antidepressiva oft den Einstieg in die Psychotherapie, da zunächst einmal die gröbsten Symptome beseitigt werden müssen, um überhaupt auf psychotherapeutische Weise den unter Depressionen Leidenden erreichen zu können. Letztlich sollte man sich aller möglichen Hilfsmittel bedienen, um den Zustand der Depression wenn nicht heilen, so doch lindern zu können. Die Einnahme eines Antidepressivums kann die Heilung beschleunigen. Wie denkst Du über Psychopharmaka? Hast Du Erfahrungen damit gemacht? So. Im voraus schon einmal Danke für die Geduld. Nachdem dies erledigt worden ist, kann ich auch endlich wieder ordentlich posten. Folgende Domains zeigen auf diesen Blog:
Gewissermaßen hat man die freie Wahl. Für die Zukunft sind noch ein paar zusätzliche Info-Möglichkeiten geplant. Ich bin gespannt und freue mich sehr auf die Zukunft um zu sehen, wie sich der Blog weiterentwickeln wird. Der ursprüngliche unter http://depressionsblog.kulando.de aufgelegte Depressionsblog wird auch weiterhin dort noch erhalten bleiben, allerdings werde ich dort nicht mehr posten, sondern nur noch unter der/den neuen Domain-Adressen. |