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Im Dezember 1998 wurde bei mir eine wiederkehrende (rezidivierende) Depression diagnostiziert. Ich war bei meiner Hausärztin, weil ich das ganze Wochenende nur noch geweint habe. Der Auslöser war ein Gespräch mit meinem damaligen Freund, das starke Verlustängste in mir geweckt hatte. Ängste, die ich schon mein ganzes Leben lang hatte, und die mich immer wieder in ein dunkles Loch gestürzt haben. Die Diagnose Die Diagnose war eine Erlösung. Endlich hatte ich einen Namen für den Zustand, in dem ich mich seit über 20 Jahre lang befand. Ich kaufte mir ein Buch „Ich kann nicht wollen“ von Brigitte Woggon (Psychiaterin in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich) und las darin die Erlebnisberichte ihrer Patienten. Angst vor der Zukunft In all den Zeilen fand ich mich immer wieder: Angst vor der Zukunft, vor dem Versagen, kein Selbstvertrauen, wenig Selbstwertgefühl, Trauer, aber trotzdem nicht weinen können, das Leben unter der Glasglocke, tote Libido, Gefühllosigkeit, keine Perspektive, kein Antrieb, keine Motivation. Keine Lust auf Sex Ich erinnerte mich an Situationen, in denen ich mich immer gefragt habe, ob ich eigentlich normal sei. Vor allem der Libidomangel hat für manche Beziehungen das Ende bedeutet. Ich hatte Monate, ja Jahre lang keine Lust auf Sex. Ich konnte auch nie über meine Probleme reden. Beziehungsprobleme Bei Beziehungsproblemen oder wenn es mir schlecht ging, schnürte sich mir die Kehle zu. Ich spürte physischen Schmerz im Rachen und konnte nicht sprechen. Es ging absolut nichts. Ich konnte nur weinen. Mein Gegenüber verstand die Welt nicht mehr, und ich konnte sie ihm nicht erklären. Hätte ich damals gewusst, was mit mir los ist, wäre mir so mancher Schmerz erspart geblieben. Der Beginn der Behandlung mit Antidepressiva Ich fing also mit Antidepressiva (ADs) und einer Psychotherapie an und rappelte mich langsam auf. Dann kam die Odyssee durch all die vielen ADs – und auch eine „Reise durchs Ich“. Mit den Jahren und Erfahrungen, die ich durchlebt habe, verringerte sich die Angst, wuchs das Selbstvertrauen. Die Suche nach dem richtigen Antidepressivum Aber die Depression quälte mich mehr denn je. Mein AD (Efexor/Venlafaxin) wirkte ungenügend. Ich hatte immer Konzentrationsschwierigkeiten, war motivations- und antriebslos, hatte starke Stimmungsschwankungen. Diese Schwankungen dauerten erst ein paar Wochen, dann wurden die Abstände immer kürzer. Mal ging es mir morgens ganz schlecht und gegen Abend etwas besser, mal war es umgekehrt. Stimmungsstabilisator Lamictal/Lamotrigin Fast zwei Jahre lang ging das so. Ein Freund empfahl mir einen Psychiater, der sowohl eine Praxis hat, als auch in einer Klinik arbeitet. Ich verschaffte mir einen Termin bei ihm und erhielt schon in der ersten Stunde ein zusätzliches Medikament (Lamictal/Lamotrigin), ein Stimmungsstabilisator (Mood stabilisator) das meine Stimmungsschwankungen auffangen und stabilisieren sollte. Drei Tage nach der ersten Einnahme ging es mir bereits gut. Seit 9 Monaten nehme ich Lamotrigin und vertrage es recht gut. Jetzt habe ich fast keine Angst mehr. Ich habe einiges im Leben erreicht und bin stolz darauf. Und die Depression? Die ist bislang nicht wiedergekehrt. Dies ist ein Gastbeitrag von MT. Vielen Dank an dieser Stelle für Deinen Artikel!
Comments:
6 Comments posted on "20 Jahre unerkannt depressiv – Meine Geschichte"
klaus on January 10th, 2007 at 8:56 am #
Da handelt es sich wohl um eine Blitzheilung, wenn du tatsächlich 20 Jahre depressiv gewesen sein willst, dann wäre deine Depression chronisch und nicht mal eben nach 2 Medikamenten geheilt!
Rene Kriest on January 11th, 2007 at 2:21 am #
Hallo Klaus! Danke für Deinen Kommentar. Ich denke, daß Du Monica mißverstanden hast. Gemeint ist, daß es Ihr mittlerweile, nach einer Odyssee durch die Therapie-Welt endlich wesentlich besser geht. Ihre Symptome sind gelindert und das gönne ich Ihr wie jedem anderen Depressiven von ganzem Herzen. Wie geht es Dir? Wie bist Du diagnostiziert worden? Grüße, René
Monica on January 11th, 2007 at 7:41 am #
Salü Klaus, Es hat etwa 8 Jahre gedauert, bis ich die richtige Medikation gefunden habe. Setze ich die Medis ab, rutsche ich wieder in die Depression ab. Ich werde sie wohl mein Leben lang nehmen müssen. Von Heilung also leider keine Spur – obwohl es mir gut geht. Es ist halt so, wie es meistens bei der Therapierung der Depression ist: Symptombekämpfung Liebe Grüsse
klaus on January 11th, 2007 at 9:12 am #
Kennt ihr das ADFD-Forum , ist eher gegen moderne AD (SSRI), auf Grund schlechter Erfahrungen, aber dennoch interessant, weil nicht bei jedem die Medikamente wirken
Rene Kriest on January 11th, 2007 at 10:43 am #
Hallo Klaus! Danke für den Link. Später werde ich dort hineinschauen und meine Meinung hier kundtun. Ich bin ganz klar pro Medikation. Ohne Paroxetin und Lamotrigin/Lamictal hätte ich mich schon längst umgebracht. Daß bedauerlicherweise die Medikamente nicht bei jedem gleichwirken, ist ein trauriger Befund. Ich stecke auch noch mitten in der Medikamenten-Odyssee. Doch ist es mir das wert. Seit ca. 15 Jahren habe ich zum ersten Mal wieder herzhaft gelacht und habe halbwegs stabile Tage. Grüße, René
Die 15 besten Artikel des Januars 2007 » depressionsblog.com on February 1st, 2007 at 7:22 am #
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